Kapitel 93

1067 Words
Ihr Puls schlug schneller. Das Band vibrierte als Antwort, schwer und voll. Als sie nicht sprach, trat Pagan näher — langsam, bewusst — bis seine Hand ihr Handgelenk fand, der Daumen strich über das schwache Schimmern des Mals, das sie mit allen dreien verband. Seine Stimme wurde tiefer, Kies und Hitze. „Du spürst es auch“, sagte er. Das tat sie. Es brannte unter ihrer Haut, durch jeden Zentimeter von ihr. Lyon bewegte sich hinter sie, nah genug, dass sie die von ihm ausgehende Wärme spüren konnte, sein Atem strich über ihren Nacken. Merricks Beherrschung bekam Risse, seine Augen verdunkelten sich, als er sie zwischen ihnen sah — sein Verstand verlor bereits gegen den Instinkt. „Charise —“, begann Merrick, doch sie schüttelte den Kopf, die Stimme leise, aber fest. „Keine Titel“, sagte sie. „Nicht heute Nacht.“ Das war der Funke. ** Die Tür klickte hinter ihnen zu, als sie ihr Zimmer betraten, eine subtile Interpunktion in der Stille. Charises Brust hob und senkte sich, als hätte sie die ganze Zeit den Atem angehalten, und jetzt, endlich, spürte sie, wie er sie in abgehackten kleinen Schüben verließ. Das Zimmer war dunkel, das einzige Licht fiel von den Straßenlaternen durch hohe Fenster herein, bernsteinfarbene Streifen glitten über den Boden und trafen auf ihre Haut. Lyon bewegte sich zuerst. Immer derjenige, der den Rhythmus eines Raumes las, die unausgesprochenen Hinweise, die Räume zwischen den Menschen. Er näherte sich langsam, bewusst, das schwache Flackern seiner Magie umhüllte ihn wie ein weicher Mantel. Seine Augen zeichneten ihre Gestalt nach, als würde er sie sich einprägen, katalogisieren — nicht urteilend, sondern ehrfürchtig. Bevor sie denken konnte, hoben sich seine Hände, sanft, vorsichtig. Er löste den Dutt, in den sie ihr Haar an diesem Morgen gesteckt hatte, und ließ die dunklen Wellen ihren Rücken hinabfallen. Die Bewegung war intim in ihrer Schlichtheit, jeder Finger strich über die feinen Härchen in ihrem Nacken, glitt über ihre Schultern. Die Berührung summte auf ihrer Haut, ein Strom, der durch das Band zog und ihre Aufmerksamkeit nach innen lenkte. „Du bist stabil“, murmelte er, die Stimme heiser, leise genug, dass nur sie es hören konnte. Charise ließ sich bei dem Klang erschaudern, eine kleine Kapitulation an einem sicheren Ort. Sie schloss die Augen, lehnte sich an ihn, spürte seine Hände in ihrem Haar, den sanften Druck, als er näher kam. Die Wärme, die von ihm ausging, ließ ihren Puls stolpern. Es war noch kein Hunger — es war Anerkennung, Erdung, eine Verbindung, von der sie nicht gewusst hatte, dass sie sie brauchte. Seine Hände bewegten sich von ihrem Haar über ihre Arme, strichen über die Ärmel ihrer Bluse, die Finger streiften ihre Handgelenke. Sie zog sich nicht zurück. Wie könnte sie? Jeder Strich war ein stiller Anspruch, eine Beruhigung, ein Flüstern durch das Band: Du bist sicher. Du gehörst mir zum Halten, sogar bevor wir beginnen. Lyons Lippen schwebten nah an ihrer Schläfe, der schwächste Hauch von Atem auf ihrer Haut. Sie spürte die Anspannung in ihm, zurückgehalten, vorsichtig, die Zurückhaltung selbst elektrisierend. Ihr eigener Herzschlag beschleunigte sich als Antwort, langsam und bewusst, im Rhythmus mit seinem. Dann, ganz sanft, hoben seine Hände den Saum ihrer Bluse und glitten über ihre Haut bis zum kleinen