Cassandras POV
Darius drehte sich leicht um, seine Hand reichte bereits nach dem Rand des Flurs, als hätte dieses ganze Gespräch seine ganze Geduld erschöpft. Seine Stimme war kalt, scharf und durchschlitt die Stille wie eine Klinge.
"Ich gehe davon aus, dass das Geld, das ich dir dort zurückgegeben habe, nicht ausreicht", sagte er, ohne mich auch nur anzusehen. "Und das ist Ihre Art, nach mehr zu fragen. Gut. Ich werde meine Dienstmädchen dir auf dem Weg nach draußen ein weiteres Bündel geben.“
Sein Ton war eisig, voller schierer Gleichgültigkeit, und es traf mich wie eine Ohrfeige direkt ins Gesicht. Bevor ich überhaupt meine Gedanken zusammenbekommen oder etwas sagen konnte, drehte er sich einfach komplett ab und ging mit demselben unerschütterlichen Schritt den Flur entlang, gerade zurück, zielstrebig, wie ein Mann, der nie ein einziges Mal in Frage stellt, wohin er geht.
"Du hast nicht einmal nach meinem Namen gefragt, Arschloch!" Ich schrie ihm hinterher, meine Stimme war scharf und laut und hallte durch den Flur wider wie ein Stein, der hart gegen eine Wand geworfen wurde. "Es ist Cassandra!"
Aber er hat nicht aufgehört. Hat nicht einmal innegehalten oder zugezuchen. Er kam um eine Ecke und verschwand, wobei er nur das schwache Geräusch seiner Schritte zurückließ.
Ich stand einen Moment lang erfroren da und blinzelte den plötzlichen Stachel der Frustration und Wut in meinen Augen zurück. Mein Atem kam schnell und gezackt, scharfe Züge voller Wut.
Was für ein verdammter Bastard, murmelte ich unter meinem Atem. Genau wie Evan. Genau wie er.
Meine Hände ballten zu Fäusten an meinen Seiten. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr hasste ich, wie ähnlich sie waren. Die gleiche Arroganz, die gleiche abweisende Haltung, die gleiche kalte Annahme, dass alles, was ich wollte, ihr verdammtes Geld war, als wäre ich nichts anderes als ein streunender Hund, der um Reste bettelt.
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Später am Abend, zurück in meiner Wohnung, war die Beleuchtung weich und warm, Lichterketten funkelten gegen die Fenster und versuchten, eine Art Komfort gegen die kalte, stürmische Welt draußen zu schaffen. Der Regen klopfte stetig auf das Glas, wie ein leises Flüstern, das zu den Turbulenzen passte, die ich im Inneren fühlte.
Eine Tasse Kamillentee saß unberührt auf dem abgeplatzten hölzernen Couchtisch. Dampf stieg aus ihm auf und wirbelte wie Geister von Dingen, die ich noch nicht gesagt hatte.
Ich rollte mich auf der Couch zusammen, in meinen verblassten grauen Hoodie und die weichen Baumwollleggings. Eine Decke umhülte meine Knie. Mein Gesicht war nackt, kein Make-up, nur roh und müde, aber meine Augen hielten den unruhigen Schimmer zu vieler Gedanken, die herumrasen.
Mir gegenüber, in diesem unpassenden grünen Sessel, saß Nia, meine beste Freundin, Mitbewohnerin und die brutal ehrliche Wahrheitserzählerin, die ich gerade brauchte. Sie war klein, aber wild, ihre satte braune Haut leuchtete gegen ihren blassrosa Hoodie. Ihre Locken waren wild, kaum von einem lockeren Haargummi zurückgehalten.
"Du machst Witze", sagte Nia, ihr Unglauben in ihrer Stimme vermischte sich mit einem Lachen, das sie nicht auslassen wollte. "Er hat dich gerettet, dich in sein großes gotisches Herrenhaus gebracht, und was dann? Hat Geld auf dich geworfen und dir gesagt, du sollst dich verirren wie ein zufälliger Fremder?"
Ich stöhnte und vergrub mein Gesicht in das Kissen, das ich umklammerte. "Das ist genau das, was passiert ist."
"Verdammt", atmete Nia aus und folgte eine leise Pfeife. "Diese Familie... Bist du sicher, dass sie nicht alle eine vererbte Persönlichkeitsstörung haben? Als ob sie Idioten der Klasse A sind, liegt es in ihrer DNA?"
