Kapitel 31

1145 Words
KAELS SICHT Das Restaurant strahlte wie ein Versprechen, das ich endlich gehalten hatte. *Alisa’s* öffnete pünktlich um sieben die Türen, und die gesamte Stadt schaute über den Livestream zu, auf dem ich bestanden hatte. Ich stand am vorderen Tisch, meine Sicherheitsleute flankierten mich, die Arme vor der Brust verschränkt, die Augen nie von Alisa abgewandt. Sie bewegte sich durch den Raum, als wäre sie dafür geboren – eine kleine Gestalt, die mit stiller Kraft schritt, das schwarze Kleid umschmeichelte jede Kurve, die das Band perfektioniert hatte, mein Ring glänzte bei jedem Schritt an ihrem Finger. Das Band sang zwischen uns so laut, dass ich es in meinen Knochen spürte, goldene Fäden pulsierten warm und endlos und fütterten mich mit ihrer Freude und meiner eigenen. Sie blieb am Mitteltisch stehen, hob das Schild, auf dem noch elegant *Moretti* stand, und warf es in den Müll. Das Glas zersplitterte. Die Mitarbeiter hinter ihr jubelten. Mein Wolf heulte vor Stolz. „Heute Abend eröffnen wir *Alisa’s*“, sagte sie in die Kamera, die Stimme klar und stark, das Band ließ jedes Wort nachhallen. „Nicht Moretti. Nicht irgendjemand anderes. Mein Name. Meine Hände. Mein Kampf.“ Die Menge brach in Jubel aus. Stammgäste, die ich bereits kannte, klatschten. Neue Wölfe strömten herein, angelockt vom Livestream, einige mit zögerlichen Lächeln, andere offen unterstützend. Lena, die Sous-Chefin meiner Frau, wischte sich Tränen aus den Augen und flüsterte mir zu: „Sie ist jetzt zu Hause, Alpha.“ Ich nickte, doch meine Augen blieben auf Alisa. Das Band pulsierte vor stiller, wilder Liebe – *mein. Beschützen. Beschützen.* Ich spürte jede Berührung ihres Dufts, wenn sie vorbeiging, jedes kleine Lächeln, das sie mir über den Raum hinweg schenkte, jedes Mal, wenn sie mich ansah, als wäre ich das Einzige in ihrer Welt. Um neun Uhr war das Restaurant voll. Teller mit meinen Lieblingsgerichten – rares Steak, geröstetes Gemüse, der Wein, den sie selbst ausgesucht hatte – verschwanden in Rekordzeit. Gelächter erhob sich. Gespräche flossen. Ich beobachtete, wie Alisa zwischen den Tischen hin und her ging, bediente, lächelte, nach allen schaute, während das Band mich an sie fesselte, selbst wenn ich zehn Meter entfernt war. Um 23:58 Uhr knarrten die Lagertüren auf der anderen Seite des Gebäudes auf. Viktor Kane trat zuerst heraus, flankiert von sechs Männern – Krallen ausgefahren, Augen wild. Dahinter bewegten sich Schatten – mehr Wölfe aus dem alten Rudel, angelockt vom Livestream, von Viktors Drohungen, von der Macht, von der er immer noch glaubte, sie zu besitzen. Das Band detonierte. Ich stand auf, bevor irgendjemand sich bewegen konnte. „Bleibt hier“, sagte ich zu Lena und dem Sicherheitsteam, die Stimme leise, aber mit dem Alpha-Befehl, dem sie gehorchten. Dann trat ich in die Gasse. Alisa war schon da, eine kleine Gestalt, die sich mit überraschender Geschwindigkeit bewegte, ein Stuhlbein in der Hand. Sie schwang es mit aller Kraft und knallte es dem zweiten Wolf über den Kopf. Schmerz explodierte in ihrem Arm, doch das Band verwandelte ihn in Treibstoff. Ich holte den ersten Mann mit einem brutalen Ellbogenstoß nieder, der ihn bewusstlos werden ließ. Der Dritte versuchte, sie zu greifen – ich brach ihm das Handgelenk, bevor er sie berühren konnte. Der Kampf war brutal und wunderschön. Viktor stürzte sich durch das Chaos auf mich. Ich schlug ihn zweimal mit präzisen Treffern nieder, die Knochen knacken ließen. Alisa kämpfte an meiner Seite – wich Krallen aus, schwang Stühle, ihre kleine Gestalt bewegte sich mit Kraft, weil das Band sie schneller, schärfer, stärker machte. Jedes Mal, wenn Viktor auf mich losging, war sie da, beschützte mich und erinnerte das Rudel daran, dass niemand anfasste, was uns gehörte. Als der letzte Wolf niedergegangen war, kroch Viktor auf Händen und Knien rückwärts, Blut tropfte aus seinem zerschlagenen Gesicht. „Ihr glaubt, ihr seid frei?