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Der Bruder Meines Besten Freundes

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‎„Du bist die beste Freundin meiner Schwester.“ ‎ ‎„Ich weiß.“ ‎ ‎„Das ist überhaupt nicht klug.“ ‎ ‎„Küss mich noch einmal.“ ‎ ‎Er tat es. Ich verlor jedes Zeitgefühl. Minuten oder Stunden, ich konnte es nicht sagen. Ich nahm nur noch seinen Mund und seine Hände wahr und die feste Wärme seines Körpers, der sich an mich drückte. Als wir uns schließlich voneinander lösten, beide schwer atmend, ruhte seine Stirn an meiner. ‎♥ ‎Lucy schwärmt schon seit Jahren heimlich für den älteren Bruder ihrer besten Freundin, Mason. ‎Als sie ihre Wohnung verliert, bleibt ihr nichts anderes übrig, als in Masons Gästehaus einzuziehen. ‎Er sieht in ihr immer noch das nervige Mädchen, das ihnen früher ständig hinterherlief. ‎Zumindest glaubt sie das. ‎Bis Lucy hört, wie Mason zu jemandem sagt: „Wenn ich mich nicht bald von ihr löse, werde ich alles ruinieren.“

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Kapitel 1: Ausgeraubt
„Scheiße!“ Ich schulterte meine Tragetasche höher und begann zu joggen, wobei meine Turnschuhe auf den Bürgersteig klatschten. Vier Uhr. Meine Vermieterin, Mrs. Harlow, hatte sich heute Morgen am Telefon ganz klar ausgedrückt. Bargeld, Lucy. Die „technischen Schwierigkeiten“ deiner Bank interessieren mich nicht. Du kommst bis vier Uhr mit meinem Geld vorbei, oder ich zeige dein Zimmer jemand anderem. Die Bushaltestelle war zwei Blocks entfernt. Ich hatte dreiundvierzig Minuten Zeit. Kaum genug. Das Universum hatte, wie üblich, andere Pläne. Schließlich sah ich den Bus, auf den ich wartete. Ein Dutzend Leute drängten sich dort, alle schubsten und drängelten, als hätten sie noch nie öffentliche Verkehrsmittel gesehen. Ich quetschte mich durch die Lücken, murmelte Entschuldigungen und klammerte mich mit einer Hand an meine Tasche wie an einen Rettungsanker. Mein Handy hielt ich bereits in der anderen Hand, der Bildschirm leuchtete mit dem Busfahrplan, den ich gar nicht mehr nachschauen musste. Die Bustüren zischten auf. Ja. Dann rammte mich jemand. Keine Streifberührung. Ein Volltreffer, so heftig, dass mir die Tasche aus der Hand flog und mein Handy über den Bürgersteig schoss. Ich stolperte seitwärts gegen einen Mann im Anzug, der fluchte und mich am Ellbogen stützte. Meine Sachen lagen überall verstreut. Geldbörse. Lippenbalsam. Die zerknüllte Quittung vom Kaffee heute Morgen. „Es tut mir so leid“, sagte eine Stimme. Tief. Ganz nah. Ich blickte auf, aber er bückte sich bereits und sammelte meine Sachen in meine Tasche. Ich erhaschte nur einen flüchtigen Blick auf eine dunkle Jacke und schnell bewegende Hände. Er griff auch nach meinem Handy und drückte es mir in die Finger, noch bevor ich überhaupt begreifen konnte, was gerade passierte. „Alles in Ordnung?“, fragte er. Ich blinzelte. Sein Gesicht wandte sich bereits ab und suchte die Menge ab, als wäre er zu spät für etwas. Durchschnittlich groß. Braune Haare? Vielleicht. Es ging alles so schnell. „Ich – ja. Danke.“ Er nickte einmal und verschwand in der Menge der Menschen, die in den Bus einstiegen. Ich stand eine halbe Sekunde lang da, das Herz raste, dann folgte ich ihm. Der Fahrer warf mir bereits einen finsteren Blick zu. Ich zog meine Fahrkarte durch, suchte mir einen Platz am Fenster und presste meine Stirn gegen das kühle Glas, als der Bus losratterte. Ich habe noch Zeit, sagte ich mir. Entspann dich. Die Frau neben mir roch nach Zigaretten. Ich zog meine Tragetasche auf meinen Schoß und schaute nach unten. Und hielt den Atem an. Das war nicht meine Tasche. Gleiche Farbe. Gleicher hässlicher Riemen. Aber meine hatte einen