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Im Blut und Biss verbunden

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Blurb

Sie wurde ohne das Mal geboren, das Königinnen krönt und die Unmarkierten in Schatten verdammt. Er war der erbarmungslose Alpha-Erbe, der plante, ihre perfekte Schwester zu züchten, ihren Leib zu beanspruchen und sie danach wie kalte Asche wegzuwerfen. Ein verbotener Blick zersplitterte jede Regel. Nun lodert die unzerbrechliche Bindung zwischen einer unmarkierten Ausgestoßenen und dem Monster, das sie niemals hätte wollen dürfen. Die Loyalität verlangt, dass sie die einzige Seele schützt, die je Güte für sie zeigte. Die Begierde verlangt, dass sie sich dem brutalen Anspruch hingibt, der bereits Zähne in ihre Seele schlägt. Eine Nacht wilder, verzweifelter Leidenschaft. Ein tödliches Morgenduell bei Sonnenaufgang. Und eine Liebe, die entweder alle rettet oder die Rudel in Blut ertränkt.

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Kapitel 1
Die kalte Nachtluft biss in Milas Haut, während sie durch den schmalen Dienstbotengang des Ashton Herrenhauses huschte. Der Vollmond hing schwer und silbern am pechschwarzen Himmel. Sein Licht drang in scharfen Streifen durch die hohen Bogenfenster und warf lange Schatten über den polierten Steinboden. Mila kannte jeden Zentimeter dieses Bodens. Sie hatte ihn jahrelang geschrubbt, bis ihre Fingerkuppen bluteten und ihre Hände rau wie Baumrinde wurden. In diesem Haus war sie nichts weiter als ein Schatten unter Schatten. Unsichtbar. Vergessen. Geduldet. Genau so wollte sie es haben. Unsichtbar zu sein bedeutete Überleben. Doch heute Nacht ging es nicht um sie. Es ging um Kunis. Kunis Ashton, die strahlende Tochter des Alphas, trug das heilige Mondsichel Mal auf ihrer linken Schulter. Ein perfektes, leuchtendes Halbmond Zeichen, das im Mondschein glühte wie geschmolzenes Silber. Es machte sie zur Auserwählten. Zur zukünftigen Luna des stärksten Rudels im Norden. Kunis war schön, mit langen rabenschwarzen Haaren, porzellanweißer Haut und Augen wie dunkler Waldhonig. Sie war alles, was Mila niemals sein würde. Vor allem aber war Kunis freundlich. In einer Welt, die Mila hasste oder ignorierte, hatte Kunis sie immer wie einen Menschen behandelt. Mila drückte sich gegen die eisige Wand, als schwere Stiefel durch den Flur donnerten. Der Geruch nach Leder, Schweiß und Metall wehte vorbei. Eine Wache. Sie hielt den Atem an, bis die Schritte verklangen. Dann glitt sie weiter. Kunis Gemächer lagen im Westflügel, weit entfernt von den feuchten Kellerkammern, in denen die Diener hausten. Mila hatte diesen Weg unzählige Male genommen, meist mit Wäschekörben oder Eimern voller Asche. Heute trug sie nur ein kleines Bündel in den Händen. Kräuter. Getrocknete Mondblüte, Weidenrinde und Kamille. Sie hatte sie heimlich im verbotenen Wald hinter dem Anwesen gepflückt. Für Kunis. Kunis litt unter dem Mondfieber. Es kam immer vor dem Vollmond, wenn die Magie des Males in ihrem Blut erwachte. Kunis hatte es Mila einmal gestanden, als sie allein waren und niemand lauschen konnte. „Es fühlt sich an, als würde flüssiges Feuer durch meine Adern strömen“, hatte sie geflüstert. Mila hatte nur nicken können. Sie verstand nichts von der Magie der Markierten. Sie trug ja nicht einmal ein Mal. Aber sie verstand Schmerz. Und sie verstand Loyalität. Vor der schweren Eichentür blieb sie stehen. Ihr Herz pochte so laut, dass sie fürchtete, es würde durch die Wände hallen. Sie hob die Hand und klopfte dreimal. Leise. Das vereinbarte Zeichen. Die Tür öffnete sich sofort einen Spalt. Kunis stand dahinter, bleich wie frisch gefallener Schnee. Ihr Nachthemd klebte feucht an ihrer Haut, das lange Haar hing in Strähnen herunter. Das Mondsichel Mal schimmerte schwach durch den dünnen Stoff, als würde es ebenfalls fiebern. „Mila“, hauchte Kunis erleichtert und zog sie hinein. „Du bist gekommen.