“, spuckte er. „Das alte Rudel hat immer noch Freunde im Rat. Sie kommen heute Nacht für das Restaurant. Mitternacht. Kein Entkommen.“ Ich trat über ihn hinweg und stand aufrecht. „Du bist erledigt. Der Rudelsrat hat abgestimmt. Die alten Blutlinien zerbrechen. Und du – du bist derjenige, der meine Frau angeschossen hat, um sie zu schützen. Das macht dich zum Bösewicht dieser Nacht.“ Alisa triumphierte nicht. Sie nickte nur. „Du liegst immer noch falsch. Aber danke für die Lektion.“ Der Rudelsrat traf Minuten später ein – Blackwoods Männer, das Sicherheitsteam, sogar einige neutrale Wölfe, die früher wegen des Livestreams gekommen waren. Sie führten Viktor in Handschellen ab, das alte Rudel zerbrach direkt vor unseren Augen. Alisa zog mich in ihre Arme, als die letzte Sirene verklang. Blut an uns beiden. Doch das Band leuchtete heller denn je. „Meine Frau“, flüsterte ich, die Stirn an ihrer. „Meine perfekte, wunderschöne, unzerbrechliche Frau.“ Ich küsste sie langsam und tief, schmeckte den Sieg und die Nachtluft und alles, was wir überlebt hatten. „Für immer“, atmete sie. Ich lächelte gegen ihre Lippen. „Für immer, kleiner Wolf.“ Im Inneren von *Alisa’s* leuchteten die Lichter weiter hell. Die Lichter in *Alisa’s* blieben bis zum Morgengrauen an, doch in dem Moment, als der letzte Blackwood-Sicherheitsmann mit Viktor Kane in Handschellen aus der Gasse herausging, atmete die Stadt aus, als hätte sie drei Stunden den Atem angehalten. Ich stand mitten im zerstörten Lagereingang, Alisas kleine Gestalt an meine Brust gepresst, ihr blutwarmes Kleid unter meinen Händen. Das Band zwischen uns sang so laut, dass ich es in meinen Knochen spürte – goldene Fäden pulsierten warm und endlos und fütterten mich mit ihrer Erleichterung und meinem eigenen wilden, erschöpften Stolz. Ich konnte jeden Herzschlag spüren, den sie tat, jeden Atemzug, jedes winzige Zucken von Schmerz, das ihr Körper noch vom Kampf trug. Mein. Beschützen. Beschützen. Die Worte hallten durch das Band wie ein Schwur, den ich nie brechen würde. „Rein“, murmelte ich gegen ihre Schläfe, die Stimme rau vom Kampf. „Du zitterst.“ „Ich zittere nicht“, log sie, obwohl ihre Beine an meinen zitterten. „Ich … verarbeite gerade, dass wir endlich atmen dürfen.“ Ich küsste den Scheitel ihres Kopfes, denselben langsamen, besitzergreifenden Kuss, den ich ihr in der Gasse gegeben hatte. „Du darfst zittern, kleiner Wolf. Du darfst dich an mich lehnen. Du darfst mein sein.“ Wir gingen nicht zusammen hinein. Wir humpelten. Meine Rippen pochten, wo Viktors letzter Tritt getroffen hatte, und jedes Mal, wenn ich den Arm hob, um Blut von meiner Wange zu wischen, verengten sich Alisas goldene Augen, als könne sie den Schmerz durch das Band spüren. Sie erwischte mich, wie ich über den sich bildenden Bluterguss an meiner linken Seite strich – dieselbe Seite, die sie mit ihrem Körper beschützt hatte, als Viktor erneut auf mich losgegangen war. Ich spürte es durch das Band: ihre Schuld, ihre wilde Liebe, die Art, wie sie immer noch glaubte, das Gewicht allein tragen zu müssen.
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