Der Morgen im Red Moon begann stets mit dem scharfen Klang der Disziplin. Eine Glocke, die eigentlich keine war – eher eine Warnung. Eine Erinnerung daran, dass der Tag nicht ihr gehörte, dass ihr Atem geliehen war, dass ihre Fehler nachhallen würden. Selene erwachte hellwach. Sie hatte kaum geschlafen; ihre Gedanken vermischten die belauschten Pläne der letzten Nacht mit Ethans Stimme auf dem Balkon – dieser ruhigen, beunruhigenden Sanftheit, die er nicht besitzen sollte. Sie zuckte mit den Schultern und ließ ihren Wolf unter der Haut summen. Sie brauchte Ruhe. Sie brauchte Konzentration. Sie musste das Gefühl verdrängen, als Ethan ihren Namen sagte, als wären Finger über ihren Rücken gestrichen. Als sie den Flur betrat, war ihr Gesichtsausdruck gefasst, ihre Schritte leichtfüßig. Und

