Der Vormittag verging sehr schnell und es verlief ziemlich harmonisch. Miranda, Misha und Riley erzählten von den Ferien und ich war die Zuhörerin. Ich könnte sowieso nur von meinem Job erzählen, was langweilig war.
In der Mittagspause saßen wir am selben Tisch, wie letztes Jahr. Nur wir vier Mädels, da die Jungs ihren eigenen Freundeskreis hatten.
Es ging einfach wieder um die dämlichen Ferien und ich ließ sie reden. Ich hörte so halb zu und befasste mich mit meinem Essen. Der Gemüsereis schmeckte eigentlich gut, leider hatte ich kaum Hunger. Ich stocherte mehr im Essen herum, als wirklich was zu essen.
Eine Erbse hatte meine volle Aufmerksamkeit, als Miranda sagte: "Mia, erzähl mal von deinen Ferien. Du warst bis jetzt so still."
Nein, danke.
Alle drei sahen mich fragend an, dabei hatte sich seit dem Morgen niemand für mich interessiert. Ausgerechnet beim schlimmsten Thema wurden sie neugierig.
Ich räusperte mich und antwortete: "Nicht wirklich was Spannendes. Ich hatte viel zu tun."
Hoffentlich ließ man mich vom Haken.
Misha meinte: "Stimmt, du hast einen Job." Das Wort Job sagte sie als wäre es das Schlimmste überhaupt. Riley sah mittlerweile gelangweilt ihre Nägel an. Fraglich, welche Reaktion besser war.
Miranda lächelte und meinte: "Ja, du Ärmste." Alleine schon ihr Blick und dann ihre Tonlage. Sie empfand absolut kein Mitleid.
Ich zuckte mit den Schultern. "Halb so schlimm." Sie fasste sich an Herz. "Nein, du bist tapfer. Ich weiß nicht, ob ich das so locker nehmen könnte. Das ist furchtbar."
Riley mischte mit: "Alleine schon wegen der Schürze." Sie unterstrich es in dem sie die Augen verdrehte. Misha schenkte mir ein leichtes Lächeln und deshalb wurde ich skeptisch. Sie merkte an: "Wenigstens ist das Diner ein netter Laden."
Wow, das war ein netter Kommentar. Ich erwiderte ihr Lächeln und konnte nur hoffen das kein Nachschlag kam.
Aber Miranda sagte schon: "Ja, die Schürze tut niemanden einen Gefallen. Nicht mal, wenn man sie zu einem Schneider bringen würde." Miranda musste das natürlich nochmal anmerken, damit auch ja alle daran erinnert wurden. Niemand sollte es wagen das zu vergessen.
Ich hielt meine Klappe und konzentrierte mich auf mein Essen. Schweigen war manchmal die beste Lösung.
Leider kam James an unseren Tisch und nickte Miranda zu. "Hi Baby." Sie lächelte ihn breit an, stand auf und fiel ihm praktisch um den Hals. Wie ich es hasste, wenn sie derart übertrieb. Ich sah schnell weg, aber mir war klar, dass sie sich küssten.
Das Spektakel würde eine Weile dauern. Sie zogen es immer ewig in die Länge. Am besten in aller Öffentlichkeit.
Plötzlich fiel mir eine gute Ausrede ein, um von hier verschwinden zu können. Ich hatte nämlich dringend frische Luft nötig.
Meine Handy hatte ich schnell aus meiner Tasche geholt und zögerte nicht zu sagen: "Sorry, mich ruft mein Dad an. Ich gehe kurz raus." Ich wartete keine Antwort ab und stand auf. Meine Tasche nahm ich mit, dann musste ich nachher nicht nochmal reinkommen.
Schnellen Schrittes verließ ich die Mensa. Da die meisten bereits saßen, hatte ich den Raum bald verlassen.
Ich nahm den ersten Ausgang, weil ich einfach raus wollte. Neben der Tür lehnte ich mich an die Wand und holte tief Luft.
Einen Moment brauchte ich, um mich zu sammeln.
Mein Handy hielt ich in der Hand und entsperrte es. Ein paar Leute waren am Schulhof, weshalb ich besser wirklich telefonieren sollte. Oder zumindest so tun sollte als ob.
Ich öffnete mein Telefonbuch, da hörte ich eine männliche Stimme: "Na, wen haben wir denn da?" Nicht ernsthaft ausgerechnet der Typ. Genervt sah ich in die Richtung aus der die Stimme kam. Genauso genervt antwortete ich: "Jack, lass mich in Ruhe."
Mein Leben war schwer genug, da brauchte ich von ihm keinen dummen Kommentar. Er grinste mich frech an und ich konnte nicht leugnen, wie gut er aussah. Die grünen Augen fingen mich ein und waren wie Magneten.
"Immer noch eine kleine Raubkatze. Ich liebe es." Es war wie ein Reflex meine Augen zu verdrehen. "Raubkatze? Ist das dein Ernst?"
"Kätzchen, du solltest etwas netter zu deinen Mitmenschen sein." Jack lehnte sich seitlich neben mich an die Wand. Scheinbar war das Gespräch für ihn noch lange nicht beendet.
Mit einem Kopfschütteln widmete ich mich meinem Handy.
"Wie waren die Ferien?"
So schnell gab er scheinbar nicht auf. Nur sollte er sich keine Antwort erwarten. Schon gar nicht bei diesem Thema.
Ich suchte meinen Dad im Telefonbuch raus. Er war meine einzige Option, ansonsten konnte ich niemanden anrufen. Dann musste es eben er sein.
"Liegt es an mir? Bist du nur zu mir so unhöflich?" Jack seufzte, womit er meine Aufmerksamkeit erlangte. Tatsächlich wirkte es so als würde ihn das stören. Unschuldig fragte ich: "Und warum stört dich das?"
"Die bessere Frage wäre, warum nicht?"
Das war jetzt nicht sein Ernst.
Ich wollte ihn anfahren, aber Jack kam mir zuvor: "Eigentlich bist du wirklich unhöflich. Habe ich dir je etwas getan?"
Ich drückte mich von der Wand ab und wollte reingehen, aber Jack hielt mich am Handgelenk fest. Sofort drehte ich mich zu ihm und funkelte ihn wütend an. "Jack, was soll das?"
Ich hätte ihm ja mein Handgelenk entreißen und davon laufen können, nur war es fraglich wohin ich sollte. Eigentlich war ich ja mit Absicht hier draußen. Eine Flucht ins Gebäude wäre dumm.
Trotzdem riss ein Faden in mir, weshalb ich sagte: "Jack, lass mich endlich in Ruhe. Hör auf mich zu nerven oder anzubaggern. Wir müssen das dieses Jahr nicht wiederholen. Du jagst sowieso nur Jungfrauen, damit kann ich nicht mehr dienen."
Das war gelogen, ich hatte nie mit James geschlafen. Aber damit würde ich hoffentlich Jack los werden.
Er ließ mein Handgelenk fallen und meinte: "Keine Sorge, das weiß bereits die gesamte Schule." Obwohl er mich los gelassen hatte, blieb ich am selben Fleck stehen. Der Satz hatte mich irritiert, so sah ich scheinbar aus, denn Jack erklärte: "Deine beste Freundin hat es allen erzählt."
Verwirrt hob ich eine Augenbraue. "Was hat sie erzählt?"
Was hatte Miranda getan? Das Miststück hatte mir hoffentlich nicht noch mehr angetan.
Jack lachte leise und antwortete: "Das du James betrogen hast."