Kapitel 28

1400 Words
ALISAS SICHT Das Penthouse war still auf eine Weise, die sich gleichzeitig wie ein Sieg und wie Erschöpfung anfühlte. Ich lag an Kaels Brust gekuschelt auf dem großen Bett, die Bindung sang weich und stetig zwischen uns – goldene Fäden, die warm und endlos pulsierten, als würden sie uns zu etwas Unzerbrechlichem versiegeln. Sein Arm lag als schweres, besitzergreifendes Gewicht über meiner Taille, eine große Hand ausgebreitet über dem frischen Verband an meinem Arm, wo Viktors Krallen mich aufgerissen hatten. Der Knoten an seiner Basis war noch halb geschwollen, tief in mir geborgen, warm und perfekt; jeder langsame Atemzug von ihm ließ die Bindung vibrieren. „Sieben Stunden“, flüsterte ich gegen seine Haut und zeichnete die Narbe entlang seines Kiefers mit einer Fingerspitze nach. „Wir haben das Restaurant eröffnet. Wir haben gekämpft. Wir haben gewonnen. Und trotzdem bist du hart.“ Sein tiefes Knurren vibrierte durch meine Brust. „Du gehörst mir, Ehefrau. Immer mir. Selbst wenn ich blute, selbst wenn ich erschöpft bin, selbst wenn das ganze Rudel versucht, uns zu zerbrechen.“ Er rollte uns, sodass ich unter ihm lag, vorsichtig wegen der Infusionsleitung und der Stiche, und glitt in einem langsamen, tiefen Stoß wieder in mich. Die Dehnung brannte perfekt. „Spürst du das? Die Bindung. Immer noch meine.“ Ich stöhnte, schlang die Beine um seine Hüften, drückte die Fersen in seinen Rücken. Der Knoten schwoll erneut an, drückte bei jedem Aufwärtsschub gegen mich und verriegelte uns mit einem weichen, feuchten Geräusch. Heiße Pulse folgten, als er kam, meinen Namen wie ein Gebet stöhnend, während die Bindung zwischen uns explodierte – Lust, die gleichzeitig durch uns beide raste. Wir blieben verbunden, zitternd, atmeten einander ein. Seine Stirn lag an meiner. Seine Hand strich in langsamen Kreisen über meinen Rücken und beruhigte die Nachbeben. „Meine perfekte, wunderschöne, unzerbrechliche Ehefrau“, flüsterte er, die Stimme zerbrochen von Emotion und Liebe. „Die Frau, die in diesem Lagerhaus stand und mich vor dem gesamten Rat gewählt hat. Die Frau, die an meiner Seite gekämpft hat, während ich blutete.“ Ich lächelte durch die Tränen, die mir in die Augen stiegen. „Mein rücksichtsloser, Liebe-meines-Lebens-Partner. Der Mann, der sich lieber erschießen lässt, als zuzulassen, dass jemand mich anfasst.“ Die Bindung pulsierte mit einem seltsamen, zärtlichen Schmerz – das Gesicht meiner Mutter aus dem Krankenhaus, die Art, wie sie die Waffe gehalten hatte, die Art, wie sie uns schließlich gewählt hatte. Ich spürte Kaels schützende Wut bei der Erinnerung, aber darunter lag etwas Weicheres. *Familie. Chaotisch. Echt.* Ich küsste ihn langsam und tief. „Wir sollten sie anrufen. Ihr sagen, dass wir sicher sind. Dass das Restaurant geöffnet ist. Dass sie nicht mehr allein ist.“ Kael nickte, rollte von mir herunter, hielt mich aber nah, während sein Knoten langsam nachließ. „Morgen. Heute Nacht … will ich dich einfach nur halten. Bis sich die Bindung anfühlt, als atme sie für uns beide.“ Wir schliefen so ein – noch verbunden, noch leuchtend, die Lichter der Stadt durch die Glaswände wie ein Versprechen. Doch der Frieden war nur von kurzer Dauer. Mein Handy summte um 3:14 Uhr nachts auf dem Nachttisch – eine private Warnung von Blackwoods sicherer Leitung. **Blackwood: Viktors Anwalt hat gerade eine formelle Berufung eingelegt. Der Rudelrat ist gespalten, aber nicht zerstört. Sie wollen einen Wiederaufnahmeprozess. Sie sagen, das Lagerhaus-Video von deiner Mutter mit der Waffe sei ‚beunruhigend‘. Sie drängen auf eine vollständige Untersuchung. Mitternacht morgen. Kein Entkommen.** Mein Blut gefror zu Eis. Kael wachte sofort auf, sein Arm zog sich fester um mich, Bernstein flackerte in der Dunkelheit. „Ruf ihn an“, sagte ich, die Stimme ruhig, obwohl die Bindung vor Angst schrie. „Sag ihm, wir kämpfen. Wir haben schon einmal gewonnen. Wir gewinnen wieder.“ Kael zog das Telefon heran, die Augen hart, während er mit Blackwood sprach. „Nein. Wir kämpfen nicht. Wir verbrennen. Vollständiger Livestream. Der gesamte Rat. Meine Frau sagt aus. Ich präsentiere jedes Beweisstück, das ich über Viktors Blutschuld habe. Und wir lassen sie zusehen, wie die Frau, die sie zu brechen versuchten, stärker denn je dasteht.