Kapitel 2

1146 Words
Autor Perspektive Ivy erstarrte in dem Moment, als sie das Wort hörte—„Gefährtin“. Ihre Augen weiteten sich. Das war etwas aus Geschichten. Aus Legenden. Aus Mythen. Nicht real. Doch die Art, wie die drei Männer sie ansahen, sagte etwas anderes. Der Mann in der Mitte trat vor. Alpha Caelum. Seine sturmgrauen Augen brannten sich in ihre Seele, intensiv und unlesbar. Seine breite Brust hob und senkte sich ruhig unter seiner dunklen Tunika, und die Macht, die von seiner Haltung ausging, ließ ihre Knie weich werden. In seinem Blick lag keine Bosheit—nur Gewissheit. Entschlossenheit. Zu seiner Linken stand Beta Thorne, der Jüngste. Seine Augen waren kalt, berechnend, fast grausam. Etwas an ihm verdrehte die Gefühle und machte klares Denken schwer. Als könnte er dir einreden, der Himmel sei grün – und du würdest es tatsächlich glauben. Und dann war da der Älteste—Ryker, der Ausgestoßene. Sein Gesichtsausdruck war nicht zu lesen, seine Präsenz ruhig, aber erdrückend. Sein Blick ruhte auf Ivy mit etwas, das wie… Genugtuung aussah? Doch in dem Moment, als sich ihre Augen trafen, spürte sie es—er mochte das nicht. Er mochte es nicht, dass sie ihnen gehörte. Ivy taumelte zurück. „Was meinst du damit, dass ich eure Gefährtin bin?“ rief sie, ihre Stimme zitterte. Alpha Caelum trat näher, seine Stimme ruhig, aber bestimmt. „Der Blutmond wird bald aufgehen. Deine Zeit in der Welt der Menschen ist vorbei.“ Bevor sie reagieren konnte, hob er sie in seine Arme. „Nein—setz mich ab!“ schrie sie und wehrte sich. Doch sein Griff war fest. Und das Letzte, was sie sah, bevor sie zwischen den Bäumen verschwanden, war der Himmel, der sich rot färbte—genau wie in ihren Träumen. „War das, was Nana mit Schicksal meinte?“ dachte sie. --- BLOOD-MOON-RUDEL Bei der Ratsversammlung „Was meinst du damit, sie ist eure aller Gefährtin?“ verlangte Elder Smith, seine Stimme hallte durch die steinerne Halle. Alpha Caelum stand vor dem Thron, seine Haltung fest, sein Blick unbeirrbar. „Genau das, was ich gesagt habe. In dem Moment, als ich sie berührte, spürte ich die Bindung. Ich hatte nicht erwartet, dass meine Brüder sie auch fühlen würden… aber sie taten es.“ Gemurmel brach unter den versammelten Ältesten aus. „Aber wir alle wissen, warum sie hierhergebracht wurde“, sagte Elder Smith scharf. „Um das Rudel zu schützen, wenn der Blutmond aufgeht. Das war die Prophezeiung.“ „Sie ist kein Werkzeug, das man einfach benutzen kann“, schnitt Rykers Stimme durch den Raum. Alle Augen richteten sich auf ihn. Er sprach selten in Ratsversammlungen. „Was meinst du damit?“ fragte einer der anderen Ältesten und verengte die Augen. „Sie ist nicht einfach jemand, den wir benutzen und dann entsorgen können“, sagte Ryker. Sein Ton war kalt, doch darunter lag etwas Tieferes—Wut, Beschützerinstinkt. „Es ist mir egal, was die Prophezeiung sagt oder wovor das Rudel Angst hat. Ich werde sie beschützen. Mit allem, was ich habe.“ Stille senkte sich über den Saal. Sogar Caelum drehte sich überrascht zu ihm um. „Das ist nichts, worüber wir kämpfen sollten. Was am wichtigsten ist, ist Verständnis“, sagte Alpha Caelum, seine Stimme ruhig, aber fest. „Genau“, fügte Beta Thorne hinzu und nickte zustimmend. Ryker schnaubte. „Alles, was ich weiß, ist: Sie ist kein Bauer auf einem Spielbrett. Jeder, der das anders sieht… muss erst an mir vorbei.“ Alpha Caelum und Beta Thorne waren noch schockierter. Ryker hatte sich noch nie für irgendeine Frau interessiert, er hatte sich geweigert, seine Gefährtin zu suchen, und hatte sich nicht einmal an der Partnerwahl beteiligt. „Ryker, was ist dein Problem?“ fuhr Elder Smith ihn an. „Willst du plötzlich Chaos stiften? Du bist der Älteste. Fang an, dich auch so zu benehmen.“ Rykers Augen verdunkelten sich, als seine Stimme durch die Halle donnerte. „Es hat euch auch nicht interessiert, als ihr mich verstoßen habt. Ich wollte nie den Thron. Aber sie—sie ist jetzt meine Priorität.“ Stille hing in der Luft wie eine Warnung. Die Brüder waren nun nicht mehr nur durch Blut verbunden—sondern durch das Schicksal und ein einziges Mädchen, das alles verändern konnte. „Ryker, seit wann bist du plötzlich so beschützend?“ fragte einer der Ältesten und hob eine Augenbraue. „Ich habe dich noch nie sagen hören, dass du jemanden mit deinem Leben beschützen würdest.“ „Genau das bereitet uns Sorgen“, mischte sich ein anderer Ältester ein. „Dieses Mädchen sollte nicht in unserer Nähe bleiben. Wie kann eine Frau gleichzeitig an drei Brüder gebunden sein? Das ist verboten.“ „Ja“, sagte Elder Smith scharf. „Es widerspricht unseren Regeln und Traditionen. Ein Mädchen wie sie sollte nicht am Leben gelassen werden.“ „Genug!“ Alpha Caelums Stimme donnerte durch den Saal. „Elder Smith, ihr seid nicht in der Position zu entscheiden, wer lebt oder stirbt. Diese Entscheidung treffe ich.“ „Meine Entschuldigung, Alpha“, Elder Smith verbeugte sich leicht. „Es war nur ein harmloser Vorschlag. Aber laut meinem Vater gab es einst eine Frau, die vier Wölfen bestimmt war. Sie wandten sich gegeneinander—wahnsinnig vor Eifersucht und Wut. Das Chaos erweckte den uralten Geist des Blutmondes. Das Rudel stand kurz vor dem Untergang, und um es aufzuhalten, opferten sie sie. Seitdem ist eine solche Bindung verboten.“ „Warum habe ich diese Geschichte noch nie gehört?“ fragte Beta Thorne, Misstrauen in seiner Stimme. „Vielleicht, weil sie erfunden ist“, murmelte Ryker und verschränkte die Arme. „Klingt nach einer praktischen Geschichte, um eure Angst zu rechtfertigen.“ „Ich kenne die Geschichte auch“, sagte Alpha Caelum, seine Stimme ruhig, aber schwer. „Sie ist nicht erfunden. Ob es uns gefällt oder nicht—unsere Hände sind gebunden.“ „Was schlägst du vor, dass wir tun?“ fragte Beta Thorne und sah seine Brüder an. „Ich glaube, ich habe eine Lösung“, meldete sich Elder Smith zu Wort. „Dann sprich“, sagte Caelum. „Aber mach es vernünftig.“ „Wir sollten den Seher des Rudels erneut rufen. Er soll die Zeichen lesen—und sehen, ob diese Bindung uns wirklich bedroht.“ „Warum all dieser Stress?“ fiel Ryker ihm ins Wort und trat mit einem selbstgefälligen Grinsen nach vorne. „Es ist ganz einfach. Ich will sie. Da ihr beide verwirrt seid, nehme ich sie. Findet euch eigene Gefährten.“ Alpha Caelums Blick verdunkelte sich. „So funktioniert das nicht, Ryker.“ „Nicht?“ höhnte Ryker. „Dann erklär mir, wie es funktioniert, wenn das Mädchen uns allen dreien gehört… aber nur einer von uns bereit ist, für sie zu kämpfen.“
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD