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Der Erbe der Chimäre: Das Blut des Mondes und der Sonne

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„Du zitterst“, flüsterte sie, während ihre Finger meinen Halspuls abtasteten. „Dein Herz … es schlägt in zwei verschiedenen Rhythmen.“Ich zog mich zurück, und die Schatten im Raum verdichteten sich, als das Mondlicht auf meine Haut fiel. Ich bin Mikhail, der einzige Erbe des Vampir-Primats der Petrovs. Mein Vater erwartet, dass ein kalter, gefühlloser Raubtier unsere Rasse anführt. Stattdessen bin ich ein Fehler in der Blutlinie.Als Elena, eine brillante 29-jährige Menschenspezialistin, auf das Anwesen gebracht wird, um meine „Anfälle“ zu heilen, entdeckt sie die Wahrheit, die ich dreiundzwanzig Jahre lang verborgen gehalten habe: Ich bin eine Chimäre. Halb Vampir, halb Werwolf.In einem Land, in dem sich die beiden Spezies seit Jahrhunderten gegenseitig jagen, ist meine Existenz ein Todesurteil. Um am Leben zu bleiben, muss ich beide Seiten beherrschen. Doch während sich der „erste Regen“ nähert, beginnt mein Körper, sich selbst zu zerreißen, und die Frau, von der ich immer besessener werde, ist die Einzige, die mich retten kann – oder mich vor dem Rat bloßstellen kann.

