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Katalogbraut Auf Umwegen

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Sie muss sich auf niemanden verlassen. Und sie will keinen Mann haben, der ihr nur erneut das Herz bricht. 

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Kapitel 1-1
KAPITEL 1 2. August 1865 Gabe Talbot lief draußen vor der Scheune seines ältesten Bruders Jason um seine Pferde herum und spannte die Reittiere in die Kutsche ein. Bis vor kurzem hatten das Haus und die Scheune ebenfalls ihm gehört - aber er war nun achtundzwanzig Jahre alt und hatte beschlossen, dass er sein eigenes Haus brauchte. Er hatte ein kleines Häuschen, das zwischen Jasons Haus, das auf halbem Wege den Bridal Veil Mountain hinauf gebaut, und Seattle, die Stadt, die an der Küste des Puget Sound ganz unten gelegen war, stand. Mit dem Wagen brauchte man nur wenige Minuten, um beides zu erreichen. Er sah hinüber zu Jason, der vor dem Gespann stand. Die Sonne ließ die goldenen Strähnen in seinem Haar glänzen und sie blond statt braun schimmern. Er streichelte das große schwarze Pferd hinter dem Ohr. Das große Appaloosa-Pferd wäre als nächstes an der Reihe. Sie passten von ihrer Größe und Stärke her gut zusammen, auch, wenn sie sich in der Farbe unterschieden. „Erklär mir bitte noch mal, warum wir diese beiden Frauen nach Seattle bringen.“ „Weil unsere liebe Schwägerin Lucy die beiden sozusagen adoptiert hat.“ Er ging zu dem anmutigen weißen Pferd mit den rotbraunen Flecken auf der Flanke hinüber. „Sie hat gemeint, dass sie ebenfalls von Harvey Long misshandelt worden sind und das, obwohl es sich um seine Mutter und seine Schwester handelt.“ „Woher weiß Lucy das? Guter Gott, Harvey Long hat sie fast umgebracht und das mehrere Male. Das letzte Mal hat er sie sogar fast erschossen.“ „Weil er sie alleine zurückgelassen hatte, als wir damals den Berg aufgekauft haben. Er hatte den Ehemann der Mutter getötet - den Mann, der uns das Land verkauft hat - das Geld des Verkaufs gestohlen und sie sich selbst überlassen.“ Die Sonne brannte vom Himmel und selbst zu dieser frühen Stunde war die Hitze bereits unerträglich und ließ ihm Schweiß den Rücken hinunterrinnen. Selbst seine Kopfhaut unter seinem dunkelblonden Haar fühlte sich verschwitzt an und der Tag hatte gerade erst begonnen. Was er doch nur für eine frische, kalte Brise geben würde. „Wo in Seattle werden sie dann wohnen?“ „In einem der Häuser, die wir für die Holzfäller gebaut haben, wenn sie heiraten werden. Lucy meint, das ist das Mindeste, was wir tun können.“ „Aber wir haben doch nichts falsch gemacht, oder?“ „Nicht direkt, aber wenn du denkst, dass Drew seiner gerade schwanger gewordenen Ehefrau - die sich übrigens immer noch von dieser Schusswunde erholt -erklärt, dass sie diese beiden Frauen nicht unterbringen und ihnen nicht helfen kann, dann bist du verrückt.“ „Lucy ist schwanger? Das ist toll! Wann ist es denn soweit?“ „Erst in ungefähr sechseinhalb Monaten. Sie haben noch genug Zeit, sich vorzubereiten.“ Gabe legte das Geschirr vollständig an, um die Kutsche für Lucy und Drew fertigzumachen. Dann wandte er sich wieder Jason zu. „Komm, wir holen unsere Pferde.“ Sie liefen zurück in die Scheune. „Erwarten du und Rachel euer Kind nicht ungefähr zur selben Zeit?“ Ihre beiden Pferde waren bereits gesattelt. Gabe folgte Jason hinaus in den Hof, wo der Wagen stand. Jason legte die Zügel über seinen Sattel, während sie warteten und neben dem Wagen standen. „Ja. Die Babys sollten ungefähr zeitgleich geboren werden, was mich freut. Wenn sie älter sind, werden sie miteinander spielen können. Wie sieht es bei dir aus? In deiner Hütte ist nicht gerade viel Platz, um eine Familie großzuziehen.“ Gabe verzog das Gesicht und rollte mit den Augen. „Welche Familie? Es gibt nur mich und ich erwarte nicht, dass sich das in nächster Zeit ändern wird. Ich habe nicht vor, zu heiraten. Ich bin mit einigen der Bräute ausgegangen, aber nie mit der Absicht, heiraten zu wollen. Hast du vor, alle sieben Schlafzimmer mit Kindern zu füllen, wenn alle von uns ausgezogen sind?“ „Wenn es nach Rachel geht, dann schon. Sie kommt auch aus einer Großfamilie und möchte viele Kinder haben. Sie hat gemeint, dass es Billy gegenüber nicht gerecht wäre, ein Einzelkind sein und für uns beide im hohen Alter verantwortlich sein zu müssen. Mit vielen der Katalogbräuten bist du ausgegangen?“ „Nur mit dreien. Selbst, wenn ich nach einer Ehefrau suchen würde, habe ich noch nicht die richtige für mich gefunden. Jede von ihnen hatte etwas an sich, weshalb ich gesagt habe: „Nein, sie ist nicht die Richtige.““ „Was denn zum Beispiel?“ „Nun ja, Clara Simms hat zu viel geredet. Ich glaube ich habe den ganzen Abend lang keine zwei Sätze herausbekommen. Sadie James war zu schüchtern. Sie war genau das Gegenteil von Clara. Sadie dagegen hat gar nicht geredet. Und Violet Richardson war mir schließlich zu direkt. Nenn mich altmodisch, aber ich möchte die Dame umkämpfen und nicht andersherum.“ Sein Bruder Drew und seine Frau Lucy kamen aus dem Haus auf sie zugelaufen. Lucy war ein kleines Ding mit fast schwarzem Haar und heute strahlte sie förmlich in einem hübschen, rosafarbenen Kleid. Sie blieb neben der Kutsche stehen. „Sind die Herrschaften bereit zu gehen? Mit dem Wagen wird es ein paar Stunden dauern, bis wir ankommen.“ Drew war sein jüngerer Bruder und von ihnen fünf hatte er die dunkelsten Haare. Seine hellgrünen Augen brachten alle Damen zum Schwärmen - bis Lucy kam. Dann hatte er nur noch Augen für sie. Er stand hinter ihr und zog sie zu sich. „Ah, der wohltuende Klang der Stimme meiner geliebten Ehefrau.“ Gabe beobachtete, wie sie sich in Drews Armen umdrehte, zurücklehnte und ihm völlig vertraute, dass er sie festhielt und sie nicht fallen ließ. Genau in solchen Momenten, wenn er sah, wie glücklich seine Brüder waren, überkam Gabe das schleichende Gefühl der Eifersucht gegenüber ihrem Glück – aber wiederum nicht genug, um sich eine Ehefrau zu suchen und zu heiraten. Dafür war er noch nicht ganz bereit, auch, wenn er seine Brüder etwas anderes glauben ließ. Er ging gelegentlich mit einer den Bräuten aus, sodass seine Brüder ihn damit in Ruhe ließen, dass er sich doch eine Ehefrau suchen solle. Jedoch er traf sich niemals zwei Mal mit der gleichen Frau. Lucys Worte rissen ihn aus seinen Gedanken. „Weißt du, seitdem du mir erzählt hast, dass ihr sie gefunden habt, bin ich aufgeregt, sie kennenzulernen.“ Drew lächelte Lucy sanft zu. „Ich weiß. Gabe hat die Tiere bereits in die Kutsche gespannt und ihre Pferde gesattelt, also können wir gehen, wann immer du auch bereit dazu bist.“ „Das bin ich nun.“ Sie ließ ihn los und trat aus seinen Armen zurück. „Na gut. Lass mich dir in den Wagen helfen.“ Lucy lief auf den Wagen zu und Drew hob sie dann hinauf auf den Sitz. Danach kletterte er neben sie und nahm die Zügel in die Hand. „Sind alle soweit?“ „Ja. Wir können los.“, sagte Jason, der älteste der Brüder, als er vor die Kutsche ritt. Gabe schwang sich in den Sattel seines Pferds Buttons und wollte ebenfalls nicht den Staub abbekommen, den das Gespann, das die Kutsche zog, aufwirbeln würde. Sie folgten dem Pfad um den Bridal Veil Mountain. Dieser zog sich durch das Dickicht des Urwalds der Gegend. Eines Tages würden seine Brüder auch dieses Holz fällen, aber sie versuchten, nicht alles zu roden, sondern stattdessen die kleinen Bäume stehenzulassen, sodass sie im Licht wachsen konnten, da sie dann nicht mehr im Schatten des Dickichts standen. Der Pfad endete nahe einer kleinen, heruntergekommenen Hütte, die sicherlich noch kleiner war als seine eigene, dachte Gabe. Er schätzte, dass sie nur drei Räume hatte. Wahrscheinlich zwei Schlafzimmer im hinteren Bereich und die Küche, der Essbereich und das Wohnzimmer zusammen bildeten einen großen Raum im vorderen. Das Gebäude war einfach zu klein für alles andere. Drew brachte den Wagen so in Position, dass das Ende der Ladefläche nahe an der Eingangstür der Hütte stand. Dann stieg er ab und nachdem er Lucy von der Kutsche geholfen hatte, liefen sie über den Hof zum Eingang. Gabe und Jason warteten auf ihren Pferden, da Drew der einzige war, der die Frauen zuvor getroffen hatte. Eine weißhaarige Frau kam hinaus, um sie zu begrüßen. „Mr. Talbot.“, sagte sie und streckte Drew ihre Hand entgegen. „Ich war mir nich‘ sicher, ob Sie kommen würden.“ Er legte seinen Kopf schräg. „Warum das denn, Mrs. Parker?“ Sie schüttelte ein klein wenig mit dem Kopf. „Wäre nich‘ das erste Mal, dass uns jemand etwas verspricht, das dann nich‘ zustande kommt. Und bitte nennen Sie mich doch Wilma.“ „Du wirst sehen, dass wir Talbots unsere Versprechen halten. Nenn mich bitte Drew.“ Sie kicherte. „In der Tat. Und wer ist die reizende Dame neben dir?“ Drew legte seinen Arm um Lucys Schulter. „Verzeihung. Das ist meine Ehefrau Lucy.“ Lucy trat nach vorne und streckte ihr ihre Hand entgegen. „Freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Wilma.“ „Mich auch. Es tut mir leid, was Harvey Ihnen angetan hat, Mrs. Talbot-“ „Einfach nur Lucy, bitte.“ „Nun, Lucy, er war schon immer ein böses Kind gewesen. Ich habe es nie geschafft, ihn unter Kontrolle zu bringen und das schon, seitdem er ein kleiner Junge war.“ „So wie Drew mir erzählt hat, habt ihr auch sehr unter Harveys Einfluss gelitten – genau wie ich.“ Und in diesem Moment sah Gabe sie und das ganze Gespräch zwischen Drew, Lucy und der Parker-Dame trat in den Hintergrund. Er erblickte eine große, schlanke Frau mit dunkelbraunem Haar und braunen Augen. Sie kam aus der Hütte gelaufen und trug ein kariertes Männerhemd und Wollhosen. Ihr Haar war zu einem einzelnen Zopf zusammengebunden, der ihr über ihre Schulter bis fast zu ihren Hüften fiel. Sie war schön, aber nicht im klassischen Sinne. Ihr Gesicht war definiert, mit einem markanten Kiefer und hohen Wangenknochen, aber sie zog Gabe an, wie es zuvor noch nie eine Frau getan hatte - trotz ihrer Herrenkleidung. Kleidung, die ihr die sehr gut stand. Auf einmal war er wirklich froh, dass sein kleiner Bruder ihn zu diesem Ausflug überredet hatte. Sie ging direkt auf Lucy zu und hielt ihr ihre Hand entgegen. „Josie Long.“ Josie. Ein schöner Name. Lucy schüttelte ihre Hand mit ihren beiden. „Miss Long, es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Josie hob eine Augenbraue und legte ihren Kopf schräg, während sie auf Lucy hinabsah, die deutlich kleiner war als sie. „Warum sind Sie so nett zu uns, Mrs. Talbot? Die meisten Leute würden uns nicht helfen wollen – vor allem nicht nach all dem, was Harvey Ihnen angetan hat.“ Das hatte sich Gabe selbst auch gefragt, da Harvey Lucy verprügelt und sie fast erschossen hatte. Aber am Abend zuvor hatte Drew ihm erklärt, dass Lucy eben so war. Sie hasste es, jemanden leiden zu sehen und wenn es einen Weg gab, wie sie helfen konnte, dann würde sie das auch tun. „Als Harvey bei mir damit geprahlt hat, was er euch angetan hat und als dann Drew mir von euch erzählte,“, sagte Lucy, „wusste ich, dass wir einfach helfen müssen. Harvey hat euch beide genau so misshandelt, wie er mich misshandelt hat, oder vielleicht sogar noch mehr.“ „Das hat er.“, sprach Wilma Parker. „Wir wissen, dass er mit dem Geld des Verkaufs des Bridal Veil Mountain abgehauen war, aber wir waren uns bei der Sache mit Elias nich‘ sicher. Wisst ihr genaueres? Das würde zumindest mein Gewissen beruhigen.“ „Ja, Ma’am. Es tut mir wirklich leid, aber Harvey hat mir gesagt, dass er Elias umgebracht und irgendwo hier am Berg vergraben hat. Wo, weiß ich aber leider nicht.“ „Habe ich es dir nicht gesagt, Mama?“ Josie sah zu Lucy und Drew hinüber. „Ich wusste, dass er ihn um die Ecke gebracht hat.“ Sie legte einen Arm um die Schultern ihrer Mutter. „Er war eifersüchtig, da Mama wieder glücklich war.“ Gabe konnte nicht länger warten, kam auf Drew zugelaufen und stellte sich neben ihn. „Drew, möchtest du uns nicht vorstellen?“ Gabe hielt seinen Blick auf Josie gerichtet und merkte, wie ihre Augen groß wurden, als sie ihn ansah. Das ist gut, sehr gut. Sie ist interessiert. Sie ist nicht schüchtern wie Sadie James. Sie sagt, was sie denkt, aber redet nicht zu viel wie Clara Simms und falls sie mich wie Violet Richardson erobern möchte, lasse ich sie das vielleicht sogar.

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