Kapitel 3

1426 Words
Avas Sichtweise Was passiert hier? Ich werde fast von diesem riesigen Mann erdrückt. Er hält mich fest an seine harte Brust gedrückt, meine Arme an meine Seiten gepinnt, meine Füße hängen in der Luft, einer meiner Schuhe ist ausgefallen und der andere baumelt an meinen Zehen. Er hat einen Arm um mich geschlungen, um mich zu halten, und mit der anderen Hand hält er meinen Nacken, sein Gesicht in meinem Haar vergraben. Mein Gesicht ist in seine Brust gepresst und ich atme seinen köstlichen Duft ein, und alles, woran ich denken kann, ist „Gefährte“. Aber wer ist das? Wer ist dieser Riese, der offensichtlich mein Gefährte ist? Er muss zu dem Lycan-Clan gehören, was seine riesige Statur und sein umwerfendes Aussehen erklärt. Ich atme tief ein. Mein Kopf fühlt sich leicht benebelt an, als ob ich viel zu viel getrunken hätte. Ich möchte das wunderschöne Gesicht dieses Fremden noch einmal sehen. Ich versuche, mich etwas zu bewegen. Hinter uns hört man ein leichtes Räuspern. Er lockert seinen Griff an mir und lässt mich an seinem langen, muskulösen Körper hinuntergleiten, bis meine Füße den Boden berühren und mein Körper kribbelt wie verrückt. Ich schaue zu seinem wunderschönen Gesicht auf und schwanke ein wenig. Er legt seine riesigen Hände um meine Taille, um mich zu stabilisieren, und senkt den Kopf, um mich genauso intensiv wahrzunehmen, wie ich ihn. Ist das mein Gefährte? Oh mein Gott! Er ist der schönste Mann auf dem Planeten! Nicht nur ein Mann, ein Lycan! Ich strecke meine Hand unwillkürlich aus und berühre seine gemeißelte Wange. Ein elektrischer Schlag durchfährt meinen Körper und ich beiße mir auf die Lippe bei dem plötzlichen Verlangen, das ich für diesen Fremden empfinde. Seine Augen verdunkeln sich und er zieht mich näher an sich heran. Hinter uns hört man ein etwas lautereres Räuspern und ich ziehe meine Hand zurück. Er packt meine Hand fest und steht aufrecht, dreht sich um und schaut sich im Raum um. Ich wende mich widerwillig von ihm ab und folge seinem Blick. Mein Blick fällt auf Lily, die nur wenige Schritte von uns entfernt steht. Ihre Augen sind weit aufgerissen und ihr Mund steht offen, während sie uns anstarrt. „A... Ava?“ stottert Lily, während sie uns anstarrt. „Bist du Luna Lily?“ Die Stimme meines Lycans ist tief und sexy. Seine Worte sind langsam und bedächtig, autoritativ. Ich spüre, wie meine Knie weich werden. Sein Griff um meine Hand wird fester. Lily schließt ihren Mund und schaut zu meinem Lycan. Sie scheint sich aus ihrer Starre zu lösen. „Ja, ja, ich bin Luna Lily.“ Sie geht ein paar klickende Schritte auf uns zu und streckt ihre Hand aus. Mein Lycan schaut sich ihre Hand an und nach einer peinlich langen Pause (für Lily) schüttelt er sie schließlich. Ich habe Lily noch nie so aus der Fassung gebracht gesehen, es ist definitiv das erste Mal, dass ich sie erröten sehe. „Willkommen!“ Lilys Stimme klingt schrill. „Danke für die Gastfreundschaft. Wir werden fünfzehn Betten für die Nacht brauchen, der Rest meiner Männer wird die Nacht hindurch das Dorf patrouillieren.“ Lily nickt, ihr Mund ist wieder offen, ein sehr verwirrter Ausdruck in ihrem Gesicht. Auch ich bin verwirrt. Wo ist König Cameron? Ich lehne mich vor, um an meinem neuen Gefährten vorbei zu schauen, um herauszufinden, wer er ist. Ist er überhaupt hier? „Könntest du bitte meine Männer zu ihren Zimmern führen? Ich werde...“ Er wendet sich mir zu. „Wie heißt du?“ „Ava.“ Meine Stimme klingt fremd, leise und kratzig, als ob ich seit Tagen nicht gesprochen hätte. Der Mann schaut mich einen Moment lang an. „Ava.“ Er wiederholt meinen Namen und mein Name hat noch nie so schön geklungen wie in dem Moment, als dieser Mann ihn ausspricht. Ich hätte mich nie als Schwärmerin bezeichnet, aber ich fühle mich tatsächlich so, als ob dieser Mann mich schwach werden lässt. Er wendet sich wieder an Lily. „Ich lasse mir von Ava mein Zimmer zeigen.“ Er dreht sich um, nickt den anderen Männern zu und dreht sich dann wieder zu mir um, hebt eine Augenbraue und deutet mir an, den Weg zu gehen. Ich schaue zu Lily, die immer noch an derselben Stelle steht und noch verwirrter als zuvor aussieht. Ihr Blick schweift über die Männer am Eingang und dann zurück zu uns. Ihre Augen werden groß und sie legt ihre Hände über den Mund. Was ist ihr Problem? Ich wende mich ab, mein Gefährte hält immer noch meine Hand, und mache mich auf den Weg zum großen Treppenhaus und weiter den Flur entlang, der zum Gästetrakt führt. Die Art und Weise, wie mein Gefährte mit Lily gesprochen hat, lässt vermuten, dass er eine gewisse Autorität hat. Vielleicht ist er ein Beta oder ein Mitglied des Rates des Königs. Es ist wichtig, dass ich es weiß, damit ich ihn im richtigen Gästezimmer unterbringen kann. Als wir die Treppe hinaufgehen, schaue ich zu dem wunderschönen Mann hoch, der meine Hand hält, er schaut zurück zu mir. Ich stolpere fast über eine Stufe. Wir erreichen das oberste Stockwerk und ich bleibe stehen. „Wie... wie heißt du?“, meine Stimme klingt immer noch leise und klein. Ein amüsiertes Lächeln huscht über sein Gesicht. Er neigt den Kopf zur Seite, während er mich ansieht. „Du weißt nicht, wer ich bin?“ Ich bin wieder verwirrt. Warum sollte ich wissen, wer er ist? Lycans und Werwölfe haben selten miteinander zu tun. Die Eliten veranstalten jedes Jahr aufwendige Partys für einige der größeren und mächtigeren Rudel, aber unser Rudel hat noch nie eine Einladung erhalten. Das Einzige, was wir über die Eliten wissen, sind Dinge, die wir aus zweiter Hand von anderen Rudeln hören. „Ich... ich meine... ich war noch nie im Norden im Elite-Dorf...“ Ich stocke unbeholfen. Wer auch immer mein neuer Lycan-Gefährte ist, er ist sehr einschüchternd. Er schaut mich noch ein paar Momente an, bevor er spricht. „Ich bin König Cameron.“ Oh mein Gott!! Instinktiv weiche ich einen Schritt zurück. König Cameron beobachtet mich. „Es tut mir... es tut mir so leid... ich... ich wusste nicht...“ Ich stottere wie ein Idiot. Ich schaue wild um mich. Ich verspüre einen plötzlichen Drang, mich vor meiner peinlichen Situation zu verstecken. „Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen.“ Er bewegt sich nicht, er beobachtet nur mein Gesicht. Ich spüre, wie mein Gesicht vor Scham knallrot wird und ich reiße ungeschickt an meinem Kleid, während ich zum ersten Mal den großen, nassen, dunklen Kaffeefleck bemerke. Nein. Nein! Endlich treffe ich meinen Gefährten und es ist ein verdammter Lycan-KÖNIG, und ich habe einen riesigen Kaffeefleck auf meinem Kleid. Ich wische unbewusst darüber, und erst dann bemerke ich, dass ich meinen anderen Schuh nicht wieder angezogen habe. Oh mein Gott. Ich trage nur einen Schuh. Nervös will ich mir durchs Haar fahren und erinnere mich zu spät daran, dass ich es zu einem Zopf geflochten habe, den ich gerade vollkommen durcheinander gebracht habe. Um also sicherzustellen, dass ich vollkommen im Bilde meiner eigenen Realität bin... Ich bin gerade mit dem atemberaubendsten Lycan-König verbunden, und ich stehe hier mit einem riesigen Fleck auf meinem Kleid, trage nur einen Schuh und Gott weiß, wie mein Haar aussieht, aber wir können sicher davon ausgehen, nicht gut! Ach ja, und ich stottere wie ein Idiot. Der Drang, der Situation zu entkommen, ist überwältigend. Ich schaue zur Treppe. König Cameron legt seine Hand unter mein Kinn und dreht mein Gesicht zu ihm. „Ich glaube, du wolltest mir mein Zimmer zeigen.“ Bei seiner Berührung macht mein Magen einen Purzelbaum. Eine Mischung aus Aufregung und Nervosität. Mir selbst nicht trauend, in zusammenhängenden Worten zu sprechen, nicke ich und gehe ein paar Schritte in Richtung der Gästesuite des Alphas. Ich denke, es ist besser, barfuß zu sein, als ein Trottel, der nur einen Schuh trägt, also versuche ich, unauffällig meinen einen Flachschuh auszutreten, während ich gehe. Nach dem ersten Tritt bleibt er an meinem Zeh hängen, also trete ich schnell und fester dagegen, und der Schuh fliegt ab und trifft mit einem überraschend lauten Knall das Bein eines Beistelltisches. Ich möchte sterben. Ich traue mich nicht, König Cameron anzusehen. Ich spüre, dass meine Ohren vor Pein knallrot sind. Sein Daumen beginnt, Kreise auf der Rückseite meiner Hand zu reiben, und eine Welle der Begierde durchflutet mich. Er beugt sich zu mir herunter und flüstert mir ins Ohr. „Noch ein Ding, das ich später von dir nehmen kann.“
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