Die Lichter der Bowlingbahn flackerten leicht über Bahn sieben, als hätten sie schon zu lange gearbeitet und würden ernsthaft darüber nachdenken aufzuhören.
Ashlyn bemerkte es sofort, als sie eintraten. Nicht die Helligkeit genau. Den Rhythmus. Ein schwacher Puls, der sich alle paar Sekunden wiederholte, während Nadja in der Tür stehen blieb und die leuchtenden Pins anstarrte, als könnten sie jeden Moment anfangen sich zu bewegen. Sydney ging direkt zum Tresen, ohne langsamer zu werden. „Vier Schuhe“, verkündete sie und lehnte sich schon über das Laminat, als gehöre ihr der Laden.
Der Angestellte schob die Leihschuhe herüber, ohne von seinem Handy aufzusehen. Nadja griff sofort nach dem kleinsten Paar und versuchte darin zu laufen, bevor sie überhaupt geschnürt waren.
Ihr erster Schritt schwankte.
Toby fing ihren Ellbogen ohne Kommentar auf und ging in die Hocke, während Ashlyn sich neben ihn kniete, um die Schnürsenkel richtig zu binden. Nadja beobachtete beide mit ernster Konzentration, als wäre der Vorgang wichtig. Sydney stand bereits am Punktetisch und tippte mit übertriebener Entschlossenheit Namen ein. Der Bildschirm flackerte einmal, bevor sich eine Reihenfolge einstellte.
SYDNEY
ASHLYN
TOBY
NADJA
„Das ist nicht die richtige Reihenfolge“, sagte Toby.
„Doch, emotional schon“, erwiderte Sydney.
Ashlyn widersprach nicht; sie versuchte herauszufinden, was das bedeuten sollte. Neben ihnen krachte es, als Pins umfielen, und Nadja klatschte sofort, die Augen weit aufgerissen, als wäre genau dieses Geräusch der Sinn des ganzen Gebäudes.
Sydney schnappte sich die nächste Bowlingkugel und rollte sie sofort. Sie bog leicht ab und räumte die Hälfte der Pins ab. Sie drehte sich schnell um. „War Absicht.“ Ashlyn trat als Nächste nach vorn. Die Kugel fühlte sich schwerer an, als sie aussah, und sie ließ sie langsamer rollen, beobachtete, wie sie die Bahn hinunterlief, als müsste sie erst entscheiden, wohin sie wollte. Sechs Pins kippten um. „Solide“, sagte Sydney. Toby nahm sich ohne großes Aufheben eine Kugel und rollte sie mit einer Bewegung, die unspektakulär wirkte, bis alle Pins auf einmal zusammenbrachen. Sydney starrte auf die Anzeige. „Du bowlst.“ „Ich existiere“, sagte er. „Das war verdächtig kompetent.“
Nadja zog an Tobys Ärmel. „Ich bin dran.“ Er ging in die Hocke und legte eine kleinere Kugel auf die Plastikrampe. „Bereit?“ fragte er. Sie nickte heftig. Die Kugel rollte langsam die Bahn hinunter und traf genau einen Pin. Nadja schnappte nach Luft, als hätte sie gerade die Schwerkraft entdeckt. Sydney applaudierte laut genug, dass sich Leute auf der Bahn dahinter umdrehten. „Champion.“
Danach fand das Spiel seinen Rhythmus. Kugeln rollten. Pins krachten. Nadja erfand komplizierte Geschichten darüber, welche Pins Freunde waren und welche Feinde. Sydney kommentierte jede Runde wie eine Sportreporterin ohne jede professionelle Distanz. „Ashlyn betritt die Bahn mit Entschlossenheit“, verkündete sie. „Ihre Haltung ist stark und ihre Konzentration unerschütterlich.“
Ashlyn rollte die Kugel und räumte acht Pins ab. Sydney zeigte auf die Anzeige. „Siehst du.“ Toby trat wieder vor und räumte mit einem weiteren Strike die Bahn. Nadja klatschte gegen seinen Arm, als hätte sie den Wurf persönlich trainiert. „Gut gemacht, Onkel Toby.“
Ashlyn bemerkte die kleinen Anpassungen, die er ständig machte, ohne darüber nachzudenken. Wie er die Rampe ein Stück verschob, damit Nadja nicht darüber stolperte. Wie er die Kugelrückgabe ein wenig drehte, wenn sie zu nah an ihren Füßen ratterte. Er sah nicht aus, als würde ihm auffallen, dass er das tat. Sydney bemerkte, dass Ashlyn es bemerkte. „Du kannst gut mit Kindern“, sagte sie beiläufig, während sie auf ihren Zug wartete. Toby zuckte mit den Schultern. „Sie sind ehrlich.“ „Das ist nicht der Grund.“
Ashlyn rollte erneut und traf sieben Pins. Die Kugel bog spät ab, als hätte sie ihre Meinung auf halber Strecke geändert. Nadja lehnte sich gegen Tobys Arm, während sie die Punkteanzeige beobachtete. „Du gewinnst“, flüsterte sie Ashlyn zu und zeigte auf die Animation der Pins auf dem Bildschirm. „Tue ich nicht“, widersprach Ashlyn sichtbar frustriert. Nadja sah nicht überzeugt aus.
