Die Ruhe vor dem Sturm
Marina betrat die elegante Lobby von Titan Global, ihre Absätze klickten leise auf dem Marmorboden. Sie richtete ihr Sakko und atmete tief durch. Heute sollte wie jeder andere Tag sein. Sie würde Kunden begrüßen, E-Mails beantworten und dafür sorgen, dass das Büro reibungslos lief. Doch etwas fühlte sich anders an.
Sie arbeitete seit drei Jahren bei Titan Global und hatte Dutzende von Führungskräften kommen und gehen sehen. Nichts hätte sie auf den heutigen Tag vorbereiten können.
Die Glastüren öffneten sich, und drei Männer traten ein. Sie kamen nicht zusammen herein, sondern nacheinander, doch jede Präsenz war wie eine Welle, die über sie hinwegrollte.
Der erste Mann war groß und breit gebaut, mit dunklem Haar und scharfen Augen, die alles im Raum zu messen schienen. Seine Aura war stark und beherrschend, die Art von Präsenz, die Menschen ohne Worte gehorchen ließ.
Der zweite Mann hatte ein selbstbewusstes Lächeln und eine Energie, die die Luft knistern ließ. Er bewegte sich, als würde ihm jeder Zentimeter des Raumes gehören, doch in seinen Augen lag ein verspielter Glanz, als genösse er das Chaos, das er verursachen konnte.
Der dritte Mann war jünger, aber nicht weniger einschüchternd. Seine Präsenz war roh und unmittelbar, ein Feuer, das ihren Magen auf eine Weise verdrehte, die sie nicht mochte oder verstand.
Marina erstarrte.
Ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand aufholen konnte. Ein Ziehen tief in ihrer Brust, ihre Haut prickelte, ihr Herz schlug schneller. Sie hatte so etwas schon einmal gespürt, aber nie so stark. Nicht seit Jahren.
Nein, nie zuvor.
Sie machte einen kleinen Schritt zurück und versteckte sich hinter dem Empfangstresen. Sie zwang sich zu einem höflichen Lächeln.
„Guten Morgen“, sagte sie. Ihre Stimme klang für andere normal, aber innerlich trug sie eine Vibration, die die Männer fast innehalten ließ. Fast.
Der Größte trat als Erster vor. „Du musst Marina sein“, sagte er. Seine Stimme war ruhig, aber befehlend, und sie spürte, wie sie in ihrer Brust widerhallte. „Ich bin Dominic Grey. Ich werde die Ostküsten-Operationen leiten.“
„I… ja, ich bin Marina“, antwortete sie und verbeugte sich leicht. Sie spürte, wie ihr Hals sich zuschnürte. Worte zu sagen fiel ihr schwerer als sonst.
Der Mann mit dem verspielten Glanz in den Augen lächelte sie an. „Ich bin Asher Kane. Ich bin für die Technik zuständig. Ich habe gehört, dass Sie Ihre Arbeit sehr gut machen.“ Er lehnte sich lässig auf den Tresen, und sie spürte, wie etwas tief in ihr zu regieren begann.
Der Jüngste der drei trat als Nächster vor, seine dunkle Haut schimmerte unter den Lobbylichtern. „Rafael Torres“, sagte er. „Medien und Kommunikation. Normalerweise mag ich es nicht, wenn Assistenten mehr wissen als ich, aber ich habe das Gefühl, dass Sie das ändern werden.“
Marinas Kopf raste. Sie hatte schon mächtige Männer getroffen, aber niemanden wie diese. Niemanden, der sie so bloßgestellt fühlen ließ, obwohl sie vollständig bekleidet hinter einem Schreibtisch stand.
„Willkommen bei Titan Global“, sagte sie, ihre Stimme ruhig haltend. „Wenn Sie mir folgen, kann ich Ihnen Ihre Büros zeigen und alles einrichten.“
Während sie ging, spürte sie Blicke auf sich. Drei Paare, jedes brennend vor Intensität. Sie hielt den Rücken gerade und konzentrierte sich darauf, ihnen nicht ihre Angst zu zeigen. Sie hatte sich dafür trainiert. Sie musste.
Als sie im Konferenzraum Platz genommen hatten, zog Marina den vorbereiteten Zeitplan heraus. „Hier ist die Tagesordnung“, sagte sie und schob das Blatt über den Tisch. „Wir haben Meetings mit Kunden, dann eine Firmenführung, und später—“ Sie stoppte mitten im Satz. Etwas in ihr ließ sie innehalten.
