Aye Captain

3229 Words
Ich wachte in einer Kajüte auf und bewegte mich im Rhythmus der Wellen, die gegen das Schiff schlugen. Es brennte eine Kerze auf dem Nachtisch, welcher sich neben der Tür befand. Es liess die Kajüte in einem leicht orangen, warmen Ton schimmern. Für einen Moment liess es mich sogar vergessen, wo ich mich befand. Ich war tatsächlich auf einem Schiff. Ich war noch nie auf einem Schiff, auch wenn ich mich immer schon sehr für den Ozean faszinierte. Ich stand vom heruntergekommenen Bett, wenn man es so nennen kann, auf und öffnete die Tür. Draussen war es noch Dunkel, aber es schien schnell Morgen zu werden. Es waren einige Männer auf dem Deck, die den Boden vom überschüssigen Wasser befreiten, welches auf das Schiff gelangte durch die hohen Wellen. Es schien für keinen komisch zu sein, dass sich eine Frau auf dem Schiff befand. Ich wusste nicht recht, was mich erwarten würde, denn eine Frau auf einem Schiff hatte für die damalige Zeit keine gute Bedeutung. Normalerweise liessen die Matrosen keine Frauen an Bord, da sie Unglück bringen würden. Ich fragte mich wohl, wie viel Unglück ich ihnen noch bringen würde. "Miss, Sie sind schon wach!", rief mir ein Mann zu, der gerade den Wischmopp vom dreckigen Wasser freimachte. Währen er das Wasser wieder zurück ins Meer fliessen liess, sah er mich schelmisch an. Für einen Moment dachte ich, dass ich hier sicher sei, doch als sich auch noch weitere Männer nach mir umdrehten, packte mich ein plötzliches Gefühl der Angst. Als ich dann meinen Weg in die Kajüte zurückfinden wollte, wurde mir mit einer Hand die Tür zugehalten. Ich erschrak, als die grosse, männliche Hand auf die Tür schlug. Ich kniff reflexartig die Augen zusammen und spürte, wie ich am Arm gepackt wurde. "Miss, Sie hätten gar nicht auf dem Schiff sein dürfen. Wissen Sie, denn nicht, was man von Frauen auf Piratenschaffen sagt? Sie bringen Unglück und sind nicht gut für den Zusammenhalt der Crew. Der Captain ist momentan nicht da, da er Sie wissen schon, geschäftlich unterwegs ist. Und während er unterwegs ist, ist es sicher nicht verkehrt, dass wir uns einen Spass mit Ihnen erlauben, nicht wahr?" Ich kreischte auf, als plötzlich ein zweiter Mann mich packte und hochhob. Er hatte mich über seine Schultern geworfen und war dabei Richtung Schiffskopf zu gehen. Der Anker des Schiffes war ausgeworfen, wir waren in der Nähe einer Bucht. Dort müsste es doch sicher eine Stadt mit einem Herrscher geben, der Piraten nicht in seinem Gewässer haben wollte. Warum half mir denn niemand? Als ich mich weiter sträubte und wehrte, hörte ich ein Chor voller Gelächter. Sie nahmen mich nicht ernst. Wie auch? Ich trug eines dieser puffigen Kleider, die man nur mit Korsett trug und die üblich für eine Frau aus den englischen Kolonien war. Ich war entführt worden und nun würde ich entweder vergewaltigt werden, oder über die Planke geführt werden. In beiden Fällen würde ich einen qualvollen Tod erleben. "Es scheint, als hättest du vergessen, wer hier das Sagen hat, mein lieber Pete." Ich hörte plötzlich eine bekannte Stimme hinter mir, als der Mann mich zum höchsten Punkt des Schiffes getragen hatte. Ich hatte sofort meinen Kopf erhoben, als ich realisierte, wer es war. Es war derselbe Mann aus meinem Traum, den ich letztens hatte. Wie hiess er nochmal? "Captain", sagte der Mann vorwurfsvoll und schien sich für einen Moment verloren zu haben. Es hielt aber nicht lange an, denn der Mann richtete sich wieder stolz auf und verstärke den Griff um meine Hüfte. "Lass sie sofort runter Matrose, oder es wird recht schnell unschön." Ich hatte keinen Plan, warum ich erneut von dem ein und denselben Mann träumte, der mich schon im vergangenen Traum gerettet hatte, aber ich fühlte plötzlich einen Schauer über meinen Rücken gleiten, der mir versicherte, dass ich in Sicherheit war. Ich konnte ihm endlich richtig in die Augen