Kapitel 1
ALINAS POV
„Was hast du gerade gesagt?“
„Sag es nochmal. Sag es mir nochmal, Al.“
Sein Atem lag schwer auf mir, das Pochen jetzt unaufhaltsam. Heiß, drängend, so verdammt gut, dass mir nichts anderes blieb, als meine Beine weiter zu spreizen und zu stöhnen.
„Roman. Roman, bitte… b-bit—“
„Sag es“, knurrte er. „Sag es mir ins Gesicht. Ich will es hören.“
„I-ich—“
„Geht jetzt nicht mehr?“ Seine Stimme war tief, rau an meinem Ohr. „Du kannst nicht sagen, dass du mich hasst, während mein Schwanz dich ausfüllt, hm? Gefällt dir das?“
„Oh Gott…“ hauchte ich, klammerte mich an die Arbeitsfläche. Meine Finger rutschten. „Roman…“
Er stieß tiefer, hob mich vom Tresen an, hielt mich fest. Mein Körper öffnete sich ihm vollkommen, uns beiden, während wir uns ansahen – die Dicke von ihm drängte sich immer tiefer in mich hinein. Immer wieder. Jeder Stoß wahnsinniger als der letzte. Wie eine Strafe. Und ich liebte jede einzelne Sekunde davon.
„Ohhh…“
„Oh Gott!“ wimmerte ich, klammerte mich an seine Hand an meiner Hüfte. Meine Stimme hallte, aber es war mir egal. Konnte mir nicht egaler sein bei dem, was er mir antat. „Mehr. Bitte mehr… oh Gott, mehr!“
Und er gab es mir. Genau das, worum ich flehte. Unsere Haut klatschte aufeinander, schweißglänzend. Der Geruch von uns, von s*x, d**k in der Luft. Ich hielt mich nur noch fester, sinnlose Worte puren Verlangens fielen mir von den Lippen, ein Schrei tief in meiner Kehle.
„Scheiße!“ Er stöhnte, stieß noch härter zu. Der Tresen war jetzt glitschig. „So verdammt gut… so eng… f**k. f**k, Alina! f**k dich. f**k dich. f**k DICH!“
„ALINA!“
Ein lauter Knall.
Und mit einem Schlag riss ich die Augen auf.
Hochgeschreckt. Keuchend. Mein Herz raste, als hätte ich einen Marathon hinter mir – nur dass ich immer noch auf dem wackeligen Stuhl saß, der mir gehörte.
„Alina, wach auf!“ Weitere Schläge auf den Tisch vor mir, mein Blick verschwommen. „Der Himmel fällt ein und du findest hier noch Zeit zum Nickerchen?“
Cleo.
Meine beste Freundin. Diese Stimme.
Moment mal. Weißer Schreibtisch. Unbequemer Stuhl. Ein stechender, nadelspitzer Schmerz in meiner linken Brust?
Ja. Büro. Definitiv.
Das reichte. Mein Blick klärte sich. Das grelle Neonlicht über mir. Cleos unbeeindrucktes Gesicht.
„Hast du geträumt oder was? Du sahst aus, als würdest du das ziemlich genießen.“
Ich erstarrte.
Mein Kopf schleuderte mich zurück. Das Stöhnen. Das Pochen. Die Berührungen. Die Nässe. Und diese absolute, alles verschlingende Abscheu, die mich jetzt traf.
„Zieh nicht so ein angeekeltes Gesicht“, neckte Cleo. „Du darfst auch mal Pause machen.“
Nein.
Nicht, wenn er darin vorkam. Schon wieder.
Noch ein feuchter Traum. Der dritte diese Woche. Und war es möglich, dass ich mich diesmal noch angewiderter fühlte als zuvor?
Wie konnte das überhaupt sein? Warum verriet mich mein Unterbewusstsein so brutal – schleppte Bilder eines Mannes hervor, den ich vor Jahren aus meinem Leben gelöscht hatte?
Hatte ich nicht schon genug Probleme?
„Es gibt ein Problem, Alina.“ Cleo unterbrach meine Panik und zog einen Stuhl heran.
„Was für ein Problem?“ brachte ich hervor. Bitte kein Klatsch. Nicht jetzt.
„Das Oxygen-Projekt wurde neu vergeben.“
Mein Kopf schoss hoch. „Was?“
„An Nicole. Nicole Salvador.“ Ihre Stimme war flach, gnadenlos.
Ich starrte sie an. Worte blieben mir im Hals stecken. „Du machst Witze.“
„Wünschte ich. Ich hab’s selbst gehört. Joe gibt es ihr. Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem ihr ganzes ‚Glück‘ entsteht.“
Ich blinzelte. „D-du meinst—“
„Sie schläft mit ihm, Lina. Nicole fickt Joe. Ich hab sie auf dem Flur gehört.“
Was?
Die Worte hallten in mir nach. Schwer. Falsch. Und vor allem: Oxygen.
Das war mein Projekt.
Mein Ticket zur Beförderung. Zu mehr Gehalt. Zu echter Stabilität – für Cleo und mich.
Und jetzt das? Dieses absurde, widerwärtige Drama?
