ENID'S POV
Die Tür schloss sich mit einem leisen, aber bestimmten Klicken hinter ihr und ließ mich allein mit ihren Befehlen zurück, die in der Luft hingen.
Meine Güte, diese Frau…
Ein kalter, unangenehmer Schauer lief mir über den Rücken. Sie war erschreckend effektiv, eine Meisterin der Manipulation, und ich musste äußerst vorsichtig in ihrer Nähe sein.
Ich presste mein Ohr an das kühle Holz der Tür und lauschte, bis das scharfe Klackern ihrer Absätze im Marmorflur verklungen war.
Mein Plan, zu duschen, war nun vergessen, als ich das Handtuch auf einen Stuhl warf. Ich zog die Revers meines Bademantels enger und öffnete meine Tür.
Und da war sie, direkt gegenüber im Flur. Eine imposante, dunkle Holztür mit einem Schild in Augenhöhe, die Buchstaben fett und aggressiv: NICHT STÖREN.
Ein leises, ungläubiges Lachen entfuhr mir, bevor ich es unterdrücken konnte.
Du bist hier der Störenfried, Alter. Du bist eine wandelnde, sprechende Störung.
Ich überquerte die kurze Distanz, mein Herz hämmerte mir gegen die Rippen. Meine Hand hob sich, ich wollte einfach die Klinke umdrehen und hineinstürmen, genau wie er es vorhin mit mir getan hatte. Aber ich hielt inne.
Das war sein Zug, und ich wollte ihm nicht die Genugtuung geben, sich moralisch überlegen zu fühlen.
Stattdessen klopfte ich, zweimal fest und energisch.
„Wer zum Teufel ist da?!“, knurrte er von der anderen Seite, seine Stimme war gedämpft, aber voller Wut.
Ich sagte nichts und wartete einfach.
Die Tür wurde so heftig aufgerissen, dass sie in den Angeln wackelte.
Alexander stand da, seine Gestalt füllte den Türrahmen aus, eine Hand hoch gegen den Rahmen gestützt, den Eingang versperrend. Sein Haar war zerzaust, und seine Augen funkelten. „Was willst du?“
„Kann ich reinkommen?“, fragte ich mit täuschend ruhiger Stimme.
Statt zu antworten, versuchte er, mir die Tür vor der Nase zuzuschlagen, aber ich war schneller.
Mein Fuß schnellte vor und blockierte sie mit einem dumpfen Schlag, während ich mich vorwärts drängte und mein Gewicht und meinen Schwung nutzte, um in seinen Raum einzudringen. Ich betrat ein Zimmer, das … chaotisch war.
Das Zimmer war eine willkommene Abwechslung zum Rest des Penthouses. Es wirkte bewohnt, maskulin und angenehm unordentlich.
„Was zum Teufel glaubst du, was du da tust?“, fauchte er mich an, die Wut strahlte in Wellen von ihm aus, während er auf mich zukam.
Und bevor ich reagieren konnte, schnellten seine Hände hoch und drückten mich hart gegen die Wand neben der Tür. Der Aufprall raubte mir den Atem, als seine Handfläche flach auf meiner Brust lag und mich dort festhielt.
Mein Rücken prallte mit einem dumpfen Schlag gegen die Wand.
Mein Atem ging stoßweise, und mein Instinkt schrie danach, ihn zurückzustoßen, zu kämpfen. Aber ich tat es nicht. Ich zwang meinen Körper, mich schlaff an die Wand zu lehnen, die Arme hingen schlaff an meinen Seiten. Ich starrte ihn nur an, meine Augen trafen seine wütenden dunkelblauen, und ich ließ ihn mich festhalten.
„Ich weiß, du willst kämpfen, aber den wirst du mir nicht geben.“
Die Verwirrung und die neue Wut, die über sein Gesicht huschten, waren Belohnung genug.
Er wollte Widerstand, aber meine Kapitulation machte ihn wütender als jeder Schlag.
„Na los“, forderte ich ihn mit leiser, fester Stimme heraus. „Schlag mich.“
Statt zuzuschlagen, zog er seine Hand von meiner Brust zurück, als hätte meine Haut ihn verbrannt. Er machte einen Schritt zurück, seine Brust hob und senkte sich. „Du platzt nicht einfach so in mein Zimmer!“
„Du bist vorhin in meins geplatzt“, erwiderte ich kühl und wandte meinen Blick endlich von ihm ab, um das Chaos in seinem Zimmer zu erfassen. Kleidung lag verstreut auf einem Stuhl, Papiere bedeckten den Schreibtisch. Es war das Zimmer eines Menschen, der auf brillante und chaotische Weise lebte.
„Das liegt daran, dass dies mein Haus ist!“, rief er beinahe, die Adern an seinem Hals traten hervor. „Hier kann ich machen, was ich will!“
Ach du meine Güte!, er klang wie ein verwöhntes Kind, ein unglaublich gutaussehendes, muskulöses, unerträglich nerviges Kind. Langsam strich ich meinen Morgenmantel glatt, wo er durch seinen Stoß gelockert worden war.
„Du hättest mich vorhin nicht so schubsen sollen“, sagte ich in einem beiläufigen Ton, als würde ich das Wetter kommentieren. „Was wäre gewesen, wenn ich das Gleichgewicht verloren und gestürzt wäre?“
Ein hämisches, scharfes Lachen entfuhr ihm. „Ach, ich hab gehört, du bist total hetero. Ich bin sicher, du kannst ein bisschen Kraft von einem anderen Mann vertragen.“ Der Spott sollte mich herabsetzen, provozieren.
Aber dieses Spiel konnten wir beide spielen. Mein Blick kehrte zu seinem zurück und hielt ihn emotionslos fest. „Und ich hab gehört, du stehst total auf Schwänze im Arsch, Alex.“
Die Stille, die sich daraufhin ausbreitete, war absolut, so vollkommen, dass ich mein eigenes Herz leise und panisch schlagen hörte.
Sein Gesicht wurde augenblicklich kreidebleich, und seine Augen, die einen Sekundenbruchteil lang vor purem Schock geweitet waren, verengten sich dann zu gefährlichen, glitzernden Schlitzen.
Die Luft knisterte nicht nur; sie schrie.
„Wa… was?“, stammelte er, seine Stimme sank zu einem ungläubigen, zitternden Flüstern. Es war das erste Mal, dass ich etwas anderes als absolute Selbstsicherheit von ihm hörte.
„Hast du gerade … was hast du gerade zu mir gesagt?“
„Ich habe gesagt, was ich gesagt habe“, erwiderte ich, mein Puls hämmerte mir in den Ohren.
Ich hatte nicht so grob, so direkt sein wollen, aber die Worte waren nun ausgesprochen und hingen in der angespannten Luft zwischen uns.
Ich kam nicht mehr dazu, etwas zu sagen, denn er bewegte sich mit wilder Geschwindigkeit und schleuderte mich mit voller Wucht gegen die Wand. Der Aufprall ließ meine Zähne klappern.
„Für wen hältst du dich eigentlich?“, knurrte er, sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt, seine Augen glühten vor Wut, die ich erst jetzt zu entfesseln begann.
Sein Atem war heiß auf meiner Wange. „So redest du nicht mit mir! So etwas sagst du nicht!“
Ich wehrte mich immer noch nicht.
Ich ließ meine Hände an meinen Seiten, obwohl jeder Muskel in meinem Körper nach Verteidigung schrie. „Glaubst du nicht, dass du überreagierst?“ Ich presste es hervor, die Ruhe in meiner Stimme begann unter dem Druck seines Griffs zu brechen. „Es ist ja nicht so, als würde ich lügen.“
Das war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Seine Hand, die nicht meine Schulter festhielt, schnellte hoch und traf meine Wange mit einer schmerzhaften, flachen Ohrfeige. Mein Kopf schnellte von der Wucht zur Seite. Der Knall war ohrenbetäubend laut im Raum.