sehen und war perplex, wie gut ihm das Piratendasein stand. Er trug einen schwarzen, etwas kaputten Hut, den er wahrscheinlich sogar ins Bett nahm und nie auszog und einen ledernen Mantel, der bis zum Boden reichte. Zu seiner Rechten trug er ein silbernes, glänzendes Schwert, das nur darauf wartete, seinen Gegner zu treffen und zu seiner Linken hielt er eine Flasche, von dem ich vermuten würde, dass es Alkohol sei. Es war auch nicht anders zu erwarten, dass der Captain auf dem Schiff sich von Alkohol ernähren würde. Wir befanden uns wohl um das Jahr 1600, da war die Hygiene kaum vorhanden. Dies war auch ein Grund dafür, dass man auf Schiffen Alkohol trank, statt Wasser. Denn das Wasser, keimte sich schnell, war kaum sauber und Alkohol war das Einzige, was bestanden blieb und natürlich steril war. Der Captain sah dem Matrosen, der mich über seine Schulter geworfen hatte, mitten in die Augen. Ich erkannte einen schwarzen Eyeliner, der die Augen des Captains betonte und auch seine Haut, schien von der Sonne geküsst und mit Schweiss bezogen zu sein. "Ich sage es nicht noch einmal Pete." Es wurde ernst. Der Matrose, der anscheinend Pete hiess, hatte mich runtergelassen und ich hatte mich schon gefreut, frei zu sein. Doch er hatte mich fest in seinem Griff und hielt mich nun vor seiner Brust. Ich stöhnte auf vor Schmerz, als er meine Arme hinter meinen Rücken verschränkte. "Tut mir leid Captain, aber Frauen gehören nicht auf einem Piratenschiff und wenn sie hier her gelangen, dann soll man über sie verfügen und sie anschliessend auf den Grund des Meeres sinken lassen." Der gute Pete meinte seine Drohung ernst und gab noch mehr Druck, als er sein Schwert zog und es mir an die Kehle hielt. Ich hörte den Captain, wie er seinen Atem anhielt und ich nahm plötzlich alles wie in Zeitlupe war. Der Captain hatte mit zwei Fingern, die er von der Flasche befreien konnte, gepfiffen und der Rest der Crew hatte sich versammelt. Die Männer, die anfangs noch scharf darauf wahren, mich über Bord zu werfen, hatten es sich anders überlegt, als sie den zielstrebigen und feurigen Blick des Captains gesehen hatten. Ich spürte, wie Petes Hand anfing zu zittern und ich fing an zu Winseln. Ich wusste nicht, warum ich keine anständigen Sätze herausbrachte und so hilflos war, aber das war wohl die Rolle, die ich in dem Traum spielte. "Letzte Chance Matrose", waren die Worte des Captains, als Pete noch mehr Druck auf meine Kehle gab. Ich spürte schon, wie die allbekannte warme, rote Flüssigkeit von meinem Hals hinunter in mein Dekolleté lief. Ich zischte. Die Augen des Captains wurden plötzlich noch dunkler, als sie eh schon waren und kam auf uns zu. Er hatte die Geduld verloren. Ich wurde plötzlich die Treppen, die uns vom Captain trennte und dem Deck, hinuntergeschubst und fiel geradewegs in die Arme des Captains. Dieser hatte mich geschickt aufgefangen und für einen kurzen Moment hatten sich unsere Blicke gekreuzt. Ich wurde aber schnell dann eine Reihe weiter nach hinten geschubst und befand mich dann hinter der Crew und hinter dem Captain, der voller Blutdurst auf den abtrünnigen Matrosen Pete zu ging. Ich hatte vor Angst geschriene, dass der Captain ihn vor meinen Augen aufschlitzte und hatte damit verursacht, dass er für einen Moment abgelenkt war. Es war genug lange, um Pete einen Vorteil zu verschaffen, dieser hatte mit seiner freien Hand dem Captain eine Faust ins Gesicht geschlagen. Er war daraufhin zurückgetaumelt und einige der Crew kamen ihm zur Hilfe. Diese hatten Pete dann fest in der Hand. Die Männer, die vor mir standen und mich mehr oder weniger von dem abschirmten, was vor sich ging, wurden dann kurzerhand damit beauftragt, mich zurück in die Kajüte zu bringen. Ich hatte mich gewehrt, ich hatte geschrien. Doch gegen zwei Riesentypen kam ich nicht einmal im Traum an. Ich wollte nicht, dass der Captain jemanden meinetwegen