“ Er beendete das Gespräch und zog mich in seinen Schoß, der Knoten schwoll bereits wieder an, weil mein Duft ihn wahnsinnig machte. „Du machst das nicht allein, kleine Wölfin. Niemals.“ Die nächsten vierundzwanzig Stunden waren ein Wirbel aus Strategie und Hitze. Wir filmten den Livestream im Restaurant bei Tagesanbruch – meine Mutter neben mir, diesmal als Verbündete, Stimme fest, während sie Viktors Drohungen und die Waffe in ihrer Hand beschrieb. Kael saß hinter mir, die Hand die ganze Zeit auf meinem Oberschenkel, die Bindung speiste mich mit jedem Funken seines Stolzes und seiner Liebe. Der Stream ging an den gesamten Rudelrat. Als das Datum der Wiederaufnahme bekannt gegeben wurde, explodierten die Kommentare. Manche Alphas waren entsetzt. Andere jubelten. Viktors verbliebene Loyale posteten Drohungen, die in Minuten vom Team von Blackwood gelöscht wurden. Doch in der Nacht vor der Anhörung rief meine Mutter an. Ich nahm auf Lautsprecher ab, Kaels Arm um meine Schultern. „Alisa“, flüsterte sie, die Stimme zitternd. „Ich … ich glaube, ich weiß, was zu tun ist. Nicht für die Familie. Für dich. Für uns. Wenn du es zulässt.“ Ich sah Kael an. Er drückte meine Hand. „Erzähl es mir“, sagte ich leise. Sie erzählte uns alles. Viktor hatte ein geheimes Konto im Offshore-System des alten Rudels – Gelder, mit denen er Ratsmitglieder bestochen hatte. Die Schlüssel lagen in einem Schließfach, dessen Kombination nur er und drei andere Alphas kannten. Kaels Augen blitzten vor gefährlicher Belustigung. „Perfekt. Wir gehen morgen rein. Wir holen das Fach. Wir entlarven die Bestechungen. Und wir lassen das Rudel entscheiden, wer das wirkliche Monster ist.“ Die Bindung sang vor wildem, unaufhaltsamem Stolz. Die Anhörung war für 10 Uhr am nächsten Tag angesetzt. Ich wachte auf und Kael war bereits weg – weg, um den Schlüssel zu holen, weg, um vorzubereiten, weg, um mich ein letztes Mal zu lieben, bevor die Welt zusah. Ich fand ihn um 5:47 Uhr in der Küche, oberkörperfrei, Narben scharf im Morgenlicht, während er Kaffee und Eier kochte, als wären wir normal. Er zog mich zwischen seine Beine, sobald ich eintrat, und küsste mich langsam und tief, die Hände unter mein Shirt gleitend, um meine Brüste zu umfassen. „Heute Nacht“, flüsterte er gegen meine Lippen, „nach der Anhörung knote ich dich vor dem gesamten Rat, wenn sie es zulassen. Kein Warten mehr. Keine Angst mehr.“ Die Bindung flammte heiß und hell auf. Ich lächelte gegen seinen Mund. „Versprochen?“ „Versprochen, kleine Wölfin.“ Die Wiederaufnahme begann um 10 Uhr. Viktors Anwalt versuchte alles – Anschuldigungen, Tränen, alte Zeugen. Kael zerlegte jeden einzelnen mit kalter, rücksichtsloser Präzision. Meine Mutter trat in den Zeugenstand und sagte die Wahrheit – über die Waffe, über Viktors Drohungen, über die Bestechungen. Als ich an der Reihe war, stand ich aufrecht. Die Bindung ließ meine Stimme klingen, als wäre sie der einzige Ton im Raum. „Ich habe mich selbst gewählt“, sagte ich. „Ich habe ihn gewählt. Und ich werde niemals zurückgehen.“ Viktors Anwalt verlor. Der Rudelrat stimmte ab. Das alte Rudel zerbrach endgültig. Viktor wurde seines Titels beraubt, seine Gelder beschlagnahmt, und das geheime Fach wurde am nächsten Morgen von Kaels Team geholt. Wir eröffneten das Restaurant an diesem Abend wie gewohnt – *Alisas* blühte, voll, lebendig. Doch in dieser Nacht im Penthouse sang die Bindung lauter denn je. Kael hob mich aufs Bett und nahm sich Zeit – küsste jeden Zentimeter, Finger und Mund und Schwanz, bis ich zitterte und bettelte. Als er schließlich langsam und tief in mich glitt, der Knoten perfekt anschwellend, sah er mir in die Augen und flüsterte: „Meine Ehefrau. Meine Gefährtin. Mein Alles.“ Ich kam mit seinem Namen auf den Lippen, die Wände um ihn herum zusammenziehend, während die Bindung zwischen uns explodierte. Wir blieben lange, zitternde Minuten verriegelt, Stirnen aneinandergepresst. „Für immer“, atmete ich. „Für immer“, erwiderte er und küsste die Anspruchsmarke auf meiner Schulter. „Meine perfekte, wunderschöne, unzerbrechliche Ehefrau.“ Das alte Rudel war fort. Der Krieg war gewonnen. Und zum ersten Mal in meinem Leben rannte ich nicht auf irgendetwas zu. Ich rannte geradewegs in die Arme des Mannes, der mich gerettet hatte. Meines Gefährten.
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