Dominic sah sie scharf an. „Etwas stimmt nicht?“
„Nein, nein, alles in Ordnung“, sagte sie schnell. Aber ihre Stimme trug einen Ton, den sie nicht verbergen konnte. Ein kleiner, musikalischer Schimmer, der die drei Männer anspannte.
Asher zog eine Augenbraue hoch. „Interessant“, sagte er lächelnd. „Sie haben eine sehr… ungewöhnliche Energie. Die meisten Assistenten sind langweilig. Sie sind definitiv nicht langweilig.“
Rafael lehnte sich vor. „Was meinen Sie mit ungewöhnlicher Energie?“ Seine Stimme war tief, gefährlich, sodass ihre Haut erschauerte.
Marina zwang sich zu einem Lächeln. „Ich bin einfach… effizient“, sagte sie. Ihre Finger juckten nach Kontrolle, ihre Sireneninstinkte flüsterten an den Rändern ihres Bewusstseins. Sie unterdrückte das Gefühl und konzentrierte sich auf ihr Klemmbrett.
Die drei Männer tauschten Blicke, jeder spürte etwas an ihr, das er nicht erklären konnte. Dominics Augen verengten sich, kalkulierend. Ashers Grinsen verbreiterte sich, amüsiert und neugierig. Rafaels Kiefer spannte sich, sowohl Verlangen als auch Irritation sichtbar.
„Sie arbeiten schon lange hier?“ fragte Dominic.
„Drei Jahre“, antwortete sie. „Ich kenne das Unternehmen gut und kann dafür sorgen, dass der Übergang reibungslos verläuft.“
Asher lachte. „Übergang? Das klingt einfach, aber ich habe das Gefühl, es wird nicht einfach.“
Marina schluckte schwer. Sie hatte gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem das Unternehmen übernommen wird. Sie hatte mit einem normalen CEO oder vielleicht einer kleineren Firma gerechnet. Aber drei Männer—drei rivalisierende Milliardäre—war nicht das, was sie sich vorgestellt hatte. Und instinktiv wusste sie, dass sie gefährlich waren. Gefährlicher als alles, dem sie zuvor begegnet war.
Der Rest des Morgens verging wie in einem Wirbel aus Vorstellungen und Zeitplänen. Marina beantwortete Fragen und führte sie durch die Büros. Jeder Schritt, jedes Wort ließ das Ziehen stärker werden. Ihre Kräfte, immer unterdrückt, erwachten, und sie hatte keine Kontrolle.
Beim Mittagessen saßen sie zusammen im privaten Speisesaal. Asher lehnte sich zurück und beobachtete sie. „Sie reden nicht viel, Marina. Das gefällt mir. Da ist Geheimnis. Gefährliches Geheimnis.“
Marina spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. „Ich… konzentriere mich nur auf meine Arbeit“, sagte sie leise.
Rafael schmunzelte. „Sie verbergen etwas“, sagte er einfach. „Ich kann es spüren. Etwas an Ihnen ist… nicht normal.“
Dominic sprach nicht, studierte sie nur. Er bewegte seine Hand über den Tisch, und für einen Moment fühlte sie, wie ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand ihn stoppen konnte. Eine Warnung, eine Anerkennung, etwas Tiefes.
Marinas Puls beschleunigte sich. Sie wollte rennen, sich verstecken, entkommen. Aber sie konnte nicht. Etwas an diesen drei Männern… etwas an der Anziehung zwischen ihnen und ihr, machte es unmöglich.
Als das Mittagessen endete, zitterte Marina innerlich. Sie hatte ihre Kräfte 26 Jahre lang verborgen, aber bei diesen dreien wusste sie, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie entdeckt würden.
Der Tag endete damit, dass sie in ihre Büros gingen. Marina verließ den Konferenzraum als Letzte, ihr Kopf wirbelte. Sie musste vorsichtig sein. Zu vorsichtig.
Aber ein Teil von ihr wusste, dass sich ihr Leben von dem Moment an, als sie die Lobby betrat, für immer verändert hatte.
Sie hatte Pflegefamilien, Jäger und eine Welt überlebt, die sie töten würde, wenn sie ihr Geheimnis erfuhren. Aber die drei Männer, die jetzt ihr Schicksal in der Hand hielten… sie waren etwas völlig anderes.
Und sie hatte keine Ahnung, wie viel Gefahr und Verlangen sie in ihr Leben bringen würden.