Die Türen des Ballsaals schwangen weit auf, und die Melodie des Orchesters verstummte, als würden die Streicher selbst den Neuankömmling erkennen. Gespräche gedämpft; Die Menge teilte sich wie eine Flut um einen Felsen. Eine Welle von Kamerablitzen folgte ihm. Aria drehte sich nicht sofort um. Sie ließ die Pause anhalten, bis das Flüstern ihr Ohr erreichte
Das ist er.
Endlich.
Kein Wunder, dass sie alleine kam...
Erst dann drehte sie sich um, ihr Gesichtsausdruck war eine heitere Maske.
Damians Blick schweifte durch den Raum, bevor er sich auf sie richtete. Ein subtiles Hochziehen einer Augenbraue, mehr nicht. Er näherte sich, jeder Schritt gemessen.
„Mrs. Cross“, sagte er, als er sie erreichte, mit so leiser Stimme, dass nur sie es hören konnte. „Du bist…pünktlich.“
Sie richtete ihr Glas auf ihn. „Jemand muss es sein.“ Ein schwaches Flackern huschte über seine Augen, Belustigung oder Verärgerung, das konnte sie nicht sagen. „Ich hatte ein Meeting.“
„Natürlich. Die Märkte warten auf niemanden“, antwortete sie mit einem sanften, scharfen Ton in ihrem seidigen Tonfall.
Ein Bankier in der Nähe unterdrückte ein Lachen. Damians Kiefer spannte sich ein wenig, aber seine Antwort war sanft. „Wie ich sehe, hast du Freunde gefunden.“
„Viele“, sagte Aria. „Sie sind charmant, wenn sie nicht fragen, wie ich den großen Damian Cross davon überzeugt habe, mich zu heiraten.“
„Und was sagst du ihnen?“ Dann neigte er den Kopf ein wenig. „Interessante Geschichte.“
„Es verkauft sich“, sagte sie leichthin, wandte sich wieder der nächsten Gruppe zu und entließ ihn mit einer anmutigen Schulterbewegung.
Das Orchester begann eine hellere Melodie. Damian blieb schweigend und mit scharfem Blick an ihrer Seite. Wenn der Raum eine öffentliche Zuneigungsbekundung erwartet hätte, würden sie enttäuscht gehen. Doch Aria spürte seine Anwesenheit wie ein Gewicht, stetig und berechnend.
Lass ihn zusehen, dachte sie und nippte an ihrem Champagner. Lass ihn sich fragen, wann der nächste Schritt kommen wird.
Ein zu süßer, zu lauter Duftstoß wehte vom Eingang herein.
Aria musste sich nicht umdrehen. Sie kannte diesen Duft so, wie ein Soldat das Geräusch einer alten Waffe kennt.
Vivienne Carter war angekommen.
Ihre Schwester kam herein wie der Headliner des Abends, jede Locke ihres glänzenden Haares schrie mich an. Auf ihrem Arm glitt Sophia Lin, die ehemalige beste Freundin, die zur hinterhältigen Mitverschwörerin wurde. Sie waren eine Kombination aus Glitzer und Gift.
Die Menge bewegte sich, begierig auf Klatsch und Tratsch. Damians Augen verengten sich, aber er schwieg.
Vivienne entdeckte Aria und strahlte ein Lächeln auf, das hell genug war, um einen Heiligen zu blenden. „Ariaaa!“ Sie sang, ihre Stimme triefte von Honig und Zyanid. „Was für eine Überraschung. Ich hatte nicht erwartet, dich hier zu sehen … so kurz nach allem.“ Aria hob ihr Glas zum trägen Gruß. „Vivienne. Sophia. Was für ein… Paar.“
Sophia kicherte, ein hoher, kleiner Ton. „Wir haben gerade gesagt, wie mutig es für dich war, ohne Begleitung zu kommen. Aber andererseits warst du schon immer unabhängig.“
Arias Lächeln zuckte nicht. „Stimmt. Unabhängigkeit erspart mir unnötiges Gepäck.“
Ein paar Gäste verschluckten sich an ihren Getränken. Damians Mund zuckte, als würde er ein Grinsen verbergen. Viviennes Augen blitzten, bevor sie sich in geübte Wärme verwandelten. „Du hattest immer so einen ... einzigartigen Sinn für Humor.“
„Ich nenne es Überlebensfähigkeiten“, sagte Aria leichthin. „Du solltest es mal ausprobieren.“
Vivienne beugte sich vor, ihre Stimme war leise, aber nicht leise genug. „Immer noch die gleiche Aria. Immer ein wenig dramatisch.“
Aria legte den Kopf schief. „Komisch, was du sagst, Vivienne. Als ich nachgeschaut habe, hast du das Drama zu deinem Vollzeithobby gemacht.“
Der Banker von vorhin hustete, um ein Lachen zu unterdrücken. Jemand in der Nähe des Desserttisches flüsterte: „Hast du das gehört?“ Vivienne probierte eine neue Taktik und trat näher. „Weißt du, liebe Schwester, du hättest etwas Helleres tragen können. Diese Veranstaltung soll das Leben feiern, nicht… Beerdigungen.“ Aria warf einen Blick auf ihr elegantes schwarzes Kleid und blickte dann wieder auf. „Oh, aber Schwarz ist perfekt. Es verbirgt Blutflecken.“
Der kleine Kreis um sie herum brach in erschrockenes Lachen aus. Sogar Damians Augen funkelten mit einem Funken Belustigung. Viviennes Lächeln wackelte. „Du bist immer noch voller kleiner Drohungen.“
„Keine Drohungen“, sagte Aria leise. „Nur Lehren aus der Vergangenheit.“
Für eine Sekunde drängte sich eine tiefe, aufgeladene Stille. Dann erschien ein Kellner wie ein zufälliger Schiedsrichter und bot ein Tablett mit Sekt an. Aria nahm eins und reichte es Vivienne mit vollkommener Anmut.
