Kael Stormborn kam zurück und Elara klang aufgeregt.
Mein Wolf flüsterte etwas, das ich nicht hören wollte.
„Wir waren nie genug. Wir waren immer nur Platzhalter.“
„Nein“, sagte ich laut mit rauer Stimme. „Nein, das ist nicht—“
Aber ich konnte den Satz nicht beenden, weil ich selbst nicht daran glaubte.
Ich war mit den Stallungen um elf Uhr dreißig fertig.
Mein Rücken schrie vor Schmerz, meine Hände waren voller Blasen und ich roch nach Pferdemist, Schweiß und Versagen.
Aber ich hatte es geschafft.
Als ich ging, warf ich einen Blick zurück auf das Gelände, auf das Haus des Betas und dorthin, wo Elaras Fenster das Mittagssonnenlicht reflektierte.
Die blaue Prunkwinde, die ich ihr heute Morgen gegeben hatte, stand auf ihrer Fensterbank.
Sie hatte sie behalten.
Und sie so hingestellt, als würde sie etwas bedeuten.
Mein Herz machte etwas Kompliziertes.
(Hoffnung und Schmerz waren so eng miteinander verflochten, dass ich nicht sagen konnte, wo das eine endete und das andere begann.)
„Vielleicht“, flüsterte mein verräterisches Herz.
„Vielleicht sie—“
„Er ist jetzt wahrscheinlich ein Gott.“
Elaras Stimme hallte in meiner Erinnerung wider.
(Aufgeregt und interessiert.)
Sie klang so lebendig.
Auf eine Weise, wie sie nie klang, wenn sie über geheimnisvolle Blumen oder aufmerksame Gesten sprach.
Ich wandte den Blick von ihrem Fenster ab und begann in Richtung der Omega-Quartiere zu gehen.
Und dort traf ich eine Entscheidung.
Ich würde weiterhin Blumen bringen.
Nicht weil ich glaubte, eine Chance zu haben.
Sondern weil aufzuhören bedeuten würde zuzugeben, dass ich nie eine hatte.
Und für diese Wahrheit war ich noch nicht bereit.
„287 Morgen“, dachte ich.
„Was sind da schon ein paar hundert mehr?“
Mein Wolf antwortete nicht.
Vielleicht hatte er nichts mehr zu sagen.
Zwei Wochen vergingen.
(Zwei Wochen voller Blumen.)
Zwei Wochen Hoffnung, die ich nicht töten konnte, und Angst, die ich nicht benennen konnte.
Elara jagte mich.
Nicht böswillig.
Spielerisch.
Als wäre es ein Spiel.
Als wäre ich ein Rätsel, das sie lösen wollte.
Sie begann früher aufzuwachen.
Früher kam ich um 5:15 Uhr an ihre Tür und fand ihre Vorhänge bereits geöffnet.
Ihre Silhouette bewegte sich hinter dem Fenster.
Wartend.
Also kam ich am nächsten Tag um 5:00 Uhr.
Sie war um 4:50 Uhr wach.
Es wurde ein seltsamer, stiller Tanz.
Während ich versuchte, unsichtbar zu bleiben, versuchte sie, mich zu erwischen.
Und jeden Morgen – egal ob sie mich sah oder nicht – behielt sie die Blume.
Gelbe auf ihrem Schreibtisch.
Lila in einer Vase.
Blaue zwischen die Seiten von Büchern gepresst, die ich durch ihr Fenster gesehen hatte.
Sie behielt sie.
Alle.
Und jedes Mal, wenn ich es bemerkte, schnurrte mein Wolf.
Dieses dumme, hoffnungsvolle, verräterische Schnurren, das mich glauben ließ, dass vielleicht—
Nein.
Ich durfte nicht so denken.
Kael Stormborn würde in fünf Tagen zurückkehren.
Fünf Tage bis der goldene Sohn zurückkam.
Fünf Tage, bis ich erfuhr, ob ich ein romantisches Interesse war oder nur ein amüsantes Geheimnis.
Es war Donnerstagmorgen.
Tag zwölf unseres unsichtbaren Spiels.
Und sie erwischte mich endlich.
Ich war so vorsichtig gewesen.
Um 4:30 Uhr aufgewacht.
