Darius’ spöttisches Grinsen verblasste. „Vorsicht“, warnte er.
Aber der Wolf kümmerte sich nicht darum. Charises Stimme kam tief und verzerrt heraus. „Wenn du sie jemals anrührst –“
„Genug“, knurrte Tobias und trat vor. Er bewegte sich schneller, als sie erwartet hatte – ein einzelner Schlag gegen die Seite ihres Kopfes. Schmerz explodierte hinter ihren Augen.
Die Welt wurde schwarz.
Als sie auf den Boden aufschlug, spürte sie es kaum.
„Sperrt sie ein“, sagte Darius kalt und wandte sich ab. „Und knebelt sie. Bis sie frei ist, wird das hier vorbei sein.“
Tobias zog sie am Arm hoch, ihr Kopf hing schlaff herab, ihr Handgelenk leuchtete noch schwach unter dem Mal.
Er schleifte sie einen schmalen Korridor entlang – vorbei an den ungenutzten Räumen des alten Anwesens – und stieß sie in eine Abstellkammer, wo er den Griff mit einer Kette verschloss.
Drinnen war die Luft stickig und kalt. Ihr Wolf knurrte in ihrer Brust, drückte gegen die Ränder des Mals, doch es hielt stand – versiegelte ihre Stimme, ihre Magie, ihre Wut.
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Die Dunkelheit drückte nah – schwer, luftleer.
Irgendwo oben zog ein Sturm auf, Donner grollte wie ein fernes Knurren. Charise lag reglos auf dem Boden, die Seite ihres Kopfes pochte dort, wo Tobias sie getroffen hatte. Ihr Handgelenk brannte schwach durch den Nebel, das Leuchten des Mals pulsierte im Takt ihres Herzschlags.
Dann, langsam, erstarrte ihr Körper – aber die Magie unter ihrer Haut tat es nicht.
Sie regte sich, ruhelos, streckte sich gegen unsichtbare Fesseln.
Ein Schauer durchlief die Luft. Das Mal flackerte einmal hell auf, dann wurde es wieder schwächer und kämpfte darum, etwas einzuschließen, das es nicht vollständig bändigen konnte. Unter der Oberfläche begann ihre Magie sich zu bewegen – suchend, spürend, rufend.
Etwas antwortete.
Ein Schwall von Kälte flutete durch ihre Adern, und die Welt fiel von ihr ab.
Schnee.
Wind.
Ein Feld schwarzer Kiefern, die sich unter dem Gewicht von drei Monden bogen.
Charise stand an der östlichen Grenze – nicht körperlich, sondern im Geiste, ihr Bewusstsein wurde durch die Verbindung ihrer unterdrückten Macht gezogen. Die Welt schimmerte wie Glas um sie herum. Sie konnte die Bindung leise summen spüren – Fäden des Bewusstseins, die zu den Alphas reichten.
Merrick. Pagan. Lyon.
Ihre Wölfe brannten wie ferne Sterne, stetig und stark.
Sie sah sie in der Nähe der Baumgrenze – vorsichtig, ahnungslos. Sie untersuchten etwas: einen eingestürzten Abschnitt des Zauns, eine halb im Schnee vergrabene Spur. Und dahinter –
Bewegung.
Ein Flimmern in den Schatten.
Ihr Magen verkrampfte sich, als die Vision schärfer wurde. Dutzende Gestalten schlüpften durch die Dunkelheit – Abtrünnige, die zielstrebig, lautlos und koordiniert vorrückten. Ihre Augen leuchteten mattrot, nicht das wilde Licht von Streunern, sondern die disziplinierte Konzentration von Männern unter Befehl.
Ein Hinterhalt.
Ihr Wolf bäumte sich auf und knurrte durch den Nebel. Sie versuchte zu schreien, sie zu warnen – aber kein Laut verließ ihre Lippen. Das Mal zog sich zusammen und brannte heißer.
„Lass mich los“, keuchte sie, obwohl ihr Körper in der realen Welt still blieb. „Lass mich –“
Die Magie bäumte sich auf, wütend, weigerte sich zu schweigen.
Flammen aus silberweißem Licht rissen durch die Vision und zerschmetterten die Ränder der Illusion. Für einen flüchtigen Herzschlag durchbrach sie den Halt der Verbindung – genug, damit der psychische Puls wie eine Sturmflut nach außen brach.
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Weit entfernt an der Grenze riss Merrick den Kopf hoch. Der Schnee zu seinen Füßen vibrierte, feines Pulver stieg in die Luft.
„Habt ihr das gespürt?“, fragte Lyons Stimme angespannt.
Pagan antwortete nicht – seine Augen waren blass geworden, sein Wolf drückte hart gegen seine Kontrolle. „Sie ist es.“
Aber die Verbindung verblasste bereits, entglitt ihrem Griff wie Rauch.
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Zurück im dunklen Raum zuckte Charises Körper, ihr Atem stockte, als das Mal ein letztes Mal sengte, bevor es zu einer schwachen Glut verblasste.
