Mein Versprechen an sie

1475 Words
Patricks Sicht (Fortsetzung) Ich war noch nie so glücklich gewesen – nicht einmal, als ich einen Milliardenvertrag unterzeichnete –, wie ich es in diesem Augenblick war. Warum? Allein wegen dieser zarten Bewegungen an meiner Brust. Sie atmete nun. Ihr Atem ging zwar noch immer flach, doch jetzt konnte ich ihn spüren. Noch immer ging keine Wärme von ihrem Atem aus, doch die bloße Erleichterung darüber, dass sie überhaupt atmete, war überwältigend. Ehrlich gesagt war ich einfach nur eifersüchtig gewesen. Ein ganzer Monat unserer Ehe war bereits vergangen, und in dieser Zeit hatten wir uns kaum gesehen. Und wann immer wir uns doch begegneten, trug sie stets diesen kalten Ausdruck im Gesicht – als blicke sie nicht auf ihren Ehemann, sondern auf einen völligen Fremden. „Patrick.“ Ich hörte, wie meine Mutter mich leise rief. Sie öffnete die Tür so lautlos, dass ich umso heftiger zusammenzuckte, als ich ihre Stimme vernahm. „Erika ist da“, fuhr sie fort. Erika Bennett ist unsere Hausärztin. „Gib mir fünf Minuten, Mom! Sie atmet jetzt!“, rief ich ihr entgegen, während ich Sara fest unter der Decke umschlungen hielt. „In Ordnung“, erwiderte sie sanft und schloss die Tür wieder. Ich atmete tief durch und küsste Sara noch einmal sanft auf den Scheitel. Auch wenn ich spüren konnte, wie sich ihre Brust hob und senkte, benötigte sie doch weiterhin ärztliche Hilfe und Pflege. „Ich habe dir versprochen, dass ich mich ändern werde – und ich verspreche es dir hiermit erneut: Ich werde mein Versprechen halten. Werd einfach bald wieder gesund, verstanden? Mir ist völlig egal, was andere über dich sagen; für mich bist du einfach nur ein ganz normaler Mensch“, murmelte ich ihr zu. Ich wusste, dass sie mich nicht hören konnte, doch ich wollte ihr dies dennoch unbedingt sagen. Das Problem lag bei mir. Das Problem war, dass Sara sich mit ihrer persönlichen Assistentin auf eine derart ungezwungene Weise unterhalten und gelacht hatte. Selbst früher – zu einer Zeit, als uns noch keinerlei Beziehung verband –, hatte ich sie nie zuvor so entspannt und glücklich erlebt. Ich war eifersüchtig auf ihre Assistentin geworden. Ich konnte zwar nicht verstehen, worüber sie sprachen, doch Sara hatte die ganze Zeit über gelächelt. Meine Eifersucht hatte sie derart in die Enge getrieben, dass sie beinahe ihr Leben verloren hätte. Langsam löste ich mich von ihr. Ihr Körper regte sich dabei ein wenig – ein Umstand, der mein Herz mit purer Freude erfüllte. Wir beide waren nun splitterfasernackt, und ich wollte nicht, dass der Arzt sie in diesem Zustand sah. Ich schlüpfte unter die Decke hervor und stellte dabei fest, dass ich völlig schweißdurchtränkt war. Das ließ mich die Stirn runzeln, doch ich hob sofort das Handtuch vom Boden auf, das ich zuvor weggeworfen hatte. Wäre es eine andere Situation gewesen, wäre ich längst ins Badezimmer gegangen, um zu duschen; doch nun hatte ich eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Ich schlang mir das Handtuch um die Hüften und rannte zu ihrem Kleiderschrank hinüber. Ich hielt inne, als ich auf der anderen Seite des Bettes ein Nachthemd entdeckte. Mit dem Nachthemd in der Hand eilte ich zu ihr zurück. Langsam hob ich sie hoch, doch mir stockte der Atem, als die Decke von ihrem Körper glitt. Verdammt … Mein Körper reagierte, noch bevor ich ihren Anblick überhaupt richtig erfassen konnte. Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meiner Benommenheit; hastig zog ich ihr das Nachthemd über und bedeckte damit sofort ihren Körper. Ihr Körper war wie eine vollendete Skulptur. Normalerweise trägt sie entweder Business-Kostüme oder weite, unförmige Kleidung. Als ich sie vorhin im Arm hielt, hatte ich zwar all ihre Körperrundungen gespürt – doch zu sehen, was sich unter dieser Kleidung verbarg, war ein Anblick, der mich zutiefst erschütterte. „Patrick“, rief meine Mutter leise, während sie die Tür öffnete. „Komm rein, Mom“, erwiderte ich hastig und schob meine Hand unter die Decke, um den Saum des Nachthemds unter die Zudecke zu ziehen. Ich legte sie wieder auf das Bett und deckte ihren Körper sorgfältig mit der Decke zu. Sie atmete nun schwer, doch ihr Körper fühlte sich immer noch kalt an. Ich blickte auf und sah, wie meine Eltern gemeinsam mit unserer Hausärztin, Dr. Vera Shaw, das Zimmer betraten. „Geh und zieh dir etwas an“, wies mich meine Mutter sanft an, und ich nickte zustimmend. Ich warf noch einen letzten Blick auf Sara, bevor ich das Zimmer verließ. Ich hörte Schritte hinter mir, doch ich versuchte weiterhin, die Fassung zu bewahren. Aus purer Angst hatte ich ihr versprochen, mich zu ändern – doch nun spürte ich, dass ich es tatsächlich tun musste. „Patrick.“ Ich blieb stehen, als mein Vater mich von hinten rief. Ich blickte ihn fragend an, während ich auf ihn zuging. Er atmete tief durch, kam auf mich zu und blieb schließlich direkt vor mir stehen. „Deine Mutter und ich glauben, d … dass wir uns geirrt haben, als wir dich dazu zwangen, sie zu heiraten.“ Er sprach ernst, während er die Stirn runzelte. Ich zog die Brauen zusammen; dieses Gespräch behagte mir ganz und gar nicht. „Wir hatten unsere Gründe, aber wir hätten dich nicht zwingen dürfen“, fügte er hinzu und atmete tief durch. „Ihr beide solltet euch scheiden lassen.“ Alle Falten auf meiner Stirn glätteten sich augenblicklich, sobald das Wort seinen Mund verlassen hatte. „Gemäß unserer Vereinbarung mit Thomas wirst du in zwei Monaten White Enterprises übernehmen. Danach könnt ihr euch scheiden lassen. Du kannst dein Leben weiterleben, und sie kann ein friedliches Leben führen – eines, das sie verdient hat.“ Er sprach weiter, doch ich nahm kein einziges Wort wahr. „Ich weigere mich“, platzte es ohne nachzudenken aus mir heraus. Dad brach mitten im Satz ab und sah mich verwirrt an. „Ich weigere mich, mich von ihr scheiden zu lassen, Dad“, erklärte ich, woraufhin sein Gesichtsausdruck verhärtete. „Ich habe sie verletzt, das gebe ich zu – aber das heißt noch lange nicht, dass es wieder geschehen wird“, sagte ich ihm mit fester Stimme. Er schnaubte verächtlich, sein Gesichtsausdruck war düster. Der Ekel und der Spott in seinem Blick trafen mich tief, doch ich ließ mir nichts anmerken. „Wir haben dich verwöhnt, bis du völlig verdorben warst, Patrick. Was vorhin im Wohnzimmer geschah – und wie du sie im Restaurant behandelt hast –, war uns beiden, deiner Mutter und mir, eine schmerzhafte Lehre. Sara ist durchaus in der Lage, ein gutes Leben zu führen – auch ohne einen Mann. Und schon gar ohne einen Mann wie dich.“ Dad sprach weiter, doch seine Worte schmeckten auf meiner Zunge wie Asche. „Ich weiß, Dad. Aber nichts ist unmöglich, wenn man fest entschlossen ist. Ich weiß, dass ich meine Lebensweise ändern muss. Gib mir etwas Zeit; ich versichere dir, dass du es nicht bereuen wirst, mir in dieser Sache dein Vertrauen geschenkt zu haben.“ Ich versuchte weiterhin, sein Vertrauen zurückzugewinnen. Ich brauchte dieses Vertrauen dringender als die Luft zum Atmen. Ich sah die Enttäuschung und das Ungläubige in seinen Augen, doch ich bewahrte die Ruhe und blickte ihm fest in die Augen. Nach einigen Sekunden seufzte er laut auf. „Geh und ruh dich aus“, wies er mich resigniert an. „Ich bin in ein paar Minuten zurück, Dad“, sagte ich mit einem leichten Lächeln. „Das ist nicht nötig.“ „Ich muss heute Nacht bei ihr bleiben, Dad. Um meiner eigenen geistigen Gesundheit willen muss ich heute Nacht in ihrer Nähe sein.“ Ich fiel ihm ins Wort, bevor er noch etwas erwidern konnte. Er öffnete den Mund – die Wut kehrte in sein Gesicht zurück –, schloss ihn dann jedoch wieder. „Geh und hol dir ein paar Sachen. Lass deine Mutter sich um dich kümmern.“ Er murmelte etwas, und noch bevor ich etwas erwidern konnte, ging er wieder zurück. „Dad“, brummte ich, doch er hörte mir nicht zu. Enttäuscht war ich deswegen jedoch nicht. Dad war schon immer ein gerissener Geschäftsmann gewesen, doch zu Hause hatte Mom das Sagen. Was auch immer sie sagte – Dad tat es, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ihre Liebe und Hingabe füreinander waren etwas, das ich schon immer bewundert hatte. Würde ich mit Sara wohl ein ebenso liebevolles Eheleben führen können? Bei diesem Gedanken setzte mein Herz einen Schlag aus. Ich wäre beinahe nach vorne gestrauchelt, hielt mich jedoch fest am Türgriff fest. „Was zur Hölle ist bloß los mit dir, Patrick?“, murmelte ich vor mich hin, ehe ich mich wieder auf die Beine rappelte. Ich atmete ein paar Mal tief durch und schüttelte kurz den Kopf, bevor ich den Türgriff drehte.
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD