Die Wiedergeburt

1182 Words
Tick. Tack. Tick. Tack. Das Geräusch schnitt durch die Dunkelheit wie ein Knacken in der Realität. Aria schnappte nach Luft. Luft strömte so heftig in ihre Lungen, dass sie würgte. Ihre Hände flogen zu ihrer Brust. Für eine schreckliche Sekunde erwartete sie, Blut, Schmerz, Marmor zu spüren – Aber sie spürte nichts davon. Seidenlaken. Warmes Kerzenlicht. Der Duft von Rosen wehte durch den Raum. Sie setzte sich schnell und zitternd auf. Ihr Herz hämmerte, als sie ihren Bauch berührte. Glatte Haut. Keine Wunde. Kein Blut. Kein Verrat in ihren Körper eingeprägt. „Was…?“ flüsterte sie. Der Raum kam mir schmerzlich vertraut vor. Cremefarbene Wände, goldene Vorhänge, sorgfältig arrangierte Rosen auf einem Beistelltisch. Ihr Brautgemach. Die Nacht, in der sie Damian Cross heiratete. Ihr Atem beschleunigte sich. Sie warf die Decke beiseite und stolperte zum Spiegel. Ihre Beine wackelten, aber das Adrenalin trieb sie vorwärts. Sie blieb stehen. Ihr Spiegelbild raubte ihr direkt den Atem. Eine jüngere Aria starrte zurück – sanfte Gesichtszüge, strahlende Augen, unvernarbte Haut. Keine Erschöpfung. Keine Jahre stillen Leidens haben sich in ihren Blick eingebrannt. Ihre Hände zitterten, als sie ihre Wange berührte. „Ich bin… zweiundzwanzig“, hauchte sie. „Mein Hochzeitsalter…“ Ihre Kehle schnürte sich zu. Sie berührte ihre Lippen, ihr Haar, jede Bewegung zitterte vor Unglauben und aufkommendem Entsetzen. „Nein... das kann nicht-“ Aber der Raum sagte die Wahrheit. Das Brautkleid auf dem Bett. Die frischen Blumen. Die leise Musik von draußen. Die Feier wartete. Genau wie zuvor. Genau wie beim ersten Mal, als sie ins Elend geriet lächelnd. Aria taumelte zurück und ließ sich auf das Bett fallen. Ihre Brust hob sich in scharfen, hektischen Atemzügen. Erinnerungen schossen in sie hinein. Sophias Lächeln. ~ ~ Viviennes Verrat. ~ ~ Damians kalte Stimme: „Du hättest nie meine Frau sein sollen.“ hier. Lebendig. Wiedergeboren. Ihr Herzschlag beruhigte sich. Langsam. Absichtlich. Ihre Panik verschmolz zu etwas Schärferem, Kälterem, Stärkerem. Eine neue Aria nahm Gestalt an. Sie stand wieder auf und bewegte sich langsam zum Spiegel. Diesmal zitterte sie nicht. Diesmal machte ihr ihr Spiegelbild keine Angst. Ein bitteres Lächeln verzog sich um ihre Lippen. „Sie dachten, sie hätten mich gebrochen“, flüsterte sie. „Aber alles, was sie getan haben, war, mich zu schärfen.“ Sie drehte sich zu dem Kittel auf dem Bett um. Das Kleid, das einst Hoffnung symbolisierte ... und zu ihrem Begräbnistuch wurde. „Sie haben mich wie ein Schlachtlamm angezogen“, murmelte sie. „Aber dieses Mal bin ich derjenige, der das Messer hält.“ Ihr Verstand wurde geschärft wie eine Klinge. Sophia Lin – die Schlange mit dem Gesicht einer Freundin. Vivienne Carter – die Schwester, die sie seit ihrer Kindheit beneidete. Ihr Vater – der Mann, der sie wie ein Geschäft anbot. Damian Cross – der kalte CEO, der sie mit einem Satz zerstörte. Das letzte Mal betrat Aria ihre Welt blind. Dieses Mal nicht. Wenn sie lächeln müsste? Das würde sie. Wenn sie gehorsam spielen müsste? Gut. Wenn sie Damian glauben lassen müsste, dass sie ihn immer noch verehrt? Sie würde süß lächeln und ihn glauben lassen, dass er die Macht innehat. Aber hinter der Maske würde sie sie alle studieren. Jede Schwäche. Jedes Geheimnis. Jeder Winkel. Und wenn der Moment gekommen wäre, würde sie zuschlagen. Sie schaute noch einmal auf ihr Spiegelbild. Eine zweiundzwanzigjährige Braut mit der Seele eines Kriegers. „Ich bin Nicht hier, um zu überleben“, sagte sie leise. „Ich bin hier, um zu erobern.