Das Madchen, das ihn nie erinnerte
Der Regen peitschte heftig gegen die Glaswände des Connick Towers, während die Stadt unter silbernen Wasserschleiern zu ertrinken schien.
Ganz oben im obersten Stockwerk stand Adrian Connick schweigend am Fenster. Eine Hand steckte in der Tasche seines maßgeschneiderten schwarzen Anzugs, die andere hielt ein Kristallglas mit unberührtem Whiskey.
Kalt.
So beschrieben ihn die Menschen.
Kaltblütiger Milliardär.
Rücksichtsloser CEO.
Gefühlloses Monster.
Und keiner von ihnen lag falsch.
„Mr. Connick“, sagte sein Assistent vorsichtig hinter ihm, „die Vertreter der Whitmore-Familie sind angekommen.“
Adrians Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.
„Sie sind zehn Minuten zu früh.“
„Sie wirkten… verzweifelt.“
Natürlich waren sie verzweifelt.
Whitmore Holdings brach schneller zusammen, als irgendjemand erwartet hatte. Die Aktien stürzten ab, Investoren zogen sich zurück, und Gerüchte über versteckte Schulden verbreiteten sich bereits wie ein Lauffeuer in der Geschäftswelt.
Adrian kannte den Grund längst.
Serena Whitmore.
Glücksspiel.
Verschwendungssucht.
Ein Kredit nach dem anderen.
Ein schwacher Mann, zerstört von einer egoistischen Ehefrau.
Er hätte Freude daran haben sollen, ihren Untergang zu beobachten.
Doch stattdessen fühlte sich seine Brust seltsam eng an.
Nach einem langen Moment der Stille drehte Adrian sich schließlich um.
„Schicken Sie sie herein.“
Der Assistent nickte nervös und verließ schnell den Raum.
Wenige Sekunden später öffneten sich die Türen des Konferenzraums.
Victor Whitmore trat zuerst ein und wirkte zwanzig Jahre älter, als er vermutlich war. Hinter ihm kam eine Frau mit teurem Schmuck, Serena, ohne Zweifel.
Dann sah Adrian sie.
Und die ganze Welt schien plötzlich den Atem anzuhalten.
Elara.
Sie trug ein schlichtes cremefarbenes Kleid, nichts Auffälliges, und dennoch stach sie mehr hervor als jeder andere Mensch, den Adrian jemals gesehen hatte.
Ihr langes dunkles Haar fiel über eine Schulter, und ihre müden Augen glitten vorsichtig durch den Raum, bis sie schließlich auf ihm liegen blieben.
Sie erkannte ihn nicht.
Natürlich tat sie das nicht.
Aber Adrian erinnerte sich an alles.
Den Spielplatz.
Den Regen.
Die Jungen, die ihn in den Schlamm schubsten und über sein Stottern lachten.
Und dieses kleine Mädchen, das sich mit wütenden Augen vor ihn gestellt hatte.
„Lasst ihn in Ruhe!“
Damals war sie winzig gewesen.
Furchtlos.
Strahlend.
Seine Heldin.
Für sie war es wahrscheinlich bedeutungslos gewesen.
Für Adrian war es alles geworden.
„Mr. Connick“, sagte Victor nervös und zwang sich zu einem Lächeln. „Vielen Dank, dass Sie diesem Treffen zugestimmt haben.“
Adrian setzte sich langsam hin, ohne den Blick von Elara abzuwenden.
Sie bewegte sich leicht unter der Intensität seines Blickes.
Gut.
Sie sollte sich unwohl fühlen.
Denn während sie ihn vor Jahren vergessen hatte…
hatte Adrian sie niemals vergessen.
„Setzen Sie sich“, sagte Adrian kalt.
Die Whitmores gehorchten sofort.
Für einige Sekunden erfüllte Schweigen den Raum.
Victor räusperte sich. „Ich bin sicher, Sie verstehen bereits unsere Situation.“
„Das tue ich.“
„Und ich glaube, wir können eine Vereinbarung treffen, von der beide Seiten profitieren.“
Adrian lehnte sich träge in seinem Stuhl zurück.
„Und was genau haben Sie mir noch anzubieten, Mr. Whitmore?“
Victors Gesicht wurde blass.
Serena sprach schnell dazwischen. „Unsere Firma hat immer noch Wert—“
„Nein“, unterbrach Adrian sie ruhig. „Hat sie nicht.“
Der Raum verstummte erneut.
Elara sprach schließlich zum ersten Mal.
„Warum haben Sie uns dann überhaupt eingeladen?“
Ihre Stimme war ruhig.
Fest.
Adrian lächelte beinahe.
Immer noch mutig.
Immer noch bereit, dem Risiko direkt in die Augen zu sehen.
Langsam faltete er die Hände ineinander.
„Weil“, sagte er leise, „ich bereit bin, Ihre Firma zu retten.“
Sofort blitzte Hoffnung in Victors Gesicht auf.
„Wirklich?“
„Ja.“
Elara verengte sofort die Augen, Misstrauen ersetzte ihre Ruhe.
„Es gibt eine Bedingung, oder?“
Adrian blickte direkt sie an.
Nur sie.
„Ja“, sagte er sanft.
Etwas an der Art, wie er es sagte, ließ Unruhe ihre Wirbelsäule hinunterkriechen.
Victor beugte sich verzweifelt vor. „Alles. Nennen Sie Ihre Bedingung.“
Adrians Augen blieben auf Elara gerichtet, als er die nächsten Worte sprach.
„Ich will Ihre Tochter.“
Der Raum erstarrte.
Elara blinzelte.
Victor wirkte schockiert.
Sogar Serena verschluckte sich beinahe.
Adrians Stimme blieb ruhig.
„Heiraten Sie mich für ein Jahr“, fuhr er fort, „und ich werde jede einzelne Schuld Ihrer Familie auslöschen.“
Elara starrte ihn an, als hätte er den Verstand verloren.
Und zum ersten Mal seit Jahren…
fühlte Adrian Connick endlich wieder etwas, das gefährlich nahe daran war, lebendig zu sein.
Dann flüsterte Elara
„Was für ein Mann sind Sie?“