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Das Herz der Sicherheit

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Reagan Cross wurde über Nacht von der brillanten Kronprinzessin des New Yorker Risikokapitalgeschäfts zu einer wandelnden Belastung.‎‎Als ihr langjähriger, vertrauter Finanzchef einen milliardenschweren Betrugsskandal inszeniert, wird das Traditionsunternehmen ihrer Familie von den Bundesaufsichtsbehörden zerschlagen, sodass Reagan vor dem völligen finanziellen Ruin und dem öffentlichen Exil steht.‎Dann tritt Pierce Sterling auf den Plan.‎‎Kalt, berechnend und seit jeher ihr schärfster Unternehmensgegner, kauft Pierce nicht nur die toxischen Schulden ihrer Familie auf – er kauft *sie*. Er stellt ihr ein Ultimatum, getarnt als Rettungsanker: einen zweijährigen strategischen Ehevertrag, um ihre konkurrierenden Marken zu fusionieren, ein unangreifbares globales Monopol zu schaffen und seinen eigenen traditionalistischen Vorstand zu besänftigen.‎‎Gefangen in seinem undurchdringlichen gläsernen Penthouse erwartet Reagan einen psychologischen Krieg. Sie erwartet einen Tyrannen, der darauf aus ist, seine gefallene Rivalin zu demütigen. Was sie nicht erwartet, ist der kugelsichere rechtliche und physische Schutzschild, den Pierce um sie legt, oder die stillen, vernichtenden Taten der Hingabe, die er hinter einer Maske unnachgiebiger Gleichgültigkeit verbirgt. Doch in den Gewässern der Unternehmenswelt fließt Blut. Als Reagan in der Asche ihres Ruins wühlt, deckt sie eine erschreckende Wahrheit auf: Ihr Finanzvorstand handelte nicht allein. Ein skrupelloses Offshore-Syndikat war im Anmarsch, um sie als physische Sicherheit für die Schulden ihrer Familie einzufordern – und Pierces Heiratsurkunde ist der einzige Schutzschild, der mächtig genug ist, um sie am Leben zu erhalten.

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Kapitel 1: Die Liquidationsmatrix
‎Die Glaswände von Cross Capital hielten die Nachmittagssonne nicht ab; sie verstärkten sie und verwandelten den milliardenschweren Handelssaal in einen vergoldeten Brennofen. ‎ ‎Reagan Cross blickte nicht zum Himmel. Ihr Blick war auf den Bildschirm des Terminals geheftet, auf dem die Zahlen in Echtzeit dahinschmolzen. Purpurrote Linien flossen wie aufgerissene Adern über die Monitore. Auf dem gesamten Parkett hatte ohrenbetäubende Stille das übliche chaotische Dröhnen des Hochfrequenzhandels abgelöst. Dutzende Broker standen wie erstarrt da, die Telefone an die Ohren gepresst, und sahen zu, wie dreißig Jahre generationenübergreifenden Reichtums in einem digitalen Schwarzen Loch verschwanden. ‎ ‎„Bundesbeamte sind in der Lobby, Reagan.“ ‎Die Stimme gehörte Marcus, ihrem leitenden Analysten. Sein Gesicht hatte die Farbe von Magermilch, und an seinem Haaransatz bildete sich ein Schimmer kalten Schweißes. „Sie haben einen Beschlagnahmungsbefehl, unterzeichnet vom Southern District. In fünf Minuten schalten sie die Server ab.“ ‎ ‎Reagan zuckte nicht mit der Wimper. Ihre Finger flogen über die Tastatur und führten ein verzweifeltes Blockhandelsprotokoll aus, um ihren Green-Energy-Fonds zu isolieren – das Projekt, das sie in fünf Jahren von Grund auf aufgebaut hatte. Es war ihr Vermächtnis. Ihre Autonomie. Das Einzige, was bewies, dass sie nicht nur in die Fußstapfen ihres Vaters trat. ‎ ‎„Wo ist Arthur?