ERSTE NACHT IM BLACKWOODS
Das ganze Herrenhaus war heute Abend etwas still.
Etwas, weil irgendwo in der Nähe leise Gitarrenmusik wie ein Wiegenlied erklang, nur übertönt vom tobenden Sturm draußen.
Ich drehte mich im Bett um und starrte an die Decke. Mein Zimmer war dunkel, aber dank der schwachen Lampe neben der Tür, die teilweise in einem Karton stand, konnte ich die Gegenstände um mich herum erkennen. Es roch schwer und staubig, rostig und alt.
Ich wollte einfach nur einschlafen. Ich war schon so erschöpft von der langen Reise von Kalifornien nach New York und dem Auspacken, obwohl wir erst am Nachmittag angekommen waren.
Mit einem lauten Ausatmen schloss ich die Augen.
Und gerade als ich im Begriff war einzuschlafen, klingelte mein Handy laut und riss mich aus meinen Gedanken.
Wütend riss ich die Augen auf, doch dann erstarrte ich beim Anblick dessen, was ich sah.
Lynn.
Mein Stiefbruder.
Seine Hände lagen neben meinem Hals, und sein Gesicht hatte mich im Schlaf angestarrt.
Ich schluckte schwer und sah in seine ozeangrünen Augen, die mich fest umschlossen. Sein Gesicht schwebte über mir, und im Dämmerlicht konnte ich die perfekte Kontur seines Kiefers erkennen.
Warum war er in meinem Zimmer? Auf meinem Bett? Und auf mir?
„Skye …“, flüsterte er mit dunkler Stimme, seine Augen immer noch fest auf meine gerichtet.
Oh, wie sehr traf mich seine Stimme. Sie hallte immer wieder in meinem leeren Kopf wider.
Mein Blick wanderte und nahm die Details seines perfekten Gesichts in sich auf.
Ein paar kurze Strähnen seines glatten, blonden Haares bedeckten seine Stirn und endeten knapp über seinen buschigen Augenbrauen. Sie glänzten so sehr, dass ich am liebsten mit den Fingern hindurchgefahren wäre.
Und seine Augen?
Mit jedem Wimpernschlag weiteten sich seine grünen Pupillen, während er mich anstarrte, ein heiliges Kaleidoskop, das mich fesselte.
Seine Wangen waren schmal, so eingefallen, als wäre ihnen Fleisch aus dem Gesicht genommen worden.
Die Konturen seiner Wangenknochen waren deutlich sichtbar, und insgesamt verlieh ihm das eindringliche Aussehen eines griechischen Gottes.
Und diese Lippen, voll, rosig und glänzend, als hätte er gerade die saftigsten Früchte gegessen.
Ich hätte auch gern gekostet, wie sich das anfühlte.
Und als könnte er mich hören, beugte er sich näher zu meinem Gesicht.
Mein Atem ging schneller, und mein Herz pochte heftig in meiner Brust.
Und genau in diesem Moment schwang die Tür auf.
Ich erstarrte vor Schreck. Jeder Muskel in meinem Körper verkrampfte sich, als wäre ich tot.
Der Schatten der Gestalt versperrte das helle Licht aus dem Flur.
Ich richtete mich hastig auf.
„Hey, hey …“, flüsterte eine leise, vertraute Stimme, höchstwahrscheinlich eine weibliche. „Alles in Ordnung?“
Okay, das war definitiv nicht Mama.
Ich war die einzige andere Frau im Haus, soweit ich wusste.
Ein Lichtblitz huschte von ihrem Handy in der Hand, und in wenigen Sekunden rannte sie zum Lichtschalter.
Nein.
Sie sollte Lynn nicht so mit mir sehen.
Mein Herz setzte einen Schlag aus, und ich schloss die Augen fest und klammerte mich an ihn, als würde er mit meiner Haut verschmelzen.
Das Licht ging an, alle auf einmal.
Selbst mit geschlossenen Augen war es so hell, dass ich es sehen konnte.
„Skye … Beruhig dich.“ Die leise Stimme flüsterte, und ich hörte ihre sanften Schritte auf dem Boden, als sie auf mich zukam.
Sie schrie nicht?
Langsam öffnete ich die Augen.
Zuerst blendete mich das Licht.
Doch langsam klärte sich die Unschärfe und ich sah einen Menschen.
Es war nicht Mama, es war Jenny.
Ja.
Jenny.
Meine beste Freundin.
Freudig stand ich auf meinem Bett auf und zog die Bettdecke mit mir.
Erst jetzt merkte ich, dass ich Lynn nicht mehr umarmte.
Ich hielt inne und realisierte es langsam.
Die ganze Zeit hatte ich die Laken umklammert … Die Laken?
Meine Augen weiteten sich.
Lynn verschwand mit dem Licht.
Oder er war von Anfang an gar nicht da.
Ich spürte seine Wärme noch immer um mich herum, meine Haut kribbelte noch immer nach seiner Berührung, obwohl er nicht da war.
