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Der Duft seiner Besessenheit

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Für die Welt ist Alexei Volkov die unsichtbare Hand des Voronin-Syndikats – ein kalter, berechnender Vollstrecker, dessen Name Schweigen gebietet. Für Valeria Vance, eine Agentin auf der Flucht vor einer zerrütteten Vergangenheit, ist er das Monster, das sie mitten auf der Flucht erwischt hat.Alexei wurde geschickt, um einen anonymen Dieb zu eliminieren, der in den Tresorraum des Syndikats eingedrungen war, doch stattdessen nimmt er Valeria gefangen. Doch als ihr Duft in ihm eine süchtig machende, unbändige Besessenheit auslöst, bricht er die erste Regel seines Kodex: Anstatt ihr Leben zu beenden, macht er sie zu seiner Gefangenen. Eingesperrt auf seinem abgelegenen Anwesen muss Valeria ein tödliches Spiel der Intelligenz spielen und ihr Verlangen nach Freiheit gegen die furchterregende, besitzergreifende Anziehungskraft eines Mannes abwägen, der die Unterwelt in Schutt und Asche legen würde, um sie zu behalten.Als rivalisierende Syndikate näher rücken und Geheimnisse ans Licht kommen, erkennt Valeria, dass der gefährliche Vollstrecker, der sie gefangen hält, vielleicht der Einzige ist, der sie retten kann – sofern seine Besessenheit sie nicht beide zuerst verschlingt.

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Kapitel 1: Das Gewicht des Glases
Der Tresorraum im Zentrum des Voronin-Anwesens gehörte keiner Bank, und er enthielt auch kein Gold. Er barg Geheimnisse – Festplatten, schwarze Geschäftsbücher und geflüsterte Namen, verschlüsselt auf silbernen Servern hinter drei Zoll verstärktem Stahl. Valeria brauchte das Gold nicht. Sie brauchte die silberne Festplatte in Box 409. Regen peitschte gegen die hohen, gewölbten Fenster der oberen Galerie des Anwesens und übertönte das dumpfe, rhythmische Klicken ihres Spannschlüssels. Die Luft im Korridor roch schwach nach altem, poliertem Holz, teuren Zigarren und dem metallischen Geruch von nassem Stein. Draußen schlief Moskau unter einem Schleier aus Mitternachtsnebel, doch drinnen tickte die Uhr. Drei. Zwei. Eins. Der schwere Zylinder gab mit einem leisen, hauchartigen Seufzer nach. Valeria schob die Stahltür auf, wobei sich ihre behandschuhten Finger mit geübter, geräuschloser Präzision bewegten. Sie griff in die dunkle Nische, holte den Datenträger heraus und verstaute ihn sicher im Innenfutter ihrer Lederjacke. Auftrag erledigt. Gesamtzeit: vier Minuten, zwölf Sekunden. Sie trat zurück und wischte den Rand des Safes ab, um jegliche Spuren von Restwärme ihrer Thermohandschuhe zu beseitigen. Doch als sie sich zum Balkon der Galerie umdrehte, sank die Temperatur im Korridor – nicht wegen des Regens, sondern aufgrund einer plötzlichen, bedrückenden Veränderung der Atmosphäre im Raum. Die Schatten nahe dem großen Torbogen verschmolzen zu einer Silhouette. Er war größer als die Türöffnung, breitschultrig und in einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug gehüllt, der weniger wie Abendgarderobe als vielmehr wie eine Rüstung wirkte. Er zog keine Waffe. Er bewegte sich nicht schnell. Er stand einfach nur da und versperrte ihr den einzigen Fluchtweg, ein Glas mit dunklem, bernsteinfarbenem Schnaps locker in seiner rechten Hand. Alexei Volkov. Der oberste Vollstrecker des Voronin-Syndikats. „Du bist schnell“, sagte Alexei. Seine Stimme war ein tiefer, rauer Bariton, der durch die Dielen vibrierte, kalt und völlig frei von Panik. „Die meisten brauchen sechs Minuten, nur um den äußeren Sicherheitsring zu umgehen.“ Valerias Hand glitt instinktiv zu der schallgedämpften Pistole, die an ihrem Brustkorb steckte. „Und die meisten Vollstrecker schießen zuerst.“ „Ich schieße erst, wenn ich weiß, was ich zerstöre“, erwiderte er gelassen und machte einen langsamen Schritt nach vorne. Das schwache bernsteinfarbene Licht des Kronleuchters fiel auf seine markante Kinnlinie und die erschreckend ruhigen, dunklen Augen, die auf sie gerichtet waren. „Leg das Laufwerk auf den Tisch, kleine Diebin.“ „Das glaube ich nicht.“ Valeria machte einen Sprung. Sie sprang über den Samtsessel, der sie trennte, und rammte ihm ihren Stiefel gegen die Kehle. Alexei packte ihren Knöchel mitten in der Luft mit einem brutalen, eisernen Griff und lenkte ihren Schwung auf den schweren Teppich um. Sie drehte sich, nutzte den Sturz, um ihm die Beine wegzufegen, und zwang ihn so, sein Glas fallen zu lassen. Es zersprang auf den Dielen – der scharfe, süße Duft von Vintage-Bourbon erfüllte die Luft. Sie rappelte sich auf und stürzte auf das offene Fenster zu, doch Alexei war bereits dort. Seine Hand schloss sich um ihren Kragen und schleuderte sie mit dem Rücken gegen die Mahagoniwand. Der Atem entwich ihren Lungen in einem scharfen Keuchen. Er drückte ihre Arme mit einer Hand über ihren Kopf, presste seine Brust gegen ihre und hielt sie durch sein bloßes, unnachgiebiges Gewicht fest. Valeria fletschte die Zähne und holte mit dem Knie zum Schlag aus, doch er blockierte ihn mühelos mit seinem Oberschenkel und hielt sie so vollständig fest. „Tapfer“, murmelte er, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Dann verengten sich seine Augen. Sein Kopf neigte sich leicht, seine Nasenflügel blähten sich, als er einatmete. Die tödliche, berechnende Gelassenheit in seinem Gesicht zerbrach und wich etwas Dunklem, Unverfälschtem und völlig Primitivem. Er vergrub sein Gesicht tiefer in die Wölbung ihres Halses, genau dort, wo ihr Puls gegen ihr Schlüsselbein hämmerte, und atmete tief und bedächtig ein. Valeria erstarrte. Die Berührung ließ einen heftigen Schauer über ihren Rücken laufen – keinen Schauer des Schreckens, sondern der reinen, elektrisierenden Spannung. „Du riechst nicht wie eine Söldnerin“, flüsterte Alexei, während seine Lippen die warme Haut unter ihrem Kinn streiften und ein Schauer durch ihre Adern schoss. Sein Griff um ihre Handgelenke wurde fester, besitzergreifend und unerbittlich. „Du riechst nach Regen … und nach einem Irrtum.“ „Lass mich los“, zischte sie und versuchte, sich zu befreien. „Nein“, sagte Alexei leise, während seine dunklen Augen die ihren fest hielten und sein Daumen dem raschen Flattern ihres Pulses folgte. „Der Tresor ist leer. Aber ich glaube, ich habe gefunden, wonach ich gesucht habe.“

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