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An Den Alpha-Kreis Gebunden

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Nach dem Tod ihrer Mutter wurde Lyra zu ihrem herzlosen Vater zurückgebracht – einem Mann, der glaubte, dass der einzige Weg, jemanden stark zu machen, darin bestand, ihm Schmerz zuzufügen.

Als Lyra ihm schließlich entkam, musste sie lange Zeit verbergen, wer sie wirklich war, wozu sie fähig war und welche Wahrheit sich hinter ihrer Vergangenheit verbarg.

Ihr Leben beginnt sich zu verändern, als sie eine Arbeit im Alpha Forge annimmt. Dort begegnet sie Dominic, einem mächtigen und furchteinflößenden Wolfswandler.

Schon bald verlieben sie sich ineinander.

Doch es gibt ein Problem: Dominic ist nicht der Einzige, der sich zu ihr hingezogen fühlt. Vier weitere Alphas interessieren sich ebenfalls für sie.

Nun steht Lyra vor einer schwierigen Entscheidung. Welchen der fünf Alphas soll sie wählen?

Als wäre das nicht genug, ist ihr Vater noch immer auf der Suche nach ihr. Und wenn er sie erneut findet, könnte sie dieses Mal vielleicht nicht überleben.

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Kapitel 1: Als ich ein Kind war… / Lyra (POV)
Manche Gefühle konnte ich einfach nicht vor mir verbergen, egal wie sehr ich es versuchte. Traurigkeit war das Schlimmste von allen, denn sobald sie mich berührte, klammerte sie sich wie Eis an meine Haut und weigerte sich, wieder loszulassen. Leo war nicht glücklich. Die Lehrerin hätte das schon sehen müssen, wenn sie ihn nur angesehen hätte. Sein Kopf hing nach unten, und sein Blick war auf seine Hände gerichtet. Immer wieder zog er die Nase hoch und versuchte dabei, nicht zu weinen. Ich hatte gelernt, das Aussehen der Menschen mit ihren Gefühlen zu verbinden. Wenn ich das Gefühl bemerkte, bevor ich es selbst spürte, konnte ich meine Schilde manchmal verstärken. Aber manchmal war ich nicht schnell genug. So wie jetzt. Ich hatte Ms. Emily zugehört, während sie über Moleküle sprach. Ich beobachtete, wie sie sie in vielen Farben an die Tafel zeichnete, und ich hatte es nicht rechtzeitig bemerkt. Leos Traurigkeit streckte sich nach mir aus wie kalte Klauen, die versuchten, meine Brust aufzureißen. Sein Schmerz wollte in mir bleiben, als hätte ich ihn gerufen. Aber meine Mom sagte immer, dass ich ihn nicht hereinlassen durfte. Sie sagte, wenn ich den Schmerz der Welt auf mich nahm, würde er mich mit sich hinunterziehen. Deshalb hielt ich geheim, dass ich alles fühlen konnte. Mom und ich hatten viele Geheimnisse. Wir versteckten unsere echten Namen und die Wahrheit darüber, vor wem wir davonliefen. Wir versteckten die Tatsache, dass ich halb Wolf und halb Caster war. Doch vor allem verbarg ich, dass ich nicht nur die Gefühle der Welt spüren konnte. Ich konnte sie heilen. Aber wenn ich nicht vorsichtig war, könnte diese Heilung dafür sorgen, dass ich nie wieder aufwachte. „Lyra“, sagte Ms. Emily und riss mich aus meinen Gedanken – Gedanken, die überhaupt nichts mit ihrem Unterricht zu tun hatten. „Kannst du mir sagen, welchen Teil des Atoms die Elektronen umkreisen?“ Ich presste meine Hände zusammen, und meine Fingernägel gruben sich in meine Handflächen. Der Schmerz half manchmal. Wenn ich mir diesen Schmerz selbst zufügte, lenkte er meine Aufmerksamkeit von dem Leid ab, das gegen meine Schilde drückte. Aber Leo war so traurig. Ich wusste nicht, warum. Das wusste ich nie. Ich kannte nur die Emotion. Manchmal konnte ich ein Gefühl sogar benennen, bevor die Person selbst bemerkte, dass sie es empfand. Mein Kopf begann zu schmerzen, wie immer, wenn es zu viele Gefühle wurden. „Lyra?“ fragte Ms. Emily und kam zu meinem Tisch. „Hast du Kopfschmerzen?“ Meine Mom hatte ihr davon erzählt, genauso wie jeder Lehrerin zuvor. Wenn es zu viel wurde, sollte ich darum bitten, zur Schulkrankenschwester zu gehen. Aber ich hatte diese Woche bereits einen halben Tag Unterricht verpasst. Ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren. Ich holte tief Luft und konzentrierte mich auf meinen Herzschlag, so wie Mom es mir beigebracht hatte. „Meine kleine Lerche, hör auf das Lied in deinem Inneren. Solange du deine eigene Stimme hörst, wirst du immer wieder zu dir selbst zurückfinden.“ Ich hörte den Schlag meines Herzens. Ich lauschte dem Lied, das nur mir gehörte. Dann begannen die Kopfschmerzen und der Schmerz in meiner Brust nachzulassen. Langsam öffnete ich die Augen. „Die Elektronen umkreisen die Atomkerne.“ Ms. Emily lächelte leicht. „Manchmal muss ich auch die Augen schließen, um auf die Antwort zu kommen.“ „Komischling“, flüsterte Vanessa hinter mir auf der rechten Seite. Meine Schilde waren bereits aktiv, deshalb konnte ich ihre Wut und ihren Hass nicht spüren. Das war ich von ihr gewohnt. Ich wusste, dass ich mich schützen musste, weil schädliche Gefühle in ihr lebten – nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber sich selbst. „Vanessa“, warnte Ms. Emily. „Wir beschimpfen niemanden in dieser Klasse.“ Vanessa stieß nur ein lautes Schnauben aus. „Also gut. Wer kann mir jetzt sagen—?“ Ein Klopfen unterbrach Ms. Emily. „Herein.“ Die Tür öffnete sich langsam, und Ms. Evelyn, die Schulsekretärin, stand dort. Ihr Gesicht war kreidebleich, und ihre Augen waren weit aufgerissen. Sie sah aus, als hätte sie Angst, sogar mit meinen Schilden aktiv. Sie schluckte schwer. „Wir brauchen Lyra im Büro.“ Sie sah mich an und wandte den Blick dann sofort wieder ab. Lyra. Das war ich. Ich musste mich selbst daran erinnern, welchen Namen ich benutzen sollte. Mein Name änderte sich oft – jedes Mal, wenn Mom entschied, dass wir irgendwo zu lange geblieben waren. Deshalb fiel es mir manchmal schwer, mich daran zu erinnern. Ms. Emily nickte und wirkte ein wenig besorgt. „Natürlich. Geh nur.“ Hinter mir gab Vanessa ein spöttisches Lachen von sich, aber ich ignorierte es. Alles, woran ich denken konnte, war der Ausdruck auf Ms. Evelyns Gesicht. Angst. Schock. Das waren keine guten Gefühle. Es waren die Gefühle, die weh taten und schnitten, wenn ich sie hereinließ. Also tat ich, was ich immer tat. Ich suchte nach dem Grund. Ich versuchte immer herauszufinden, woher ein Gefühl kam. Denn wenn ich das wusste, konnte ich es vielleicht auf eine andere Weise heilen – eine Art, die nicht damit endete, dass ich nie wieder aufwachte. Meine alten Turnschuhe quietschten auf dem Boden, während ich zwischen den Tischen hindurch zu Ms. Evelyn ging. In dem Moment, als ich bei ihr ankam, legte sie mir eine Hand auf die Schulter. Trost. Das wollte sie mir geben. Allein das machte mich noch nervöser. Mein Magen verkrampfte sich. Ich schluckte, und meine Zunge fühlte sich trocken an. Ich sah zu ihr auf, während sie mich den Flur entlangführte. „Was ist passiert?