Ich spähte über das Kissen und spürte, wie die Hitze anstieg. "Ich bin nicht einmal mehr überrascht. Wenigstens war sein Onkel offen darüber, ein Arschloch zu sein. Evan... Evan hat mich gespielt. Seit fast einem Jahr. Er gab vor, süß und hingebungsvoll zu sein, während er mich nur benutzte.“
Nia seufzte, ihr Lachen verblasste in etwas Ernstes. "Cass, ich sage es nur ungern, aber ich habe dich gewarnt."
Ich habe eine Stirn hochgezogen. "Oh, machen wir das jetzt?"
"Ich versuche nicht, dich herabzustufen", sagte sie schnell mit erhobenen Händen, als würde sie sich ergeben. „Ich meine es ernst. Du weißt, dass ich dich liebe. Du bist brillant, lustig, loyal. Jeder Mann hätte Glück, dich zu haben. Aber Evan? Er ist aus dieser Welt, Silberlöffel, Privatjets, altes Geld. Ich fand es immer verdächtig, dass er dich all den Erbinnen und Insta-Models um ihn herum vorgezogen hat.“
Meine Augen verengten sich. „Was sagst du, Nia? Weil ich pleite und normal bin, verdiene ich keine Liebe? Dass ich eines wohlhabenden Mannes nicht würdig bin?"
"Nein!" Nia lehnte sich vor, die Stimme wurde weicher. „Das ist es nicht. Ich nur... Cass, er hat sich nie darum gekümmert, deine Familie zu treffen. Ich habe dich nie zu echten Familienveranstaltungen mitgenommen. Ich habe dich kaum in den sozialen Medien gepostet. Immer "beschätzt", immer distanziert, auch wenn er direkt neben dir war. Als wärst du Teil einer Fantasie für ihn. Eine Flucht, keine Zukunft.“
Ich sagte zuerst nichts, starrte auf den Tee und zog den Kiefer zusammen. Sie hatte recht. Ich hatte die Zeichen gesehen, wollte aber glauben, dass Evan vielleicht anders war. Es stellte sich heraus, dass er anders war, okay, anders schlecht.
"Ich hätte auf dich hören sollen", sagte ich leise, mit einer Stimme kaum über einem Flüstern. „Ich habe ihn immer wieder verteidigt. Er sagte, er fühle sich mit PDA nicht wohl oder dass seine Familie sie kontrolliert. Meine Güte, ich klinge erbärmlich.“
"Nein, du klingst wie jemand, der zu sehr geliebt hat", sagte Nia sanft. „Das ist nicht erbärmlich. Es ist einfach... gefährlich.“
Meine Finger umklammerten das Kissen fester. Das Feuer, das in meiner Brust brannte, war nicht vom Tee oder der Decke. Es war etwas Dunkleres. Heißer.
"Ich werde ihn nicht damit durchkommen lassen", sagte ich plötzlich mit einer leisen und festen Stimme, voller Entschlossenheit. "Er glaubt, er kann mich demütigen, mich betrügen, mich anlügen und einfach weggehen, als wäre ich nichts? Nein. Nein, er bekommt diesen Frieden nicht.“
Nia blinzelte. „Wovon redest du?“
Ich setzte mich auf, das Kissen vergessen, meine Augen scharf und kalt. "Er hält ihn für klug. Aber ich habe seine Schwäche gesehen. Darius.“
Nia runzelte die Stirn. "Du meinst den Onkel, der dich beleidigt und Geld auf dich geworfen hat?"
„Oh, ich meine ihn“, sagte ich, die Lippen kräuselten sich zu etwas, das einem Lächeln nahe kam. "Denn bei all seiner Einstellung und Unhöflichkeit ist da etwas. Er sah mich an, als wäre ich ein Problem. Eine Komplikation. Was bedeutet, dass ich wichtig bin. Und wenn ich ihn dazu bringen kann, sich auch nur für eine Sekunde zu kümmern, wird das Evan zerstören.“
"Ich hoffe, es ist nicht das, was ich denke, Cass", sagte Nia vorsichtig.
"Ich werde seinen Onkel dazu bringen, sich in mich zu verlieben."