Er hatte mich einfach geschlagen.
Doch er hörte nicht auf. Seine Hände krallten sich in den weichen Stoff meines Morgenmantelkragens, drehten ihn fest, bis der Stoff spannte.
Ich spürte die Hitze seiner Knöchel an meiner Kehle. Er schüttelte mich, seine Stimme ein rauer, tobender Strom zusammenhangloser Wut, die Worte gingen in seiner Raserei unter. Er war ein Sturm, und ich war mittendrin. Der Morgenmantel klaffte auf, und für einen furchterregenden, aufregenden Augenblick dachte ich, er würde mich tatsächlich dort und jetzt nackt ausziehen, um mich vollkommen zu beherrschen.
Doch im selben Moment flog die Tür auf.
„Was ist hier los?“
Die Stimme war tief, erfüllt von einer unheimlichen, gebieterischen Ruhe, die uns beide augenblicklich erstarren ließ.
Wir drehten uns gleichzeitig um, und unsere Blicke fielen auf Kane David. Er stand im Türrahmen, sein breiter, muskulöser Körper verdunkelte den Flur, seinen durchdringenden Augen entging nichts.
Er erfasste die Szene: Alexander, mit wildem Blick und keuchend, seine Hände noch immer in meinem Kragen verkrampft; ich, gegen die Wand gepresst, der rote Fleck auf meiner Wange bereits stark ausgeprägt.
Alexanders Griff lockerte sich augenblicklich, als er mich mit einem angewiderten Stoß losließ und uns beiden den Rücken zuwandte, während er sich mit zitternder Hand durchs Haar fuhr.
„Ich habe gefragt“, sagte David mit gefährlich leiser Stimme, „was hier los ist.“
Ich schluckte, versuchte, meine Stimme wiederzufinden, meinen Atem zu beruhigen. „Wir wollten uns nur … vernünftig unterhalten“, sagte ich, und selbst in meinen Ohren klangen die Worte schwach und kläglich.
Davids Blick lastete schwer auf mir. Er warf seinem Sohn nicht einmal einen Blick zu. Seine Augen ruhten auf dem deutlichen Abdruck in meinem Gesicht. „Ein vernünftiges Gespräch … mit seinen Fingerabdrücken auf deiner Wange?“
„Es ist nichts“, beharrte ich und blickte zurück zu Alexanders steifem Rücken. Er zitterte noch immer vor unterdrückter Wut.
„Alexander“, Davids Stimme durchschnitt den Raum, scharf wie eine Klinge. „Ich rede mit dir. Und wenn ich das tue, schenkst du mir deine Aufmerksamkeit.“
Doch Alexander drehte sich nicht um. Stattdessen bewegte er sich plötzlich, ein Ausbruch panischer Energie. Er riss sein Handy und seine Schlüssel vom Schreibtisch, seine Bewegungen ruckartig und wütend.
„Verpisst euch, ihr beiden!“, spuckte er giftig hervor und stürmte an seinem Vater vorbei in den Flur, ohne sich umzudrehen.
„Alexander!“, hallte Davids Ruf hinter ihm her, doch es war nutzlos, denn er war schon fort.
Ein langsames, unwillkürliches Lächeln huschte über meine Lippen.
Ich hatte es geschafft.
Ich hatte diese kühle, arrogante Fassade zerschmettert und ihn tief getroffen, bis ins Mark, an den wunden Punkt, der dort noch pulsierte.
Und anstatt Schuldgefühle oder Angst zu verspüren, durchfuhr mich ein seltsamer, heftiger Schauer.
Ich war froh, ich war glücklich.
Ich hatte ihn so richtig wütend gemacht.