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Der CEO, der mich verraten hat

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Ethan Cole gab alles, um Vantage Corp aus dem Nichts aufzubauen – seine Ersparnisse, seinen Schlaf, sein Herzblut. Maya Reyes war immer für ihn da, die Einzige, die ihn vor Geld und Titel kannte, diejenige, der er alles anvertraute, was er sonst niemandem erzählte.

Dann stimmte sie dafür, das Team zu zerstören, das er mit eigenen Händen aufgebaut hatte. Ohne Vorwarnung. Ohne Erklärung. Nur ihre Stimme, ruhig und undurchschaubar, die zustimmte, alles, was sie gemeinsam geschaffen hatten, zu vernichten.

Ethan redet sich ein, er hätte es ahnen müssen. Diese tiefe Liebe zu jemandem musste zwangsläufig im Desaster enden. Doch Trauer fragt nicht um Erlaubnis, bevor sie zur Besessenheit wird, und er kann nicht aufhören, nach dem Grund für ihr Schweigen zu suchen – selbst während es ihn innerlich zerstört.

Was er findet, ist schlimmer als Verrat. Maya arbeitete nicht gegen ihn. Sie stand allein zwischen ihm und einem Mann, der skrupellos genug war, die Firma in Schutt und Asche zu legen – und sie ließ Ethan sie hassen, anstatt zu riskieren, ihn zu früh an die Wahrheit zu verlieren.

Vergebung sollte das Ende der Geschichte sein. Ist sie aber nicht.

Denn gerade als Ethan ihr wieder vertraut, taucht ein Name aus Mayas Vergangenheit auf – verstrickt mit dem Mann, der sie beinahe zerstört hätte. Und als er ihr die eine Frage stellt, vor deren Antwort er sich am meisten fürchtet, leuchtet ihr Handy auf – mit einer Nachricht, die nicht von ihm stammt.

Sag es ihm, oder ich tue es.

Manche Lieben werden durch Verrat auf die Probe gestellt. Diese hier wird durch eine Wahrheit auf die Probe gestellt, von der Ethan nicht weiß, ob er sie verkraften kann.

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Die Abstimmung-a
Die Aufnahme ist noch auf meinem Bildschirm geöffnet, als meine Hand zu zittern beginnt. Ich klappe den Laptop halb zu und öffne ihn wieder. Ich muss es noch einmal hören. „Ich unterstütze die Umstrukturierung.“ Mayas Stimme. Ruhig. Kein Zögern. Ich habe sie mir jetzt schon viermal angehört, auf demselben Stuhl, im selben Büro, und jedes Mal erwartet ein kleiner, dummer Teil von mir, dass die Worte anders klingen. Tun sie aber nicht. Tun sie nie. Ich stoße mich vom Schreibtisch ab und stehe auf. Meine Beine fühlen sich fremd an, als gehörten sie jemand anderem. Ich gehe zum Fenster, weil ich im Moment nicht weiß, was ich sonst mit meinem Körper anfangen soll. Zweiundvierzig Stockwerke hoch, und die Stadt wirkt durch den Regen klein und grau, die Autos kriechen die Sixth Avenue entlang, als hätten sie keinen wichtigen Termin. Ich habe einen wichtigen Termin. Ich weiß nur nicht mehr, wo. Vor drei Jahren gab es all das noch nicht. Nicht dieses Büro, nicht diese Aussicht, nicht die 400 Millionen Dollar, die die Firma angeblich wert ist. Vor drei Jahren gab es eine Wohnung mit kaputter Heizung, Maya in meinen Hoodie gehüllt, weil ihre Seite des Zimmers nie richtig warm wurde, und wir stritten bis drei Uhr morgens darüber, ob die App blau oder grün sein sollte, weil wir zu müde waren, um eine wirklich wichtige Entscheidung zu treffen. Ich habe das alles aufgebaut, damit diese Auseinandersetzung Bedeutung hat. Damit wir beide, gemeinsam, Bedeutung haben, selbst wenn uns niemand mehr sagen könnte, es sei eine dumme Idee. Und sie hat gerade dafür gestimmt, ein Drittel davon abzureißen, ohne mich vorher zu fragen. Mein Handy liegt immer noch auf dem Schreibtisch hinter mir, der Bildschirm ist dunkel. Ich brauche es nicht zu überprüfen. Ich weiß ja schon, dass sie nicht angerufen hat. --- Eine Stunde später finde ich sie bei den Aufzügen. Ich kann mich nicht erinnern, beschlossen zu haben, sie zu suchen. Meine Beine trugen mich einfach dorthin, vorbei an Priyas Schreibtisch, vorbei an zwei Leuten aus der Finanzabteilung, die mein Gesicht sahen und plötzlich ganz vertieft in ihre Handys waren. Maya steht neben den Aufzügen, der Blazer noch zugeknöpft, der Ausweis noch am Gürtel, als wäre es ein ganz normaler Dienstag. Sie scrollt auf ihrem Handy. Ruhig. Gelassen. „Warum?“, frage ich. Mehr bringe ich nicht heraus. Ein einziges Wort, und es klingt schärfer, als ich es eigentlich sagen wollte. Sie blickt auf. Lässt sich dabei Zeit, als hätte sie diesen Moment innerlich schon durchgespielt und wüsste genau, wie ruhig ihr Gesicht bleiben muss. „Es war die richtige Entscheidung für die Firma“, sagt sie. Ihre Stimme zittert nicht. Nicht ein bisschen. Das trifft mich, mehr als die Worte selbst. Sie klingt, als würde sie eine Tischreservierung bestätigen, nicht als würde sie erklären, warum sie das, woran ich drei Jahre lang mit meinen eigenen Händen gearbeitet habe, gerade zerstört hat. „Reden Sie nicht mit mir, als wäre ich ein Investor, den Sie verwalten müssen.“ Meine Stimme wird lauter, bevor ich es verhindern kann. „Ich bin nicht der Vorstand, Maya. Ich bin der Mann, der vor sechs Nächten neben Ihnen eingeschlafen ist.“ Etwas bewegt sich in ihrem Kiefer. Klein. Kaum sichtbar. Jeder andere auf der Welt hätte es übersehen. Ich kenne ihr Gesicht seit zwei Jahren. Mir entgeht es nicht. „Sie verstehen es nicht“, sagt sie. „Dann zwingen Sie mich dazu.“ Ich trete näher, so nah, dass ein vorbeigehender Analyst seine Richtung ändert und zum Treppenhaus statt zum Aufzug geht. Mir egal. „Zwei Jahre. Ich habe Ihnen Dinge über meinen Vater erzählt, die ich noch nie einem anderen Menschen anvertraut habe. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich Angst hatte, die ganze Firma würde scheitern und jedem, der jemals an mir gezweifelt hat, Recht geben. Ich habe Ihnen das alles gesagt. Und Sie konnten nicht eine einzige Nachricht schicken, bevor Sie dafür gestimmt haben, alles niederzubrennen?