Die Vertragsbraut

1056 Words
Der Regen hatte aufgehört, als Elara den Connick Tower verließ. Doch die Schwere in ihrer Brust wurde nur noch stärker. Die Lichter der Stadt verschwammen vor ihren Augen, während sie schweigend auf dem Gehweg stand und den Riemen ihrer Tasche fest umklammerte. Ein Jahr. Ein Jahr verheiratet mit einem Mann, den sie kaum kannte. Nein. Das stimmte nicht. Sie wusste genau, wer Adrian Connick war. Jeder wusste das. Der skrupellose Milliardär, der konkurrierende Unternehmen ohne Gnade zerstörte. Der emotionslose CEO, den das ganze Land fürchtete. Ein Mann, von dem die Leute behaupteten, er könne mit nur einem Blick einen ganzen Raum einfrieren. Und irgendwie… hatte sie gerade zugestimmt, seine Frau zu werden. „Elara.“ Die müde Stimme ihres Vaters holte sie zurück in die Realität. Victor kam vorsichtig auf sie zu, Schuld stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Einen Moment lang sagte keiner von ihnen etwas. Dann flüsterte er: „Es tut mir leid.“ Das tat fast mehr weh als der Deal selbst. Elara wandte schnell den Blick ab, bevor er die Tränen in ihren Augen sehen konnte. „Du hättest mir sagen sollen, dass es so schlimm ist.“ „Ich dachte, ich könnte es reparieren.“ „Mit Spielschulden?“ fragte sie bitter. Victor zuckte zusammen. Schweigen. Dieses Schweigen war Antwort genug. Langsam schloss Elara die Augen. Sie liebte ihren Vater. Aber im Moment… fühlte sie sich verraten. Plötzlich hielt eine elegante schwarze Limousine vor ihnen. Der Fahrer stieg sofort aus. „Miss Whitmore“, sagte er respektvoll. „Mr. Connick hat mich geschickt, um Sie nach Hause zu bringen.“ Sofort zog sie die Augenbrauen zusammen. „Und was ist mit meinem Vater?“ „Ein anderes Fahrzeug wartet auf ihn.“ Natürlich. Alles an Adrian Connick wirkte kalkuliert. Kontrolliert. Widerwillig stieg Elara auf den Rücksitz. Das Leder roch teuer. Alles im Wagen schrie nach Reichtum und Macht. Wenige Sekunden später setzte sich das Auto in Bewegung. Mit einem leisen Seufzen lehnte sie den Kopf gegen die Fensterscheibe. Was für ein Mann macht einen Heiratsantrag wie einen Geschäftsvertrag? Die Antwort kam sofort. Ein gefährlicher. Plötzlich vibrierte ihr Handy. Unbekannte Nummer. Zögernd öffnete sie die Nachricht. Morgen. 8 Uhr. Connick Estate. Wir finalisieren den Vertrag. — Adrian Connick Keine Begrüßung. Keine Höflichkeit. Nichts. Ungläubig starrte Elara auf die Nachricht. Dann erschien sofort eine weitere. Kommen Sie nicht zu spät. Ihr Kiefer klappte herunter. „Unglaublich“, murmelte sie. Der Fahrer tat klugerweise so, als hätte er nichts gehört. — Währenddessen stand Adrian hoch über der Stadt erneut allein in seinem Büro. Sein Assistent Ethan Cole sah vollkommen fassungslos aus. „Du heiratest sie?“ Adrian schenkte sich ruhig ein Glas Whiskey ein. „Ja.“ Ethan blinzelte mehrmals. „Du meinst Elara Whitmore?“ „Es gibt nur eine.“ „Aber du hast seit Jahren nicht einmal richtig mit ihr gesprochen.“ Adrian blickte schließlich auf. „Ich habe mit ihr gesprochen.“ „Drei Sätze zählen nicht.“ Adrian ignorierte ihn. Ethan seufzte schwer und setzte sich ihm gegenüber. „Das ist verrückt. Sogar für dich.