Kapitel 1: STURM EVIRE
STURMs POV
Ich stand wie erstarrt da, mein Herz zerbrach in tausend Stücke, als ich sah, wie Alpha Richard Danielle küsste. Mein Wolf heulte vor Schmerz, ein urtümliches Geräusch hallte in meinem Kopf wider. Richard war mein Gefährte gewesen, der einzige Mensch, den ich je an mich herangelassen hatte, und jetzt betrog er mich auf die öffentlichste Art und Weise, die es gab. Er war nicht nur mein Gefährte; er war mein Ehemann, mein Leben.
„Ich habe dir doch gesagt, dass er ein Auge auf Danielle geworfen hat“, flüsterte Avira neben mir, ihre Stimme war bitter. „Er ist ein lügnerischer Betrüger, Luna.“
Ich klammerte mich fest ans Geländer und versuchte, mich zu stabilisieren, während ihr Kuss intensiver wurde. Ihre Zungen tanzten auf eine Art, die mir den Magen umdrehte. Nur wenige Stunden zuvor hatten wir eine Soiree veranstaltet, um die Allianz zwischen unserem Rudel und dem Blutmond-Rudel zu feiern. Richard hatte darauf bestanden, dass dies notwendig sei, besonders da so viele Mitglieder Probleme hatten. Ich hatte ihm geglaubt und auf seine Überzeugungskraft vertraut.
Ich hatte mich um alles gekümmert – die Einladungen, die Dekoration, das Essen. Avira und ich hatten unermüdlich daran gearbeitet, die Veranstaltung zu einem Erfolg zu machen, und ich war stolz darauf, wie schön alles geworden war. Doch jetzt, als ich Richard mit einer anderen Frau sah, fühlte ich mich verloren und völlig betrogen.
In einem Wutanfall zerschmetterte ich eine Vase, die neben mir stand. Das Geräusch zersplitternden Glases riss mich in die Realität zurück. Blut rann aus meinen Händen, doch ich spürte den Schmerz kaum. Richards Kuss brach abrupt ab, als er sich zu mir umdrehte und von Danielle zurücksprang, als wäre sie ein gefährliches Wesen. Danielle grinste mich triumphierend an, während Avira meine Hand nahm und versuchte, mich zurück zur Party zu führen.
Ich riss meine Hand weg, mein Blick blieb auf Richard gerichtet. Ich wollte Antworten, wollte, dass er es mir erklärte, dass er mir eine Ohrfeige gab, damit ich aus diesem Albtraum erwachte. Er leckte sich die Lippen und schmeckte die Überreste von Danielle, und mir drehte sich der Magen um vor Ekel.
„Hör zu, Storm, es ist nicht, was du denkst“, sagte er mit sanfter, aber nicht überzeugender Stimme.
Ein bitteres Lachen entfuhr mir. „Was habe ich mir nur dabei gedacht?“, fragte ich mit sarkastischem Unterton. Ich hatte mit diesem Satz gerechnet; es war die klassische Verteidigung eines jeden Betrügers.
„Es ist zu unserem Besten“, antwortete er, aber ich schüttelte ungläubig den Kopf. Es war unmöglich, dass es dem Rudel guttun würde, mich zu betrügen.
„Hast du sie überhaupt um Erlaubnis gefragt?“, warf Avira ein, doch Richard ignorierte sie und streckte die Hand nach mir aus. Ich trat zurück und hielt meinen diamantenbesetzten Lehenga fest umklammert, als ich mich abwandte. Er folgte mir nicht; er wusste es besser.
Als ich, den Tränen nahe, auf mein Zimmer zuging, rief eine Stimme aus dem Blutmond-Rudel: Eine Frau kam mit einem strahlenden Lächeln auf mich zu.
„Ich liebe dein Kleid“, sagte sie, und ich brachte ein kleines Lächeln zustande.
„Danke. Ich liebe deins auch“, log ich.
„Ich habe gehört, du bist die Luna“, fuhr die Frau fort, und ich nickte und vermied dabei Blickkontakt. Ich hatte das Gefühl, ihr Anblick würde mich in Tränen ausbrechen lassen. Das Letzte, was ich wollte, war Aufmerksamkeit.
„Ich habe auch gehört, dass Sie derjenige waren, der die ganze Party organisiert hat, die Dekoration und alles“, sagte sie.