“ Reagans Stimme klang gefährlich ruhig, ein scharfer Kontrast zu der Panik, die durch den Raum vibrierte. „Wo ist unser Finanzvorstand, Marcus?“ ‎ ‎„Er ist weg“, flüsterte Marcus mit brüchiger Stimme. „Sein Firmenwagen wurde vor einer Stunde am JFK gesichtet. Die Offshore-Konten … Reagan, er hat nicht nur das Kapital veruntreut. Er hat das Reservebuch leergeräumt. Es ist nichts mehr übrig. Uns fehlen drei Milliarden Dollar bei der internationalen Abrechnung.“ ‎ ‎Die Worte trafen sie wie ein physischer Schlag, doch sie weigerte sich, sich zurückzulehnen. Die Luft in ihren Lungen schmeckte nach Ozon und drohendem Ruin. Arthur war der engste Vertraute ihres Vaters gewesen. Er hatte sie bei ihrer Taufe gehalten. Nun hatte er sie auf dem Scheiterhaufen der Wall Street verbrennen lassen. Die schweren Glastüren am Ende des Handelssaals zischten auf. ‎ Sechs Bundesagenten in Windjacken schritten in den Raum, angeführt von einer Frau mit strengem Gesichtsausdruck, die eine Dienstmarke trug. Hinter ihnen läutete der Aufzug. Doch es waren nicht die Bundesagenten, die Reagans Aufmerksamkeit auf sich zogen. Es war der Mann, der parallel zu ihnen ging, völlig unbeeindruckt von dem Chaos. Pierce Sterling. ‎ ‎Er trug einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Tom-Ford-Anzug, der wie eine Rüstung gegen die billige Tragödie wirkte, die sich um ihn herum abspielte. Seine dunklen Augen ließen den Raum mit analytischer Distanz überfliegen und blieben an ihr hängen, als sie ihren Blick traf. Seit fünf Jahren war Pierce die Mauer, die sie nicht überwinden konnte. Jedes Mal, wenn Cross Capital versuchte, Grundstücke zu erwerben oder einen Tech-Fonds zu gründen, war Sterling Global zur Stelle, überbot sie um einen Bruchteil eines Prozents und drängte sie mit chirurgischer Präzision in die Enge. Er war eine Maschine, getarnt als Mensch. ‎ ‎Der leitende Agent trat vor Reagans Schreibtisch. „Reagan Cross? Ich bin Special Agent Vance. Wir vollstrecken eine Anordnung zur Einfrierung von Vermögenswerten aller mit Cross Capital verbundenen Unternehmen.“ ‎ ‎„Ich bin mir Ihrer Anordnungen bewusst, Agent Vance“, sagte Reagan und stand langsam auf. Ihre Knie drohten nachzugeben, doch sie zwang ihren Rücken, sich wie eine Eisenstange zu strecken. Sie blickte über die Schulter des Agenten hinweg direkt auf Pierce. „Was mir jedoch nicht bewusst ist, ist, warum der CEO von Sterling Global bei einer Razzia des FBI anwesend ist.“ Pierce trat vor, die Hände lässig in den Hosentaschen. Seine Stimme war ein tiefer, sonorer Bariton, der den Raum augenblicklich beherrschte. „Ich bin nicht von der Regierung, Reagan. Ich bin als Hauptgläubiger hier.“ ‎ ‎„Wovon redest du?“ ‎ ‎Pierce gab seiner Assistentin ein leichtes Zeichen, woraufhin sie ein dickes, in Leder gebundenes Dokument auf ihren Schreibtisch legte, direkt über ihre Tastatur. ‎ ‎„Vor zwanzig Minuten hat Sterling Global Ihre notleidenden Schulden von den europäischen Clearingstellen aufgekauft“, sagte Pierce, wobei sein Tonfall jegliche Empathie vermissen ließ. „Jede Verbindlichkeit, die Ihr Finanzvorstand geschaffen hat, gehört nun mir. Einschließlich der persönlichen Bürgschaften, die Ihr verstorbener Vater unterzeichnet hat.“ ‎ ‎Reagan stockte der Atem. Der Raum schien sich zu neigen. „Die Bürgschaften meines Vaters … die sind privat.“ ‎„Das waren sie“, korrigierte Pierce kühl. „Bis sie als Sicherheiten für die betrügerischen Briefkastenfirmen dienten. Die Bundesbehörden sind hier, um Ihr Unternehmensvermögen zu beschlagnahmen, Reagan. Aber Ihr persönliches Vermögen, Ihre verbleibenden Stimmrechtsanteile und Ihre rechtliche Freiheit? Die fallen derzeit unter meine Zuständigkeit.“ ‎ ‎Agent Vance trat zurück und überließ Pierce das Wort. Es war eine erschreckende Demonstration systemischer Dominanz. Pierce hatte sie nicht nur besiegt; er hatte die Arena gekauft, in der sie kämpfte. ‎ ‎„Verschwinden Sie aus meinem Büro, Pierce“, zischte sie, während das Feuer des Überlebens durch ihre Demütigung loderte. „Ich werde mich vor Gericht verantworten, bevor ich zulasse, dass Sie die Knochen meiner Familie durchwühlen.“ „Du wirst nicht vor Gericht stehen“, sagte Pierce leise und trat näher, bis der Duft von Zedernholz und teurem Parfüm die schwüle Luft durchdrang. Er beugte sich vor, seine Augen fixierten ihre mit einer besitzergreifenden, unnachgiebigen Ernsthaftigkeit. „Denn wenn du dieses Gebäude ohne meinen Schutz verlässt, werden die Leute, die dein Finanzvorstand bestohlen hat, dafür sorgen, dass du es nie bis in einen Gerichtssaal schaffst. Glaubst du, hier geht es um die Wall Street, Reagan? Du hast keine Ahnung, was dein Vater tatsächlich unterschrieben hat.“ ‎ ‎Er öffnete die Ledermappe. Darin lag ein einseitiges Dokument. Es war kein Liquidationsbeschluss. Es war ein Ehevertrag und ein Unternehmensfusionsvertrag, bereits von seinem Anwaltsteam abgestempelt. ‎ ‎„Zwei Jahre“, murmelte Pierce, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. „Du überträgst deine verbleibenden Stimmrechte an Sterling Global, du nimmst meinen Namen an, und ich hebe die strafrechtliche Haftung deiner Familie auf. Lehne es ab, und die Bundespolizei verhaftet dich noch vor Sonnenuntergang.“ ‎ ‎Reagan starrte auf die schwarze Tinte der Unterschriftszeile. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel. Der Mann, der ein halbes Jahrzehnt lang versucht hatte, sie zu erobern, bot ihr einen Käfig aus Glas und Stahl an. ‎ ‎Bevor sie etwas sagen konnte, klirrten die Glasfenster hinter ihr. Unten auf der Straße durchbrachen drei schwarze SUVs die Absperrung der Bundespolizei; ihre Reifen quietschten, als sie den Eingang des Gebäudes blockierten. Marcus stieß einen gedämpften Schrei aus, als das Bild auf dem Hauptterminal plötzlich flackerte und die Börsenticker durch eine einzige, sich wiederholende Textzeile in kyrillischer Schrift ersetzt wurden: Die Schuld ist fällig, Reagan. Pierce schaute nicht einmal aus dem Fenster. Er schraubte einfach die Kappe eines schweren Montblanc-Füllfederhalters ab und hielt ihn ihr hin. ‎ ‎„Die Firewall versagt, Reagan“, flüsterte Pierce, seine Hand völlig ruhig. „Unterschreib den Vertrag, oder ich gehe durch diese Türen hinaus und lasse sie ihre Sicherheiten mitnehmen.“ ‎ ‎

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