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Kapitel 1: Der Fleck der Sonnenwende
Der schwere Duft von altem Mahagoni und teurem Eau de Cologne beruhigte mich normalerweise, doch heute Abend fühlte sich die Luft im Anwesen der Petrovs an, als wäre sie mit Zyanid versetzt. Ich stand vor dem raumhohen Spiegel in meinem Ankleidezimmer und rückte die Manschetten meines maßgeschneiderten schwarzen Anzugs zurecht. Meine Hände waren ruhig – das mussten sie auch sein –, doch unter der Seide und Wolle fühlte sich meine Haut an, als würden tausend Nadeln über sie krabbeln. Es war der Abend der Wintersonnenwende-Gala. Der eine Abend im Jahr, an dem sich die Vampir-Primat versammelte, um die Welt – und die sich wandelnden Rudel im Tal unter uns – daran zu erinnern, wer genau die Zügel in der Hand hielt. „Du bist spät dran, Mikhail.“ Die Stimme meines Vaters kam nicht von der Tür. Sie kam aus den Schatten hinter mir. Viktor Petrov trat ins Licht, seine Augen von einem durchdringenden, unnatürlichen Blau, das mir die Haut abzuziehen schien. Mit fünfundfünfzig sah er nicht älter aus als vierzig, seine Präsenz beherrschte den Raum, noch bevor er überhaupt sprach. „Die Gäste treffen ein“, sagte ich mit leiser Stimme, um das Zittern in meiner Kehle zu übertönen. „Ich war gerade fertig.“ Er ging auf mich zu, seine Bewegungen zu fließend, zu raubtierhaft. Er blieb nur wenige Zentimeter entfernt stehen, sein Blick heftete sich auf meinen. „Du siehst blass aus. Blasser als sonst. Die Medikamente, die dir der ‚Spezialist‘ des Rates verschrieben hat – wirken sie?“ Die Medikamente. Der Cocktail aus Unterdrückungsmitteln, der den Wolf in meinem Blut zum Schweigen bringen sollte. „Ja“, log ich. Er streckte die Hand aus und packte mein Kinn mit der Kraft eines Schraubstocks. „Gut. Denn wenn du heute Nacht versagst – wenn du auch nur einen Hauch der ‚Schwäche‘ zeigst, die deine Kindheit geplagt hat – werde ich dir nicht nur deinen Titel aberkennen. Ich werde den Schandfleck, den du auf diese Blutlinie geworfen hast, eigenhändig auslöschen.“ Er stieß mich zurück und ging hinaus, wobei die schwere Eichentür mit der Endgültigkeit eines Sargdeckels ins Schloss fiel. Ich schnappte nach Luft und klammerte mich an den Rand des Marmorwaschtischs. Meine Sicht verschwamm. Eine tiefe, kehlige Hitze stieg aus meiner Magengrube empor und breitete sich in Richtung meiner Wirbelsäule aus. Es war nicht der kalte Hunger eines Vampirs. Es war heiß. Es war wild. Es war falsch. Nicht jetzt. Bitte, nicht jetzt. Ich griff nach dem kleinen Fläschchen in meiner Tasche, doch meine Finger verkrampften sich, sodass das Glas zersplitterte und über den Boden rollte. Die klare Flüssigkeit zischte auf dem Teppich. Es klopfte an der Tür. Nicht das schwere Stampfen eines Wächters, sondern etwas Leichteres. Systematisch. „Mr. Petrov?“ Die Stimme war ruhig, weiblich und hatte einen Akzent, den ich nicht zuordnen konnte – scharf und sachlich. Ich versuchte zu antworten, doch ein Knurren blieb mir im Hals stecken. Ich presste die Augen zusammen und spürte, wie sich meine Schneidezähne verlängerten, doch gleichzeitig begannen meine Knochen zu knacken, wollten sich ausdehnen, sich auf eine Weise verformen, wie es kein Vampir jemals sollte. Die Tür öffnete sich. Sie stand da, als Silhouette vor dem Licht des Flurs. Sie sah aus wie etwa neunundzwanzig, ihr pechschwarzes Haar zu einem strengen Knoten zusammengebunden, ihre grauen Augen weiteten sich, als sie auf mich fielen. Elena Vance. Die neue Medizinerin, die mein Vater engagiert hatte, um mich zu „reparieren“. „Bleib … zurück“, keuchte ich und schlug die Hand vor die Augen. Sie rannte nicht weg. Stattdessen trat sie ein und schloss die Tür hinter sich. Sie kam auf mich zu mit der Furchtlosigkeit von jemandem, der den Tod gesehen und ihn langweilig gefunden hatte. „Dein Vater sagte, du hättest eine Panikattacke“, sagte sie, wobei ihre Stimme zu einem Flüstern sank, während sie in ihre Arzttasche griff. „Aber deine Vitalwerte … Ich kann dein Herz von hier aus hören, Mikhail. Es schlägt mit zweihundert Schlägen pro Minute. Das ist für einen Vampir unmöglich.“ „Verschwinde“, knurrte ich, während die Schatten im Raum begannen, um meine Füße zu wirbeln und auf meine Erregung zu reagieren. Sie griff nach meiner Hand, ihre Finger waren warm – zu warm – an meiner eiskalten Haut. Sobald ihre Haut meine berührte, schoss ein elektrischer Schlag durch mein Mark. Die qualvolle Hitze in meinem Rücken wurde plötzlich kalt. Die Verwandlung hörte auf. Ich sah auf sie herab. Ihre Augen waren nicht von der üblichen Angst erfüllt, die ich bei den Bediensteten sah. Sie waren von einer erschreckenden Neugier erfüllt. „Deine Pupillen“, flüsterte sie, beugte sich näher zu mir, ihr Duft – Vanille und Desinfektionsmittel – erfüllte meine Sinne. „Die eine ist ein vertikaler Schlitz. Die andere ein aufgeblähter Kreis. Mikhail … was bist du?“ Bevor ich antworten konnte, hallte das Heulen eines Wolfes aus dem Tal unter uns herauf, und das Glas meiner Fenster vibrierte. Der erste Regen der Sonnenwende begann gegen das Glas zu prasseln. Ich packte sie an den Schultern und drückte sie gegen den Waschtisch. Meine Krallen waren ausgefahren – knochenweiß und gezackt. „Wenn du jemals ein Wort darüber verriest, was du in diesem Raum siehst“, zischte ich, mein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, „werde ich dafür sorgen, dass der Rat deine Leiche niemals findet.“ Elena zuckte nicht mit der Wimper. Sie blickte auf meine Klauen, dann wieder in meine unruhigen Augen. Ein langsames, gefährliches Lächeln umspielte ihre Lippen. „Dann ist es gut, dass ich nicht hierhergekommen bin, um dich zu melden, Mikhail“, flüsterte sie. „Ich bin hierhergekommen, um dich zu studieren.“ Die Tür sprang auf. „Mikhail! Der Vorsitzende verlangt deine Anwesenheit!“, rief der Wachmann. Ich ließ Elena los, mein Körper zitterte, als die Unterdrückungsmittel völlig versagten. Ich musste da rausgehen. Ich musste eine Versammlung von Monstern anführen, während mein eigenes Blut versuchte, mich zu zerreißen. Und die einzige Person, die die Wahrheit kannte, war eine menschliche Frau mit einem eigenen Geheimnis.

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