„Trinken?“ sie fragte. „Du siehst aus, als ob du es brauchst.“
Vivienne akzeptierte, die Finger fest um das Glas geschlungen. Sophia murmelte etwas über „Untermischen“ und zerrte ihre Freundin zur Tanzfläche.
Sie gingen in einem Wirbel aus Glitzer, gefolgt von Flüstern wie Konfetti.
Aria atmete langsam aus und drehte sich dann wieder zu Damian um. Er beobachtete sie wieder mit diesem unleserlichen Blick, der mehr sah, als er zugab.
„Das hast du gut gemeistert“, sagte er schließlich.
„Ich habe Übung gehabt“, antwortete sie. „Familienessen sind ein ausgezeichnetes Training.“
Er hätte fast gelächelt. Fast.
Das Orchester begann eine lebhaftere Melodie. Um sie herum erwachte die Party tosend wieder zum Leben, aber die Wellen von Arias Worten blieben wie ein Geheimnis, das niemand ganz loswerden konnte. Champagnerflöten wurden geleert, das Gelächter wurde leiser und das Orchester begann einen langsamen Walzer für die letzte Gruppe Tänzer.
Aria blieb am Rande des Ballsaals, ruhig wie ein mondbeschienener See. Damian blieb neben ihr, die Hände in den Taschen, das Bild der Kontrolle.
„Du hast Eindruck gemacht“, sagte er schließlich.
„Gut“, antwortete sie. „Sie sollten sich an heute Abend erinnern.“
„Sie werden sich an das schwarze Kleid erinnern. Und daran, wie du deine Schwester mit einem Lächeln ausgeweidet hast.“
Arias Lippen verzogen sich. „Familienzusammenhalt.“ Damian schnaubte kurz, halb lachte, halb ungläubig. „Erinnere mich daran, niemals auf deine schlechte Seite zu geraten.“
„Bemerkt“, sagte sie und neigte ihr Glas, sodass das Licht am Rand blinkte. „Aber wir sind verheiratet. Du bist schon da.“ „Touché.“ Auf der anderen Seite des Raumes schwebten Vivienne und Sophia in der Nähe des Ausgangs, immer noch mit einem gezwungenen Lächeln. Aria erwischte Sophia dabei, wie sie verstohlen zurückblickte und hinter den falschen Wimpern Besorgnis aufflackerte.
Gut, dachte Aria. Bleiben Sie nervös.
Peter, Damians Fahrer, erschien an der Tür und nickte diskret. Zeit zu gehen.
Die Heimfahrt verlief ruhig, bis auf das leise Brummen des Motors und den leisen Stadtlärm durch die Glasscheiben. Damian brach endlich das Schweigen.
„Du hast den heutigen Abend genossen.“
„Das habe ich“, gab Aria zu. „Es ist erfrischend, in einem Raum voller Lügner die Wahrheit zu sagen.“
Er betrachtete ihr Profil, während das vorbeiziehende Neonlicht ihr Gesicht in Blau tauchte. „Wahrheit oder Strategie?“
Aria antwortete nicht. Lassen Sie ihn sich wundern.
Im Cross-Penthouse hielt Damian die Tür fest, als sie eintrat.
„Gute Nacht, Mrs. Cross“, sagte er mit ruhiger Stimme.
Sie blieb auf der Marmorschwelle stehen und blickte ihm in die Augen. „Gute Nacht, Mr. Cross. Versuchen Sie, mich das nächste Mal nicht zu unterschätzen.“
Seine Brauen hoben sich ein wenig. „Notiert.“
Aria stieg die Treppe hinauf, ohne sich umzusehen, das Klicken ihrer Absätze hallte wie ein leiser Siegesmarsch wider.
Oben schlüpfte sie aus dem schwarzen Kleid und stellte sich an das breite Fenster. Die Stadt unten glitzerte lebendig und endlos. In ihrem früheren Leben hatte dieser Anblick ihr das Gefühl gegeben, klein zu sein. Jetzt fühlte es sich an wie ein Brett, das auf ihren nächsten Zug wartete. Sie dachte an Viviennes schmales Lächeln, Sophias flüchtigen Blick, Damians flüchtiges Grinsen. Figuren auf einem Schachbrett, jede bereit, verschoben, in die Enge getrieben und genommen zu werden.
Ihr Spiegelbild im Glas blickte ruhig und scharf zurück. „Runde zwei“, flüsterte sie, „beginnt morgen.“