**RÜCKBLENDE**
„Mira hat keine andere Wahl, als König Alvarez zu heiraten, Eure Majestät! Sie hat einfach keine Wahl!“ Die Stimme der regierenden Königin und Ehefrau des derzeitigen Königs von Havilla hallte laut durch die vier Wände ihres Schlafzimmers. Zu diesem Zeitpunkt schlenderte Prinzessin Mira gerade den Flur entlang, als sie die chaotische Stimme ihrer Mutter und die streitlustige Stimme ihres Vaters hörte. Sie blieb stehen, um herauszufinden, worum es bei dem Tumult ging. Zunächst hatte sie vorgehabt, sie zu ignorieren und ihren Weg fortzusetzen, aber wie konnte sie das, wenn ihr Name in dem Streit fiel?
Mira hielt inne und positionierte sich direkt neben der Tür, die leicht geöffnet war. Sie war daran gewöhnt und müde, dass sie dies ständig erleben musste: die ständigen Streitereien und Meinungsverschiedenheiten ihrer Eltern über ihre arrangierte Hochzeit mit König Alvarez, dem König des Königreichs Divaria.
Ja, das war der Kern des Streits – ihre Mutter wollte sie an den König von Divaria verkaufen, um ihren Thron zu sichern, der kurz davor stand, ihnen aus den Händen zu gleiten.
Mira hatte immer gedacht, dass es der König sein müsste, der Feuer und Schwefel über die Heirat seiner Tochter mit einem fremden Königreich regnen lassen würde, denn sie hatte von zahlreichen solchen Fällen gehört. Doch in ihrem Fall war es genau umgekehrt. Ihre Mutter… ihre Mutter war diejenige, die die ganze Sache vorantrieb und sie ernst und lautstark machte. Wer hätte je glauben können, dass eine Mutter, die sich eigentlich gegen die Heirat ihrer Tochter mit einem alten König stellen sollte, dieselbe war, die diese abscheuliche Heiratsangelegenheit anstiftete?
Obwohl sie nicht überrascht war. Königin Margaret war schon immer so gewesen, und ihr beunruhigender Charakter ließ Mira manchmal die wahre Natur ihrer Beziehung und Vertrautheit in Frage stellen. Mira fragte sich manchmal, ob die Frau, die sie „Mutter“ nannte, wirklich ihre Mutter war, denn sie hatte noch nie gesehen oder gehört, dass eine Mutter ihre Tochter an einen alten Mann und ein fremdes Königreich für politische Vorteile verkaufen wollte. Es war empörend. Der Gedanke allein war widerlich und nichts, worüber man schreiben konnte.
Mira hatte von solchen Geschichten gehört, aber das waren meist Geschichten aus dem Mittelalter, aus alten Zeiten, und sie konnte immer noch nicht glauben, dass so etwas seinen Weg in die moderne Zeit finden würde, in der die globale Erwärmung den Großteil des Planeten übernommen hatte. Noch schlimmer war, dass ihr Vater, König Desmond, scheinbar nichts dazu zu sagen hatte. Es war nicht so, dass er überhaupt nichts dazu sagte, aber es war alarmierend, wie er als König zuließ, dass seine Frau ihn in einer so sensiblen und bedeutenden Angelegenheit wie dieser dominierte.
Und so ging der Streit weiter.
„Margaret, ich denke, wir sollten noch einmal überlegen, worauf wir unsere Tochter einlassen. Du nimmst diese Angelegenheit ernster, als es nötig ist“, argumentierte die schwache Stimme des Königs ruhig, bevor er sich auf das Bett setzte.
„Weil es ernst ist, Eure Majestät!“ Sie seufzte, als ihr klar wurde, dass ihr Ton vielleicht zu harsch für den König war. „Hör zu, Mira ist auch meine Tochter, und ich liebe sie. Ich liebe sie aus tiefstem Herzen, und deshalb müssen wir das tun. Es geht hier um mehr als ihr Glück. Der Thron steht auf dem Spiel. Das Königreich. Alles, wofür du all die Jahre gelitten hast. Nein… alles, wofür wir all die Jahre gelitten haben, um es aufzubauen, steht auf dem Spiel. Wir haben keinen Sohn. Es gibt keinen Erben, der dieses Königreich nach deinem Tod regieren wird, und was passiert dann? Glaubst du, ich werde tatenlos zusehen und die Arme verschränken, während ein anderer erntet, wo er nicht gesät hat? Das ist unmöglich, Desmond. Ich werde das nicht zulassen.“ Ihre Worte waren stark und entschlossen, und an ihrem Tonfall konnte man erkennen, dass sie jedes Wort ernst meinte.
„Ich denke immer noch, dass du dich beruhigen solltest. Du machst diese Angelegenheit weitreichender, als sie sein muss. Meine Tochter hat das Recht zu entscheiden, ob sie das will oder nicht. Ich kann das Glück meiner Tochter nicht für die Erhaltung des Throns opfern.“ Ein langer Seufzer entkam seinen Lippen, als er sich auf das Bett zurücklehnte und die Arme ausbreitete. „Ich bin müde, Margaret. Ich muss mich ausruhen. Wir sprechen später darüber“, entgegnete er, bevor er die Augen schloss, um zu schlafen.
„Eure Majestät. Eure Majestät.“ Sie rief ihren Mann, aber es kam keine Antwort von ihm. Es gab keinen Weg, die Diskussion fortzusetzen, wenn er nicht zuhörte, und so grunzte sie und schrie innerlich über sich selbst, weil sie keine gute Arbeit geleistet hatte.
Mira konnte die Verzweiflung ihrer Mutter bezüglich des Throns nicht glauben. Sie stand da und beobachtete sie durch den kleinen Spalt, den die Tür freiließ, und war fassungslos über das derzeitige Verhalten ihrer Mutter. Sie verließ sofort die Tür und ging zurück in ihr Zimmer. Sie hatte einen Spaziergang machen wollen, aber jetzt war ihre Begeisterung dahin, und alles, was sie wollte, war, in ihr Schlafzimmer zu gehen und ihr Herz auszweinen.
...
Als Mira in ihr Zimmer kam, setzte sie sich erschöpft auf das Bett und versuchte, die ganze Situation noch einmal zu begreifen. Ihr Herz war schwer, und sie konnte die aufgestauten Tränen in ihren Augen spüren, die darauf warteten, herauszufließen. Dann wurde sie durch ihr Spiegelbild abgelenkt, das sich in dem Spiegel gegenüber ihrem Bett befand, und sie stand auf, um direkt darauf zuzugehen.
Sie stand vor dem Spiegel und betrachtete sich, als warte sie darauf, dass ihr Spiegelbild zu ihr spricht. Sie legte ihre Hand darauf und versuchte, sich selbst zu täuschen, dass sie Trost daraus schöpfen könnte. Als ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden, liefen die Tränen, die sie in ihren Augen zurückgehalten hatte, herunter. Sie weinte unkontrolliert, bis sie zu Boden sank. In diesem Moment fühlte sich ihr Herz wie ein schwerer Stein an – ein Stein, den sie wegrollen wollte, aber leider konnte sie es nicht.
Nachdem sie lange geweint hatte, fiel Mira in einen tiefen Schlaf. Und dann hatte sie einen Traum…