“ Sie blickt an mir vorbei zum Fenster am Ende des Flurs, wo der Regen noch immer in langen, grauen Streifen herabrieselt. „Es ist kompliziert“, sagt sie. „Komplizierter, als du ahnst.“ „Dann mach es einfacher.“ Meine Hände zittern jetzt, nicht vor Kälte. „Hier und jetzt.“ „Ich kann nicht. Noch nicht.“ „Wann denn dann?“ „Bald.“ „Du benutzt dieses Wort ständig, als ob es etwas bedeuten würde.“ Hinter ihr klingelt der Aufzug. Die Türen gleiten auf. Sie wirft einen Blick darauf, dann wieder auf mich, und für einen Augenblick – nur einen einzigen Augenblick – bricht etwas in ihren Augen auf. Angst. Echte Angst, nicht die Fassade, die sie seit dem Meeting aufrecht hält. Als ob ein Teil von ihr mich in den Aufzug ziehen und mir alles direkt vor den Augen aller erzählen wollte. Dann ist es weg. Die Tür vor ihrem Gesicht schließt sich so schnell, wie sie sich geöffnet hat. Sie tritt ein. Ich stehe da und sehe zu, wie sich die Aufzugtüren schließen – der letzte klare Blick auf ihr Gesicht für eine gefühlte Ewigkeit. Ich erinnere mich nicht, wie ich zurück in mein Büro gelaufen bin. Ich erinnere mich, wie ich mich hingesetzt habe. Ich erinnere mich, wie ich die Wand hinter meinem Monitor angestarrt habe, vielleicht zehn Minuten, vielleicht auch eine Stunde. Priya klopft gegen sechs Uhr, leise, vorsichtig, so wie sie klopft, wenn sie schon ahnt, dass die Antwort nichts Gutes verheißt. „Mr. Cole. Soll ich Ihnen den Termin um sieben Uhr freihalten?“ Ich weiß gar nicht mehr, wofür der Termin um sieben Uhr war. „Reservieren Sie sich die ganze Woche“, sage ich. Sie zögert an der Tür. „Ist alles in Ordnung?“ Das Geräusch, das mir entfährt, ist kein richtiges Lachen. „Nein“, sage ich. „Ich glaube nicht.“ Sie nickt, als wüsste sie nicht, was sie mit dieser Antwort anfangen soll, und schließt die Tür hinter sich. Das Büro leert sich langsam, dann plötzlich, so wie es eben ist, wenn alle darauf warten, dass jemand anderes zuerst geht. Um acht Uhr bin ich allein, nur das Summen der Lüftungsanlage und der Regen gegen die Scheiben prasseln, mittlerweile so gleichmäßig, dass es fast wie Rauschen klingt. Ich klappe meinen Laptop wieder auf. Ich sage mir, ich werde mir die Aufnahme nicht ein fünftes Mal ansehen. Und doch sehe ich sie mir ein fünftes Mal an. Ihre Stimme. Immer dieselben fünf Worte. Ich beuge mich näher an den Bildschirm, so nah, dass das Licht, das sich darauf spiegelt, meine Augen ein wenig blendet, und beobachte diesmal ihr Gesicht, anstatt dem Ton zuzuhören. Eine Pause. Kurz bevor sie spricht. Weniger als eine Sekunde. Ich hätte sie völlig verpasst, wenn ich nicht genau danach gesucht hätte, fast um Mitternacht, halb neben mir. Eine Pause, als würde sie sich auf etwas vorbereiten. Als würden ihr die Worte mehr kosten, als ihre Stimme verriet. Ich lehne mich zurück. Meine Brust fühlt sich eng an, auf eine Weise, die nichts mehr mit Wut zu tun hat. Was, wenn ich mich irre? Der Gedanke ist da, unangenehm und unerwünscht, denn die Alternative – dass sie einfach von heute auf morgen aufgehört hat, sich um mich zu kümmern, kalt und völlig – sollte leichter zu akzeptieren sein als das hier. Ist sie aber nicht. Nichts an diesem Abend ist einfach. Mein Handy vibriert auf dem Schreibtisch. Ich greife schnell danach. Wir müssen reden. Nicht heute Abend. Bald. Maya. Schon wieder dieses Wort. Ich starre lange darauf, der Daumen schwebt über der Antwort. Ich will sie fragen, was „bald“ bedeutet. Morgen. Nächste Woche. Nie. Ich will fragen, ob „bald“ nur ein netteres Wort für eine Tür ist, die sie mir für immer verschlossen halten will. Ich lege das Handy mit dem Display nach unten und gehe nicht ran. Ich gehe nicht nach Hause. Stattdessen sitze ich im dunklen Büro und beobachte die Stadt, die durch das regennasse Fenster verschwimmt, während ich an all die kleinen, erleuchteten Fenster draußen denke und darüber nachdenke, welches wohl ihres sein könnte. Gegen ein Uhr nachts vibriert mein Handy erneut. Nicht Maya. Eine E-Mail. Kein Absender, den ich kenne. Keine Betreffzeile – nur leere Stellen. Ich hätte sie beinahe ungelesen gelöscht. Doch irgendetwas hielt meinen Daumen davon ab.

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