„Und unsere Vorteile? Unsere Monate Arbeit?“ fragte ich leise.
Cleo lachte bitter. „Was glaubst du denn? Dass Joe seine Fickfreundin umsonst arbeiten lässt, während wir leer ausgehen? Bitte.“
Oh Gott.
„Oh mein Gott…“ flüsterte ich.
„Eben!“ Cleo kochte. „Zwei Monate ohne Schlaf, Überstunden, Koffein. Die Präsentation ist nächste Woche! Und dann das? Er will ihr alles schenken, als wären wir ein Witz! War alles umsonst? Wo ist da bitte die Gerechtigkeit?!“
Mein Puls verlangsamte sich. Die Bedeutung sickerte ein. Und mit ihr diese lähmende Angst.
Ohne dieses Projekt war ich nichts. Zurück auf Anfang.
Zurück zu schlechten Gehältern, miesen Positionen, herumgeschubst wie ein Laufmädchen – nur weil ich gut genug sein wollte für größere Projekte, für etwas, das in meinem Portfolio glänzt.
Was war mit Mama? Die Kreditrate, die sie Anfang des Jahres aufgenommen hatte? Die Wohnung, die ich mir immer noch leisten musste? Ich brauchte sie dringend.
Ich brauchte ein Auto. Irgendeins.
Oxygen sollte all das möglich machen. Und jetzt? Weg?
„Diese luftleere Schlampe“, zischte Cleo. „Schläft sich nach oben. Ich wusste es. Sie stiehlt nur die Arbeit anderer.“
Nein.
Nicht dieses Mal.
Ich stand abrupt auf. „Wo gehst du hin?“
„Joe daran erinnern, wer Oxygen überhaupt reingeholt hat.“
Ich riss die Tür auf.
„Lina, warte—“
Ich tat es nicht. Ging einfach weiter, durch den Flur, direkt auf das gottverlassene Büro des größten Arschlochs des Jahrhunderts zu.
Joe.
„Alina? Was—“
Ich ignorierte Ava, seine Sekretärin, und riss die Tür auf.
Sie krachte gegen die Wand. Alles im Raum erstarrte.
„Was soll das?“ bellte Joe.
„Ich wollte sie aufhalten!“ Ava versuchte es, aber mein Blick war längst auf Joes Schreibtisch fixiert. Die Papiere. Der Stift in seiner Hand. Und Nicoles unschuldige Miene.
Man könnte meinen, hier sei gerade etwas unterschrieben worden.
„Du willst sie wirklich für Oxygen einsetzen?“ fragte ich kühl.
Er hob eine Braue. „Und wenn ja?“
„Dann ist das mein Projekt.“
Er lachte. „Dein Projekt? Du hast wohl vergessen, wie es hier läuft, Monroe. Ich bin dein Boss. Wenn ich sage, du bist inkompetent, dann bist du das. Raus.“
Inkompetent?
Wo war dieses Wort, als ich durch die halbe Stadt gerannt bin, um Oxygen überhaupt an Land zu ziehen?
„Das wirst du nicht tun, Joe!“ Meine Hände landeten auf seinem Tisch. „Tu es – und ich melde dich. Petitionen. Gegen dich und deine schleimleckende Hure hier.“
„Monroe!“
„Joe!“
Wir starrten uns an. Ich wich nicht zurück. Hatte nichts zu verlieren.
„Du erhebst schwere Vorwürfe“, warnte er. „Belästigung. Nicole ist nicht schuld daran, dass du unfähig bist.“
Ich hätte fast gelacht. „Denkst du wirklich, wir sind blind? Du tust das nur, weil du gern in ihre Hose kriechst.“
„Monroe!“
„Du hast eine sexuelle Beziehung mit einer Mitarbeiterin!“ schnappte ich. „Und missbrauchst deine Macht. Bevorzugung. Das verstößt gegen jede Firmenregel. Welche Strafe steht darauf?“
„Ich bin immer noch dein Chef!“
„Dann verhalte dich auch so.“
Stille. Spannung.
„Cleo und ich haben Oxygen geführt“, fuhr ich fort. „Erfolgreich. Es gibt keinen Grund für einen Wechsel.“
Sein linkes Auge zuckte. Ich kannte dieses Zeichen.
„Gut“, knurrte er schließlich. „Kein Transfer. Du machst es.“
„Was?!“ Nicole sprang auf. „Du hast gesagt—“
„Pläne ändern sich“, schnitt er ihr das Wort ab. „Alina hält die Präsentation. Morgen.“
Morgen?!
„Die Präsentation ist nächste Woche.“
Er grinste. „Update verpasst? Morgen. Und sie liegt bei dir.“
„Das ist lächerlich!“
„Oder ziehst du jetzt zurück?“ höhnte er.
Ich sah es. Die Falle.
„Nein“, sagte ich fest. „Ich mache es.“
Sein Lächeln war kalt. „Dann enttäusch mich besser nicht.“
Ich drehte mich um, triumphierend – bis die Realität mich draußen einholte.
Morgen.
Wie sollte ich das schaffen?
„Oh nein… was habe ich mir da eingebrockt?“