„Ich und mein Beta haben alles gemacht. Ich verdiene die Anerkennung nicht“, antwortete ich mit tonloser Stimme. Avira war nirgends zu sehen, und dieses Mal war ich dankbar. Sie konnte ihren Sieg ohne meine Anwesenheit genießen.
Die Frau nickte und sah sich anerkennend um. Wut stieg in mir auf; ich wollte alles zerschlagen und alle nach Hause schicken. Aber das galt nicht nur mir, sondern dem ganzen Rudel. Sie liebten mich, und ich würde sie nicht enttäuschen.
„Mein Name ist übrigens Desire“, sagte die Frau, und ihr Lächeln wurde breiter.
„Storm. Storm Evire“, antwortete ich mit einem gezwungenen Lächeln. Wenn diese Verbindung nicht klappen sollte, würde ich mich an Desire nur noch als die Frau erinnern, die mich in der Nacht, als ich meinen Mann beim Fremdgehen erwischte, genervt hatte.
„Tut mir leid, Desire“, sagte ich und unterbrach das Gespräch. „Ich muss mich um ein paar Dinge kümmern.“
„Ich verstehe das vollkommen“, begann Desire, aber ich war bereits oben an der Treppe und schloss die Tür hinter mir.
Im Badezimmer angekommen, ließ ich meinen Tränen freien Lauf. Meine Wölfin fauchte frustriert; sie hatte Richards Untreue schon lange vorher gespürt. Sein Blick auf andere Wölfinnen war ein Warnsignal gewesen, aber ich hatte mich geweigert, auf sie zu hören.
In einem Wutanfall riss ich mir den Lehenga vom Leib und ließ mich in lila Fetzen und Diamanten zurück. Der Preis des Kleides war das Letzte, woran ich dachte. Ich stand mit geballten Fäusten vor dem Spiegel und betastete die Stelle, wo Richards Besitzbiss meine Haut markiert hatte. Es pochte schmerzhaft, und meine Finger kribbelten brennend.
Gerade als ich begann, tief durchzuatmen, hörte ich, wie die Tür aufging.
„Storm?“ Richards Stimme durchbrach meine Aufregung.
Der Bastard. Ich antwortete nicht, aber er fand mich trotzdem. Er griff nach mir, doch ich wich zurück, und er blieb stehen, da er wusste, wie unberechenbar ich sein konnte, wenn ich wütend war.
„Es war ein Fehler“, sagte er in einem Tonfall, der mich beruhigen sollte.
„Ein Fehler, der erst endete, als die Vase zerbrach“, knurrte ich, und meine Wut stieg in mir auf.
Seine Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln. „Du weißt, wie gern ich dich wütend sehe. Deine Augen werden größer und du siehst hübscher aus. Du machst deinem Namen alle Ehre.“
Er trat näher, und ich ließ es trotz allem zu. Seine Art, mich zu erregen, machte mich noch wütender. Er schlang seine Arme um mich, und ich spürte die Wärme seiner Umarmung.
„Nach dem Kuss ist nichts passiert, das verspreche ich“, sagte er leise.
„Warum bist du mir dann nicht gefolgt? Du bist bei ihr geblieben, oder?“
Er seufzte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Ich bin dir zwar hinterhergekommen. Aber ich wollte, dass du dich etwas beruhigst. Alle haben nach dir gefragt. Ich musste dir erklären, dass du dich krank fühlst.“
Ich löste mich von ihm und wischte mir die Tränen ab. „Danke“, brachte ich mit zitternder Stimme heraus.
„Es gibt etwas, das ich dir schon lange sagen wollte“, sagte Richard, und ich machte mich auf das Schlimmste gefasst.
„Danielle ist meine Gefährtin“, begann er, und mir stockte der Atem. „Ich weiß, ich wollte sie abweisen, aber ich konnte einfach nicht.“
„Du könntest sie einfach abweisen, nachdem ich es herausgefunden habe“, sagte ich, und ein Funke Hoffnung keimte in mir auf. „Wir können so tun, als wäre nichts passiert. Wir können neu anfangen.“
Er sah mich an, als wäre ich dumm. „Das passiert nicht“, antwortete er, und sein Blick wurde härter, als er mich losließ.