Sie keuchte wach, die Lungen brannten.
Der Geschmack von Blut füllte ihren Mund. Ihre Handgelenke pochten dort, wo die Fesseln in ihre Haut schnitten.
Die Vision hing noch hinter ihren Augen – das Bild der Grenze, getaucht in Feuer, die Alphas umzingelt, die Abtrünnigen, die näher rückten.
Ihr Wolf schritt wütend in ihr auf und ab und schnappte nach den Grenzen ihres Verstands. Wir müssen gehen.
„Ich weiß“, flüsterte sie heiser und testete die Tür mit ihrer Schulter. Sie bewegte sich nicht.
Sie drückte ihre Handfläche gegen das kalte Holz und spürte das Summen ihrer Magie unter dem Mal – schwach, aber lebendig.
„Sie laufen in eine Falle“, murmelte sie.
Der Sturm draußen krachte wie eine Warnung, der Wind schrie durch die Dachvorsprünge, während ihre Magie sich sammelte – schwache Lichtfäden krochen über ihre Haut und stemmten sich gegen Darius’ Siegel.
Das Hämmern in ihrem Kopf hatte nicht aufgehört. Ihr Atem kam noch immer flach und abgehackt, jeder Atemzug schmeckte nach Staub und Eisen.
Charise stemmte sich vom kalten Steinboden hoch, die Handflächen glitschig vom Blut, wo die Fesseln ihre Handgelenke wund gescheuert hatten. Das schwache Leuchten unter ihrer Haut pulsierte einmal schwach wie eine sterbende Glut – dann stabilisierte es sich.
Das Mal an ihrem Handgelenk brannte heißer.
„Komm schon“, zischte sie, schleppte sich zur Tür und rammte ihre Schulter dagegen. Sie gab nicht nach. „Diesmal gewinnst du nicht.“
Sie schlug erneut dagegen. Das Geräusch durchbrach die Stille. Nichts.
Wut wallte auf. Ihr Wolf drückte näher, knurrte in ihrer Brust. Drück.
Charises Augen flackerten schwach silbern. Die Luft im Raum erzitterte, ein leises Summen vibrierte durch Holz und Eisen um sie herum. Sie warf ihre Hand aus und versuchte, die aufsteigende Energie zu lenken – ihre Magie flammte auf, stotterte – dann prallte sie scharf zurück, das Siegel an ihrem Handgelenk brannte, als es ihre Macht in sie zurückzog.
Sie schrie durch zusammengebissene Zähne und taumelte zurück. „Lass mich raus.“
Der Raum pulsierte einmal unter der Kraft ihres Schreis, Staub rieselte von den Deckenbalken. Ihre Knie gaben nach; sie fing sich an der Wand ab, zitternd.
Dann – ein Geräusch. Leichte Schritte. Das leise metallische Schaben eines sich drehenden Schlosses.
Die Tür knarrte auf.
Ein Schatten schlüpfte hindurch.
„Elara?“
Die Augen der Heilerin waren weit aufgerissen, ihr Atem bildete Nebel in der kalten Luft, als sie die Tür schnell hinter sich schloss. „Bei den Göttern, Charise –“ Sie eilte vorwärts und half ihr auf. „Ich habe gesehen, wie Tobias dich hier reingeschleift hat. Er hat einen der Wächter vor die Tür gestellt. Ich… ich habe ihn einschlafen lassen.“ Sie hielt einen kleinen Beutel mit zerstoßenen Kräutern hoch, der schwere Duft von Baldrian und Minze lag in der Luft.
Charise atmete zittrig aus, ihr Wolf beruhigte sich gerade genug, damit sie sprechen konnte. „Du hättest nicht kommen sollen.“
„Ich würde dich doch nicht wie eine Gefangene in einer Abstellkammer lassen“, fuhr Elara sie scharf flüsternd an. „Was hat er getan?“
Charise zögerte, dann hob sie ihr Handgelenk. Das schwache Leuchten unter ihrer Haut flackerte in der Dunkelheit. „Er weiß, dass die Alphas an der Grenze sind. Er stellt ihnen eine Falle.“
Elara erstarrte. „Was?“
„Er hat jemanden angerufen“, sagte Charise, die Stimme angespannt. „Er sagte, sie würden bald an der Grenze sein und die Alphas abgelenkt halten. Er lässt die Abtrünnigen herein. Ich habe es gesehen.“
Elaras Blick huschte zu dem versiegelten Mal, Angst flackerte darin. „Und er wird es spüren, wenn du das brichst –“
„Das ist mir egal.“
Charise drängte sich an ihr vorbei zum Türrahmen, ihre Energie pulsierte mit jedem Atemzug heller. Das Mal kämpfte gegen sie und erhitzte sich wie Eisen auf ihrer Haut. Sie presste die Zähne gegen den Schmerz zusammen. „Sie laufen in eine Falle, Elara. Ich muss es stoppen, bevor es zu spät ist.“