Kaffeefleck auf der vorderen Klappe, einen Fleck, den ich nie wegbekommen hatte. Diese hier war sauber. Makellos. Und deutlich leichter. Mit zitternden Händen öffnete ich sie. Quittungen. Lose Tabakblätter. Eine zusammengefaltete Packung Zigarettenpapier. Ein Taschenbuch ohne Einband. Sonst nichts. Keine Geldbörse. Keine Schlüssel. Gar nichts. Nein. Ich kippte den gesamten Inhalt auf den Sitz neben mir, in die Seitentaschen, einfach überall hin. Leer. Der Mann. Der Mann, der mich angerempelt hatte. Er hatte mir nicht geholfen. Er hatte die Taschen vertauscht, während ich da wie ein Idiot stand und ihm dafür dankte, dass er mich komplett ausgenommen hatte. Mir schnürte sich die Kehle zu. Ich griff nach meinem Handy. Zumindest das hatte ich noch, doch meine Finger stießen auf leeren Jeansstoff. Meine Gesäßtasche war flach. Ich tastete beide ab. Nichts. Die Panik, die schon an die Tür geklopft hatte, trat sie plötzlich ein. Er hatte auch mein Handy mitgenommen. In jenem Bruchteil einer Sekunde, als er es mir in die Hand drückte, musste er es sofort wieder in seine Handfläche gesteckt haben. Oder es irgendwo anders verstaut haben. Ich wusste es nicht. Es war mir egal. Es war weg. Ich drehte mich um, vergrub mein Gesicht in den Händen und atmete schwer. Die Frau neben mir rückte einen Schritt zur Seite. Ich nahm es ihr nicht übel. Ich sah wahrscheinlich verrückt aus: ein Mädchen in den Zwanzigern, das um drei Uhr nachmittags in einem Stadtbus vor Angst zitterte. Denk nach. Denk nach, denk nach, denk nach. Ich hatte mein Handy nicht. Ich hatte meine Geldbörse nicht. Ich hatte vierzig Dollar in meinem Schuh. Das war ein Trick, den mir meine Mutter in der Highschool beigebracht hatte – der einzige Grund, warum ich nicht völlig aufgeschmissen war, und eine Busfahrkarte, die mich zu meiner Freundin bringen würde, wenn ich nicht so heftig weinte, dass ich meine Haltestelle verpasste. Meine Freundin. Sloane. Ich könnte sie von einem Münztelefon aus anrufen, wenn ich eines fände. Falls es noch Münztelefone gäbe. Falls ich mich an ihre Nummer erinnern könnte, ohne mein Handy, um sie zu speichern. Das konnte ich nicht. Ich wusste, dass ich es nicht konnte. Ich hatte mir genau drei Nummern gemerkt: die meiner Mutter, meine eigene und die der Pizzeria zwei Blocks von meiner alten Wohnung entfernt. Tränen liefen mir über die Wangen, bevor ich sie aufhalten konnte. Heiß und demütigend rannen sie mir über die Wangen, während der Bus durch Kreuzungen fuhr, die ich kaum wiedererkannte. Ich wischte sie mir mit dem Handrücken ab, dann wischte ich noch einmal. Die Papiertüte mit den traurigen Habseligkeiten eines anderen lag zerknüllt auf meinem Schoß. Die Polizei. Ich könnte zur Polizei gehen. Aber was sollte ich dort überhaupt sagen? Ein Mann hat meine Tasche mitgenommen. Wie sah er aus? Ich weiß es nicht. Durchschnittlich? Braune Haare? Er hat sich entschuldigt. In diesem Block gab es keine Überwachungskameras. Das hatte ich schon vorher überprüft, damals, als ich paranoid war, weil ich Angst hatte, in der Nähe der Bushaltestelle auf Dealer zu treffen. Nur tote Winkel und schlechte Beleuchtung. Niemand würde kommen, um mich zu retten. Der Bus hielt an. Ich blickte verwirrt auf und sah das Schild für Sloanes Viertel. Stimmt. Ich hätte in – ich warf einen Blick auf die Uhr im Bus – siebenundzwanzig Minuten bei Mrs. Harlow sein sollen. Ohne Bargeld. Ohne Einkommensnachweis. Ohne jede Möglichkeit, diese Frau davon abzuhalten, mein Zimmer an jemanden zu vermieten, der sein Leben tatsächlich im Griff hatte. Ich stand mit wackligen Beinen auf, schob die gefälschte Tasche unter meinen Sitz und stieg aus dem Bus.

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