Pagan blinzelte. „Eskort-Team?“ Er griff nach einem Handtuch und zog es über seinen Nacken. „Was bin ich jetzt, ein hochgelobter Leibwächter?“
Merricks Tonfall blieb ruhig. „Du bist der beste Feldtaktiker, den wir haben. Und das Gelände von Wintercrest ist unberechenbar. Ich will Augen am Boden, denen ich vertrauen kann.“
Pagan grinste und warf das Handtuch auf eine Bank. „Übersetzung: Du vertraust niemandem sonst, dass er keinen Diplomaten durchlöchert.“
„So etwas in der Art“, sagte Merrick.
Pagan seufzte theatralisch, doch sein Wolf regte sich, der Schwanz zuckte unter seiner Haut. Die Wahrheit war, dass er aus dem Anwesen rauswollte — es brauchte. Zu lange eingesperrt, zu viel Stille zwischen den Missionen. In den letzten Tagen waren seine Sinne schärfer, seine Geduld dünner gewesen. Als ob etwas unter seiner Haut darauf wartete, sich zu bewegen.
„Na gut“, sagte er schließlich und verschränkte die Arme. „Aber ich ziehe keinen verdammten Anzug für das politische Theater an, das du planst.“
Merrick lächelte fast. „Sorg einfach dafür, dass du niemanden bedrohst, bevor das Treffen beginnt.“
Pagans Grinsen wurde wölfisch. „Keine Versprechen.“
Merrick warf ihm diesen Blick zu — teils Warnung, teils brüderliche Geduld —, dann drehte er sich zum Gehen. „Lyon wird dich später briefen. Er finalisiert gerade die Reise-Logistik.“
Pagan stöhnte. „Super. Er wird zuerst darüber meditieren wollen.“
Merrick drehte sich nicht um. „Versuch, ihn nicht zu provozieren, bevor wir aufbrechen.“
Pagan schnaubte leise, als Merrick im Inneren verschwand. „Er fängt es die Hälfte der Zeit selbst an.“ Pagan streckte sich, die Knochen knackten, während sein Wolf unter der Oberfläche summte — zu wach, zu aufmerksam.
Er blickte zur Baumgrenze jenseits der Anwesenmauern. Für einen Herzschlag schien der Wald schärfer — Farben leuchtender, Geräusche klarer, als riefe etwas Wildes aus den Schatten. Sein Puls beschleunigte sich, und sein Wolf drängte nach vorn, unruhig.
Pagan rollte die Schultern und schüttelte es ab.
„Nochmal“, sagte er zu den Kriegern und trat zurück in den Kreis. „Mal sehen, ob ich meinen Rekord brechen kann.“
Das Grinsen, das er aufblitzen ließ, war pure Herausforderung — doch darunter brodelte etwas Tieferes. Ein schwaches Summen unter seiner Haut. Energie, die nicht zu ihm gehörte.
Und obwohl er nicht wusste, warum, hätte er schwören können, dass die Luft leicht nach Schnee roch.
**
Der Dampf von Pagans Dusche haftete noch auf seiner Haut, als er barfuß in den Kriegsraum tappte, das Handtuch tief um die Hüften geschlungen. Morgenlicht fiel durch die hohen Fenster und fing sich an den Stahl- und Glaskanten des Kommandoraums — halb Besprechungszimmer, halb Lounge. Es roch leicht nach Kaffee, Waffenöl und Wolf.
Lyon war bereits da, saß auf der Kante des langen Tisches, der gestiefelte Fuß tippte im Rhythmus, während er durch einen Holo-Bericht scrollte. Sein Mondstein-Anhänger schimmerte schwach unter dem Kragen seines schwarzen Hemdes, derselbe unruhige Puls, der seit Tagen in seiner Brust flackerte.
Er blickte nicht auf, als er sagte: „Weißt du, die meisten Leute ziehen sich an, bevor sie in ein Meeting kommen.“
Pagan nahm sich einen Proteinriegel von der Theke und riss die Verpackung mit den Zähnen auf. „Du sagst das, als wäre ich ‚die meisten Leute‘.“
Lyon blickte schließlich auf, ein Mundwinkel zuckte. „Nein, du bist vor dem Frühstück halb wild. Ich schwöre, dein Wolf ist nur einen schlechten Morgen davon entfernt, komplett zu übernehmen.“
„Red weiter“, sagte Pagan, die Stimme durch den Riegel gedämpft, „und ich teste diese Theorie.“
Er schnippte das Handtuch mit einem Handgelenksschlag in Lyons Richtung. Der Treffer landete genau auf Lyons Brust, das Geräusch hallte durch den Raum.