umbrachte. Ich wurde in die Kajüte eingeschlossen und versuchte vergeblich auf mich aufmerksam zu machen. Ich schlug wie wild gegen die Tür, auch dann, als ich einen Schrei hörte. Ich wusste nicht, wen es getroffen hatte, doch ging ich vom Schlimmsten aus. Ich schlug härter gegen die Tür und machte meine Knöchel damit ganz wund. Als die Sonne langsam in die Kajüte schien, ging die Tür plötzlich auf. Ich hatte mich vor Erschöpfung auf den Boden gesessen und hatte wie ein Häufchen Elend darauf gewartet, dass ich wach wurde. Aber dem geschah nicht so. Der Captain war plötzlich eingetreten und als sich unsere Blicke erneut trafen und er mich auf den Boden sitzen sah, hatte er sich zu mir hinunter gesessen. "Miss, was tun Sie auf den dreckigen Boden", fragte er belustigt und tat so, als wäre nicht gerade ein Mann gestorben. Ich war sauer. Wo war ich hier bloss gelandet und wie zum Teufel hatte ich mich in diese Situation geritten? "Schauen Sie doch nicht so grimmig drein." Ich roch den Alkohol, als er sich näherte und seine blutige Hand nach mir ausstreckte. Er trug einige dicke Klunker an den Fingern, die mich nur noch mehr verunsicherten. Wie viele hatte er wohl dafür töten müssen? "Fassen Sie mich nicht an", zischte ich und zog meinen Kopf zurück. Er lachte, wie ein frecher Junge und wusch sich die Hand am Hemd ab. Er rieb sich am Kinn und ich konnte so direkt in seine Augen sehen. Sie waren tatsächlich mit Kohle umrandet und rabenschwarz. Man konnte in ihnen noch einen Glimmer von goldbraun entdecken, was mich komplett verzauberte. Sie sahen aus wie in Lavasteinen gepackter Bernstein. Wunderschön und so verdammt gefährlich. "Es ist niemand gestorben", flüsterte er nahe an meinem Gesicht und ich hatte kurz den Atem angehalten. Ich wollte nicht, dass er mein Herz schlagen hörte. Es raste nämlich gerade um die Wette mit sonst wem. Ich strich mir erschöpft übers Gesicht. Er hatte dabei meine Schürfungen an den Knöcheln gesehen und hatte plötzlich beide Hände nach den meinen ausgestreckt. Ich verwehrte sie ihm und verschränkte die Arme vor die Brust. "Stures Mädchen", kommentierte er lächelnd, als ich mich erneut von ihm entzog und aufstand. "Wo sind wir und warum bin ich hier», wollte ich wissen und stemmte meine Hände in die Hüfte. Er war langsam von seinen Knien aufgestanden und fuhr sich lächelnd übers Gesicht. "Lasst mich eure Hände säubern." Nur das hatte er zu sagen? Ich wollte wissen, wo ich bin. Verdammt nochmal! "Zuerst antworten." "Nah-ah", sagte er und unterstützte sein Nein mit dem hin und her bewegen seines Zeigefingers. "Zuerst die Hände." Ich seufzte genervt. Ich hatte mich geschlagen gegeben. Er war daraufhin schnell aus der Kajüte verschwunden und nach einiger Zeit mit einem Kessel Wasser, Alkohol und einem zerrissenen Tuch wiedergekommen. Er zeigte mit seiner rechten Hand aufs Bett und machte mir damit klar, dass ich mich setzen solle. Ich sah ihn misstrauisch an, als er sich auch aufs Bett setzte. Er hatte wohl meinen Gedanken gelesen, bevor er ankam und lachte. "Nein, ich habe nicht hier geschlafen. Auch wenn es Ihnen, Miss, wahrscheinlich gefallen hätte." Ich schlug ihm daraufhin auf die Brust, die zu erkennen war unter seinem weissen, lockeren Hemd, von dem einige Knöpfe offen waren. Ich verdrehte die Augen, ab seiner Bemerkung und liess ihn machen. Er streckte seine Händen nach den meinen aus und erst jetzt war mir aufgefallen, dass er plötzlich Lederhandschuhe trug. Vorhin waren die noch nicht da. Hatte er etwa Angst meine nackte Haut zu berühren? Beim Gedanken schmunzelte ich. Er hatte meine Hände in die seinen abwechslungsweise genommen und sie vorsichtig und behutsam betupft. Als der Alkohol drankam, um die Wunden zu desinfizieren, zischte ich. Daraufhin sah er auf und unsere Gesichter waren sich augenblicklich nahe. Ich schluckte schwer und auch er schien sich zurückzuhalten. Er schüttelte seinen