Ein Deal aus Eis

926 Words
Die Stille im Konferenzraum wurde erdrückend. Elara starrte Adrian Connick an, als hätte er plötzlich eine völlig fremde Sprache gesprochen. Ihn heiraten? Für ein Jahr? War er wahnsinnig? Victor Whitmore fing sich als Erster wieder. „Sie… Sie meinen das ernst?“ fragte ihr Vater mit zittriger Stimme. Adrians Gesichtsausdruck blieb unlesbar. „Ich wiederhole mich nicht.“ Serena beugte sich sofort nach vorne, ihre Augen glänzten vor Gier. „Das ist wunderbar! Elara, sag doch etwas“ „Nein.“ Das Wort verließ Elara augenblicklich. Scharf. Entschlossen. Serenas Gesicht verdunkelte sich. „Wie bitte?“ „Ich sagte nein.“ Elara wandte sich Adrian zu, während langsam Wut in ihr aufstieg. „Sie können unmöglich erwarten, dass ich einen Fremden aus geschäftlichen Gründen heirate.“ „Menschen tun jeden Tag Schlimmeres für Geld“, erwiderte Adrian ruhig. „Ich bin nicht irgendein Mensch.“ Etwas Gefährliches flackerte in seinen dunklen Augen auf. Für einen Moment wandte keiner von ihnen den Blick ab. Plötzlich schlug Victor beide Hände auf den Tisch. „Elara!“ fuhr er sie an. „Verstehst du überhaupt, was hier gerade passiert?“ Sie sah ihren Vater schockiert an. Sein Gesicht wirkte erschöpft. Gebrochen. So hatte sie ihn noch nie gesehen. „Die Firma geht unter“, flüsterte er. „Wenn dieser Deal scheitert… verlieren wir alles.“ Schmerz zog sich durch ihre Brust. Ihr Zuhause. Die Mitarbeiter. Alles, was ihr Vater sein ganzes Leben lang aufgebaut hatte. Verschwunden. Serena griff dramatisch nach Elaras Hand. „Schatz, es ist nur ein Jahr. Ein einziges Jahr, und alle sind gerettet.“ Langsam zog Elara ihre Hand zurück. „Leicht gesagt“, murmelte sie bitter. Serena versteifte sich. Adrian beobachtete die Szene schweigend. Aufmerksam. Er kannte bereits die Wahrheit über die Whitmore-Familie. Die Spielschulden. Die geheimen Kredite. Der Luxus, verborgen hinter gefälschten Konten. Victor Whitmore mochte die Papiere unterschrieben haben… Aber Serena hatte das Feuer entfacht. Und Elara war diejenige, die dafür verbrannt werden sollte. Sein Kiefer spannte sich leicht an. Er hasste diesen Gedanken. „Elara.“ Ihr Name klang seltsam vertraut aus seinem Mund. Vorsichtig sah sie ihn an. „Diese Ehe würde auch Ihnen Vorteile bringen“, sagte Adrian ruhig. Sie hätte beinahe gelacht. „Und wie genau?“ „Sie müssten sich nie wieder Sorgen um Geld machen.“ „Es gibt wichtigere Dinge als Geld.“ Wieder entstand dieses gefährliche Schweigen. Dann erhob Adrian sich langsam von seinem Stuhl. Die Atmosphäre im Raum veränderte sich augenblicklich. Groß. Beherrscht. Furchteinflößend. Elara verstand plötzlich, warum die gesamte Geschäftswelt diesen Mann fürchtete. Adrian ging zu den riesigen Glasfenstern mit Blick auf die verregnete Stadt. Ohne sich umzudrehen, sprach er leise. „Sie halten mich für den Bösewicht.“ „Sind Sie das denn nicht?“ Schließlich warf er ihr über die Schulter einen Blick zu. „Nein“, sagte er sanft. „Ich biete Ihnen lediglich eine Wahl an, die Ihnen sonst niemand geben kann.“ Seine Stimme blieb ruhig, doch irgendetwas daran beunruhigte sie. Als würde sich unter all diesem Eis… etwas viel Dunkleres verbergen. Oder etwas Traurigeres. Victor stand hastig auf. „Bitte, Mr. Connick. Geben Sie uns einen Moment allein.“ Adrian nickte einmal und verließ den Konferenzraum. In dem Moment, als sich die Tür schloss, explodierte Serena. „Bist du dumm?“ zischte sie Elara an. Elara starrte sie ungläubig an. „Du willst, dass ich mich verkaufe?“ „Ach bitte“, spottete Serena. „Frauen würden töten, um Adrian Connick zu heiraten.“ „Sein Geld interessiert mich nicht!“ Victor blickte plötzlich schuldbewusst zur Seite. Und allein das jagte ihr Angst ein. „Dad?“ Er schluckte schwer. „Es gibt etwas, das ich dir nicht erzählt habe.“ Ein schreckliches Gefühl breitete sich in ihrem Magen aus. „Die Bank…“ Seine Stimme brach. „Sie bereiten rechtliche Schritte vor.“ Elaras Gesicht verlor langsam jede Farbe. „Was?“ „Wenn wir das nicht innerhalb weniger Tage lösen, werden sie alles beschlagnahmen.“ Alles. Ihr Zuhause. Ihre Firma. Den Ruf ihres Vaters. Alles weg. Tränen brannten hinter ihren Augen, doch sie weigerte sich, sie fallen zu lassen. Serenas Stimme wurde plötzlich sanft. „Schatz… diese Ehe rettet uns alle.“ Nein. Sie rettet euch, dachte Elara bitter. Doch als sie ihren Vater erneut ansah… sah sie Angst. Echte Angst. Und plötzlich fühlte sie sich gefangen. Zehn Minuten später öffneten sich die Türen des Konferenzraums erneut. Adrian trat wieder ein. Sein Gesichtsausdruck änderte sich nicht, als er Elara dort steif stehen sah. „Nun?“ fragte er ruhig. Elaras Hände ballten sich langsam zu Fäusten an ihren Seiten. Jeder Instinkt in ihr schrie danach, wegzugehen. Doch ihr Vater sah zerstört aus. Und irgendwie… blickte Adrian Connick sie an, als wüsste er bereits, wie ihre Antwort ausfallen würde. Sie hasste das. „Ich habe Bedingungen“, sagte sie schließlich. Eine von Adrians Augenbrauen hob sich leicht. „Bedingungen?“ „Diese Ehe bleibt rein professionell. Sie kontrollieren nicht mein Leben. Wir tun nicht so, als wären wir verliebt. Und nach einem Jahr…“ Ihre Stimme spannte sich an. „Lassen wir uns scheiden.“ Adrian sah sie lange schweigend an. Dann… lächelte er langsam. Es war kein warmes Lächeln. Kein freundliches. Es war das Lächeln eines Mannes, der gerade etwas gewonnen hatte, das er sich schon sehr, sehr lange gewünscht hatte. „Einverstanden“, sagte er leise. Elaras Magen zog sich zusammen. Denn aus irgendeinem Grund… machte ihr dieses Lächeln mehr Angst als seine Kälte jemals zuvor.
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