Die Morgendämmerung brach blass und kalt an, wie jene Art von Morgengrauen, die allem die Farbe raubt. Der Hof roch schwach nach feuchter Erde und Rauch, eine Erinnerung an die Feuer der vergangenen Nacht, die noch im Wind hing. Selene stand auf, bevor das Horn ertönte – Schlaf war ein Luxus, den sie sich nicht mehr leisten konnte. Sie bewegte sich wie ein Schatten durch die Dienerquartiere, lautlos und ruhig. Ihre Hände fanden einen Rhythmus in den vertrauten Arbeiten: die Steinplatten schrubben, die Messinglampen polieren, Wasser vom Brunnen holen. Jede Bewegung war eingeübt – doch in ihrem Kopf tobte ein Sturm unter der Stille. Sie spürte Blicke auf sich, zu viele Blicke. Jedes achtlose Flüstern kratzte wie Krallen an ihrer Haut. Von der anderen Seite des Hofes murmelten zwei Wachen.

