Kapitel 32

1121 Words
KAEL SICHT Lena erwartete uns an der Hintertür, die Sous-Chef-Schürze noch festgebunden, die Augen gerötet, aber das Lächeln echt. „Ihr zwei seid ein Chaos. Setzt euch. Ich hole den Erste-Hilfe-Kasten und was vom raren Steak noch übrig ist. Dann setzt ihr beide eure Ärsche hin, während ich den Laden für heute Nacht schließe.“ Alisas leises Lachen vibrierte durch das Band und in meine Knochen. Ich spürte ihr Lächeln, noch bevor ich es sah – dasselbe Lächeln, das sie der Kamera geschenkt hatte, als sie das Moretti-Schild in den Müll warf. Mein Wolf heulte vor Zufriedenheit. Sie war zu Hause. Sie war mein. Und das Band zwischen uns pulsierte vor der stillen, wilden Liebe, die uns durch jede dunkle Nacht getragen hatte, seit der Nacht, in der ich sie zum ersten Mal über die Stadt hinweg gesehen hatte. Ich trat die Tür hinter uns zu, schloss ab, drehte mich um und drängte sie gegen den Schreibtisch im kleinen Büro. Meine Hände – rau, schwielig, noch warm vom Kampf – umfassten ihr Gesicht, als wäre sie etwas Heiliges. Das Band flammte bei der Berührung heller auf, goldene Fäden wickelten sich enger und trugen jedes Gefühl, das ich nicht in Worte fassen konnte: meinen Stolz auf sie, mein Bedürfnis, sie zu schützen, den verzweifelten Alpha-Drang, nach der Gewalt der Nacht zu beanspruchen, was mein war. „Du hast mich heute Nacht beschützt“, sagte ich leise. „Jedes einzelne Mal, wenn er auf mich losging, warst du da. Hast den Stuhl geschwungen, den Krallen ausgewichen, dich zwischen mich und ihn gestellt. Ich habe jeden Treffer durch das Band gespürt. Es hat höllisch wehgetan, Alisa. Und trotzdem hast du mir über den Raum hinweg zugelächelt, als wäre nichts geschehen.“ Sie schluckte, die Augen glänzten von unvergossenen Tränen. „Weil du mein warst, den ich beschützen musste. Das sagt das Band, oder? Mein. Beschützen.“ Ich beugte mich vor, bis unsere Stirnen sich berührten. „Dein. Immer. Aber heute Nacht muss ich dich beschützen. Lass mich.“ Bevor sie antworten konnte, küsste ich sie – zuerst langsam, dann tiefer, schmeckte den metallischen Hauch von Blut und den Sieg, der wochenlang gefehlt hatte. Das Band explodierte zwischen uns in Licht, ein goldenes Leuchten, das ich mit geschlossenen Augen spüren konnte, schimmernd wie die Sterne, die ich früher auf dem Dach dieses Gebäudes betrachtet hatte. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, die Finger in mein Haar vergrabend, und gab genauso viel zurück, wie sie bekam. Ein leises Stöhnen entfuhr ihr, als meine Krallen – vorsichtig, immer vorsichtig – sanft ihren Rücken hinabstrichen, direkt durch den dünnen Stoff ihres Kleides. „Wir müssen heute Nacht nicht nach Hause“, flüsterte sie gegen meine Lippen, als wir endlich Luft holten. „Lena ist hier. Das Restaurant ist geschlossen. Niemand kommt stundenlang zurück.“ Mein Wolf schoss nach vorn, die Krallen stachen in meine Fingerspitzen. „Bist du sicher, kleiner Wolf?“ Sie lächelte – dasselbe Lächeln, das das gesamte Band ausgelöst hatte – und das Wort verließ sie wie ein Schwur. „Ich war noch nie sicherer.