„Was?“ Merricks Ton war scharf.
Lyon schluckte. „Ich habe gespürt –“ Er brach ab, die Finger gegen seine Brust gedrückt. „Einen Zug. Wie etwas – jemand – der ruft.“
Pagans Kopf neigte sich, die Nasenflügel blähten sich. „Sie?“
Das Wort hing in der Luft wie Rauch. Keiner von ihnen hatte ihren Namen laut ausgesprochen, seit die Jagd begonnen hatte.
Ein Zittern durchlief den Boden – so schwach, dass Merrick dachte, er hätte es sich eingebildet. Dann ein weiteres, näher. Keine Bewegung, sondern Energie. Ein Puls durch die Bindung, so schnell und hell, dass seine Sicht verschwamm.
Lyon zuckte zusammen, als wäre er getroffen worden. „Sie hat Schmerzen.“
Pagans Knurren vertiefte sich, jetzt ganz tierisch. „Etwas stimmt nicht.“
Merricks Kontrolle entglitt ihm zum ersten Mal in dieser Nacht. Seine Macht griff durch die Verbindung aus, befehlend, dringlich:
Findet sie. Jetzt.
Bevor die Worte ganz verhallt waren, knackte die Luft. Ein psychisches Knacken – sauber, gewaltsam, entfernt – und Merrick stockte der Atem. Es war diesmal nicht nur Schmerz; es war Magie. Ihre Magie. Ein Aufflammen, hell genug, um durch die Distanz zu sengen, silbern, lebendig und ungezügelt.
Die Männer um ihn herum taumelten, einige griffen sich an den Kopf. Wölfe winselten leise in ihren Kehlen. Der Wald selbst schien zurückzuweichen.
Dann kam aus dem Osten der Laut, der die Stille in zwei Hälften spaltete: brechende Äste, stampfende Pfoten, das unverkennbare Knurren von Abtrünnigen, die aus den Bäumen strömten.
Merrick zog seine Klinge, der Stahl fing das letzte sterbende Licht ein.
„Positionen“, bellte er, die Stimme ruhig, obwohl sein Puls donnerte.
Pagans Wolf stürmte mit einem Brüllen vorwärts, Lyon einen halben Schritt dahinter.
Und als Merrick sich der herannahenden Dunkelheit zuwandte, spürte er das Echo ihres Aufflammens erneut – jetzt verblassend, wie ein Herzschlag, der von der Distanz verschluckt wurde – aber genug, um seinen eigenen Wolf unter der Haut sträuben zu lassen.
Der erste Abtrünnige brach durch die Schneegrenze, die Augen wild und rot glühend.
„Hinterhalt.“
Der Wald explodierte.
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Die Welt brach in Bewegung aus.
Pagan dachte nicht – er handelte. Der erste Abtrünnige kam von links auf ihn zu, Krallen ausgefahren, der Atem ein fauliger Knurrlaut. Er duckte sich tief, die Muskeln spannten sich, und ließ seinen Wolf übernehmen. Knochen knackten, Sehnen dehnten sich, die Verwandlung fuhr durch ihn hindurch wie Feuer durch trockenes Laub.
Dann wurde die Welt scharf.
Schnee brannte kalt unter seinen Pfoten. Seine Zähne bleckten reflexartig, ein kehliges Knurren entwich seiner Kehle, als der Abtrünnige mitten im Sprung auf ihn traf – und Pagan ihn mit dem vollen Gewicht seines Wolfs empfing. Der Aufprall spaltete die Stille in zwei Hälften, Fell und Blut spritzten über den Schnee.
Jetzt.
Das Wort wurde nicht gesprochen – es pulsierte durch die Verbindung, Merricks Stimme ein Befehl in seinem Schädel.
Pagan schwang den Kopf, die Ohren zuckten zurück. Merricks Wolf, dunkel und massiv, hatte bereits zwei Abtrünnige in einem flüssigen Bogen der Bewegung erledigt, Präzision, wo Pagan rohe Kraft war. Lyon folgte einen Herzschlag später, sein helles Fell fing das sterbende Licht ein, als er in das Chaos sprang.
Sie bewegten sich als Einheit – drei Wölfe, ein Instinkt. Jeder Schritt gespiegelt, jeder Atemzug synchron, ein alter Rhythmus, der ihnen durch Jahre der Schlacht eingeprügelt worden war.
Die Abtrünnigen kamen in Wellen – zehn, dann zwanzig, die Augen wild, Schaum und Wut verzerrten ihre Gesichter. Schnee wurde rot unter ihren Pfoten. Die Luft stank nach Blut, Erde und Eisen.
Pagan rammte gegen einen weiteren Abtrünnigen, seine Kiefer schlossen sich um dessen Schulter. Knochen knackten. Die Kreatur schrie und erschlaffte, und Pagan schleuderte sie beiseite, die Brust schwer atmend, auf der Suche nach dem nächsten.
Durch den Wirbel aus Krallen und Fängen traf ihn der Zug.
Dort.
Es war kein Wort. Es war sie. Ein Aufblitzen von Wärme und Schmerz, das seinen Körper mitten im Schlag stocken ließ. Er spürte sie wie eine Hand, die gegen seine Rippen gedrückt wurde – schwach, angespannt, zu weit entfernt, aber real.
Merricks Stimme riss durch die Verbindung, abgehackt und kalt. Sie kommt.
Lyons Antwort war rauer, angespannt zwischen den Atemzügen. Nein – sie warnt uns.
Pagans Wolf knurrte, der Laut ein körperliches Krachen. Dann lebt sie noch.
Er riss durch einen weiteren Abtrünnigen, Krallen rissen Fell von Fleisch. Um sie herum verdichtete sich der Schneesturm aus Körpern – Abtrünnige, die sprangen, starben, mehr ersetzten sie in endlosen, hirnlosen Mengen. Jedes Mal, wenn er dachte, die Flut würde nachlassen, strömten weitere Schatten aus den Bäumen.
Etwas stimmte nicht. Das war kein Scharmützel. Es war ein Hinhalten.
Merrick –
Ich weiß. Merricks Stimme schnappte durch die Verbindung. Sie halten uns hier fest.
Pagans Augen huschten zur Baumgrenze – zu viel Bewegung. Zu koordiniert. Jemand trieb sie an.
Dann erzitterte die Luft.
Es begann tief – ein Laut, der kein Laut war, der durch den Boden, durch Knochen und Luft zugleich vibrierte. Wölfe hielten mitten im Knurren inne, die Köpfe ruckten nach oben. Selbst die Abtrünnigen zögerten, die Muskeln zitternd.
Und dann kam es.
Das Heulen.
Es spaltete die Nacht in zwei – ein Schrei, so roh, dass er nicht menschlich war, aber auch nicht ganz wolfisch. Er trug über den Kamm hinweg und hallte von den gefrorenen Gipfeln wider. Eine Stimme voller Wut, Schmerz und etwas Uraltem, das alles Lebendige zum Innehalten und Zuhören zwang.
Pagan erstarrte. Seine Brust zog sich so heftig zusammen, dass sein nächster Atemzug als raues Knurren herauskam. Er kannte diese Stimme. Kannte sie bis ins Mark seiner Knochen, in dem Zug, der ihn seit dem Moment verfolgt hatte, als er sie gesehen hatte.
Lyons Kopf ruckte nach Westen. Das –
Merricks Antwort war leise, sicher. Sie ist es.
Die Abtrünnigen begannen für eine halbe Sekunde zurückzuweichen – nur ein Flackern des Zögerns im Chaos – bevor die nächste Welle kam.
Aber Pagan sah sie kaum. Sein Blick war auf den Kamm fixiert, von wo der Laut gekommen war, sein Herz schlug im Rhythmus dieses Heulens, das noch immer die Bäume erzittern ließ.
Sein Wolf antwortete, nicht mit Laut, sondern mit einem tiefen, gefährlichen Grollen – ein Schwur.
Haltet die Linie, befahl Merrick durch die Bindung. Was auch passiert –
Pagans Knurren schnitt durch ihn hindurch, wild und sicher.
Sie ist hier.
Und als das letzte Echo ihres Heulens in der Nacht verhallte, schien der Wald auf einmal einzuatmen – jeder Ast, jede Schneeflocke hing in der Stille, bevor der nächste Sturm losbrach.
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Durch das schneegepeitschte Schlachtfeld riss eine Gestalt in Sicht, tief und geschmeidig, doch sie strahlte eine Macht aus, die selbst die abtrünnigen Wölfe mitten im Sprung innehalten ließ. Pagans Herz setzte aus, sein Wolf knurrte, die Muskeln spannten sich. Merrick spürte es ebenfalls, einen Puls, der durch die Luft schnitt und über sie hinwegrollte wie Wind über Eis.
Ihr Fell schimmerte silbern. Nicht blass, nicht grau – silbern, als hätte der Mond selbst sich in ihren Körper ergossen und strahlte in Wellen, die durch den Schnee, durch den Boden, durch jeden Wolf auf dem Feld pulsierten. Jedes Wesen – Freund und Feind – spürte es instinktiv. Köpfe senkten sich, Schwänze versteiften sich, urtümlicher Respekt in ihren Knochen.
Prachtvoll. Merricks Gedanke war still, ehrfürchtig. Sie bewegte sich, als gehörte ihr der Wald, doch jeder Schritt trug kontrollierte Wut. Sein Puls summte mit etwas zugleich Beschützendem und Ehrfürchtigem.
Sie gehört uns. Pagans Stimme – die Stimme seines Wolfs – riss durch die Verbindung, roh, besitzergreifend. Seine Brust zog sich zusammen, ein Knurren rollte aus dem tiefsten Teil von ihm. Ihre Augen – helle silberne Flammen – trafen seine, und die Bindung erwachte schreiend zum Leben, auf eine Weise, die keiner von ihnen ignorieren konnte.