“ Diese Frage zu stellen fiel mir sehr schwer. Denn ich wusste, dass die Antwort schlimm sein könnte. Hat jemand eines meiner Geheimnisse entdeckt? Meine übernatürliche Seite? Mom hatte mit mir an meinen Schilden gearbeitet und mir beigebracht, meinen Geruch zu verbergen. Den Geruch, der anderen übernatürlichen Wesen verriet, dass ich ein Hybrid war. Denn wenn sie das wussten, könnten sie es meinem Vater sagen. Dem Mann, vor dem wir flohen. Ms. Evelyn presste den Kiefer zusammen. „Hier sind einige Leute, die mit dir sprechen müssen.“ Mein Magen sank. Ich stellte mir Menschen in weißen Kitteln vor, die mich mitnehmen wollten. Die Tests mit mir durchführen würden, weil ich anders war. Doch als wir um die Ecke gingen, sah ich etwas anderes. Zwei Polizeibeamte in blauen Uniformen mit Waffen an ihren Gürteln. Und eine Frau im Hosenanzug, die völlig fehl am Platz wirkte. Ihr zerzaustes Haar war zu einem Dutt zusammengebunden. Mein Magen zog sich erneut zusammen, während mein Verstand versuchte, alles zu begreifen. Doch bevor ich es konnte, kam die Frau auf mich zu. Sie lächelte freundlich. „Hallo, Lyra.“ Ich sagte nichts. Ich konnte nicht. Ihr Lächeln veränderte sich leicht. „Warum setzen wir uns nicht?“ Ms. Evelyn nahm ihre Hand von meiner Schulter. Die Frau legte ihre stattdessen darauf und führte mich zu einer Bank vor dem Schulbüro. Das war der Platz, auf dem man saß, wenn man Ärger bekommen hatte und auf den Direktor wartete. Ich hatte dort noch nie gesessen. Als ich mich setzte, drang die Kälte des Metalls durch meine Jeans. Ich sah weder die Frau noch die Polizisten an, die leise miteinander sprachen. Ich starrte geradeaus auf die Kunstprojekte der Zweitklässler an den Wänden über den blauen Schließfächern. Es waren Selbstporträts. Jedes sah anders aus. Andere Formen. Andere Farben. Ich versuchte, jedes einzelne Bild zu betrachten und die Gefühle darin zu erkennen. Ich wollte sie verstehen. „Lyra“, sagte die Frau und unterbrach meine Gedanken. „Ich heiße Claire.“ Erwachsene stellten sich mir normalerweise nicht mit ihrem Vornamen vor. Dass sie es jetzt tat, machte mich noch nervöser. „Ich arbeite mit der Polizei zusammen, wenn Kinder Teil eines Falls sind.“ Ich sah kurz zu ihr hinüber, sagte aber immer noch nichts. „Es tut mir so leid, Lyra, aber deine Mutter ist heute Morgen gestorben. "Sie ist jetzt bei den Engeln.“ Ein Summen begann in meinen Ohren. Es wurde mit jeder Sekunde lauter, bis mein ganzer Körper davon zu zittern begann. „Neeein!“ Das Wort war kein Flüstern, aber auch kein Schrei. Es war eine Forderung. Ein Befehl an diese Frau, mir zu sagen, dass sie log. „Es tut mir so leid, Lyra.“ Ich hasste es, diese Worte noch einmal zu hören. Ich hasste es, dass sie sagte, es tue ihr leid. Und ich hasste es, dass sie einen Namen benutzte, der nicht einmal meiner war. „Wir konnten deinen Vater finden. Wir wissen, dass du ihn lange nicht gesehen hast, aber er möchte jetzt für dich da sein.“ Mein Rücken richtete sich sofort auf. Angst, d**k und schwarz, strömte durch mich, als ich das Klicken von Lederschuhen auf dem Boden hörte. Nein. Nein. Nein.

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