“ Ich trug sie nicht – das wäre zu einfach gewesen. Ich hob sie hoch, als wäre sie federleicht, trat die Tür erneut auf und trug sie direkt in den privaten VIP-Raum im zweiten Stock. Den mit dem großen Fenster mit Blick über die Stadt und dem, der ihr gehört hatte, seit dem Tag, an dem sie eingezogen war. Ich setzte sie an den Rand des Bettes, das wir bisher nur zum Schlafen benutzt hatten, trat dann zurück und streifte mein ruiniertes Hemd ab. Der Kampf hatte Blutergüsse an meinen Rippen hinterlassen, eine aufgesprungene Lippe und eine Kratzspur an meiner linken Schulter, die bereits heilte. Sie griff sofort nach mir und strich ehrfürchtig über die Male. „Die gehören jetzt auch mir“, sagte sie und beugte sich vor, um jedes einzelne zu küssen. „Nur wenn du sie willst“, antwortete ich mit rauer Stimme. „Ich will jedes einzelne.“ Die Kleidung fiel in einem langsamen, bedachten Tanz. Ihr schwarzes Kleid sammelte sich wie verschüttete Tinte zu ihren Füßen. Ich stand zwischen ihren Knien, die Augen dunkel vor Verlangen und etwas Tieferem – dem uralten, wilden Wolf, der seine Gefährtin erkannt hatte. Das Band pulsierte zwischen uns und trug jedes Gefühl: ihre Erregung, meine Hingabe, das verzweifelte Bedürfnis, uns nach der Gewalt der Nacht ineinander zu verlieren. Ich stieß sanft, tief, perfekt in sie ein. Sie keuchte meinen Namen, die Finger gruben sich in meine Schultern, und das Band explodierte erneut – ein goldenes Leuchten, das den dunklen Raum wie die Morgenröte erhellte. Wir bewegten uns zusammen, als wären wir die einzigen beiden Menschen auf der Erde. Jeder Stoß, jedes Stöhnen, jedes geflüsterte „Ich liebe dich“ war in das Band gehüllt, sodass wir, als sie kam, gemeinsam kamen, die Stirn an ihrer, und ich ihren Namen knurrte wie einen Schwur. Danach trennten wir uns nicht. Ich blieb tief in ihr begraben, die Arme so fest um sie geschlungen, dass sie kaum atmen konnte, doch auch sie wollte sich noch nicht bewegen. Noch nicht. „Du zitterst schon wieder“, murmelte ich in ihr Haar. „Ich zittere nicht“, log sie erneut und lächelte gegen meine Brust. „Ich bin nur … voll.“ Ich lachte leise, das Geräusch vibrierte durch uns beide und das Band. „Voll von mir, kleiner Wolf?“ „Voll von dir, voll von uns, voll von heute Nacht.“ Sie legte den Kopf zurück, um die Unterseite meines Kiefers zu küssen. „Und morgen machen wir das wieder. Langsam. Keine Kämpfe. Keine alten Rudel. Nur wir. Hier. In diesem Raum. Bis die Stadt vergisst, dass Viktor Kane jemals existiert hat.“ Ich schwieg einen langen Moment, die Stirn an ihrer, ließ das Band tiefer, wärmer, sicherer denn je werden. „Bis die Stadt vergisst, dass wir jemals existiert haben“, korrigierte ich und drückte einen langsamen Kuss auf ihre Schläfe. „Denn wenn wir einmal anfangen … hören wir nicht mehr auf. Niemals.“ Sie spürte es durch das Band – meine Gewissheit, mein Für-immer – und ihr Lächeln wurde breiter. „Für immer, kleiner Wolf“, flüsterte sie zurück. „Für immer, meine Frau.“ Draußen drehte sich die Stadt weiter. Sirenen verklangen. Neue Lichter flackerten in Fenstern auf. Irgendwo heulte ein Wolf – nicht vor Schmerz, sondern vor Sieg. Drinnen in *Alisa’s*, im privaten Raum im zweiten Stock, hielten Alisa und ich einander, als könnte die Welt uns nicht berühren. Und zum ersten Mal seit Wochen fühlte sich das Band zwischen uns so an, als könnte es uns überallhin tragen. Sogar bis zum Sonnenaufgang, der die Fenster bereits golden bemalte.
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD