Wieder hallten Schüsse durch das Anwesen.
Laut.
Nah.
Elaras ganzer Körper erstarrte, während Sicherheitsalarme durch die Villa schrillten.
„Sicherheitsperimeter durchbrochen. Sicherheitsperimeter durchbrochen.“
Die roten Notfalllichter, die durch den Flur blitzten, ließen alles unwirklich erscheinen.
Wie ein Albtraum.
Nur dass dieser Albtraum erschreckend real war.
Adrians Griff um ihr Handgelenk wurde fester.
„Beweg dich.“
Seine Stimme hatte sich vollkommen verändert.
Der ruhige Milliardär war verschwunden.
Der stille Mann, der sie beinahe angelächelt hatte, war verschwunden.
Was jetzt übrig blieb, war etwas Kälteres.
Schärferes.
Gefährliches.
Ethan zog sofort eine Pistole aus seiner Jacke.
Elara starrte ihn schockiert an.
„Du trägst eine Waffe?!“
Ethan blinzelte einmal. „Du dachtest, ich hätte die Arbeit für Adrian nur mit positivem Denken überlebt?“
Ein weiterer Schuss krachte draußen.
Diesmal näher.
Die Wachen unten schrien hektisch in ihre Funkgeräte.
„Drei bewaffnete Männer am Osteingang!“
„Mögliche Scharfschützenposition auf dem Hügel!“
Elaras Blut gefror.
Scharfschütze?
Adrian bewegte sich sofort.
Ein Arm legte sich um ihre Taille, während er sie schnell durch den Flur führte.
„Warte—wo gehen wir hin?“
„In den Sicherheitsraum.“
„Du hast einen Sicherheitsraum?“
„Ja.“
„Natürlich hast du einen“, murmelte sie zitternd.
Ethan blieb dicht hinter ihnen und sprach rasch in sein Headset.
„Alle Einheiten zur Nordseite. Schützt die Haupthalle.“
Eine weitere Explosion erschütterte die Fenster.
Elara stolperte beinahe.
Adrian fing sie sofort auf, bevor sie fallen konnte.
„Du bist okay“, sagte er leise.
Die Ruhe in seiner Stimme beruhigte ihren Atem irgendwie ein wenig.
Wie konnte er bei buchstäblichem Schusswechsel so gefasst bleiben?
Dann erinnerte sie sich an die Narben auf seinem Körper.
Das war nichts Neues für ihn.
Diese Erkenntnis schmerzte mehr, als sie sollte.
Plötzlich donnerten Schritte die Treppe hinauf.
Einer der Wachmänner schrie—
„Sie sind drin!“
Adrians gesamter Ausdruck verdunkelte sich augenblicklich.
„Ethan.“
„Ich weiß.“
Ethan reichte Adrian ruhig eine weitere Pistole.
Elaras Augen weiteten sich.
Keine Zögerung.
Keine Panik.
Die Bewegung wirkte routiniert.
Erschreckend routiniert.
Adrian überprüfte die Waffe ruhig, bevor er zu ihr sah.
„Du bleibst bei Ethan.“
„Nein.“
Sein Blick wurde schärfer.
„Elara—“
„Du bist verletzt!“
„Und Leute versuchen gerade, uns umzubringen.“
„Eben!“
Ein lauter Knall hallte irgendwo in der Nähe wider.
Glas zerbarst.
Stimmen schrien.
Die Angreifer kamen näher.
Adrian trat plötzlich dicht vor sie.
Sehr dicht.
Seine Hand umfasste sanft ihre Wange.
Die Zärtlichkeit dieser Geste stand im völligen Gegensatz zu dem Chaos um sie herum.
„Elara“, sagte er leise, „hör mir jetzt ganz genau zu.“
Ihr Herz schlug heftig.
„Falls irgendetwas passiert—“
„Nein.“
Seine Augen verdunkelten sich leicht.
„Du weißt doch gar nicht, was ich sagen wollte.“
„Du darfst keine Abschieds-Sätze sagen.“
Für einen kurzen Moment…
sah Adrian tatsächlich überrascht aus.
Wirklich überrascht.
Dann wurde etwas in seinem Ausdruck schmerzhaft weich.
„Du bleibst wirklich“, murmelte er leise.
Bevor sie antworten konnte—
explodierte ein Schuss ganz in der Nähe.
Die Wand neben ihnen zerbarst augenblicklich.
Adrian reagierte sofort.
Er zog Elara scharf an sich und drehte seinen Körper, um sie vollständig abzuschirmen, während Trümmerteile überall herumflogen.
Ethan schoss sofort zurück.
„BEWEGT EUCH!“
Danach geschah alles viel zu schnell.
Weitere Schüsse.
Schreiende Sicherheitskräfte.
Schnelle Schritte im Flur.
Adrian packte erneut Elaras Hand und zog sie zu einer versteckten Tür hinter einem großen Gemälde.
Die Wand glitt automatisch auf.
Ein geheimer Raum.
Natürlich.
Drinnen befanden sich Bildschirme, die jede Ecke des Anwesens zeigten.
Waffen.
Notfallausrüstung.
Kugelsichere Wände.
Elara starrte ungläubig.
„Das ist verrückt.“
Adrian verriegelte die Tür hinter ihnen.
„Es ist notwendig.“
Draußen gingen die dumpfen Schüsse weiter.
Dann—
flackerte plötzlich einer der Sicherheitsmonitore.
Ein maskierter Mann erschien auf dem Bildschirm nahe der Haupttreppe.
Langsam nahm er sein Headset ab und blickte direkt in die Kamera.
Dann lächelte er.
Ein kaltes Lächeln.
Und sagte einen einzigen Satz deutlich genug, dass sie ihn alle hören konnten.
„Sag Adrian, sein Onkel lässt grüßen.“
Elara spürte, wie Adrian neben ihr vollkommen regungslos wurde.
Und irgendwie…
war dieses Schweigen erschreckender als die Schüsse.