Der letzte Durchgang näherte sich, während Sydney sich gegen die Konsole lehnte, als könnte die Maschine sie verraten, wenn sie sich wegdrehte. „Wenn Toby gewinnt“, sagte sie, „lege ich Beschwerde ein.“ „Bei wem?“ fragte Ashlyn. „Bei der Bowling-Gemeinschaft.“ Ashlyn rollte zuerst und traf wieder sieben Pins. Sydney trat mit dramatischer Konzentration vor und schaffte fünf. Sie sah auf die Anzeige, als hätte sie sie persönlich enttäuscht. „Sabotage“, erklärte sie. Toby war zuletzt dran.
Die Kugel verließ seine Hand sauber und gerade, und die Pins fielen so schnell, dass es endgültig klang. Sydney warf beide Hände in die Luft. „Absolut inakzeptabel.“ Nadja klatschte wieder. Ashlyn lachte leise, bevor sie es verhindern konnte.
Sie gaben die Schuhe am Sitzbereich zurück, während Nadja schläfrig an Tobys Arm lehnte und die Aufregung des Spiels langsam von ihr abfiel. Sydney beobachtete die Szene, als würde sie sie für später abspeichern. „Weißt du“, sagte sie nachdenklich, „das war meine Idee.“ Ashlyn sah auf. „War es das?“ „Ich verdiene wenigstens Anerkennung“, sagte Sydney und rieb sich die Hände. „Wofür, fürs Bowlen?“ „Dafür, dass ich alle aus ihren Häusern gezerrt habe. Seit dem Camp sind wir alle irgendwie auf Abstand gegangen.“ Gemeinsam gingen sie zu ihren Autos.
Die Nachtluft draußen fühlte sich kühler an als zuvor. Die Lichter auf dem Parkplatz summten leise über Reihen stiller Autos, während Nadja sofort beide Arme um Ashlyns Hals legte, als sie sie hochhob.
„Das hat Spaß gemacht“, sagte Sydney. Ashlyn nickte. „Ja.“ Toby stand am Bordstein mit den Händen in den Taschen. Nicht aufdringlich. Einfach da. „Gleiche Zeit nächste Woche?“ fragte Sydney. Ashlyn sah zu Toby hinüber. Er zuckte leicht mit den Schultern. „Ich habe meistens Zeit, und früher habe ich in der Jugend-Bowlingliga meiner Heimatstadt gespielt.“
Sydney lächelte, als hätte sie genau diese Antwort erwartet. „Perfekt.“ Ashlyn schnallte Nadja auf dem Rücksitz an, während Sydney auf den Beifahrersitz stieg. Als sie wieder aufstand, stand Toby noch immer dort. „Sag bitte, dass du Spaß hattest“, fragte er. Sie nickte. „Ja.“ Die Antwort kam leichter, als sie erwartet hatte.
Er wirkte erleichtert, auf eine Weise, die ihm wahrscheinlich selbst nicht auffiel. Ashlyn schloss die Tür und ging um das Auto herum, während Sydney sich halb im Sitz drehte und beide neugierig beobachtete.
Der Motor sprang an.
Toby trat vom Bordstein zurück, als das Auto losrollte, und hob eine Hand zum kleinen Abschiedsgruß. Ashlyn erwiderte ihn durch das Fenster, ohne darüber nachzudenken. Die Lichter der Bowlinghalle verschwanden im Rückspiegel, als sie auf die Straße einbogen. Sydney wartete genau drei Sekunden. Dann drehte sie sich um. „Hat er gerade Bowlingliga gesagt? Was für ein Nerd. Gibt es irgendetwas, das er nicht kann?“
Ashlyn saß still, und ihr Herz kam fast sofort zu einem Schluss.
„Richter.“