Lyon zuckte nicht zusammen, gab nur ein leises Lachen von sich — tief und unbeeindruckt. „Du bist so vorhersehbar.“
Pagan grinste, ging zum Aufbewahrungsschrank in der Ecke, wo sie Ersatz-Trainingskleidung und Sweats für Meetings nach der Verwandlung aufbewahrten. Er zog eine schwarze Jogginghose mit Kordelzug an, das Handtuch fiel achtlos herunter. Seine Brust blieb nackt, die Haut noch feucht, eine schwache Konstellation von Narben zeichnete alte Kämpfe nach.
Lyon murmelte trocken: „Wirklich professionell, Alpha.“
„Eifersüchtig?“ schoss Pagan zurück und lehnte sich gegen die Theke. „Du könntest auch mal lockerer werden. Würde bei all dem Brüten helfen.“
Bevor Lyon antworten konnte, trat Merrick ein — frisches Hemd bis zu den Ellbogen hochgerollt, die Haare noch feucht von seiner eigenen Dusche. Er trug die mühelose Autorität bei sich, die Räume sich straffen ließ, wenn er eintrat, doch bei diesen beiden zog sie nur den Schabernack hervor.
Er warf beiden einen kurzen Blick zu — Lyon wie immer gefasst, Pagan halb angezogen und immer noch grinsend — und atmete durch die Nase aus. „Das ist, was ich dafür bekomme, dass ich versuche, zivilisierte Alphas zu briefen.“
Pagans Grinsen wurde breiter. „Definiere zivilisiert.“
Merrick ignorierte das, legte ein Datenpad auf den Tisch. „Wir brechen bei Morgengrauen auf. Zwei Fahrzeuge — meins und Pagans — und ein zweiter Konvoi mit Vorräten für Wintercrest. Keine Späher voraus; ich will ihren Alpha nicht verschrecken, bevor wir ankommen.“
Lyons Stimme war leise und gleichmäßig. „Und wenn er bereits kompromittiert ist?“
„Dann passen wir uns an.“ Merricks Ton war ruhig und präzise. „Aber wir gehen zuerst diplomatisch rein.“
Pagan schnaubte. „Diplomatisch. Klar. Weil das ja immer so gut klappt.“
Merrick ging nicht darauf ein — er hatte längst gelernt, dass Provokation Pagans Muttersprache war. Stattdessen neigte er leicht den Kopf und musterte ihn. „Du leitest das Eskort-Team, koordinierst die Rotationen. Und diesmal improvisierst du nicht mitten in der Operation.“
„Das war ein einziges Mal“, protestierte Pagan.
„Dreimal“, sagte Lyon, ohne vom Bericht aufzublicken.
Pagan warf die Proteinverpackung nach ihm. „Führst du jetzt Buch?“
Lyon lächelte schwach. „Jemand muss es ja tun.“
Der leichte Rhythmus zwischen ihnen füllte den Raum — die Art von Rhythmus, die in Krieg und Blut geschmiedet wurde, nicht nur in Freundschaft. Sie brauchten keine Worte, um die Bewegungen des anderen zu verfolgen; selbst jetzt, als Merrick nach dem Tablet griff, verlagerte Lyon automatisch sein Gewicht, um ihm Platz zu machen, während Pagan die Arme verschränkte — und ihr Dreieck spiegelte, ohne es zu merken.
Jahre des Kampfes hatten sie zu etwas mehr als einem Team geformt. Das Band war nicht nur Loyalität — es war Instinkt. Wenn einer sich bewegte, passten die anderen sich an. Wenn einer aus dem Gleichgewicht geriet, stabilisierten die anderen ihn.
Doch an diesem Morgen war der Rhythmus leicht gestört.
Pagan spürte es — ein Flackern unter seiner Haut, ein Summen, das nicht zum Raum gehörte. Sein Wolf war wach, schritt auf und ab, unruhig. Dieser beschützende Instinkt, den er nicht benennen konnte — er war seit dem Training nicht verblasst.
Er rieb sich geistesabwesend den Nacken, der Kiefer angespannt.
Merrick bemerkte es, kommentierte es jedoch nicht. Sein Blick huschte für einen halben Schlag zu Pagan, dann kehrte er zur taktischen Karte zurück. „Wir briefen das Team bei Sonnenuntergang. Bis dahin ruht euch aus. Ich will keine Überraschungen auf der Straße.“