Kapitel 35

1206 Words
ALISAS SICHT Die Tür zum Penthouse fiel hinter mir ins Schloss, und für einen Herzschlag war die Welt still, abgesehen vom leisen Summen der Stadt weit unten. Dann veränderte sich die Luft – plötzlich, elektrisch. Ich spürte es, bevor ich es sah: die Art, wie der Raum einzuatmen schien, Zedernholz und Regen legten sich um meine Haut wie eine zweite Haut. Kael stand im offenen Wohnbereich, von den raumhohen Fenstern von hinten beleuchtet. Er drehte sich zunächst nicht um. Lehnte nur eine breite Schulter gegen die Marmorinsel, die Arme verschränkt, die Linie seines Kiefers scharf genug, um Glas zu zerschneiden. Als er sich schließlich zu mir umdrehte, nagelten mich diese dunklen Augen an Ort und Stelle fest. „Du bist gekommen“, sagte er. Keine Frage. Nur eine Tatsache. Mein Puls hämmerte gegen meine Rippen. „Du hast heute Abend gesagt. Ich bin hier.“ Er durchquerte den Raum in drei Schritten und blieb gerade außer Reichweite stehen. „Jeffs Nachricht war eine Warnung. Noch keine Drohung.“ Mein Magen sank. „Er weiß, dass ich hier bin.“ „Das tut er.“ Kaels Stimme sank, tief und rau. „Und er ruft bereits Gefälligkeiten ein. Blackwood hat mir gerade geschrieben – Jeff hat ihn bestochen. Die Papiere, die ich dir versprochen habe? Sie sind noch im Gebäude. Ich habe Fäden gezogen, Alisa. Echte. Aber ich kann nicht garantieren, dass sie den Morgen überstehen.“ Ich trat zurück und stieß gegen die Wand. Der Marmor war kalt an meinem Rücken, doch er konnte der plötzlichen Kälte in meinem Blut nicht das Wasser reichen. „Du sagst, das könnte vorbei sein, bevor es überhaupt anfängt?“ „Ich sage, dass du da nicht einfach so weglaufen kannst, ohne zu kämpfen.“ Er schloss den letzten Zentimeter zwischen uns, eine Hand hob sich und strich eine lockere Locke aus meinem Gesicht. Die Berührung war sanft, doch die Hitze in seiner Handfläche war es alles andere als. „Und du tust es nicht allein.“ Meine Kehle zog sich zu. Fünf Jahre die unsichtbare Ehefrau, der sichere Rückhalt, die Omega, die durch alles hindurch gelächelt hatte. All das fühlte sich jetzt wie eine Lüge an. Und Kael – Kael, der vierunddreißig Jahre auf mich gewartet hatte – sah mich an, als wäre ich das Einzige auf der Welt, das es wert war, beschützt zu werden. Ich schluckte schwer. „Ich habe Angst, Kael. Nicht vor ihm. Vor dem, was das bedeutet. Was, wenn ich einfach… denselben Fehler wiederhole? Was, wenn du nur ein weiterer Alpha bist, der mich besitzen will, statt mich wählen zu lassen?“ Die Zärtlichkeit barst. Seine Augen blitzten auf – bernsteinfarbene Flecken entzündeten sich. „Wähl mich“, knurrte er, die Stimme sank in dieses raue Register, das meine Knie weich machte. „Wähl mich jetzt sofort, bevor ich den letzten Rest Kontrolle verliere, den ich noch habe.“ Er küsste mich, als ginge die Welt unter. Nicht sanft oder vorsichtig. Ausgehungert. Sein Mund beanspruchte meinen, die Zunge glitt tief hinein, kostete mich, als hätte er Jahrhunderte gewartet. Eine Hand vergrub sich in meinem Haar, neigte meinen Kopf zurück, damit er mich verschlingen konnte. Die andere glitt meine Seite hinab, die Handfläche heiß durch mein dünnes Oberteil, und drückte mich gegen die Wand. Ich stöhnte in den Kuss, die Hüften rollten ohne Gedanken. Das Gefühl von ihm – hart, eindringlich, besitzergreifend – schickte flüssige Hitze tief in meinen Unterleib. „Kael“, keuchte ich, als er mich atmen ließ. „Nicht hier. Die Papiere—“ „Zur Hölle mit den Papieren.“ Er biss in meinen Kiefer, dann tiefer, die Zähne streiften die empfindliche Haut meines Halses. „Du bist mein, den ich beschütze. Mein, den ich behalte. Und ich habe genug vom Warten.“ Seine Hand glitt erneut unter meinen Rock, diesmal ohne Zögern, die Finger fanden die durchnässte Spitze meiner Unterwäsche und schoben sie beiseite. Zwei dicke Finger versanken in einem einzigen glatten Stoß in mir. Ich schrie auf, der Kopf fiel gegen die Wand zurück. „Schon so nass für mich“, murmelte er gegen meine Kehle und krümmte die Finger genau richtig. „Du hast darauf genauso lange gewartet wie ich, oder? Hast davon geträumt, dass ich jeden Zentimeter von dir besitze.“ Ich konnte nicht lügen. Nicht denken. Lust wand sich eng und schnell, baute sich auf wie ein Sturm. Er stieß einmal, zweimal mit der Hand, der Daumen kreiste mit gnadenloser Präzision um meinen Kitzler. „Sag es“, forderte er mit rauer Stimme. „Sag, wem du gehörst.“ „Dir“, schluchzte ich, das Wort wurde aus mir gerissen, als der Orgasmus über mich hereinbrach. Meine Wände zogen sich um seine Finger zusammen, mein ganzer Körper zitterte. „Ich bin dein – Kael – bitte—“ Er hörte nicht auf, bis das letzte Zittern verblasst war. Dann führte er seine Finger zu seinem Mund und leckte sie mit einem tiefen, zufriedenen Stöhnen sauber, das frische Funken direkt in meinen Kern schickte. „Das ist meine gute kleine Gefährtin.“ Ich keuchte, benommen, die Beine zitterten. Er trat gerade weit genug zurück, um seine ruinierte Krawatte zurechtzurücken, doch der Hunger in seinen Augen war nicht verblasst. „Morgen“, sagte er, die Stimme wieder ruhig, „reichen wir ein. Blackwood steht jetzt auf unserer Seite. Mein Team zieht bereits an jedem finanziellen Faden. Jeff wird genau lernen, was passiert, wenn man jemandem wehtut, der mir wichtig ist.“ Er ging zum Fenster und starrte auf die glitzernde Stadt hinaus, als schulde sie ihm nichts. Die kühle Maske des Seniorpartners kehrte zurück. „Du bist hier heute Nacht sicher. Getrennte Zimmer. Ich lasse Essen hochschicken. Und Alisa?“ Ich schluckte, immer noch außer Atem. „Ja?“ Sein Spiegelbild im Glas traf meines. „Wenn er für dich kommt… werde ich jede Brücke niederbrennen, die er hat. Jeden Namen. Jedes Bündnis. Und wenn du frei bist, hole ich dich in mein Bett und beanspruche dich so gründlich, dass du mich für den Rest deines Lebens spüren wirst. Zähne, Knoten, das volle Programm. Kein Rennen mehr. Kein Verstecken mehr.“ Die Worte schickten einen Schauer meinen Rücken hinab – Angst und Verlangen so eng miteinander verwoben, dass ich sie nicht auseinanderhalten konnte. Ich wollte das. Gott, ich wollte es. Doch die Angst, erneut besessen zu werden, selbst von jemandem, der mich ansah, als wäre ich die Sonne, lag schwer in meiner Brust. Ich nickte trotzdem. „Ich vertraue dir.“ Kael drehte sich dann um, und für einen Moment war der gnadenlose Alpha verschwunden. Nur ein Mann, der vierunddreißig Jahre auf die Frau vor ihm gewartet hatte. Er kam zurück, zog mich an seine Brust und hielt mich – die Arme fest, der Atem warm gegen mein Haar. Keine Forderungen. Kein Druck. Nur Gegenwart. „Du bist nicht mehr allein“, flüsterte er. „Und ich lasse niemanden dich mir nehmen. Nicht Jeff. Nicht deine Mutter. Nicht das ganze verdammte Rudel.“ Meine Augen brannten. Ich drückte mein Gesicht in die warme Haut seines Halses und ließ mich für heute Nacht darauf ein, ihm zu glauben. Denn morgen begann der eigentliche Kampf. Und ich ging nicht mehr allein hinein.
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