Kapitel 42

1511 Words
Er richtete sie in seinen Armen zurecht, zog sie näher an sich und spürte, wie die Wärme langsam in ihre Haut zurückkehrte, ihr Puls schwach, aber wieder vorhanden. Das Leuchten an ihrem Handgelenk – das Mal – flackerte einmal schwach auf und erlosch dann vollständig. Das Siegel war verschwunden. Der Schnee fiel in weichen, lautlosen Flocken herab, bedeckte den Boden und dämpfte das Chaos um sie herum. Pagan trat aus der gefrorenen Welle der Rogues hervor, verwandelte sich zurück in seine menschliche Gestalt, ließ den Blick über den Bergrücken schweifen und blieb an ihr hängen. Der Wolf in seiner Brust knurrte leise – beschützend, ehrfürchtig und zugleich voller Zorn. Merrick folgte ihm, jeder Muskel gespannt vor Beherrschung, doch sein Blick wurde einen Hauch weicher, als er sie in Lyons Armen sah. Sie näherten sich schweigend, während ein vorsichtiges, unausgesprochenes Verständnis zwischen ihnen hindurchglitt. Keine Worte waren nötig – die Bindung summte zwischen ihnen dreien, ein leiser, schützender Klang, den Charise selbst in Bewegung gesetzt hatte. Lyon spürte es jetzt deutlich: Die Bindung vertiefte sich und verflocht sie auf eine Weise miteinander, die sie zuvor nicht vollständig verstanden hatten. Er konnte Pagans Zorn fühlen, Merricks ruhige Kontrolle, den beschützenden Pulsschlag des Herzens des Rudels. Und unter all dem lag ihre Magie, verweilend und lebendig, noch immer mit ihnen verbunden – nun jedoch frei von Darius’ Fesseln. Er hielt sie eng genug an sich gedrückt, damit sie nicht fiel, gewöhnte sich an das Gewicht und die Wärme ihres Körpers. Ihre Brust hob und senkte sich flach; jeder Atemzug war ein Sieg, jede Bewegung ein Beweis ihres Überlebens. Und in dieser Stille schwor Lyon sich lautlos, ruhig und entschlossen, sie zu beschützen. Ihr Vertrauen zu ehren. Die Stärke zu sein, die sie ihnen gerade geschenkt hatte. Der Bergrücken war nun still, abgesehen vom leisen Knirschen des Schnees unter den Stiefeln der drei Alphas, als sie sich schützend um sie aufstellten, schweigend und wachsam. Draußen glitzerte das Mondlicht auf dem Frost, während das Silber ihrer Magie sich wie ein Versprechen über die Welt legte. Lyon legte seine Stirn sanft gegen ihren Scheitel und flüsterte durch die Bindung, mehr zu sich selbst als zu ihr: „Wir werden dich beschützen. Niemand wird dich jemals von uns fortnehmen.“ Ihr Puls flatterte schwach unter seiner Berührung. Und zum ersten Mal in dieser Nacht fühlte es sich an, als könnte der Bergrücken wieder atmen. POV: Pagan Pagans Krallen gruben sich in den Schnee, seine Muskeln waren angespannt, jeder Sinn schrie Alarm. Sie war da – zuerst sichtbar in ihrer Wolfsgestalt, silbern erleuchtet und pulsierend vor roher, ungezähmter Macht. Die Luft selbst schien um sie herum zu erzittern. Jeder Rogue erstarrte mitten im Sprung, die Zähne gefletscht, die Augen weit aufgerissen – gefangen im silbernen Glanz ihrer Magie. Es war nicht nur beeindruckend; es war heilig. Rein, ungezügelt und erschreckend schön. Er konnte sehen, wie Lyon sie auffing, als sie erschlaffte, doch Pagan nahm die Bewegung kaum wahr. Sein Wolf tobte in ihm, drängte nach vorne, hungrig danach, an ihrer Seite zu sein, sie zu beschützen, sie zu beanspruchen und sicherzustellen, dass niemand – niemand – ihr jemals wieder wehtat. Sie gehörte zu ihnen. Die Bindung vibrierte zwischen ihnen wie ein lebendiger Herzschlag, silbern und elektrisch, pulsierend durch Schnee, Eis und die noch immer eingefrorenen Rogues. Ihre Augen – als er sie einfing – waren wild, leuchtend, silbern gegen die Dunkelheit des Waldes. Für einen Herzschlag trafen sich ihre Blicke, und seine Brust schmerzte vor dem Bedürfnis, sie zu beschützen, sie zu dominieren, in jeder Hinsicht für sie da zu sein. Die Verbindung war unbestreitbar, roh und scharf. Ihre Magie flammte erneut auf, heller und heißer, als würde sie die Grenzen des Siegels testen, das Darius ihr aufgezwungen hatte. Das Mal an ihrem Handgelenk glühte schwach und kämpfte gegen ihre Wut an, und Pagans Kiefer spannte sich an. Dieser Bastard wird dafür bezahlen. Er konnte sich nicht bewegen, um sie zu berühren, konnte nicht körperlich handeln, doch seine Präsenz strahlte in Wellen durch die Bindung. Sein Wolf knurrte tief, wild und besitzergreifend – und dadurch konnte er spüren, wie ihr Wolf seine Intensität widerspiegelte, den stillen Anspruch und die gegenseitige Anerkennung bestätigte. Selbst in Lyons Armen gefangen, war sie der Sturm. Jedes Zusammenzucken, jeder Ausbruch von Magie, jeder Bogen silberblauen Feuers, der durch den Schnee peitschte, ließ Pagans Herz heftiger schlagen – eine Mischung aus Ehrfurcht, Angst und Verlangen. Und dann wurde sie schlaff. Erschöpft, ausgelaugt, ausgebrannt von der Entfesselung jener Macht, die ihr so lange verwehrt worden war. Lyon