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Die Erlösung des Alphas

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Melissa wuchs als Tochter eines Alphas auf, mit dem Ehrgeiz, eines Tages das Rudel ihres Vaters zu erben. Obwohl sie temperamentvoll war, wurde sie von dem Bruder ihres Vaters, Beta Leon, sexuell missbraucht. Dieses Erlebnis führte dazu, dass sie Männer und jede Form von Intimität zutiefst ablehnte. Dennoch hatte sie schließlich einen Gefährten – Marcel, einen rangniedrigeren Werwolf, den sie von ganzem Herzen liebte. Ihre Bindung hielt über Jahre, und Melissa entwickelte eine so tiefe Liebe und ein Vertrauen zu ihm, dass nichts es zu erschüttern schien.****Bevor ihr Vater starb, wusste Melissa, dass man ihr als Frau niemals erlauben würde, das Rudel zu führen. Deshalb ließ sie ihren Vater ihren Gefährten Marcel zum Alpha krönen, in der Hoffnung, dass sie automatisch das Rudel regieren würde, sobald Marcel sie zu seiner Luna machte. Doch Melissa wusste nicht, dass Marcel sie verraten würde.****Melissa’s Onkel, Beta Leon, der das Rudel für sich selbst wollte, brachte seine Tochter Linda dazu, Marcel wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe seiner Gefährtin zu verführen.****Neben der Tatsache, dass Marcel mit der unwiderstehlichen Linda geschlafen hatte, hatte Leon ihn auch überredet, seine Tochter statt Melissa zu seiner Luna zu wählen. Marcel liebte Melissa, doch er wagte es nicht, sich gegen Beta Leon zu stellen – einen gefährlichen Mann, der in der Lage war, das ganze Rudel gegen ihn aufzubringen.****Als der Tag kam, an dem Marcel Melissa offiziell zu seiner Luna ernennen sollte, schockierte er sie, indem er stattdessen ihre Cousine Linda wählte. Melissa stellte Marcel im Gerichtssaal zur Rede, doch ihr Onkel befahl den Wachen, sie zu packen und hinauszuschleifen, weil sie „Unruhe stiftete“.****Als Melissa Marcel später privat zur Rede stellte, erfuhr sie, dass Linda sein Kind erwartete. Diese Erkenntnis zerbrach den letzten Rest ihres Herzens. Um es noch schlimmer zu machen, bot Marcel ihr an, seine Geliebte zu werden – eine Rolle, die sie erniedrigt hätte und sie ihrer verhassten Cousine untergeordnet hätte.****Melissa konnte den Verrat und den Verlust des Titels ihres Vaters an ihren untreuen Gefährten nicht ertragen. Sie brach die Gefährtenbindung und schrieb sich in der Alpha-Akademie ein. Als Frau galt sie als schwach und zu emotional, um die Pflichten eines Rudelführers zu übernehmen. Doch sie wusste, dass sie mit einem offiziellen Alpha-Zertifikat Marcel und ihrem Onkel das Rudel wieder entreißen könnte. Um jedoch in die Akademie zu gelangen, musste sie als Junge auftreten – und so begann ihre Verkleidung.****Ihr Plan war sorgfältig ausgearbeitet und schien einfach: Sie musste nur vortäuschen, ein Junge zu sein, ihre Stimme verstellen und die drei Jahre der Ausbildung unauffällig überstehen. Ihre Freundin, die ihr diesen Rat gegeben hatte, besorgte ihr sogar künstliche Barthaare. Melissa musste nur lernen, wie ein Alpha zu gehen und zu reden.****Doch in der Akademie lief nichts wie geplant. Schon bei der Anmeldung stieß sie auf Schwierigkeiten, die ihre wahre Identität zu gefährden drohten.****Trotz aller Verkleidung machte ihr weiblicher Körper sie deutlich anders als die anderen Alpha-Anwärter. Sie war kleiner und wirkte viel femininer. Zwar verdächtigte niemand sie, ein Mädchen zu sein, doch man verspottete sie wegen ihrer zierlichen Natur. Sie fand einen Freund, Kennedy, ihren Zimmergenossen, aber auch viele Feinde. Trotzdem wehrte Melissa sich immer. Sie war zwar die Kleinste, aber gleichzeitig die Mutigste und Wildeste unter den Auszubildenden.****Unter denen, die sie in der Akademie traf, war auch Lykanerprinz Joem. Prinz Joem galt als der mächtigste und gefährlichste aller Alphas in der Akademie. Er stammte aus dem stärksten Rudel – dem Blackthorn-Rudel. Jeder mied ihn wie die Pest und fürchtete ihn. Im Kampftraining wagte kaum jemand, ihn herauszufordern, wegen seiner unvergleichlichen Stärke.****Melissa hatte bereits am ersten Tag eine unglückliche Begegnung mit Alpha Joem. Sie verschüttete versehentlich ihr Essen über ihn – und das vor den Augen der anderen männlichen Alphas. Es stellte sich zudem heraus, dass sie ihm schon einmal in ihrer weiblichen Gestalt auf schlechte Weise begegnet war. Glücklicherweise erkannte er sie nicht wieder. Doch er beschloss, sie zu demütigen. Er nannte sie „Kleiner“ und befahl ihr, seine beschmutzte Kleidung abzulecken. Melissa verweigerte dies trotzig und bot stattdessen an, ihm den Schaden zu bezahlen. Joem fühlte sich bloßgestellt, weil Melissa sich ihm widersetzte.****Von diesem Moment an schwor Joem, Melissa dafür bezahlen zu lassen. Da sein Vater die Akademie leitete, hatte er die Macht, Regeln zu beugen. Bei Kampfübungen und anderen Aktivitäten zwang er Melissa immer wieder, gegen ihn anzutreten. Er wollte den „kleinen Kerl“ zusammenschlagen, bis dieser sich ihm wie alle anderen unterwarf. Doch während ihres ersten Kampfes spürte Joem Melissas weibliche Merkmale und erkannte, dass sie ein Mädchen war. Er behie

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Schmerz
MELISSAS SICHT „Atme, Melissa, atme einfach,“ sage ich mir selbst, während ich einen scharfen Atemzug nehme, bevor ich den königlichen Gerichtssaal betrete. Ich habe den Hof schon immer gehasst, weil er nach Macht, Kontrolle und gefährlichem Ehrgeiz stank. Mein Blick gleitet schnell durch den Raum, bevor ich meinen Platz in der Mitte des Saales einnehme. Ich versuche, gefasst zu bleiben, während meine Finger sich unbewusst in die Armlehnen krallen. Ich richte meinen Rücken durch, um die Eleganz zu verkörpern, die die Ältesten und Rudelmitglieder von der Tochter des Alphas erwarten. Doch in mir schlägt mein Herz wild, verzweifelt darauf bedacht auszubrechen. „Das ist es,“ murmele ich. Der Moment, für den ich geblutet und geplant habe. Heute erhebe ich Anspruch auf meine Krone… oder verliere alles. Auf der anderen Seite des Raumes steht Marcel am Podium—mein Gefährte, mein Partner, mein auserwählter Alpha. Seine schwarzen und goldenen Roben fangen das Licht des Kronleuchters ein, die silberne Spange funkelt wie lebendig. Er ist alles, was ich aus ihm gemacht habe: groß, stolz, herrschaftlich. Meine Lippen formen ein strammes Lächeln, als ich ihn beobachte. Ich kann fast die Stimme meines verstorbenen Vaters hören: Wenn sie keine weibliche Alpha akzeptieren, gib ihnen einen Mann, den sie nicht ablehnen können. Du wirst durch ihn herrschen. Ein bitterer Gedanke, den ich für Marcel, für uns, geschluckt habe. Ich würde alles tun, damit mein Onkel, Beta Leon, diese giftige Schlange, mir nicht Rudel und Geburtsrecht raubt. Das Murmeln der Menge wird lauter, als die Ältesten ihre Plätze einnehmen. Einige nicken mir zu, ihre Lächeln warm, aber flüchtig. Andere verziehen verächtlich die Lippen, als sollte ich dankbar sein, überhaupt hier zu sitzen. Sollen sie starren, denke ich spöttisch. Nach heute werden sie gar keine Wahl mehr haben, außer sich vor mir zu verbeugen. Marcel räuspert sich, und die Halle verstummt. Mein Puls beschleunigt sich erwartungsvoll. „Jetzt geht’s los,“ flüstere ich leise. „Heute,“ dröhnt seine Stimme, „nenne ich, Alpha Marcel des Eden-Rudels, meine Luna, diejenige, die an meiner Seite stehen wird, um uns in eine neue Ära zu führen.“ Ich lehne mich nach vorne, meine Brust eng vor Aufregung. Jedes Opfer, jeder geheime Plan, jede schlaflose Nacht—alles führt zu diesem Moment. Meine Hände sind feucht, ich reibe sie aneinander. „Ich wähle…“ Ich halte den Atem an. „…Linda Winters.“ Die Welt kippt. Mein Blick verschwimmt, und ich blinzle hart, überzeugt, mich verhört zu haben. Linda!? Meine Cousine? Diese intrigante, geieräugige Verräterin, die Marcel wie Beute umkreist? Die Halle explodiert in Applaus, die Ältesten erheben sich, ihr Jubel dröhnt wie Donner. Ich sitze gefroren da, mein Lächeln zerbricht in tausend Stücke. Linda tritt vor, ihre blonden Locken federn bei jedem Schritt, ein höhnisches Grinsen im Gesicht. Mir wird übel. „Nein,“ flüstere ich. „Das ist falsch. Ein schlechter Scherz.