Der Morgen brach viel zu früh an. Das Licht war sanft, doch es wirkte wie eine Klinge, die durch den Nebel schnitt, der über dem Rudelhaus hing. Jeder Schatten wirkte schwerer, als er sein sollte, jedes Geräusch schärfer. Selene erwachte vom gleichmäßigen, synchronen und unerbittlichen Schritt von Stiefeln vor ihrer Tür. Die Untersuchung hatte das gesamte Rudel in einen Schwarm Misstrauen verwandelt. Selbst die Vögel schienen nur noch gedämpft zu singen, als fürchteten sie, Aufmerksamkeit zu erregen. Als sie den Flur betrat, standen bereits zwei Wachen an der Ecke. Ihre Blicke huschten zu ihr – nicht lange, aber lange genug, um ihren Puls ins Stocken zu bringen. „Morgen“, sagte sie leise. Sie antworteten nicht. Sie sahen nur zu. Sie spürte ihre Blicke, die ihr den ganzen Korridor ent