hielt sie sicher fest, und Pagans Wolf fauchte die Welt an – beschützend, gefährlich, ein lebendiges Wesen, das sich um ihre Sicherheit schlang. Er machte einen Schritt näher und ließ die Bindung für sich sprechen, ließ sie wissen, dass sie nicht allein war. Wir sind hier. Wir passen auf dich auf. Der Schnee fiel in ruhigen silbernen Flocken um sie herum, doch in ihm loderte das Feuer weiter. Ihr Trotz, ihre Stärke, ihre Macht, die Wahrheit der Bindung – all das hatte etwas Ursprüngliches und Unumkehrbares in ihm entfacht. Sie gehörte zu ihnen. Zu ihnen allen. Und er würde die Welt niederbrennen, bevor er zuließ, dass irgendjemand sie ihnen nahm. POV: Merrick Der Schnee lag d**k und still da und glitzerte unter den aufsteigenden Monden. Nur die eingefrorenen Körper der Rogues und die verstreuten Spuren der Wölfe durchbrachen die unberührte Decke. Rauch kräuselte sich schwach von schwelenden Bäumen empor und hing beißend in der kalten Luft. Merricks Kiefer schmerzte vom Zusammenbeißen, doch seine Hände hörten nie auf, sich zu bewegen. Er überprüfte die Verwundeten, gab Befehle und ließ seinen Geist immer wieder durch das Chaos kreisen, das sie gerade überlebt hatten. Jeder Kratzer, jede Schramme, jedes knurrende Gesicht, das er im Kampf gesehen hatte, hatte sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Doch nichts kam dem Bild von ihr gleich – Charise –, als sie jene Macht entfesselte. Ein junger Gamma, noch gerötet vom Adrenalin, näherte sich mit zusammengelegter Kleidung und einer dicken Wolldecke. „Alphas“, sagte er mit angespannter Stimme, „wir ... wir haben ein paar Kleider gefunden, und das hier –“ vorsichtig hob er die Decke an, „– für sie.“ Lyon kniete bereits im Schnee. Behutsam legte er die Decke um Charises zitternden, erschöpften Körper. Ihr Kopf sank gegen seine Schulter, während ihre Haare an ihrer feuchten, blutverschmierten Haut klebten. Merrick spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog – Wut, Ehrfurcht, Erleichterung. Er erhaschte einen Blick auf ihr Gesicht unter der Decke, blass, aber selbst in der Bewusstlosigkeit noch voller Stärke. Das schwache silberne Leuchten flackerte noch immer an ihren Handgelenken, während ihre Magie sich beruhigte. Pagan lief am Waldrand auf und ab, jeder Schritt bewusst gesetzt, räuberisch, halb Wolf, halb Mensch. Seine Zähne waren hinter kaum bewegten Lippen zusammengebissen, tiefe Knurrlaute vibrierten in seiner Brust. Er ruhte nicht. Er würde nicht ruhen. Jemand hatte es gewagt, sie in die Enge zu treiben, und Pagans Wolf war nicht bereit zu vergeben. „Sie hat das Siegel gebrochen“, murmelte Merrick mit rauer Stimme, beinahe zu sich selbst, während er den Bergrücken betrachtete. Jede Schneewehe, jeder verstreute Rogue, jeder zitternde Untergebene erinnerte ihn daran. Sie hat es gebrochen. Alles davon. „Und uns gerettet“, knurrte Pagan dunkel und tief. Seine Stimme trug über das stille Schlachtfeld. Selbst in seinem Zorn lag Ehrfurcht. Das Knurren wurde nur leicht sanfter, als er sich zu ihr umdrehte, den Kiefer angespannt und die Augen von unausgesprochener Besitzergreifung erfüllt. Lyons Hände schlossen sich fester um sie, als er sie vollständig anhob und gegen seine Brust trug. „Sie hat alle gerettet.“ Merricks Fäuste ballten sich, die Knöchel wurden weiß, als er sie in Lyons Armen betrachtete. Jenes Feuer, das sie entfesselt hatte – unkontrolliert, ursprünglich ... Es war mächtig genug, um ganze Armeen auszulöschen, und doch hatte sie es eingesetzt, um sie zu beschützen. Und es hätte sie beinahe mit sich gerissen. Der Gamma trat schweigend zurück und ließ ihnen einen Augenblick zerbrechlicher Ruhe. Merrick atmete schließlich aus. Die eisige Luft entwich seinen Lungen in einem zitternden Stoß, während sein Blick zum blassen Mond aufstieg. Sein kaltes Licht spiegelte sich im Schnee wider, hell und unerbittlich, ein Echo des Feuers, das er gerade in ihr gesehen hatte. „Sie gehört zu uns“, murmelte Pagan kaum hörbar, seine Stimme gespannt von einem Gefühl, das Merrick nicht benennen wollte. Besitzergreifend. Beschützend. Roh. Merricks Kiefer spannte sich an. Nicht einfach nur zu ihnen, nicht nur durch eine Gefährtenbindung – sie gehörte sich selbst. Aber sie hatte alles für sie riskiert. Und wenn Darius glaubte, er könne ihr auch nur nahekommen, versprach Merricks Wolf das Blut, das fließen würde. Lyon korrigierte vorsichtig seinen Griff, darauf bedacht, sie nicht zu erschüttern, und murmelte: „Ruh dich jetzt aus. Du bist in Sicherheit.“ Merricks Augen wanderten erneut über den Horizont. Der Angriff der Rogues war vorbei, doch die Gefahr nicht. Sie mussten schnell handeln. Es gab Fragen, Konsequenzen und einen sehr wütenden Alpha Darius, der noch immer irgendwo da draußen war – lebendig und voller Intrigen.
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