Chapter 5

1129 Words
Ashinas Sichtweise 
Das Pochen in meinen Schläfen wurde mit jedem gezwungenen Lächeln und jeder höflichen Unterhaltung lauter. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Jedes Mal, wenn ich Erica an Nathans Seite sah, überkam mich eine neue Welle des Verrats. Ich brauchte Luft, etwas Raum, um die erstickenden Gefühle in mir zu verarbeiten. 
„Entschuldigung“, murmelte ich niemandem Bestimmtem zu und schlich mich aus der Menge davon. Ich bahnte mir einen Weg durch die Schwärme von Körpern, bis ich eine Tür zu einem abgeschiedenen Balkon aufstieß. A das Geländer gelehnt, holte ich tief und zitternd Luft, um mich zu beruhigen. 
Plötzlich knarrte die Tür erneut, und da war sie. Erica. Mein Atem stockte. „Solltest du nicht bei deinem Freund sein?“, fragte ich, meine Stimme von einer Bitterkeit durchzogen, die ich nicht ganz verbergen konnte. 
„Oh, mach dir um mich keine Sorgen“, sagte sie mit einem süßen Lächeln im Gesicht. „Ich sehe, dass es dir nicht gut geht. All der Stress muss dich belasten.“ Ihre Augen musterten mich von Kopf bis Fuß und verweilten etwas zu lange auf meinem Körper.
„Mir geht’s gut“, presste ich hervor und ballte die Fäuste an meinen Seiten. Das Letzte, was ich brauchte, war ihr Mitleid oder, schlimmer noch, ihre getarnten Sticheleien. 
„Komm schon, Ashina“, sagte sie, ihre Stimme triefend vor falschem Mitgefühl. „Wir wissen beide, dass das nicht stimmt. Du siehst furchtbar aus. Vielleicht solltest du die Süßigkeiten ein bisschen einschränken.“ 
Ihre Bemerkung traf genau ins Schwarze. Ich war immer etwas unsicher wegen meines Gewichts gewesen, und ihr Kommentar ließ eine Welle der Wut durch mich hindurchrasen. Aber ich wusste, ich musste es ignorieren. Zu reagieren würde ihr nur die Genugtuung geben, die sie suchte. 
Ich ignorierte ihren Kommentar, drehte mich weg und hoffte, sie würde den Hinweis verstehen und mich allein lassen. Aber natürlich tat sie das nicht.
„Sei nicht so kindisch, Ashina“, höhnte sie, ihr Lächeln verschwunden. „Gib einfach zu, dass du eifersüchtig bist. Nathan verdient jemanden Besseren. Jemanden Dünneren, Hübscheren, jemanden, der ihn wirklich liebt.“ 
Ihre Worte waren wie eine Ohrfeige, das Gift tropfte von ihnen herab. Jede Unze Selbstbeherrschung, an der ich mich festgeklammert hatte, begann zu bröckeln. 
„Verschwinde“, spie ich aus, meine Stimme zitternd vor Zorn. „Verschwinde einfach aus meinen Augen!“
„Oh, werd erwachsen“, spottete sie. Natürlich war Nathan nicht hier, aber sie hatte ihre Maske früher fallen lassen, als ich erwartet hatte. 
Ich beruhigte mich innerlich und entschied mich zu gehen. Ich drehte mich um, um zu verschwinden, und bevor ich wusste, was geschah, packte sie mein Handgelenk, ihr Griff überraschend fest.
„Wo glaubst du, gehst du hin? Wir reden noch!“, sagte sie. Ihr Griff wurde noch fester, ihre Augen schossen Blitze. 
Der Instinkt übernahm. In einem verzweifelten Versuch, mich zu befreien, riss ich meinen Arm zurück und schickte sie stolpernd nach hinten.
Ein Keuchen entwich ihren Lippen, als sie das Gleichgewicht verlor und zu Boden fiel. 
Mein Herz rutschte mir in die Hose. Panik durchflutete mich und ersetzte den Zorn. Ich hatte sie nicht geschubst! 
In diesem Moment schwang die Balkontür mit einem Knall auf und enthüllte Nathan. Seine Augen huschten zwischen mir und Erica hin und her, die am Boden lag und mit einer Grimasse ihr Knöchel umklammerte. 
„Erica!“, rief er und eilte an ihre Seite. „Was ist passiert?“ 
Bevor ich auch nur eine Erklärung stammeln konnte, schaute Erica zu Nathan auf, ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ashina hat mich geschubst!“, weinte sie, ihre Stimme zitternd. 
Nathans Blick schnappte zu mir herüber, sein Gesicht eine Maske aus Wut. „Ashina? Ist das wahr?“
Der Verrat in seiner Stimme war wie ein Messer, das sich in meinem Magen drehte. Wie konnte er ihr so bereitwillig glauben, ohne auch nur meine Seite der Geschichte zu hören? 
„Nein, ich…“, stammelte ich, meine Stimme erstickt von Emotionen. „Sie hat mich beleidigt und ich…“
Aber die Worte erstarben in meiner Kehle. Nathan war nicht an meiner Erklärung interessiert. Seine Augen waren voller Zorn, und seine Stimme war kalt.
„Verschwinde!“, brüllte er. „Verschwinde aus meinen Augen!“ 
Tränen stiegen in meinen eigenen Augen auf und verschleierten meine Sicht. Die Welt drehte sich um mich, als das Gewicht seines Verrats und Ericas Lügen mich zerdrückte. Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und floh. DANIELS SICHTWEISE 
Ich hatte die gesamte Szene vom Rand des Balkons aus beobachtet. Mein Verdacht gegen Erica hatte sich seit meiner Ankunft aufgebaut, aber zu sehen, wie sie Ashina die Schuld zuschob – es war infuriierend. 
Ohne einen zweiten Gedanken entschuldigte ich mich von der Party und eilte nach draußen. Die Erinnerung an Ashinas tränenüberströmtes Gesicht ließ meine Schritte eilen. Ich folgte ihr zu einem ruhigen Bach in einiger Entfernung vom Rudelhaus. Ich hatte sie verpasst, aber ich folgte ihrem Duft, und tatsächlich, als ich die Lichtung erreichte, sah ich ihre gebückte Gestalt, die sich gegen das Mondlicht abzeichnete. Ihre gedämpften Schluchzer erreichten meine Ohren sogar aus der Ferne. Mein Herz schmerzte für sie. 
Ich holte tief Luft und kündigte meine Anwesenheit an: „Ashina?“ 
Ihr Kopf ruckte hoch, erschrocken, Tränen glitzerten auf ihren Wangen. „Daniel? Was machst du hier?“, brachte sie hervor, ihre Stimme d**k vor Emotionen.
„Ich habe gesehen, was passiert ist“, sagte ich sanft und trat näher. 
Verlegenheit rötete ihre Wangen. „Das solltest du nicht haben“, murmelte sie und wischte sich die Tränen mit dem Handrücken ab. Sie klopfte den Schmutz von ihrem Hintern ab, den sie sich beim Sitzen auf dem dreckigen Boden zugezogen hatte. „Wir sehen uns im Rudelhaus“, sagte sie und stolperte bei dem Versuch zu gehen über einen Zweig. 
Meine Reflexe setzten ein. In einem Blitz trat ich vor, mein Arm schlang sich um ihre Taille, gerade rechtzeitig, um ihren Fall zu verhindern. Ihr Körper prallte gegen meinen, ihr sanfter Duft erfüllte meine Sinne. 
Für einen Moment waren wir erstarrt, das einzige Geräusch war die ruhige Welle des nahen Baches. Ihr Atem stockte an meiner Brust, und ich konnte das Zittern spüren, das durch ihren Körper lief. 
„Ashina!“, dröhnte eine Stimme durch die Nacht, durchzogen von Zorn. Wir beide rissen die Köpfe herum und sahen Nathan aus den Schatten auftauchen, sein Gesicht verzerrt vor Wut. 
Die Luft knisterte vor Spannung. Mein Arm ließ Ashina schnell los, während ich sicherstellte, dass sie stabil stand und nicht fiel. 
Nathans Augen verengten sich und nahmen die Szene vor ihm auf. 
„Was geht hier vor?“, verlangte er zu wissen, seine Stimme tief und gefährlich.
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