Marina saß am nächsten Morgen an ihrem Schreibtisch und fühlte sich unruhig. Sie hatte so viel in ihrem Leben überlebt, aber heute fühlte sich etwas anders an. Die Verbindung zu den drei Männern war stärker. Sie konnte sie spüren, selbst wenn sie sich in verschiedenen Räumen aufhielten.
Ihre Sirenenkräfte regten sich in ihr wie eine Flut, die sie nicht stoppen konnte. Ihr Hals kribbelte, als wollte ihre Stimme entkommen und alle rufen. Sie presste die Hände gegen den Schreibtisch, um es zurückzuhalten.
„Morgen, Marina“, sagte Dominic, als er in ihr Büro kam. Seine Stimme war ruhig und tief, aber sie ließ ihre Brust enger werden. „Bist du bereit für heute?“
„Ja“, sagte sie schnell, bemüht, normal zu klingen. „Alles ist vorbereitet.“
Dominics Augen musterten sie. Er bemerkte das leichte Zittern ihrer Hände und wie sich ihre Atmung veränderte. „Du verheimlichst etwas vor uns“, sagte er schlicht.
„Ich bin nur nervös“, antwortete sie. „Es ist ein großer Tag.“
Asher erschien im Türrahmen und lehnte sich lässig dagegen. „Nervös oder nicht, du bist schön, wenn du versuchst, Dinge zu verbergen“, sagte er mit einem neckenden Lächeln.
Marina spürte, wie sich ihr Magen verkrampfte. Sie wollte ihm sagen, er solle aufhören, doch das Ziehen in ihrer Brust ließ sie erzittern. „Mir geht es gut“, sagte sie leise und versuchte, sich auf ihr Klemmbrett zu konzentrieren.
Rafael kam als Nächstes, trat nah genug, dass sie seine Hitze spüren konnte. „Du bist angespannt, weil du weißt, dass etwas Wichtiges passiert“, sagte er. „Und ich spüre es auch.“
Marina sah zu ihm auf. Seine Augen waren dunkel und intensiv. Er war immer kühn, immer zu nah, und nun, mit der entstehenden Verbindung, spürte sie es in ihrem Blut. „Ich… ich will nur meine Arbeit machen“, flüsterte sie.
Dominic setzte sich ihr gegenüber. „Du wirst bald mehr tun als nur deine Arbeit. Wir müssen wissen, wozu du fähig bist.“
„Was meinst du?“ fragte sie, ihr Herz pochte schnell.
„Als eure Gefährten können wir deine Macht spüren“, sagte Asher. „Du hast etwas, das wir noch nie zuvor gesehen haben.“
Marina schluckte. Es war wahr. Sie hatte ihre Sirenenkräfte immer verborgen. Sie hatte es vermieden zu singen, vermieden, Menschen zu nah anzusehen, vermieden, das zu nutzen, was sie besonders machte. Aber jetzt konnte sie es nicht mehr verbergen. Nicht vor ihnen.
Rafaels Stimme senkte sich. „Ich kann es spüren. Und ich will es sehen.“
„Nein“, flüsterte Marina. „Ich kann nicht.“
Dominic beugte sich vor. „Du hast keine Wahl mehr. Die Verbindung ist echt und stark. Wir werden alles spüren, was du tust, ob es dir gefällt oder nicht.“
Ihr Hals brannte. Sie konnte fühlen, wie ihre Kräfte reagierten. Eine leise Vibration entwich versehentlich ihren Lippen. Die drei Männer erstarrten. Dominics Augen verdunkelten sich, Ashers Grinsen wurde breiter, und Rafaels Körper spannte sich an.
„Ich… ich wollte es nicht“, sagte sie schnell und bedeckte den Mund.
„Es ist in Ordnung“, sagte Dominic ruhig. „Wir haben es gespürt. Das reicht fürs Erste.“
Asher lachte. „Das war nur der Anfang, Marina. Deine Stimme kann Dinge tun, die wir uns nie vorgestellt haben.“
Rafaels Stimme war tief und gefährlich. „Mach es noch einmal“, sagte er. „Ich will es spüren.“
Marina schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht“, sagte sie. „Wenn ich meine Kräfte vollständig einsetze… könnten Menschen sterben. Ich kann sie noch nicht kontrollieren.“
Dominics Ton wurde weicher. „Dann werden wir dir helfen. Aber du musst uns vertrauen.“
Sie nickte langsam. Vertrauen fiel ihr schwer. Sie hatte ihr Leben damit verbracht, sich zu verstecken, zu fliehen, zu überleben. Aber als sie sie ansah, spürte sie etwas Neues. Sicherheit. Vielleicht sogar Verlangen.
