ALISAS SICHT
Das Krankenzimmer roch nach Desinfektionsmittel und dem schwachen metallischen Hauch von Angst, der nach einem Schuss nie ganz aus der Luft wich. Ich saß am Rand des schmalen Bettes, eine Hand auf Kaels nackter Brust, und spürte jeden langsamen Atemzug, den er tat.
Die Monitore piepten gleichmäßig und leise – Herzfrequenz 68, Sauerstoffsättigung 94, Blutdruck immer noch zu hoch, aber sinkend. Die Bindung zwischen uns summte wie ein unter Strom stehender Draht, goldene Fäden pulsierend mit jeder halben Sekunde Verzögerung in seiner Erholung.
Meine Wölfin lief in meinen Rippen auf und ab, verzweifelt danach, ihn zu beruhigen, die gebrochenen Rippen und die kollabierte Lunge nur mit Berührung und Liebe zu heilen.
Ich hatte seit sechsunddreißig Stunden nicht geschlafen. Mein Arm brannte noch unter den frischen Verbänden, doch der wirkliche Schmerz saß zwischen meinen Beinen und in meiner Seele – jedes Mal, wenn Kael zu schnell zuckte, jedes Mal, wenn die Monitore absackten, spürte ich es, als würde mein eigener Körper versagen.
Kaels Augen flatterten auf. Bernstein flackerte, verschwommen von den Schmerzmitteln. Seine Hand fand sofort meine, die Finger verschränkten sich fest. „Du bist immer noch hier“, krächzte er, die Stimme heiser. „Meine kleine Wölfin … du bist geblieben.“
Ich beugte mich hinunter und küsste ihn – sanft, tief, schmeckte Kaffee und Krankenhausluft und das Versprechen, das wir im Lagerhaus gegeben hatten. „Ich gehe nirgendwo hin. Nicht, nachdem du dich angeschossen hast, um mich zu beschützen. Nie.“
Sein Daumen strich über meine Wange, doch seine Augen verdunkelten sich mit diesem rücksichtslosen Alpha-Feuer. „Habe dich nicht hart genug beschützt. Viktors Anwalt hat gerade Blackwood angerufen. Sie wollen einen Deal. Weg vom Restaurant. Die Namenszeremonie fallen lassen. Ihnen die Schlüssel geben. Oder das alte Rudel kommt stärker zurück.“
Mein Magen zog sich zusammen, doch die Bindung wankte nicht. Ich richtete mich auf, ließ die goldenen Fäden heller zwischen uns auflodern. „Kein Deal. Wir behalten, was wir aufgebaut haben. Und wir behalten einander.“
Kaels Hand zog sich so fest zusammen, dass ich zusammenzuckte, aber ich zuckte nicht zurück. „Meine wilde, wunderschöne Frau. Immer an meiner Seite kämpfend.“ Er zog mich erneut hinunter, küsste mich diesmal langsamer – zärtlich, besitzergreifend, voller der Liebe, die Kugeln und Verrat überlebt hatte. Seine freie Hand glitt unter mein Shirt, die Handfläche heiß gegen meine nackte Haut. „Berühr mich“, flüsterte er. „Bitte. Ich muss spüren, dass du echt bist.“
Ich schwang mich behutsam über seine Hüften, vorsichtig wegen der Infusionsleitung und der Verbände, und sank auf ihn. Er war schon hart unter mir, die Bindung machte jeden Zentimeter elektrisch. Ich rollte meine Hüften langsam und tief, ließ ihn mich vollständig ausfüllen. Ein leises Stöhnen entwich meinen Lippen, als die Dehnung perfekt brannte, der Knoten an seiner Basis bei jeder Aufwärtsbewegung hakte.
„Alisa …“ Seine Stimme war zerstört, die Fangzähne streiften meine Schulter – ohne die Markierung zu durchbrechen, nur um sie zu kosten. „Ich liebe dich. So verdammt sehr.“
Ich wiegte mich gegen ihn, langsam und stetig, die Monitore piepten schneller im Takt unseres Rhythmus. Die Bindung sang so laut, dass ich sie in meiner Klitoris spürte. Ich beugte mich hinunter und sog eine seiner Brustwarzen in den Mund, während er mir entgegenschob, das Krankenhausbett leise knarrte. Er war vorsichtig, kontrolliert – der Knoten schwoll, aber verriegelte nie, dehnte mich nur so weit, bis ich zitterte und nass und verzweifelt war.
„Komm für mich, Frau“, knurrte er gegen meine Haut. „Lass mich dich spüren, solange du noch meine bist.“
Der Orgasmus traf mich wie ein Blitz – scharf, zerreißend, meine Wände krampften um ihn, während ich seinen Namen schrie. Er folgte sofort, ergoss sich tief und heiß in mich, der Knoten verriegelte uns mit einem weichen, feuchten Plopp. Seine Arme schlangen sich um mich, hielten mich durch die Nachbeben, die Stirn an meine Bissmarke gepresst.
„Wir eröffnen heute Abend *Alisa’s*“, flüsterte er, die Stimme wieder fest. „Du und ich. Zusammen. Kein Moretti mehr. Keine Käfige mehr.“
Ich lächelte gegen seinen Hals, die Bindung leuchtete heller denn je. „Zusammen.“
Doch der Frieden war nur von kurzer Dauer.
Die Tür flog auf. Blackwood stürmte herein, Tablet in der Hand, das Gesicht blass. „Viktors Anwalt hat den Deal gerade angenommen. Sie wollen das Restaurant *und* den Livestream der Namenszeremonie. Wenn wir ablehnen, leaken sie das Lagerhaus-Video von deiner Mutter mit der Waffe. Das zerstört ihren Ruf schlimmer als die Scheidung.“
Mein Blut gefror zu Eis. Meine Mutter – die am Fenster im Stuhl saß, die Arme um sich geschlungen – sah auf, die Augen weit vor frischem Schrecken.
Ich glitt von Kaels Schoß, ignorierte den leichten Schmerz zwischen meinen Schenkeln, und trat Blackwood gegenüber. „Dann lehnen wir nicht ab. Wir filmen es. Wir streamen es live. Und wir lassen den gesamten Rudelrat zusehen, wie Viktors Anwalt bettelt, während meine Mutter vom Krankenbett aus aussagt.“
Kaels Hand fand sofort meine, drückte fest. Die Bindung lodierte auf vor beschützender Wut. „Meine Frau ist brillant. Aber das machst du nicht allein.“
„Ich bin nicht allein“, sagte ich und drehte mich zum Raum. „Ich habe meinen Gefährten. Meine Familie – so chaotisch sie auch ist. Und ich habe *Alisa’s*.“
Meine Mutter stand langsam auf. Tränen liefen ihr über das Gesicht, doch ihre Stimme war fest. „Ich werde aussagen. Ich werde ihnen alles erzählen. Ich lasse nicht zu, dass du verlierst, wofür du gekämpft hast.“
Ich ging zu ihr und umarmte sie – eng, zitternd, echt. Die Bindung sang mit einer neuen Art von Frieden. Nicht nur meiner und Kaels. Unserer.
Blackwood nickte, tippte schon Nachrichten an die Medien. „Livestream in zwei Stunden. Ich lasse das Restaurant vorbereiten. Ihr zwei ruht euch aus. Dann verbrennen wir sie.“
Kael zog mich zurück aufs Bett zu sich, vorsichtig wegen seiner Verletzungen, und küsste mich langsam und tief, während die Monitore im Takt unserer Herzen piepten. „Meine perfekte Frau. Meine Gleichgestellte. Mein Zuhause.“
Die Bindung pulsierte mit unzerbrechlicher Stärke.
Heute Abend würden wir *Alisa’s* eröffnen.
Heute Abend würden wir der Welt entgegentreten.
Und das alte Rudel würde lernen, dass niemand – besonders nicht Viktor Kane – uns nehmen konnte, was wir aufgebaut hatten.
Oder was wir aneinander hatten.