“ Ich stehe, ohne es zu merken, meine Beine zittern vor Wut. „Was zur Hölle hast du gerade gesagt?“ Meine Stimme schneidet durch den Lärm—roh, bebend. Das Klatschen stirbt, Köpfe drehen sich zu mir. Marcels Augen—die Augen, die ich jahrelang geliebt habe—treffen meine, und gleiten dann weg, als wäre ich Luft. „Du hast mich gehört, Melissa,“ sagt er glatt und kalt. „Linda Winters ist meine auserwählte Luna.“ Meine Knie geben fast nach. „Auserwählte Luna?“ Die Worte brennen in meiner Kehle. „Ich bin deine Gefährtin, Marcel! Die Tochter des Alphas, die dich erschaffen hat! Du hast versprochen—“ „Melissa.“ Leons Stimme schneidet wie ein Messer durch die Spannung. Mein Onkel steht bereits, sein Gesicht kalt und genervt. „Du verursachst eine Szene. Wachen.“ Zwei Krieger in glänzender Rüstung treten vor. Mein Körper spannt sich, jeder Muskel zieht sich zusammen, die Wölfin in mir erhebt sich mit einem tiefen Knurren. Meine Hände ballen sich, die Nägel schneiden fast die Haut auf. Sie nähern sich vorsichtig—nicht blind wie Soldaten, sondern wie Männer, die genau wissen, wer ich bin. Ihre Blicke wandern zu mir, bleiben zu lange hängen. Respekt. Anerkennung meiner Blutlinie. Sie wissen, ich bin nicht irgendeine Luna. Ich bin die Tochter des Alphas. Und für einen winzigen, zerbrechlichen Moment zögern sie. Ihre Schultern spannen sich, ihre Finger umklammern ihre Waffen—doch ihre Schritte stocken. Sie warten. Nicht auf Leon. Nicht auf die Ältesten. Auf Marcel. Dieser Moment sagt mir alles: Ich bin noch nicht ausradiert. Ich habe hier noch Gewicht. Macht. Meine Wölfin brüllt in meinem Kopf: Kämpf! Lass sie bluten, bevor sie uns anfassen! Aber ich kann nur dastehen, zitternd vor Wut, und den Mann anstarren, den ich zu einem Alpha gemacht habe. Den Mann, dessen Wort darüber entscheidet, ob ich wie eine Königin behandelt werde… oder wie eine Verbrecherin hinausgezerrt. Meine Augen treffen Marcels. Ich flehe stumm: Mach das rückgängig. Sag mir, dass das nicht echt ist. Aber sein Kiefer verhärtet sich. Seine Stimme ist eiskalt. „Schafft sie weg.“ Es fühlt sich an, als würde mir jemand die Luft aus der Brust schlagen. „Feigling,“ fauche ich, meine Stimme zittert. „Du glaubst, du kannst mich einfach wegwerfen? Nach allem, was ich—“ Die Hand eines Wächters packt meinen Arm. Meine Wölfin brüllt, ich reiße mich los. „Fass mich nicht an!“ Mein Schrei hallt durch den Marmor, aber die Menge bleibt still—schuldig, zuschauend. Der zweite Wächter packt härter. Ich wind mich, fast frei, doch sie sind stärker. Lindas Grinsen trifft mich wie ein Schlag. „Lasst mich los!“ Meine Stimme bricht—ein Schrei und ein Flehen zugleich, und ich verabscheue es. Ich hatte geschworen, nie schwach zu klingen. Aber Marcel rührt sich nicht. Stattdessen hebt er Lindas Hand wie eine Siegestrophäe, lässt die Ältesten jubeln, als wäre ich niemals existiert. Etwas in mir zerreißt. Wenn sie Krieg wollen, sollen sie ihn bekommen. „Du glaubst, das war’s, Marcel?“ brülle ich, die Kehle brennend. „Du glaubst, du kannst das Vermächtnis meines Vaters stehlen und an sie verschenken? Ich schwöre beim Mond, ich hole es mir zurück, und wenn ich es tue—“ „Genug!“ Leon brüllt, seine Stimme donnert. „Schafft sie raus, bevor sie uns weiter beschämt.“ Die Wachen zerren mich zu den hohen Doppeltüren, meine Stiefel kratzen über den glänzenden Boden. Jeder Schritt zieht mich weiter fort von dem Leben, das mir zustand. Die Banner verschwimmen zu Schatten, Lindas Grinsen brennt sich in meine Augen. Doch alles, was ich wirklich sehe, ist Marcels Rücken—wie er sich abwendet, mich ausschließt, mich löscht. Ich stemme mich ein letztes Mal, reiße den Kopf herum. „Sieh mich an!“ schreie ich. Doch er sieht nicht zurück. Kein Blick. Nichts. Die Türen schlagen hinter mir zu—und trennen mich von dem Leben, das eigentlich mir gehörte.

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