“ vielversprechend. „Damian Cross…“, flüsterte sie. Sie schloss die Tür. Und ging zum Spiegel, um ihr Make-up zu korrigieren. Minuten später. Die Tür schwang auf. Damian Cross trat ein – groß, breitschultrig, gekleidet in einen schwarzen Anzug, der aussah, als wäre er auf ihn geschnitzt. Seine Anwesenheit verschluckte den Raum mit einem Atemzug. Sein Blick wanderte einmal kalt und abschätzend über sie, bevor er die Tür schloss. Das Schloss klickte. In ihrem ersten Leben hatte sich dieses Geräusch wie ein Gefängnis angefühlt. Seine Braut sollte nicht so reden. Sie sollte zittern. „Deine Pflicht“, sagte er mit sanfter und gnadenloser Stimme, „ist zu warten.“ „Natürlich“, antwortete sie mit leichtem Ton. „Aber das Mindeste, was ein Bräutigam tun kann, ist, seine Braut zu begrüßen.“ Seine Augen wurden schmal. „Du sprichst anders, als ich erwartet hatte.“ „Vielleicht hast du mich nie gekannt“, sagte sie einfach. Er trat vor, die Luft um sie herum wurde enger. Damian Cross war ein Mann, der ganze Sitzungssäle mit Schweigen regierte. Er war es nicht gewohnt, herausgefordert zu werden. Schade. „Was willst du von dieser Ehe?“ fragte er. In ihrem früheren Leben hatte sie ein demütigendes Wort geflüstert. Liebe. Dieses Mal nicht. „Respekt“, sagte sie. „Ein Name. Schutz.“ Er beobachtete sie aufmerksam, undurchschaubar. Schließlich nickte er schwach. „Ehrlichkeit wird diese Vereinbarung einfach machen.“ Einfach. Sie hätte fast gelacht. Nichts vor ihr war einfach, nicht die Carters, nicht der Verrat, nicht die Fallen, die auf sie warteten. Sie folgte ihm mit verschränkten Armen in den Bankettsaal. In ihrem früheren Leben hatte sie sich an ihn geklammert; Jetzt ging sie stetig, ihr Kleid wehte wie eine Rüstung. Die Gäste flüsterten hinter ihren Champagnergläsern: „Armes Mädchen. Damian Cross ist furchterregend.“ Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken hinter ihnen. „Du hast deine Rolle gut gespielt“, sagte er. „Und du?“ Aria antwortete. „Habe ich an deinem Arm hübsch genug ausgesehen?“ Seine Brauen hoben sich. Noch nie hatte eine Frau so mit ihm gesprochen. „Scharfe Zunge“, murmelte er. „Seien Sie vorsichtig. Es schneidet.“ „Besser eine scharfe Zunge als eine stille.“ Er musterte sie mit verschränkten Armen und schwerem Blick. „Du bist nicht das, was ich erwartet habe.“ Sie ging zum Waschtisch und bürstete ihr Haar mit ruhigen, bedächtigen Bewegungen. „Erwartung führt zu Enttäuschung.“ Damian beobachtete sie durch den Spiegel und versuchte, die Veränderung zu verstehen, die er nicht benennen konnte. Sie war nicht sanftmütig. Sie hatte keine Angst. Sie bettelte nicht um seine Aufmerksamkeit. Sie war... kontrolliert. Gefährlich kontrolliert. „Du willst Bequemlichkeit“, sagte Aria leise. „Eine Frau, die sich benimmt, lächelt und keinen Ärger macht.“ „Und du?“ fragte er. „Ein Name. Schutz. Stabilität.“ Nicht Liebe. Nie wieder. Er hielt ihrem Blick stand, sein eigener war dunkel und unleserlich. Nach einem langen Moment zog er seine Jacke über seine Schulter. „Wenn das alles ist, dann ja – wir werden uns verstehen.“ zurück. Etwas flackerte – Verwirrung, Neugier, vielleicht Ärger. Dann schloss sich die Tür hinter ihm. Aria stand allein und starrte durch das Fenster auf die leuchtende Stadt hinaus. Die Lichter sahen heute Abend anders aus, nicht wie eine Falle, sondern wie ein Schlachtfeld. „Komm“, flüsterte sie. „Sophia. Vivienne. Carter-Familie. Sogar du, Damian Cross.“ Ihre Augen wurden hart. „Dieses Mal werde ich nicht derjenige sein, der blutet.“
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD