Kapitel 4

1384 Words
Bitte was?! Das ich James betrogen hatte? Ich hatte ihn nie betrogen, einfach nie. Ich war stets treu, wenn ich einen Freund hatte, dann interessierten mich andere Männer kein bisschen. Miranda konnte das unmöglich getan haben. Wie konnte man so etwas jemand anderen antun? Ich war ihre beste Freundin. Ok, eigentlich nicht. Ich durfte bereits feststellen, wie falsch diese Frau war. Entsetzt fragte ich: "Was?" Mehr kam nicht aus meinem Mund. Mein Hirn war wie leer gefegt. Damit hatte das Biest dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Mein Entsetzen schlug schnell in Wut um. "Dieses verlogene Miststück. Ich bringe sie um." Mit diesen Worten drehte ich mich um und wollte gehen, aber Jack fing zu lachen an. Ich blieb wie angewurzelt stehen, denn das konnte nur eines bedeuten. Er hatte mich verarscht. Der Idiot liebte es immer noch mich zu ärgern. Diesmal war es zu viel gewesen. Das war weit von witzig entfernt. Wütend wandte ich mich nochmal ihm zu. "Du bist ein verdammtes Arschloch, Jack. Das ist nicht witzig." Ich hatte den starken innerlichen Drang ihn zu schlagen, aber ich konnte es halten. Dafür war ich zu gut erzogen worden und Gewalt war keine Lösung. Jack antwortete: "Für dich vielleicht nicht, aber für mich. Und der lustige Pluspunkt, das du das deiner besten Freundin zutrauen würdest. Deinem Gesichtsausdruck nach hast du mir sofort geglaubt und es keine Sekunde angezweifelt." Er lachte wieder und ich wollte ihm den Hals umdrehen. Wie konnte man so sein? Was hatte er davon? "Was stimmt nicht mit dir? Das ist alles andere als lustig. Mit so etwas könntest du eine Freundschaft zerstören." Ich wollte gehen, mittlerweile das dritte Mal. Aber Jack meinte: "Fraglich, ob es eine Freundschaft ist, wenn man jemanden so etwas zutraut." "Was? Wolltest du es damit herausfinden, wie echt meine Freundschaft zu Miranda ist?" Er lachte leise und antwortete: "Eigentlich wollte ich dich darauf hinweisen und du hast gelogen. Lügen gehören bestraft." Warum unterhielt ich mich überhaupt mit ihm? Der Typ hatte ein Talent dafür, das man zwar abhauen wollte, aber es am Ende nie tat. Wenn ich darüber nachdachte, dann war das schon immer so gewesen. Im Grunde machte das Jack noch nerviger. Verdammter Mistkerl. Der Profi erkannte, dass ich Fluchtgedanken hegte und merkte an: "James ist das eigentliche Arschloch, der hätte damit angegeben, wenn er mit dir geschlafen hätte. Ich bewundere seine Ausdauer, ihr seid lange zusammen gewesen." "Jack, ich hole dich jetzt in die Realität, das muss mal jemand machen. Du hast es offensichtlich nötig. Mein Leben geht dich einen Dreck an. Lass mich verdammt nochmal in Ruhe." Diesmal schaffte ich es und eilte zur Tür. Endlich hatte ich es geschafft. Jack sagte noch: "Kätzchen, viel Spaß mit deinen Freunden." Das Wort Freunden betonte er extra. Mein Herz tat noch mehr weh. Die ständige Erinnerung was ich Alles verloren hatte. Ich betrat die Schule und beeilte mich in eine der Toiletten zu gelangen. Dort hatte ich meine Ruhe und konnte alleine sein, etwas das ich gerade brauchte. Ich sperrte mich in eine der Kabinen ein, sich zu verstecken war feige, trotzdem tat ich es. Eigentlich hatte ich bewiesen bekommen, dass diese Leute gar nicht meine Freunde waren. Wieso tat ich mir das weiterhin an? Fraglich, einfach nur fraglich. Ich sollte mein gesamtes Leben in Frage stellen. Diesmal konnte ich es nicht mehr halten und fing zu weinen an. Ich klappte den Toilettendeckel runter, setzte mich darauf und zog meine Knie an mich. Wenigstens war sonst niemand anwesend. Hier konnte ich ungestört heulen und es rauslassen. Die Unterhaltung mit Mister Badboy hatte es kein bisschen besser gemacht. Trotzdem konnte ich schlecht ewig heulen, die Mittagspause war bald vorbei. Ich musste mich zusammenreißen und die Tränen versiegen lassen. Ich wollte nicht, das man erkannte, dass ich überhaupt geheult hatte. Ich holte ein paar Mal tief Luft, um mich einigermaßen zu beruhigen. Plötzlich hörte ich die Toilettentür und wurde deshalb still. Ich hörte Schritte und kurz darauf eine bekannte Stimme: "Ich finde es trotzdem falsch." "Ja, ich weiß. Aber du kennst Miranda. Wir können nichts tun." Das waren die Stimmen von Misha und Riley. Ich wagte es gerade noch zu atmen. Lauschen war zwar unhöflich, aber was sollte ich auf Höflichkeiten achten, wenn ich so behandelt wurde. Außerdem könnte das ein interessantes Gespräch werden. Misha seufzte: "Wir sind mit Mia solange befreundet und jetzt sollen wir schlecht mit ihr umgehen? Genau jetzt, wenn sie uns am meisten brauchen würde?" Riley antwortete gereizt: "Misha, reiß dich zusammen. Du weißt was auf dem Spiel steht." Es kam eine wütende Antwort: "Du meinst was für dich auf dem Spiel steht." Kurze Ruhe und meine Neugier wuchs. Scheinbar steckte Miranda hinter dem, dass ich von Misha und Riley gemieden wurde. Da war ich gespannt. Meine Atmung war ganz ruhig und ich bewegte mich keinen Millimeter. Eigentlich dumm von ihnen, das sie nicht nachgesehen hatten, ob eine Kabine besetzt war. Allerdings spielte das mir gut in die Hände. Riley sagte verzweifelt: "Misha, bitte." "Es war dein Fehler. Soll Mia auch noch dafür zahlen?" Sie klang sauer und kurz darauf hörte man die Tür. Es dauerte nicht lange und man hörte nochmal die Tür. Langsam und leise stand ich auf. Ich sollte besser abchecken, ob ich wirklich alleine war. Ich spähte aus der Kabine und es war wirklich niemand mehr anwesend. Sehr gut. In dem Moment fing mein Handy zu vibrieren an, weshalb ich fast aufgeschrien hätte. Das Teil hatte mich erschreckt. Ich holte es aus meiner Tasche und sah darauf. Das war Misha. Was zur Hölle wollte sie? Klar, dem Gespräch nach war sie unfreiwillig abweisend zu mir. Aber das bedeutete nicht das ihr Verhalten sich ändern würde. Den Anruf ignorierte ich stolz, darauf hatte ich keine Lust. Seufzend verließ ich die Toilette und machte mich auf den Weg in den nächsten Klassenraum. Noch war niemand hier, also hatte ich für ein paar Minuten meine Ruhe. Ich setzte mich in die letzte Reihe und packte mein Zeug aus. Die Unterlagen für diese Stunde und einen Stift. Ich sah nochmal auf mein Handy, irgendwie musste ich die Zeit totschlagen. Es war eine Nachricht von meinem Dad gekommen. "Tut mir leid, dass ich mich erst spät melde. Aber ich wollte dir viel Glück an deinem ersten Schultag wünschen. Hab dich lieb, Kleines." Die Nachricht ließ mich lächeln. Das war lieb von ihm und es freute mich. Ich dankte ihm und fügte ein Herz hinzu. Ich spielte danach ein Spiel auf meinem Handy, bis die ersten Leute in den Raum kamen. So hatte ich die Zeit gut rumgebracht und freute mich darauf, wenn die Stunde anfing. Während der Stunden konnte ich mich auf den Unterricht konzentrieren und musste nicht an das restliche Chaos in meinem Leben denken. Die Mädels kamen, aber ich sah sie nur kurz an. Miranda setzte sich auf den Stuhl neben mich. "Hey Mia. Wo warst du?" "Telefonieren." Mehr antwortete ich nicht und betete das der Lehrer bald kommen würde. Misha und Riley setzten sich auf die Bank vor uns, wobei sie mich ignorierten. Ihr Gespräch beschäftigte mich. Vermutlich erpresste Miranda die beiden. Aber mit was? Die noch größere Frage war, warum meine beste Freundin mir das antat. Ich hatte ihr nie was getan. Ich war eine loyale Freundin und redete nie schlecht über sie. Das konnte man von den wenigstens behaupten. Die meisten Frauen waren die reinsten Tratschmäuler. "Mit wem?" Die Frage kam von Miranda und ich log: "Meinem Dad. Mit wem sonst?" Unschuldig sah ich sie an und sie nickte. Die Lüge hatte sie mir abgekauft und es klang durchaus logisch. "Trotzdem warst du lange weg." Ich zuckte mit den Schultern, damit hatte ich das Thema beendet. Sie fragte noch: "Kommst du nach der Schule mit zu mir? Misha und Riley sind auch dabei." Ihr dürfte klar sein, dass ich arbeiten musste. Das Biest nutzte wirklich jede Gelegenheit, um mich darauf hinzuweisen, wo ich mittlerweile war. "Sorry, ich muss arbeiten." Miranda tat als wäre ihr das gerade erst eingefallen. Sie schlug sich eine Hand auf die Stirn. "Stimmt, du musst arbeiten." Endlich kam der Lehrer herein und ich war erlöst von einer weiteren Unterhaltung. Die aktuelle Stunde war Mathe und ich freute mich tatsächlich darauf. Es wurde ständig absurder in meinem Leben. Dieses Fach hatte ich gehasst und nun freute ich mich darauf. Ich war ein anderer Mensch geworden.
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