Sie kam ins Büro und fühlte sich angespannt. Die Bindung zu den drei Männern pulsierte stärker denn je. Jeder Blick von Dominic, Asher und Rafael ließ ihre Brust sich zusammenziehen und ihre Haut prickeln. Sie versuchte, normal zu wirken, aber sie wusste, dass die Bindung es nicht zulassen würde.
Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und versuchte, sich auf die Berichte zu konzentrieren. Ihre Finger schwebten über der Tastatur, doch sie konnte die drei spüren, selbst wenn sie weit weg waren. Es war unmöglich, aber unbestreitbar.
Dominic erschien zuerst. „Marina, wir müssen die Zahlen für die Ostküste noch einmal durchgehen“, sagte er ruhig.
„Ja, Sir“, antwortete sie und versuchte, ihre Stimme ruhig zu halten. Sie bemerkte, wie ihr Hals wieder kribbelte, ein leises Summen von Magie knapp unter der Oberfläche.
Asher erschien in der Tür mit einem spielerischen Lächeln. „Egal, ob ernsthaft oder nicht, du wirkst angespannt“, sagte er. „Du kannst nichts vor uns verbergen, Marina.“
„Ich bin nur konzentriert“, antwortete sie leise.
„Du versteckst etwas“, sagte Rafael, tief und gefährlich, trat näher. „Ich kann es spüren. Deine Kraft. Deine Angst. Du kannst mich nicht anlügen.“
Marina presste die Hände vor den Mund, um keinen Laut von sich zu geben. Ihre Sirenen-Magie regte sich in ihr, reagierte auf die Bindung. Sie hatte sie ihr ganzes Leben verborgen. Jetzt konnte sie es sich nicht leisten, sie zu zeigen.
Dominic lehnte sich auf die Kante ihres Schreibtisches. „Wir brauchen nicht, dass du uns alles sofort erzählst. Aber Verstecken wird dich nicht schützen.“
„Ich weiß“, flüsterte Marina. „Aber so ist es sicherer.“
Asher kicherte leise. „Sicherer ist eine Illusion. Du bist mit uns verbunden. Wir spüren dich. Die Kraft in dir ist zu stark, um sie zu verbergen.“
Rafael streifte eine Haarsträhne von ihrem Gesicht. „Du musst nicht allein dagegen kämpfen, Marina. Wir sind hier.“
Sie sah sie an und spürte, wie ihre Brust sich zusammenzog. Sie wollte ihnen vertrauen, aber Angst hielt sie zurück. Jäger hatten ihre Mutter getötet. Die Welt wollte, dass Sirenen aussterben. Wenn jemand entdeckte, wer sie war, würde sie sterben.
„Ich… ich kann euch nicht alles erzählen“, flüsterte sie.
„Du musst es nicht“, sagte Dominic ruhig. „Aber du musst uns erlauben, dir zu helfen.“
„Deine Kräfte sind jetzt mit uns verbunden“, sagte Asher leise. „Jedes Mal, wenn du versuchst, sie zu verstecken, zieht die Bindung stärker. Du kannst nicht dagegen kämpfen.“
Marina schloss die Augen. Sie konnte sie in ihren Knochen spüren. Die Bindung war unbestreitbar. Sie wollte kämpfen, sie kontrollieren, aber das Ziehen war zu stark.
Während des Mittagessens ging sie zum Pausenraum, um allein zu sein. Sie lehnte sich über das Waschbecken und versuchte, ihren Atem zu beruhigen. Ihre Hände zitterten. Die Bindung war wie Feuer in ihrer Brust.
„Du kannst es nicht ewig verbergen“, ertönte Ashers Stimme hinter ihr.
„Ich weiß“, flüsterte sie. „Ich versuche es.“
„Du bist mit drei mächtigen Männern verbunden“, sagte Rafael, tief und gefährlich. „Die Bindung will anerkannt werden. Sie will, dass du deine Kräfte einsetzt.“
Marina presste die Hände auf ihren Mund. Sie konnte die Magie spüren, wie sie aufstieg, bereit auszubrechen. „Ich kann noch nicht“, flüsterte sie.
Dominics Stimme war ruhig, aber bestimmt. „Wir werden dir beibringen, sie zu kontrollieren. Du bist nicht allein. Wir werden dich beschützen.“
Sie nickte langsam. Die Worte gaben ihr Hoffnung, aber auch Angst. Vertrauen fiel ihr schwer. Sie hatte überlebt, indem sie sich versteckte, davonrannte, vorsichtig war. Aber die drei Männer hier waren nicht gewöhnlich. Sie waren ihre Schicksalsgefährten. Und die Bindung war real.
Zurück im Büro versammelten sich die drei Männer um ihren Schreibtisch. „Wir müssen wissen, wie stark deine Kräfte sind“, sagte Dominic ruhig.
„Ich kann euch nicht alles zeigen“, sagte Marina leise. „Noch nicht.“
„Wie Asher sagte“, fügte Rafael hinzu, „du kannst dich uns nicht verbergen. Die Bindung wird dich früher oder später dazu bringen, es zu zeigen.“
Eine leise Vibration entwich versehentlich ihren Lippen. Sie war schwach, aber stark genug, dass alle drei Männer innehielten. Dominics Augen verdunkelten sich. Ashers Grinsen wurde breiter. Rafaels Körper spannte sich an.
„Siehst du“, sagte Dominic. „Wir spüren es. Du kannst dich uns nicht entziehen.“
„Ich… ich versuche es“, flüsterte sie. „Ich will niemandem weh tun.“
„Du wirst niemandem weh tun, wenn du uns vertraust“, sagte Rafael. „Wir sind hier, um zu helfen. Wir sind deine Gefährten.“
Der Rest des Nachmittags verging in angespannter Stille. Marina versuchte, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, aber jeder Blick, jedes Wort, jedes Geräusch erinnerte sie an die Bindung. Ihre Kräfte regten sich in ihr, testeten Grenzen, suchten nach ihnen.
Am Ende des Tages verließ sie das Büro erschöpft. Ihre Brust schmerzte. Ihr Körper kribbelte. Die Sirenen-Magie in ihr war lebendig wie nie zuvor. Sie hatte ihr Leben lang versteckt, wer sie war, aber jetzt konnte sie es nicht mehr.
Sie ging zu ihrem Auto und atmete tief durch. Die Stadt war laut und geschäftig, aber sie konnte sie in ihrem Geist spüren. Dominic, Asher, Rafael. Ihre Gefährten. Ihre Bindung zu ihnen war unbestreitbar. Und sie wusste, dass nichts jemals wieder dasselbe sein würde.
Ihr ruhiges Leben war vorbei. Sie war nicht länger nur Marina, die Assistentin. Sie war Marina, die Sirene. Und die drei Männer, die eigentlich ihre Feinde hätten sein sollen, waren jetzt ihre Schicksalsgefährten.
Und die Gefahr hatte gerade erst begonnen.