Ich seufzte und vergrub mein Gesicht in stiller Scham in den Händen. „Was stimmt nicht mit mir?“, flüsterte ich, sank auf die Knie und ließ mich in meine weiche Matratze sinken.
„Hey, hey …“, flüsterte Jenny wieder und eilte zu mir. „Alles gut … Skye … alles gut, Liebes“, sagte sie, setzte sich neben mich und legte meinen Kopf auf ihren Schoß.
Ich grinste, als mir plötzlich etwas klar wurde.
Jenny!
Echt jetzt?
Ich traute meinen Augen nicht.
Ich setzte mich wieder auf, diesmal, um ihr ins Gesicht zu sehen.
Meine Augen weiteten sich erneut, und ein breites Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. „Jenny…“, rief ich und umarmte sie fest. „Oh mein Gott!“
Jennys Augenbrauen zogen sich aufgeregt hoch. „Das ist… die Skye, die ich kenne“, kicherte sie, schnippte mehrmals mit den Fingern und schüttelte ihr Haar hin und her.
„Oh mein Gott!“, rief ich ungläubig aus und musterte sie von Kopf bis Fuß.
Ich stand auf, und sie stand mit mir auf. Wir hielten uns an den Armen und lächelten verlegen.
„Wie lange ist es her? Vier Jahre?“, jammerte ich. „Ich bin so froh, dich endlich wiederzusehen. Oh, wie sehr ich dich vermisst habe… Uuuu!“ Ich umarmte sie noch einmal, diesmal fester.
Vor lauter Aufregung setzten wir uns wieder hin.
„Alles in Ordnung, Skye? Du sahst irgendwie… ich weiß nicht. Was ist los?“, fragte Jenny.
Ich hielt inne.
Es war ähnlich.
Ihre sanfte, vorsichtige Art zu fragen – genau wie alle anderen auch.
Die Erinnerung blitzte mir ins Gesicht – sie war so lebendig wie der Regen, der draußen mit derselben Heftigkeit wie in jener Nacht prasselte.
Jennys Hand streifte sanft meine.
„Es tut mir leid“, flüsterte sie.
„Lass das.“ Meine Stimme klang schärfer, als ich beabsichtigt hatte. Ich wollte kein Mitleid mehr, es würde mich nur daran erinnern und sie mir nicht zurückbringen. „Bitte nicht.“
Stille breitete sich aus, bevor sie nickte und schwach lächelte.
Ich wusste nicht, wie ich weitermachen sollte, doch ich tat so, als könnte ich Heilung planen.
„Warst du deshalb so?“, fragte sie erneut.
Nein.
Aber noch nicht.
Ich konnte ihr unmöglich schon von Lynn erzählen.
Ich bin gerade erst angekommen, und mein frecher Stiefbruder, den ich eigentlich mag, ist überall um mich herum.
Ich will ihm so gern aus dem Weg gehen, aber sein charmantes Gesicht geht mir einfach nicht aus dem Kopf.
Es war so schlimm, dass ich anfing zu schmollen.
„Arghh…“, schnaubte ich und verdrehte die Augen. „Du willst nicht so eine Reise erleben wie ich heute, Jenny, glaub mir.“ Ich warf ihr ein Kissen zu.
Sie kicherte wieder. „Oh, du musst total gestresst sein. Aber, Mädel… es gibt so viel…“, sie streckte ihre Handfläche aus und betonte das Wort, „… so viel nachzuholen.“ Und sie lachte wieder laut.
Ich hatte diese Verbindung lange vermisst. Es ist nicht wie dieses Texten. Und da wir so lange von ihr getrennt waren, waren wir uns nicht mehr so nah. Außerdem kannten wir uns ja nur aus der Weihnachtszeit …
Sie warf mir das Kissen lachend zurück, als würde sie gekitzelt.
Ich lachte mit und breitete die Arme aus: „Und jede Menge Arrangements auch“, und wir brachen beide in schallendes Gelächter aus, bis uns der Bauch weh tat.
„Atmosphäre …“, unterbrach uns eine tiefe Stimme.
Wir drehten uns zur Tür um, unser Lachen verstummte.
Lynn.
Er war es. Wirklich.
„Wie war der Name noch gleich? Kleine Geografie. Ich wusste, es würde traumatisch für dich werden, neben mir zu wohnen.“ Er lehnte sich an den Türrahmen, seine grünen Augen fixierten mich ohne ein Lächeln. Als hätte ich ihm in einem früheren Leben Unrecht getan.
Heute trafen wir uns zum ersten Mal, aber vom ersten Schritt an war er unhöflich zu mir gewesen.
Und ich?
Ich konnte nur in seine strahlend grünen Augen starren und mir die Schuld für alles geben, was er sagte. Der Traumprinz hat immer Recht. Ich könnte stundenlang da sitzen und seinen vollen Lippen zuhören, wie sie jedes Wort aussprechen, und doch nichts verstehen.
„Es ist nach 22 Uhr und ich würde mich nach diesem echt hektischen und lauten Tag heute so gern ausruhen“, grinste er, legte den Kopf schief und sein Blick wanderte von meinem Kopf zu meinen Füßen.
Meine Wangen liefen rot an. Ich sah mein Spiegelbild im kleinen Spiegel auf meinem Nachttisch.
Lynn fuhr fort: „Meine Fans werden nicht begeistert sein, mich morgen mit dunklen Augen zu sehen. Atmosphere, du solltest auch schlafen gehen.“
Er drehte sich um, um zu gehen, hielt aber noch einmal inne und drehte nur den Kopf leicht. „Süße Freunde hast du ja, was?“, sagte er und schlenderte davon.
Jenny stieß einen lauten Seufzer aus und packte meine Hand fest.
Sie funkelte mich an: „Wer war das?“, zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen.
Mein Lächeln verschwand.
Mist.
Das darf doch nicht wahr sein.
„Sag bloß nicht, dass du Lynn schon magst, Jenny. Das ist mein Stiefbruder!“
Jenny sprang auf, ihr Gesicht strahlte vor Freude. „Er nennt dich ‚Atmosphäre'? "Echt jetzt?“ Sie kicherte.
Innerlich schnaubte ich verächtlich, verfluchte mich selbst und geriet in einen Strudel der Verzweiflung.
„Ich wollte ihr gerade von meiner blöden Idee erzählen, dass ich ihn mag. Sein Aussehen. Nein. Nur sein süßes Gesicht und seine "atemberaubenden Augen“, flüsterte ich traurig und kaum hörbar vor mich hin.
„Verbinde uns!“, zupfte Jenny an meinem Ärmel.
Es schmerzte mich in der Brust.
Eigentlich sollte es mir egal sein. Aber … Es machte mir Angst. Ich fing sogar an, ihn im Schlaf zu sehen. Wie sollte ich meinen Stiefbruder mit Jenny in Verbindung bringen?
Das würde mich für immer verfolgen.
Aber ich bin doch gerade erst hier, und er mochte mich noch nicht mal.
„Atmosphäre …“, unterbrach uns eine tiefe Stimme.
Wir drehten uns zur Tür um, unser Lachen verstummte.
Lynn.
Er war es. Wirklich.
„Wie war der Name noch gleich? Kleine Geografie. Ich wusste, es würde traumatisch für dich werden, neben mir zu wohnen.“ Er lehnte sich an den Türrahmen, seine grünen Augen fixierten mich ohne ein Lächeln. Als hätte ich ihm in einem früheren Leben Unrecht getan.
Heute trafen wir uns zum ersten Mal, aber vom ersten Schritt an war er unhöflich zu mir gewesen.
Und ich?
Ich konnte nur in seine strahlend grünen Augen starren und mir die Schuld für alles geben, was er sagte. Der Traumprinz hat immer Recht. Ich könnte stundenlang da sitzen und seinen vollen Lippen zuhören, wie sie jedes Wort aussprechen, und doch nichts verstehen.
„Es ist nach 22 Uhr und ich würde mich nach diesem echt hektischen und lauten Tag heute so gern ausruhen“, grinste er, legte den Kopf schief und sein Blick wanderte von meinem Kopf zu meinen Füßen.
Meine Wangen liefen rot an. Ich sah mein Spiegelbild im kleinen Spiegel auf meinem Nachttisch.
Lynn fuhr fort: „Meine Fans werden nicht begeistert sein, mich morgen mit dunklen Augen zu sehen. "Atmosphäre, du solltest auch schlafen gehen.“
Er drehte sich um, um zu gehen, hielt aber noch einmal inne und drehte nur den Kopf leicht. „Süße Freunde hast du ja, was?“, sagte er und schlenderte davon.
Jenny stieß einen lauten Seufzer aus und packte meine Hand fest.
Sie funkelte mich an: „Wer war das?“, zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen.
Mein Lächeln verschwand.
Mist.
Das darf doch nicht wahr sein.
„Sag bloß nicht, dass du Lynn schon magst, Jenny. "Das ist mein Stiefbruder!“
Jenny sprang auf, ihr Gesicht strahlte vor Freude. „Er nennt dich ‚Atmosphäre‘? Echt jetzt?“ Sie kicherte.
Innerlich schnaubte ich verächtlich, verfluchte mich selbst und geriet in einen Strudel der Verzweiflung.
„Ich wollte ihr gerade von meiner blöden Idee erzählen, dass ich ihn mag. Sein Aussehen. Nein. Nur sein süßes Gesicht und seine atemberaubenden Augen“, flüsterte ich traurig und kaum hörbar vor mich hin.
„Verbinde uns!“, zupfte Jenny an meinem Ärmel.
Es schmerzte mich in der Brust.
Eigentlich sollte es mir egal sein. Aber … Es machte mir Angst. Ich fing sogar an, ihn im Schlaf zu sehen. Wie sollte ich meinen Stiefbruder mit Jenny in Verbindung bringen?
Das würde mich für immer verfolgen.
Aber ich bin doch gerade erst hier, und er mochte mich noch nicht mal.