“ Mila schlüpfte ins Zimmer und schloss die Tür lautlos. Wärme schlug ihr entgegen. Ein großes Feuer prasselte im Kamin, Kerzen flackerten auf jedem Tisch und Sims. Der Raum roch nach Lavendel und Wachs. Luxus, den Mila nur vom Putzen kannte. „Du siehst aus, als würde der Tod selbst dich umarmen“, murmelte Mila und wickelte das Bündel auf. „Trink das. Es wird das Fieber senken.“ Kunis nahm die kleine Tasse mit zitternden Fingern. „Du riskierst alles dafür.“ „Ich riskiere nichts“, erwiderte Mila. „Niemand sucht nach mir, wenn ich weg bin.“ Kunis setzte sich auf die Bettkante und zog Mila neben sich. „Setz dich. Nur einen Augenblick.“ Mila gehorchte zögernd. Diener setzten sich nicht zu ihren Herrinnen. Doch Kunis legte eine Hand auf ihre und drückte sie sanft. „Ich habe heute mit Vater gesprochen“, sagte sie leise. „Der Vertrag ist besiegelt. In drei Tagen kommt er.“ Mila wusste sofort, wen sie meinte. Kael Nightshade. Der Name allein ließ Übelkeit in ihr aufsteigen. Kael, der Erbe des Schattenrudels. Der Mann, den manche den Eisernen Alpha nannten, andere den Schlächter. Gerüchte rankten sich um ihn wie giftige Ranken. Er hatte ganze Rudel ausgelöscht. Seine Augen waren angeblich grau wie Gewitterwolken kurz vor dem Blitzschlag. Wer ihm in die Augen sah, verlor den Willen zu leben. Er war nicht nur stark. Er war unbarmherzig. „Warum ausgerechnet du?“, fragte Mila, obwohl sie die Antwort kannte. „Weil ich das Mal trage“, antwortete Kunis bitter. „Weil ich die perfekte Zuchtstute für seine Linie abgebe. Vater braucht den Frieden mit dem Schattenrudel. Kael wird mich nehmen, mich markieren, mich benutzen. Und danach...“ Ihre Stimme brach. Mila ballte die Fäuste so fest, dass die Nägel in die Handflächen schnitten. „Er wird dich nicht brechen. Du bist stärker als jeder Alpha.“ Kunis lächelte traurig. „Er wird mich nicht lieben, Mila. Das erwartet niemand. Es geht um Macht. Um Blut. Um das Überleben.“ Bevor Mila antworten konnte, donnerten Schritte durch den Flur. Schwer. Absichtlich. Beide Frauen erstarrten. „Er ist schon hier“, flüsterte Kunis. „Viel zu früh.“ Die Tür flog auf. Kein Klopfen. Keine Höflichkeit. Kael Nightshade trat ein wie ein Sturm, der Fleisch geworden war. Er war riesig. Breite Schultern spannten das schwarze Leder seiner Jacke. Dunkles Haar fiel ihm wirr in die Stirn. Und seine Augen... Mila hatte Gerüchte gehört, doch die Wirklichkeit traf sie wie ein Schlag. Sturm grau. Kalt. Durchdringend. Und doch loderte etwas darin. Etwas Uraltes. Etwas Hungriges. Sein Blick glitt zuerst über Kunis. Prüfend. Abschätzend. Dann fiel er auf Mila. Die Welt kippte. Mila konnte nicht atmen. Konnte sich nicht rühren. Ein unsichtbares Band schoss durch ihre Brust, golden und glühend, und verband sich mit etwas in ihm. Ein Knurren stieg in ihrer Kehle auf, wild und fordernd. Ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand folgen konnte. Hitze. Verlangen. Sehnsucht. Als hätte ihr Blut nur auf diesen einen Moment gewartet. Kael erstarrte. Für den Bruchteil einer Sekunde flackerte etwas in seinen Augen. Schock. Erkenntnis. Dann wurde sein Gesicht wieder zur Maske aus Eis. „Kunis Ashton“, sagte er mit einer Stimme wie ferner Donner. Tief. Gefährlich. „Die zukünftige Luna.“ Kunis erhob sich langsam, obwohl ihre Beine zitterten. „Alpha Kael. Wir hatten Euch erst in drei Tagen erwartet.“ „Pläne ändern sich.“ Sein Blick kehrte zu Mila zurück. „Und wer ist das?“ Mila senkte den Kopf. „Nur eine Dienerin, mein Herr.“ „Nur eine Dienerin?“ Er trat näher. Mila spürte seine Präsenz wie eine physische Kraft. „Du riechst nicht nach Dienerin. Dein Puls rast.“ Kunis stellte sich schützend vor Mila. „Das ist Mila. Meine persönliche Zofe. Sie pflegt mich, wenn das Fieber kommt.“ Kael lächelte. Kein warmes Lächeln. Ein Raubtierlächeln. „Eine Zofe ohne Mal. Und doch...“ Er beugte sich vor, bis sein Gesicht nur noch eine Handbreit von Milas entfernt war. Sein Atem streifte ihre Wange. „Dein Herz schlägt, als wolltest du fliehen. Oder als wolltest du bleiben.“ Mila hob den Blick. Sie hätte es nicht tun dürfen. Doch sie tat es. Ihre Augen trafen sich. Das Band explodierte. Feuer raste durch ihre Adern. Ein goldenes Seil spannte sich zwischen ihnen, unsichtbar und doch stärker als Eisen. Mila spürte seinen Wolf. Spürte seinen Hunger. Spürte, wie er sie wollte. Sofort. Vollkommen. Für immer. Kael wich zurück, als hätte man ihn mit heißem Eisen berührt. Seine Pupillen weiteten sich. Dann kniff er die Augen zusammen. „Raus“, befahl er rau. „Jetzt.“ Mila stolperte rückwärts. Kunis griff nach ihrer Hand, doch Mila schüttelte den Kopf. Sie floh aus dem Zimmer, rannte den Flur entlang, bis sie die schmale Treppe zu den Dienstbotenquartieren erreichte. Draußen im Gang presste sie sich gegen die Wand. Ihre Hände zitterten unkontrollierbar. Was war das gewesen? Das konnte nicht wahr sein. Das Gefährtenband. Aber sie trug kein Mal. Sie war die Unmarkierte. Die Wertlose. Die Bastardtochter. Und doch hatte Kael sie angesehen, als wäre sie das Einzige auf der Welt, das zählte. Durch die Tür hörte sie gedämpfte Stimmen. „Die Zeremonie wird in zwei Nächten stattfinden“, sagte Kael kalt. „Du wirst bereit sein.“ „Und danach?“, fragte Kunis leise. „Danach wirst du meine Luna sein. Du wirst mir Erben gebären. Und wenn dein Zweck erfüllt ist...“ Er ließ den Satz in der Luft hängen. Mila presste die Faust gegen den Mund, um nicht laut aufzuschreien. Er wollte Kunis benutzen. Sie nehmen. Sie schwängern. Und dann wegwerfen wie eine leere Hülle. Kunis antwortete fest: „Ich werde tun, was das Rudel braucht.“ „Gutes Mädchen“, spottete Kael. Mila rannte weiter. Tränen brannten in ihren Augen, doch sie fielen nicht. Nicht hier. Nicht jetzt. Sie stürmte hinaus in die Nacht. Schnee fiel bereits in dicken Flocken. Der Mond starrte unbarmherzig auf sie herab. Sie hatte Kunis geschworen, sie zu beschützen. Und jetzt wusste sie, wogegen sie kämpfen musste. Gegen einen Alpha, der keine Gnade kannte. Gegen einen Vater, der seine eigene Tochter opferte. Und gegen das unmögliche Band, das sie mit Kael Nightshade verband. Denn tief in ihr flüsterte eine Stimme, dunkel und verlockend. Er gehört dir. Und ein verräterischer Teil ihrer Seele flüsterte zurück. Ich will ihn. Die Nacht war noch lang. Und der wahre Sturm hatte gerade erst begonnen.

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