Rücken. Charise atmete scharf ein, die Empfindung intim, aber bewusst — jede Bewegung langsam, kontrolliert, Vertrauen aufbauend. Er zwang nicht; er führte, lehrte sie, sich hier voll und ganz zu existieren, vollkommen gesehen und vollkommen gewollt. Ihre Hände hoben sich fast ohne Gedanken und ruhten auf seinen Unterarmen, spürten den Puls unter der Haut, seine Wärme, die subtile Anspannung unter den Muskeln. Sie wollte das, brauchte das. Aber mehr noch wollte sie ihn hier spüren, stabil, ohne Eile, einfach präsent. Lyons Lippen fanden schließlich ihre, zuerst sanft, prüfend. Sie öffnete sich instinktiv, lehnte sich in den Kuss, ließ ihn langsam tiefer werden, das Band verstärkte jedes Flattern, jeden Schwall von Wärme. Seine Hände bewegten sich mit ihren, über ihren Rücken, schlangen sich um die Kurve ihrer Wirbelsäule, ein sanfter, ehrfürchtiger Halt, der den Raum schrumpfen ließ, bis nur noch sie beide existierten. Sie konnte Merrick und Pagan durch das Band spüren — ihre Wahrnehmung, den Zug, das Bedürfnis — und es zerbrach den Moment nicht. Stattdessen fügte es ihm ein subtiles Summen unter ihrer Haut hinzu, eine Erinnerung, dass sie alle darin verbunden waren, jeder Puls von Verlangen und Schutz verflocht sich. Charise schloss die Augen, ließ sich hineinfallen, ließ sich fühlen, was sie sich zuvor nicht voll erlaubt hatte zu akzeptieren: Das ist unseres, zusammen, sogar in der Stille. Lyons Kuss vertiefte sich, langsam und präzise, und sie spürte, wie die Reibung des Bandes sich entzündete, als sich ihre Münder zusammen bewegten. Er war nicht hastig, nicht gierig — jede Bewegung, jeder Strich von Lippen und Zunge war bewusst, ein stilles Versprechen, dass sie das vertrauen konnte, ihm vertrauen konnte, ihnen dreien vertrauen konnte. Seine Hände umfassten schließlich ihr Gesicht, die Daumen strichen über ihre Wangenknochen, hielten ihren Blick, als er sich gerade weit genug zurückzog, dass ihre Stirnen sich aneinanderlehnten. Ihr Atem vermischte sich mit seinem, flach, abgehackt, perfekt im Einklang mit dem Band, das um sie summte. „Du gehörst mir, oder?“, flüsterte er, nicht als Frage, sondern als Anerkennung. „Ja“, hauchte Charise, das Wort klein, intim, doch es trug durch das Band und erfasste Merrick und Pagan in seinem Sog. Lyons Lächeln war fast unmerklich an ihrer Schläfe. Er drückte einen anhaltenden Kuss auf ihre Haarlinie, ließ seine Hände zu ihren Hüften gleiten, stabil, erdend. Lyons Hände verweilten nicht auf dem Stoff ihrer Bluse; sie glitten darunter, strichen über die weiche Haut an ihrer Taille, über die Kurve ihrer Rippen. Charise erstarrte für einen Herzschlag, ließ sich dann aber in seine Berührung schmelzen. Es war bewusst, geduldig — keine Dringlichkeit, kein Bedürfnis zu hetzen. Jede Fingerspitze zeichnete die Linien ihres Körpers nach, als würde er sie sich einprägen, ehrfürchtig, als könnte er das Band klarer durch die Wärme ihrer Haut spüren. „Charise“, murmelte er, die Stimme tief, fast zitternd vor Zurückhaltung. „Spürst du es auch?“ Das konnte sie. Jeder Nerv, jeder Zentimeter ihres Körpers summte unter dem Puls seiner Magie, das Band summte schwach, aber beharrlich. Ihre Hände verschränkten sich mit seinen, ließen ihn sie langsam rückwärts führen, bis ihr Rücken die Kante des Sofas streifte.
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD