Eis, Müsli, Wasser (1)

1168 Words
Unser Flug nach Sankt Francisco verlief relativ ereignislos. Die Fahrt zum Flughafen war genau so, auch wenn wir alle bei offenem Fenster laut Musik hörten und dazu noch lauter mitsangen. Im Flugzeug hatten wir Sitze in der ersten Klasse. Das war etwas spannender. Luzi und ich machten die ersten zwei Stunden eine Popkornschlacht. Ja, ich weiß. Die Flugbegleiterinnen waren nicht begeistert, was ich teilweise verstehen konnte. Aber die Mitreisenden waren cool. Sie beobachteten uns belustigt, weil der Rest so langweilig war. (Mal ehrlich: Ich hätte nicht gedacht das es so lange bis Sankt Francisco ist. Sechs Stunden und dreißig Minuten) Einige haben sogar mitgemacht. Den Rest der Zeit habe ich geschlafen. Ich träumte vom Meer, aber das tat ich in letzter Zeit häufig. Luzis Eltern hatten in der Nähe von Sankt Francisco ein Ferienhaus mit Pool direkt am Strand. Es war wirklich mega cool. Das Haus hatte vier Schlafzimmer, zwei Badezimmer, eine Küche, ein Wohnzimmer und eine Sauna. Damit war das Ding als Ferienhaus schon größer als mein Zuhause in New York. Mein Schlafzimmer war ein größtenteils blau gestrichenes Zimmer mit einer großen Fensterfront, einem Doppelbett, einer Kommode, einem Schreibtisch, einem Schminktisch, einem Nachttisch und einem kleinen begehbarem Kleiderschrank. Es war vielleicht ein bisschen karg, aber Mr. Mauricius (Luzis Vater) meinte ich könne es so dekorieren wie ich wollte, so wie es aussah würden wir hier noch sehr viel Zeit verbringen. Ich brachte schnell einige meiner Sachen nach oben. Wir würden in wenigen Stunden wieder losfahren. Die erste Woche würden wir campen gehen. Dann ging ich in Luzis Zimmer. Es war eigentlich genau so wie ihr Zimmer zuhause. Es war pink, plüschig und glitzerte. Vielleicht etwas übertrieben aber es strahlte immer vor allem Gemütlichkeit und Wohlbehagen aus. Ich fühlte mich immer extra willkommen. Sehr angenehm. Luzi hockte auf ihrem Bett und kämmte ihre Haare. Obwohl ihre Haare eigentlich immer perfekt aussahen. Ich schmiss mich einfach auch mit aufs Bett und starrte gedankenverloren zur Decke herauf. Seit heute morgen wollte mir dieses Gespräch nicht mehr aus dem Kopf. Irgend etwas war seltsam daran. Warum wollte Mom das ich nicht sauer bin? Ich kann doch nicht sauer sein, sie ist ja meine Mutter! Hatte sie Angst das morgen etwas passiert? Aber was? Was stimmte nur nicht? Es ergab einfach keinen Sinn! Ich beschloss Luzi von dem Gespräch zu erzählen. Sie schien genau so verwirrt wie ich. "Was hat sie noch mal genau gesagt?", fragte Luzi nach dem ich ihr alles noch mal genaustens erzählt hatte. Ich seufzte. "Sie meinte so was wie: Sei bitte nicht böse egal was morgen passiert." Luzi hielt verwirrt inne: "Das hat meine Oma so auch gesagt, glaub ich. Einen Tag vor dem ich 16 geworden bin." "Ja, Omas können manchmal so werden wenn sie älter sind, hab ich gehört." Sie schüttelte den Kopf. "Nein, so alt ist sie noch nicht. Außerdem war Mama auch irgednwie komisch damals. Meinst du das ist vielleicht so ein Erwachsenending?" "Vielleicht." Überzeugt war ich aber nicht. Es kam mir irgendwie selbst dafür schon zu komisch vor. Schließlich entschied ich das es an der Zeit wäre, ins Wasser zu gehen. "Hey, ich würde gerne zum Meer. Kommst du?" Endlich würde ich das Meer sehen. Mein ganzer Körper schien förmlich darum zuschreien. Luzi sah mich erschrocken an. "Nein, das geht nicht." Was? Wer würde den bitte das Meer nicht sehen wollen. "Warum nicht?" Sie schüttelte den Kopf. "Das passiert zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Alte Familientradition." Ok. Also sowas wie Weihnachten? Na gut. Das würde ich aushalten müssen. "Aber wann?", fragte ich und versuchte dabei meine Aufregung aus meiner Stimme zu verbannen, "Und wo?" "Kids! Wir müssen lo-os!" Mr.'s Mauricius' Stimme hallte fröhlich zu uns herauf. Wir sprangen auf. Luzi schenkte mir eines ihrer bezaubernden Lächeln während wir gemeinsam das Zimmer verließen. "Du wirst schon sehen", flüsterte sie mir geheimnisvoll zu. ... Aomi: Ich schlief mit dem Kopf auf dem Esstisch ein. Ich war am Strand. Das Meer das rief mich. Endlich sehen. Endlich schwimmen. Endlich. Der Strand war weiß. Meine Füße zogen mich wie von alleine. Der Druck in meiner Brust wurde immer stärker und stärker. Irgendetwas hielt mich zurück. Etwas anderes zog an mir. Meine Füße gingen immer weiter auf das Meer zu. Da stand ein Mann in weißer Hose neben dem Meer. Er sah einfach nur zu. Der Druck in meiner Brust verstärkte sich. Gerade als meine Zehen das Meer berührten, wachte ich auf. Ich war vom Stuhl gefallen. Ich musste das Meer sehen. Es rief doch! Verzweifelt versuchte ich die Vorhänge an den Seiten des Wohnwagens zu öffnen. Vergeblich. Sie klebten offenbar irgendwie fest. Verdammt ! Vielleicht gab es ja hier irgendwo das mir helfen würde? Ich begann wild die Schränke durchzuwühlen, als ich im Gefrierschrank auf die potenziell einzigste Sache traf die mich ablenken könnte: Eis. Ohne groß darüber nachzudenken brüllte ich: "EJ LUZI! WILLST DUN EIS!?" Luzi stöhnte hinter mir. Als ich mich zu ihr umdrehte, sah ich das sie ebenfalls geschlafen hatte. Nur nicht wie ich mit dem Kopf in der Müslieschale (Ja, ich habe in der Müslieschale geschlafen), sondern auf einem richtigen Bett in der Ecke. Sie versuchte gerade sich schlaftrunken wieder aufzurichten. "Magnum Mandel", schaffte sie es zu nuscheln, bevor sie wieder zurück sank. Wie lange hatten wir geschlafen? Ein Blick auf die Uhr sage mir das es mindestens drei Stunden waren. Höchste Zeit aufzustehen. Entschlossen warf ich das Magnum Mandel in Richtung Bett. "AUFSTEHEN!" "Verdammte Scheiße, du wagst es mit Eis durch die Gegend zu werfen! Du weist schon das Eis die Kronjuwelen des Essens ist, oder ?!" Aber es hatte funktioniert. Luzi war wach, zum Glück aber noch zu müde um wirklich was zu machen. Das würde noch kommen. Und ja, ich weiß was Eis auf der Wichtigkeitsskala von Essen ist. Aber es gibt eben Prioritäten die man einhalten muss. Entnervt leckte ich an meinem eigenen Eis. Der Druck hatte ein bisschen nachgelassen. War das überhaupt normal? Ich würde ja Luzi fragen, aber die ignorierte mich gerade wütend. Sie hatte meiner Meinung nach auch allen Grund dazu. Eis durfte einfach nicht durch die Gegend fliegen. Das war so eine unausgesprochene Regel. . . . Luzi: Während ich mein Magnum aß, starrte ich auf die langweiligen Vorhänge gegenüber. Sie waren dunkelgrau, war alles was mir besonderes auffiel, aber dunkelgraue Vorhänge waren ja nichts besonderes. Aber ich wollte SIE gerade nicht anschauen. SIE hatte gerade mein EIS DURCH DIE GEGEND GESCHMISSEN!! Jedes andere Lebensmittel wäre mir lieber gewesen. SIE hätte mich sogar mit Zucchini, Obergine und Tomaten abwerfen können. Selbst das, und das ist ja das schrecklichste Gemüse auf der Welt, wäre besser als EIN VERDAMMTES MAGNUS MANDEL!!!! Und ich verstand noch nicht ein Mal warum sie das gemacht hatte! Wie man sieht, war ich richtig sauer. Außerdem hatte ich diesen komischen, intensiven Traum vom Meer. Es war fast so als müsste ich dahin. Und es war so real gewesen. Am liebsten hätte ich mit Aomi darüber geredet. Aber nein, ich war sauer. Für den Rest der Fahrt schwiegen wir.
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