Eine perfekte rosa Wildblume gepflückt, weil sie vor ein paar Tagen Rosa getragen hatte.
Und ich näherte mich ihrer Tür in völliger Dunkelheit.
Die Welt war still.
Nur mein Herzschlag.
Und der entfernte Ruf einer Eule.
Ich kniete nieder.
Legte die Blume auf ihre Fußmatte.
Und—
Klick
Die Tür öffnete sich.
Nicht langsam.
Nicht vorsichtig.
Triumphierend.
Elara stand dort.
In Schlafkleidung – lockere Hose und ein Tanktop.
Ihr Haar zerzaust.
Ihre Augen hell vor Sieg.
„ERWISCHT!“
Ich wäre fast rückwärts gefallen.
Sie lachte laut, sichtlich begeistert.
Ich sah mich hektisch um.
Voller Angst, dass jemand hören könnte.
Dass jemand sehen könnte.
Dass jemand es erfahren könnte.
„Entspann dich“, sagte sie und las meine Panik.
„Alle schlafen. Es sind nur wir.“
Nur wir.
Die zwei gefährlichsten Worte in meinem Wortschatz.
Ich stand langsam auf.
Die Blume immer noch in meiner Hand.
Erstarrt wie ein Reh im Fackellicht.
Sie grinste.
„Du bist schneller, als ich dachte. Und heimlicher. Ich stelle seit zwei Wochen Wecker, um dich zu erwischen.“
„Ich… ich wollte nicht…“
„Sorry?“
Sie sah wirklich verwirrt aus.
„Warum solltest du dich entschuldigen? Das ist der meiste Spaß, den ich seit Monaten hatte.“
Spaß.
Diese herzstillende, angstinduzierende, seelenoffenlegende Routine war Spaß für sie?
(Für mich war es Krieg.)
„Ich habe versucht, dein Muster herauszufinden“, fuhr sie fort, während sie auf die Veranda trat.
Die Kälte des frühen Morgens schien sie nicht zu stören.
„Du passt die Farbe der Blume an das an, was ich am Tag davor getragen habe. Das ist wirklich aufmerksam.“
Meine Kehle schnürte sich zu.
Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass sie es bemerkt hatte.
„Und du pflückst nie die offensichtlichsten Blumen.
Immer die, die ein bisschen versteckt sind.
Die, an denen die Leute vorbeigehen würden.
Es ist, als würdest du mir Geheimnisse geben statt nur Geschenke.“
Sie hatte es analysiert.
Sie hatte aufgepasst.
Mein Wolf regte sich.
Vorsichtig hoffnungsvoll.
„Ich will nicht aufdringlich sein“, brachte ich hervor.
„Wenn das seltsam ist, kann ich aufhören—“
„Wag es ja nicht.“
Ihre Stimme wurde scharf.
„Wag es ja nicht aufzuhören.“
Wir starrten uns an.
Der Himmel begann sich aufzuhellen.
Tiefes Violett, das in Dunkelblau überging.
Die Morgendämmerung kam.
Sie nahm die rosa Blume aus meiner Hand.
Als ihre Finger meine berührten, sprühte ein kleiner Funke.
Sie steckte sie hinter ihr Ohr.
„So“, sagte sie leise.
„Jetzt ist es offiziell. Die Blume von heute.“
Sie trug meine Blume.
Vor mir.
Sie beanspruchte sie.
Mein Herz vergaß, wie man richtig schlägt.
„Du zitterst“, stellte sie fest.
Ich hatte es nicht bemerkt.
Die Kälte hatte aufgehört, eine Rolle zu spielen.
Schon seit Wochen.
„Mir geht’s gut.“
„Du bist ein schrecklicher Lügner.“
Sie verschwand kurz im Haus.
Dann kam sie zurück.
Mit einer Decke.
Weich.
Dick.
Warm.
„Hier.“
Sie versuchte, sie mir über die Schultern zu legen.
Ich trat instinktiv zurück.
„Ich kann nicht. Die gehört dir. Ich kann nicht—“
„Ash.“
Sie sagte meinen Namen, als wäre er wichtig.
„Nimm die Decke. Du bist seit Wochen zu verrückten Uhrzeiten aufgewacht, um mir Blumen zu bringen. Das Mindeste, was ich tun kann, ist sicherzustellen, dass du nicht erfrierst.“