Der Rest des Morgens war angespannt. Jede Bewegung ließ sie die Verbindung stärker spüren. Jeder Blick, jede Berührung, jedes Geräusch ihrer Stimmen rief sie wie eine Flut, der sie nicht widerstehen konnte.
Beim Mittagessen saßen sie zusammen im privaten Speisesaal. Asher lehnte sich zurück und lächelte. „Also, Marina, wirst du uns heute etwas über dich erzählen?“
„Ich habe es doch schon gesagt“, antwortete sie leise. „Ich bin anders.“
Rafael schmunzelte. „Anders ist nicht genug. Du verbirgst etwas Großes. Ich kann es spüren.“
Dominic schwieg, aber seine Augen verließen sie nie. Er war immer ruhig, doch sie wusste, dass auch er die Verbindung spürte. „Wir werden dich nicht zwingen. Aber Verbergen wird dich nicht schützen.“
Marina fröstelte. Sie wollte sprechen, singen, die Macht fließen lassen. Doch Angst hielt ihr Herz zurück. Jäger hatten ihre Mutter getötet. Die Welt wollte Sirenen ausgestorben sehen. Wenn jemand entdeckte, was sie war, würde sie sterben.
„Ich muss vorsichtig sein“, flüsterte sie sich selbst zu. „Ich darf es niemandem verraten.“
Asher beugte sich über den Tisch näher. „Vorsichtig oder nicht, die Verbindung ist echt. Du kannst ihr nicht widerstehen.“
Rafael strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Du musst nicht dagegen ankämpfen“, sagte er leise. „Wir sind hier.“
Ihre Brust schmerzte. Sie wollte ihm glauben, doch die Angst hielt ihr Herz noch gefangen. „Ich… ich weiß nicht, ob ich kann“, sagte sie.
Dominics Stimme war ruhig. „Dann wirst du es lernen. Langsam. Aber wir sind nicht deine Feinde. Wir sind deine Gefährten.“
Marina sah alle drei an. Das Ziehen war jetzt unerträglich. Ihr Körper wollte sie, ihre Magie wollte sie, und ihr Herz… auch wenn sie ihnen noch nicht vollständig vertraute, wollte sie sie ebenfalls.
Nach dem Mittagessen kehrte sie an ihren Schreibtisch zurück und versuchte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ihre Finger schwebten über der Tastatur, doch sie konnte ihre Präsenz spüren, selbst wenn sie sich in getrennten Büros aufhielten. Das Band pulsierte in ihr wie ein Herzschlag, den sie nicht kontrollieren konnte.
Ein leises Geräusch entwich versehentlich ihren Lippen. Es war sanft, fast musikalisch. Sie erstarrte. Das Geräusch reichte aus, dass Dominic das Pacing stoppte, Asher sich im Stuhl zurücklehnte und Rafaels Hand sich zur Faust spannte.
„Du kannst es nicht länger verbergen“, sagte Dominic ruhig. „Wir wissen, was du bist. Und wir wissen, was du für uns bist.“
„Ich… ich bin nicht bereit“, flüsterte Marina.
„Wie Asher sagte“, erwiderte Rafael mit tiefer, gefährlicher Stimme, „wartet die Verbindung nicht. Du musst sie annehmen, oder du wirst leiden.“
Marinas Hals brannte erneut. Ihre Kräfte waren erwacht. Sie wollten rufen, fesseln, beherrschen. Sie presste die Hände auf ihren Mund, um es zurückzuhalten. Aber sie wusste: Der Moment kam, in dem sie sich nicht länger verstecken konnte.
Am Ende des Tages war Marina erschöpft. Ihr Geist wirbelte, ihr Körper prickelte, und ihre Magie war fast unmöglich zu kontrollieren. Sie hatte ihr Leben lang versteckt, wer sie war. Aber mit diesen drei Männern, ihren vorherbestimmten Gefährten, konnte sie sich nicht mehr verstecken.
Sie atmete tief durch, als sie das Büro verließ. Ihr Leben veränderte sich schneller, als sie es sich vorgestellt hatte. Die Ruhe, die sie ihr Leben lang gekannt hatte, war vorbei. Die Macht in ihr wuchs. Und die drei Männer, die eigentlich ihre Feinde hätten sein sollen, waren jetzt ihre Gefährten.
Und nichts würde jemals wieder dasselbe sein.