Kapitel 3

1207 Words
Kapitel Drei Das Wochenende verging wie im Rausch. Nach einer so leidenschaftlichen Nacht schien Chloe plötzlich alles andere langweilig. Nichts kam dem Gefühl gleich, von einem reichen, gut aussehenden Fremden in einem New Yorker Nachtclub angesprochen zu werden – und dann das Angebot zu bekommen, mit ihm durchzubrennen. Chloe verbrachte den Samstag und Sonntag damit, über sein Angebot nachzudenken – wieder und wieder –, unfähig, eine Entscheidung zu treffen. Auf der einen Seite warnte sie ihr rationaler Verstand. Sie wusste kaum etwas über diesen Mann – nur das, was er ihr in jener Nacht erzählt hatte. Es könnte gefährlich sein. Auf der anderen Seite wollte sie endlich einmal loslassen. Etwas Verrücktes tun. Ihr ganzes Leben lang hatte sie auf Sicherheit gesetzt – und genau deshalb saß sie nun in einem langweiligen Job an der Wall Street. Das hier war ihre Chance, auszubrechen, selbst wenn es nur für eine Weile war. Am Montagmorgen saß Chloe an ihrem Schreibtisch, das Strahlen von der Begegnung mit Dominic lag immer noch auf ihrem Gesicht. Sie rückte ihren Bildschirm zurecht, tat so, als wäre sie tief in ihre Arbeit vertieft, doch ihre Gedanken schweiften immer wieder zu jener magischen Nacht ab – und hielten sie davon ab, sich auf die Diagramme zu konzentrieren, die sie eigentlich beobachten sollte. Alexia, ihre lebensfrohe und unterstützende Freundin, näherte sich ihrem Schreibtisch, das blonde Haar streng zu einem Pferdeschwanz gebunden. „Okay, Chloe, raus mit der Sprache.“ Chloe blickte auf, die Augenbrauen hochgezogen. „Was meinst du?“ „Warum siehst du so glücklich aus? Was bringt dich so zum Strahlen?“ Chloe errötete. „Wovon redest du, Alexia?“ „Chloe, du leuchtest regelrecht! Was ist passiert? Los, ich will Details!“ Chloe grinste verlegen, unfähig, ihre Freude noch länger zu verbergen. Glühend vor Aufregung drehte sie sich auf ihrem Bürostuhl zu Alexia. „Also gut, Alexia – ich habe jemanden im Club kennengelernt. Er heißt Dominic. Wir hatten sofort eine Verbindung, und… er hat mir angeboten, mit ihm in den Urlaub zu fahren!“ Alexias Augen wurden groß vor Begeisterung. „Das ist nicht dein Ernst.“ Chloe zuckte mit den Schultern, versuchte ihr Grinsen zu unterdrücken. „Doch, Alexia. Ich meine es ernst.“ Alexia setzte sich auf Chloes Schreibtisch, ihre Augen funkelten. „Ein Urlaub? Chloe, das ist ja fantastisch! Du verdienst es, dich mal zu entspannen und Spaß zu haben.“ „Ich weiß nicht, Lexie…“ Alexia sah sie an, als hätte Chloe endgültig den Verstand verloren. „Wie meinst du das, du weißt es nicht? Bitte sag nicht, dass du überlegst, ihn abzuweisen!“ Chloe seufzte. „Wir haben uns gerade erst kennengelernt. Ich weiß NICHTS über ihn.“ „Unsinn“, sagte Alexia und rollte die Augen. „Du solltest das Angebot auf jeden Fall annehmen.“ Chloe nickte langsam, innerlich hin- und hergerissen zwischen Aufregung und Unsicherheit. „Meinst du wirklich?“ fragte sie, ein Hauch Nervosität in ihrer Stimme. „Es geht alles so schnell… aber irgendetwas an Dominic fühlt sich richtig an.“ Alexia legte eine Hand auf Chloes Schulter. „Chloe, das Leben ist zu kurz, um dem Glück zu misstrauen.“ „Seit wann bist du der Dalai Lama?“ lachte Chloe. „Ach, sei still“, sagte Alexia neckisch. „Du hast es verdient, dieses Abenteuer zu erleben. Geh raus, mach neue Erfahrungen, lass dich von der Magie der Liebe mitreißen. Spring einfach!“ „Liebe ist vielleicht etwas zu viel gesagt.“ Alexia rollte die Augen und reichte ihr das Handy. „Mach's einfach. Ruf ihn an. Jetzt.“ Von Alexias Worten ermutigt, atmete Chloe tief durch und traf ihre Entscheidung. „Du hast recht, Alexia. Ich werde diese Gelegenheit nutzen. Ich nehme mir krank und sage Dominic Bescheid, dass ich komme.“ Alexia quietschte begeistert und klatschte freudig in die Hände. Chloe griff nach ihrem Handy auf dem Schreibtisch und sammelte den Mut, den Anruf zu tätigen. --- Er klang erleichtert, als sie es ihm sagte – als hätte er schon mit einer Absage gerechnet. Sofort bat er sie, vor dem Büro auf ihn zu warten – er würde sie abholen. Alexia hatte darauf bestanden, sie zu verabschieden, sobald sie ihr davon erzählt hatte. Chloe hatte sich schnell geschlagen gegeben – Alexia konnte manchmal etwas dramatisch sein. Gerade als Chloe in das elegante schwarze Auto einsteigen wollte, das an der Bordsteinkante parkte, sah sie ein bekanntes Gesicht auf sich zurennen. Es war David, einer ihrer Kollegen, mit ihrer Handtasche in der Hand. Überrascht blieb sie stehen und lächelte dankbar, als er bei ihr ankam. „Chloe, warte! Du hast deine Tasche im Büro vergessen“, keuchte David und reichte sie ihr. „Ich wollte nicht, dass du ohne sie losfährst. Schönen Urlaub!“ Chloes Lächeln wurde breiter, als sie ihre Handtasche entgegennahm. „Vielen lieben Dank, David! Ich kann nicht glauben, dass ich sie vergessen habe. Du bist ein Lebensretter!“ Als sie ins Auto stieg, bemerkte sie, wie sich ihr Herz ein wenig zusammenzog – Dominic hatte den ganzen Austausch beobachtet, und sein Gesichtsausdruck war unverkennbar angespannt. „Wer war das?“, fragte Dominic mit unterdrückter Wut, seine Augen starr auf sie gerichtet. Überrascht von seiner plötzlichen Aggression runzelte Chloe die Stirn. „Dominic, beruhig dich. Das war nur David, ein Kollege. Er hat mir meine Handtasche gebracht. Es gibt keinen Grund, sich aufzuregen.“ Dominics Hände verkrampften sich am Lenkrad, sein Kiefer spannte sich. „Ich will nicht, dass du mit ihm zu tun hast. Er wirkt viel zu interessiert an dir.“ Chloes Überraschung wich Besorgnis, ihre Stimme klang ungläubig. „Dominic, das ist doch lächerlich. Wir haben uns gerade erst kennengelernt.“ „Und du triffst schon andere Männer?“ „DOMINIC!“, schrie sie, die Wut in ihren Augen lodernd. Die Spannung im Auto war spürbar. Die Fahrt zum Flughafen verlief in unangenehmem Schweigen, nur unterbrochen vom Atem der beiden und gelegentlichem Hupen draußen. Als sie den Flughafen erreichten, parkte Dominic den Wagen, drehte sich zu Chloe und sein Blick wurde weicher. Seine Stimme klang nun reumütig. „Chloe, es tut mir leid. Ich bin in letzter Zeit ziemlich gestresst, aber das war keine Entschuldigung. Ich hätte nicht so reagieren dürfen.“ Chloe sah ihm in die Augen, suchte nach Aufrichtigkeit. In seinem Gesicht lag aufrichtige Reue. Sie atmete tief durch, nahm seine Hand. „Ich verstehe, dass Stress einen mitnehmen kann, Dominic. Ich verzeihe dir. Aber bitte – Vertrauen und Kommunikation sind essenziell, wenn das hier funktionieren soll.“ Dominics Gesicht entspannte sich, er drückte ihre Hand sanft. „Danke, Chloe. Ich verspreche, ich arbeite an mir. Lass uns unseren Urlaub genießen und schöne Erinnerungen schaffen.“ Chloe nickte, das Lächeln kehrte auf ihre Lippen zurück. „Wohin geht’s eigentlich?“, fragte sie. „Zu meinen Eltern.“ Sie hob die Augenbrauen. „Wirklich? Wohin genau?“ Er lächelte, sah ihr tief in die Augen. „Das wirst du sehen.“ „Dominic… das ist ein Privat-Hangar“, sagte sie. Sie waren nicht durch das Terminal des Flughafens gefahren, sondern zu einem abgetrennten Hangar. Das war… merkwürdig. Er lachte herzlich, stieg aus und hielt ihr die Hand hin. „Tja, ich habe ein Privatjet.“
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