“ Vielleicht war es das. Doch Adrian hatte Elara jahrelang aus der Ferne beobachtet. Jahrelang. Während sie mit anderen Menschen lachte. Andere Männer datete. Ein ganzes Leben führte, ohne ihn jemals wirklich wahrzunehmen. Und jetzt hatte das Schicksal sie endlich in seine Hände gelegt. Er würde sie nie wieder gehen lassen. „Du starrst schon wieder so“, sagte Ethan plötzlich. Adrians Augen verengten sich leicht. „Wie bitte?“ „Du bekommst diesen Blick jedes Mal, wenn ihr Name fällt.“ Adrians Griff um das Whiskeyglas wurde etwas fester. „Für diesen Blick gibt es einen Namen“, fuhr Ethan trocken fort. „Besessenheit.“ Schweigen. Dann sprach Adrian leise. „Erinnerst du dich an die Grundschule?“ Ethan runzelte die Stirn. „Kaum.“ „Da war ein Mädchen.“ Ethan verschluckte sich beinahe. „Ein Mädchen?“ „Sie hat mich beschützt.“ Der Raum wurde still. Denn Ethan kannte Adrian seit Jahren. Und Adrian sprach niemals über seine Vergangenheit. Niemals. „Sie stellte sich vor drei Jungen, die doppelt so groß waren wie sie“, sagte Adrian leise, sein Blick jetzt weit entfernt. „Sie hatte Angst… aber trotzdem hat sie mich verteidigt.“ Ethan beobachtete ihn aufmerksam. „Elara.“ Es war keine Frage. Adrian antwortete nicht. Das musste er auch nicht. Nach einer langen Pause seufzte Ethan erneut. „Du weißt, dass das nicht gut enden wird.“ Adrians Gesichtsausdruck wurde wieder kalt. „Das hängt davon ab.“ „Wovon?“ Eine gefährliche Ruhe legte sich in Adrians Augen. „Davon, ob sie lernt, mich zu lieben.“ — Am nächsten Morgen erreichte Elara das Connick Estate Punkt acht Uhr. Und wünschte sofort, sie hätte es nicht getan. Die Villa sah weniger wie ein Zuhause aus und mehr wie ein Palast hinter eisernen Toren. Ihre Absätze klackerten nervös über den Marmorboden, während ein Dienstmädchen sie hineinführte. Alles wirkte einschüchternd perfekt. Kalte weiße Wände. Riesige Kronleuchter. Absolute Stille. Dann erklang hinter ihr eine tiefe Stimme. „Sie sind pünktlich.“ Elara drehte sich abrupt um. Und ihr Atem stockte. Adrian stand oben an der Treppe und trug ein schwarzes Hemd, dessen Ärmel leicht hochgekrempelt waren. Ohne Sakko… ohne die Atmosphäre des Konferenzraums… wirkte er irgendwie noch gefährlicher. Und unfairerweise unglaublich attraktiv. Seine dunklen Augen hielten ihren Blick fest, während er langsam die Treppe hinunterging. „Sie sehen nervös aus“, bemerkte er ruhig. „Ich überdenke gerade meine Lebensentscheidungen.“ Fast erschien ein leichtes Grinsen auf seinen Lippen. Fast. Dann reichte er ihr ein dickes Dokument. „Der Ehevertrag.“ Vorsichtig nahm Elara ihn entgegen. Und hätte beinahe aufgehört zu atmen, als sie die erste Zeile las. VERTRAGSDAUER: EIN JAHR EHELICHE ENTSCHÄDIGUNG: 50 MILLIONEN DOLLAR Ihre Augen weiteten sich sofort. „Sie bezahlen mich?“ Adrian betrachtete sie schweigend. „Ich beschütze meine Frau.“ Diese Worte trafen sie viel härter, als sie sollten. Frau. Bevor Elara antworten konnte, durchschnitt plötzlich eine andere weibliche Stimme den Raum. „Also ist das die Frau, die du heiratest?“ Elara drehte sich um. Eine wunderschöne blonde Frau stand nahe des Essbereichs und musterte sie mit scharfem Amüsement. Dann lächelte die Frau langsam. Und irgendwie… fühlte sich dieses Lächeln wie der Anfang eines Problems an.
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