Kopf und band mir den Stoff um die Knöchel. "Das wär’s wohl", sagte er stolz und wollte mich wieder in der Kajüte zurücklassen. "Wo gehen Sie hin?", fragte ich und verspürte wieder eine Unsicherheit. "Können Sie nun ohne mich nicht mehr Leben, Miss?", fragte er kokett und zog sich seinen Hut aus. Er kam mit schnellen Schritten auf mich zu und liess mich mit dem Rücken aufs Bett fallen. Er lag über mir und seine schwarzen Locken, die eigentlich vom roten Band, welches sich um seinen Kopf zierte, zurückgehalten werden sollten, fielen ihm ins Gesicht. "Es scheint wohl eher umgekehrt sein", brachte ich heiser hervor. "Sonst wäre ich wohl nicht hier", fügte ich hinzu und sah etwas in seinen Augen aufblitzen. Er hatte sich aber schnell wieder gefangen und als er sich mit seinen Lippen näherte, war ich etwas enttäuscht, als sie meine Stirn berührten. Er machte Anstalt das Zimmer zu verlassen, als ich mich nochmals aufsetzte und ihn aufhielt. "Wir hatten eine Abmachung. Wo bringt Ihr mich hin? Warum bin ich hier?" Er drehte sich langsam um, während er schon den Türknauf in der Hand hielt. "Ihr seid hier zu eurem eigenen Schutz Celia." "Ich heiss aber nicht Celia! Mein Name ist Elisabeth verdammt!" Ich schrie los, als er die Tür hinter sich zu machte und der Schlüssel ins Schloss fiel. "Er hat mich eingesperrt. Und ich soll hier zu meinem Schutz sein? Ich sollte vor ihm beschützt werden! Verdammt nochmal. Und was fällt ihm ein mich Celia zu nennen und so zu tun, als würde er mich besser kennen, als ich mich selbst!", sagte ich zu mir selbst und spürte wie Wut und Angst beide in mir unkontrolliert aufkamen. Ich hatte es nach einiger Zeit aufgegeben zu schreien. Es hatte keinen Sinn mehr. Man ignorierte meine Schreie sowieso. Ich hatte den ganzen Tag in dieser blöden Kajüte verbracht. Ab und zu war der Captain an die Tür gekommen und hatte mir das Essen gebracht. Beim ersten Mal hatte ich versucht an ihm vorbei zu rennen, beim zweiten mal blieb ich in auf dem Boden neben dem Bett sitzen und starrte regungslos an die Tür. Ich hatte darauf gewartet, dass es Abend wurde. Ich war so frustriert. Ich wusste nicht, warum ich diesen Traum hatte und wieso dieser Mann wieder aufgetaucht war. Seine Gestalt hatte sich zwar geändert, ja auch seine Rolle, doch seine Augen blieben dieselben. Ich würde sie wahrscheinlich überall wiedererkennen. Ich hiess in diesem Traum wohl Elisabeth und scheine meinem Realen Ich, wenigstens in Sachen Persönlichkeit, am ähnlichsten zu sein. Ich tat immer taff und konnte mich verteidigen wenn ich wollte, aber wenn es wirklich ernst wurde, verschanzte ich mich in meinem Inneren und hoffte einfach, dass alles bald vorbei sein würde. Das war wohl das, was ich auch jetzt genau in diesem Moment tat. Ich wartete darauf, dass ich aufwachen würde und sich herausstellen würde, wie auch schon zuvor, dass alles nur ein blöder Traum gewesen ist.  Die Tür öffnete sich zum dritten mal, als es draussen dunkel war. Der Captain war hineingekommen und ich hatte mich Schlafen gelegt. Naja, ich tat wenigstens so, als würde ich schlafen. Ich hatte meine Augen ganz fest zugekniffen, als ich bemerkte, wie seine Schritte sich immer weiter näherten. Es war als würde ich seine ganze Aura in meiner eigenen Präsenz spüren.  "Ich weiss, dass du nicht schläfst", war sein Kommentar, als er mir die Haare aus dem Gesicht strich. Ich hatte meine Augen abwechslungsweise geöffnet und  ihn dann böse angefunkelt.  "Es tut mir leid, dass ich dich hier eingesperrt habe." Er liess den Kopf hängen und seine langen Locken, fielen ihm übers Gesicht. "Cel- Elisabeth. Es tut mir leid", sagte er als ich ihn weiterhin böse anschaute und kein Wort sprach. "Wann hatten wir uns darauf geeinigt, dass Sie mich duzen dürfen, Captain?" Ich drehte mich auf die andere Seite des Bettes und setzte mich auf. Wir sassen nun Rücken an Rücken und ich wollte hier immer noch schleunigst verschwinden. Ich hörte ihn leise Lachen, so als hätte er erst später realisiert, was ich gesagt hatte. "Tut mir leid, Miss", hatte er sich korrigiert und leise wieder das Zimmer verlassen. Ich hatte mich erst umgedreht, als ich seine Präsenz nicht mehr im Zimmer spürte und sah zur Tür. Sie wurde nicht abgeschlossen. Er hatte sie offen gelassen. Ich stand langsam aus, fast schon ängstlich davor, dass ich wieder eingesperrt werden würde, sobald ich den Türknauf in der Hand hatte. Doch es passierte nichts. Ich wartete erst einige Zeit und zählte innerlich die Sekunden ab, bevor ich die Tür öffnete. Es waren einige Matrosen auf dem Deck, der Vollmond schien in seiner vollsten Pracht. Es war eine sternenklare, dunkle Nacht und ich war wie hypnotisiert. Ich lief aufs Deck hinaus. Der Captain war nicht zu sehen. Die Matrosen ignorierten meine Anwesenheit. Wahrscheinlich aus Angst davor, was der Captain mit ihnen anstellen würde, wenn sie mich nochmals anfassten. Ich konnte es mir nicht erklären, warum der Captain solch einen Wert darauflegte, dass ich am Leben blieb und noch wichtiger, dass ich hier war. Ich hätte es verstanden, wenn dieser Pete mich getötet hätte, oder sonst was mit mir angestellt hätte. Immerhin gehörte eine Frau, wenigstens zu dieser Zeit, nicht auf ein Piratenschiff. Das war dumm, verantwortungslos und verdammt nochmal gefährlich. Als ich gerade den vorletzten Gedanken an Pete verschwendete, sah ich direkt in seine Augen. Ich trat etwas erschrocken zurück und hielt mich am Rand des Schiffes. Ich hörte die Wellen, die gegen das Schiff klatschten und sah hinunter.  "Dies ist der einzige Ausweg, um das Schiff zu verlassen, Miss", sagte er. Als ich ihn weiter anstarrte und nichts sagte, fügte er noch hinzu, "Ich habe ihre Schreie gehört und auch die Auseinandersetzung mit dem Captain. Ich weiss nicht warum Ihr hier seid, aber ich möchte auch nicht, dass Sie hier bleiben." Seine Worte gaben mir den Eindruck, als würde er es ehrlich meinen und als ich an ihm hinuntersah, sah ich den blutigen Verband, der sich am ende seines Armes befand, wo die Hand sein müsste. Der Captain hatte ihm die Hand genommen. Deswegen das schmerzerfüllende Schreien. Er tat mir leid, obwohl er mit mir schreckliches vorhatte. Ich sah ihm nochmals ins Gesicht, als ich mich aus meiner kurzen Schockstarre befreite und atmete tief aus.  "Dann wird das wohl das Ende sein. Ich kann nicht hier bleiben." Er nickte mir galant zu und machte mir den Weg frei. Dabei hatte er auch auf die einzige Lücke am Schiffsrand gezeigt, die dazu diente die Planke aufzustellen, um andere Schiffe zu plündern und zu kapern. Es würde mein einziger Ausweg in die Freiheit sein. Ich würde endlich aus diesem Traum erwachen, dachte ich mir und lief stur darauf zu. Pete dachte nicht daran mich aufzuhalten, als er wusste, dass ich über Bod springen würde. Wahrscheinlich hätte er mich sogar freiwillig ins Meer geworfen. Ich nahm es ihm nicht üblich. Diese Elisabeth war eine komische Frau, die anscheinend sogar bereit war sich umzubringen, um in Freiheit leben zu können. Als ich nun dort stand, hörte ich ein lautes Schreien. "Celia! Bleib stehen, wo du bist", rief der Captain angsterfüllt mit zittriger Stimme. Er nannte mich immer noch Celia. "Ich bin nicht Celia", rief ich ihm nach und ging noch einen Schritt weiter. Ich stand nun kurz davor, das weite nichts zu erreich, bevor ich aufs Wasser treffen würde.  "Wehe du springst!", schrie er erneut und ich hörte, wie er mit schnellen Schritten versuchte mich zu erreichen. Doch diese Frau, war weit aus mutiger und vielleicht auch leichtsinniger, als ich, Elisa, es war und deswegen wartete sie auch nicht mehr auf ein Wort und sprang ins kalte Wasser.  "Celia!", waren die letzten Worte, die ich hörte, bis sich mein Bewusstsein von mir verabschiedete.
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