Kapitel 11

391 Words
CHRISTIANS S. I. Ich betrat das Zimmer, mein Herz hämmerte wild in meiner Brust. Mein Vater wirkte blass gegen die weißen Laken. Seine sonst so lebendige, fast überwältigende Präsenz war zu einem fast skelettartigen Dasein geschrumpft, das dort im Bett lag. Ich blinzelte heftig, mein Herz zog sich zusammen, als ein Kloß in meinem Hals aufstieg. Das war mein Vater. Ich hatte ihn noch nie so schwach gesehen. Nicht einmal annähernd. Er war immer der Volkov-Geschäftsmann gewesen, der Mann, der Imperien aufbauen oder zerstören konnte. Dieser Mann im Krankenbett war meilenweit entfernt von dem, den ich kannte. „Dad“, brachte ich heraus, während ich die letzten Schritte auf ihn zuging. Ich setzte mich auf den einzigen Stuhl neben dem Bett und streckte vorsichtig die Hand aus. Meine Hand schwebte nah über seiner, doch ich brachte es nicht über mich, ihn tatsächlich zu berühren. „Dad“, sagte ich erneut, meine Stimme kleiner, als ich erwartet hatte. Seine Augen öffneten sich langsam, und er drehte den Kopf zu mir. Er bewegte seine Hand, und ich griff vorsichtig danach, meine Finger schlossen sich um seine. „Ich weiß es schon eine Weile“, sagte er mit zittriger Stimme. „Sie sagen, es ist unheilbar. Ich habe wohl einfach gehofft, dass ein Tag wie dieser nie kommen würde.“ Ich schloss die Augen, meine Kiefer pressten sich hart aufeinander. „Dad.“ „Du bist stark“, sagte er und lachte leise und schwach, wobei sich seine Brust so stark hob und senkte, dass ich dachte, ich müsste den Arzt rufen. „Du warst trotz allem schon immer so stark. Ich hoffe nur, du bist stark genug, um weiterzumachen, wenn dieser Krebs gewinnt.“ Meine Augen schlossen sich, eine einzelne Träne entkam unter meinen Lidern. „Nicht… sag das nicht. Die Ärzte können…“ „Es gibt keinen Weg“, sagte er und sah mir direkt in die Augen. Die Melancholie verschwand, und ein Hauch von Ernsthaftigkeit trat in seinen Blick, als er seine andere Hand auf meine legte und meine Finger zwischen seinen beiden Händen einschloss. „Ich muss dir etwas sagen.“ Ich lehnte mich vor und wartete. Ich rechnete mit etwas, das ein typisch sterbender Mann sagen würde. Vielleicht ein Geheimnis. „Ich… ich möchte, dass du die Firma übernimmst. Vor deinem Bruder Lucas.“
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