Kapitel 1

689 Words
„Hazel, lass uns scheiden!“ Als Maurices Stimme von hinten ertönte, briet Hazel gerade ein Steak. Das zischtende, heiße Öl spritzte ihr ins Gesicht, doch sie spürte keinen Schmerz. „Zwischen uns gibt es nur den Titel von Ehemann und Ehefrau, keine Zuneigung. Die vierjährige Frist ist abgelaufen, es ist Zeit, es zu beenden.“ Die Stimme des Mannes war kalt und schwang mit einer gewissen Unnahbarkeit mit. Hazel biss sich auf die Lippen. Dieser Tag war schließlich... gekommen. Vor vier Jahren ging die Familie Jones bankrott. Aufgrund der unerträglichen Last begingen sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter Selbstmord und hinterließen ein Chaos, das Hazel allein bewältigen musste. Hazels Großvater und Maurices Großvater waren Waffenbrüder gewesen, die zusammen gekämpft hatten. Großvater Jones hatte Großvater Stone einst auf dem Schlachtfeld das Leben gerettet. Als er im Sterben lag, sorgte sich Großvater Jones am meisten um seine Enkelin und vertraute Hazel dem Großvater der Stones an. So entstand diese rein formelle Ehe. Hazel wusste nicht, wann es passiert war, aber sie hatte die Grenzen dieser Vertragsehe überschritten und ihm ihr ganzes Herz geschenkt. Sie dachte, solange sie die Rolle der „Ehefrau“ gut spielte, würde er ihre Liebe irgendwann erwidern. Am Ende war das, worauf sie wartete, die Scheidung! „Ich werde dir vier Milliarden und ein Duplex-Apartment im Bezirk Saint Rose als Entschädigung geben. Dies ist die Scheidungsvereinbarung. Wenn es keine Einwände gibt, unterschreibe sie bitte.“ Emotionslos händigte Maurice Hazel einen Stapel Dokumente aus; sein Gesichtsausdruck war so kalt und distanziert, als würde er ein Geschäftsgeschäft besprechen. Hazel nahm die Vereinbarung entgegen, ihre Augen überflogen die Zahlenreihen. Vier Jahre, vier Milliarden. Die Familie Stone war gewohnt großzügig. „Ist Scheidung die einzige Lösung?“ Hazel schloss die Mappe und hob ihren Blick, der auf dem Mann vor ihr ruhte. Der Mann, den sie vier Jahre lang geliebt hatte, besaß ein unglaublich gutaussehendes Gesicht, eine hochgewachsene Statur und ein stets ernstes Auftreten. Er war immer so beherrscht, wie eine Blume auf einem hohen Berg – unerreichbar. „Scheidung ist die einzige Lösung.“ In seinem kalten Tonfall lag kein Zögern. Ihr Herz schmerzte leicht. Aber sie, Hazel, war nie der Typ Mensch, der verweilte und jammerte. Da sie entschlossen gewesen war, gegen diese Wand zu rennen, bis ihr Kopf blutete, sollte sie jetzt umkehren. Nun, vier Jahre Ehe im Austausch für vier Milliarden – es war so oder so lohnenswert! „Alles klar, ich bin einverstanden.“ Mit dem Stift in der Hand schrieb sie effizient ihren Namen unter die Vereinbarung. Maurice war etwas überrumpelt. In seiner Erinnerung war diese Frau immer sanft und schwach gewesen, sehr unentschlossen, wie ein Kaninchen ohne Überlebensinstinkt. Jetzt wirkte sie ziemlich ruhig und gefasst. Irgendwie machte ihn das ein wenig unruhig. „Ich werde dich über den Termin der Registrierung informieren. Wenn möglich, wäre es am besten, wenn du noch heute Abend ausziehst.“ Seine Unruhe ignorierend, beendete Maurice kaltschnäuzig das Gespräch und wandte sich ab, um die Villa zu verlassen. Offensichtlich war er nicht gekommen, um sich mit Hazel bezüglich der Scheidung zu beraten, sondern nur, um sie davon in Kenntnis zu setzen. In jener Nacht wurden die Dienstboten, die Hazel gegenüber gewöhnlich kein freundliches Gesicht zeigten, noch arroganter, als sie erfuhren, dass sie zur Scheidung gezwungen wurde. Sie warfen ihr Gepäck direkt aus der Villa. „Du Frau, du hast die Stones vier Jahre lang ausgesaugt, es wird Zeit, dass du rausgeworfen wirst, das geschieht dir recht!“ In der kalten Nacht hockte Hazel am Boden, um ihre überall verstreuten Kleider aufzusammeln. Sie sah vollkommen gedemütigt aus. In diesem Moment war das Geräusch eines parkenden Autos hinter ihr zu hören. Eine großgewachsene Frau stieg aus dem Wagen. „Fräulein Bella, Sie sind endlich da! War die Reise anstrengend?“ Der Diener, der Hazel eben noch angeschrien hatte, half nun eifrig dabei, das Gepäck der Frau zu tragen. Bella hielt ihr Kinn hoch und würdigte niemanden eines Blickes: „Vorsicht, meine Sachen sind sehr teuer. Wenn du sie kaputt machst, kannst du dir den Schaden nicht leisten.“ Hazel erstarrte einen Moment lang an der Seite, und dann verstand sie.
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